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06. 2000 - Camenzind gewinnt die Tour de Suisse
Wie erwartet ist Leader Oscar Camenzind
in der letzten Etappe der Tour de Suisse 2000 nicht mehr behelligt
worden. Der 29- jährige Schwyzer holte sich damit als erster Schweizer
seit Pascal Richard 1994 den Gesamtsieg. Im 10. Teilstück über 178
km von Herisau nach Baden meisterte Routinier Stefano Zanini (It)
eine fünfköpfige Vorhut vor Thomas Mühlbacher (Ö) und Marcel Strauss.
An der Spitze des Gesamtklassements
waren die Schweizer seit 1994 nie mehr so stark vertreten. Vor sechs
Jahren war Heinz Imboden Vierter geworden, nun schaffte dies mit
Sven Montgomery (24) ebenfalls ein Berner 0berländer. Ein Etappensieg
blieb den Schweizern aber auch am 10. Tag versagt. Marcel Strauss
(24), der schon in der in der 3. Etappe Platz 2 errungen hatte,
vermochte den erfahrenen Finisseur Zanini im Finale wie erwartet
nicht zu schlagen.
Strauss gehörte während 136 km seit Kreuzlingen einer fünfköpfigen
Spitzengruppe mit Zanini, dessen Landsmann Rastelli, Lodz (Ho) und
Mühlbacher an, die harmonierte, vom Feld aber auch keinen erheblichen
Widerstand mehr zu erwarten hatte. Zeitweise betrug der Vorsprung
des Quintetts mehr als 13 Minuten. “Es war mein Ziel, meine Heimat
in einer Fluchtgruppe zu durchqueren”, sagte der in Oberstammheim
ZH wohnende Strauss. “Am Schluss wäre mir ein schwerer Parcours
lieber gewesen. So aber kam es zum Sprint, in dem Rastelli für Zanini
fuhr.” Zanini errang in Baden den schon 6. Etappensieg eines Italieners
und den 5. in Folge.
Auf der zweiten Zusatzschleife hatte Strauss zwar zweimal vehement
attackiert, der Erfolg blieb den Aktionen des talentierten Schweizers
aber versagt. Zanini (31), vor drei Jahren Gewinner des berühmten
“Amstel Gold Race”, sagte hinterher, es sei schwieriger gewesen,
Strauss zu neutralisieren als den Spurt zu gewinnen. Das mit siebeneinhalb
Minuten Rückstand folgende Feld meisterte Fred Rodriguez, der Marco
Fincato (It) noch von der Spitze des Punkteklassements verdrängte
und als erst zweiter Amerikaner nach Greg Lemond (1986) diese Wertung
für sich entschied.
Gesamtsieger Camenzind sah sich bloss während einer halben Stunde
ernsthaften Attacken ausgesetzt: “In der ersten Stunde blieb es
ruhig, und zwar erstmals in dieser Tour. Aber dann häuften sich
die Angriffe, und es war für unsere Mannschaft mit nur noch vier
Helfern recht schwierig, den Überblick zu bewahren.” Erst als sich
die Strauss-Gruppe abgesetzt habe, sei wieder Ruhe eingekehrt. Camenzind
blieben schliesslich die 14 Sekunden Vorsprung vor dem Gesamtzweiten
Dario Frigo (It), womit die Entscheidung ähnlichen knapp ausfiel
wie zuletzt 1995 (Pawel Tonkow 11 Sekunden vor Alex Zülle).

Camenzind und der Gesamtdritte Belli
So sehr sich Camenzind über den Tour-de-Suisse-Sieg
freute, so deutlich tat er sein Missfallen über die Nichtberücksichtigung
seiner Mannschaft für die Tour de France kund: “Ich habe fest mit
der Teilnahme gerechnet. Der Formaufbau war auf die Tour ausgerichtet.
Nun bin ich trotz sehr guter Verfassung quasi zum Nichtstun gezwungen.”
Camenzind legt nach den Landesmeisterschaften vom Sonntag eine Rennpause
ein. Im Juli absolviert er im Hinblick auf die zweite Saisonhälfte
ein Höhentraining. Seine Ziele sind die Weltcuprennen im August
und insbesondere die Olympischen Spiele und die WM. Auf die beiden
Titelkämpfe bereitet er sich in der Spanien-Rundfahrt vor.
10. Etappe, Herisau - Baden (177
km):
1. Stefano Zanini (It) 4:23:13 (40,552 km/h)
2. Thomas Mühlbacher (Ö)
3. Marcel Strauss (Sz)
4. Marc Lotz (Ho), alle gleiche Zeit
5. Ellis Rastelli (It) 0:11
6. Fred Rodriguez (USA) 7:31
7. Markus Zberg (Sz)
8. René Haselbacher (Ö)
9. Richard Virenque (Fr)
10. Oscar Mason (It).
11. Roland Meier (Sz)
12. Michele Bartoli (It)
13. Serge Baguet (Be)
14. Oscar Camenzind (Sz)
15. Sven Teutenberg (De)
16. Mariano Piccoli (It)
17. Matthias Buxhofer (Ö)
18. Juan Manuel Garate (Sp)
19. Sven Montgomery (Sz)
20. Chris Peers (Be)
21. Michael Boogerd (Ho)
22. Daniele Nardello (It)
23. Andrej Teterjuk (Kas)
24. Dario Frigo (It)
25. Kirk Willett (USA)
26. Marco Fincato (It)
27. Mauro Gianetti (Sz)
28. Gorazd Stangelj (Sln)
29. Alberto Elli (It)
30. Paolo Tiralongo (It)
Ferner:
31. Jan Ullrich (De)
32. Wladimir Belli (It)
33. Pierre Bourquenoud (Sz)
34. Daniel Schnider (Sz)
39. Christian Charrière (Sz)
40. Stefano Garzelli (It)
43. Armin Meier (Sz)
55. Christian Heule (Sz)
58. Pietro Zucconi (Sz)
62. Christian Sidler (Sz)
63. Stefan Rütimann (Sz), alle gleiche Zeit
65. René Stadelmann (Sz) 7:59
67. Niki Aebersold (Sz) 8:06
72. Pierre Ackermann (Sz)
76. Steve Zampieri (Sz), beide gleiche Zeit
91 gestartet, 89 klassiert
Nicht gestartet:
Igor Astarloa (Sp)
Aufgegeben: Johan Museeuw, Franck Vandenbroucke (beide Be).