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06. 2000 - Zusammenschluss an der Spitze der Tour de Suisse
In der Alpenetappe mit den Pässen
Nufenen, Gotthard und Furka ist es Jan Ullrich als erstem Fahrer
gelungen, die Führung im Gesamtklassement in der Tour de Suisse
2000 mit Erfolg zu verteidigen. Zeitdifferenzen brachte die Drei-Pässefahrt
freilich kaum, vielmehr sind hinter Ullrich fünf Profis innerhalb
von nur 29 Sekunden platziert.
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- Oscar Camenzind liegt nun 17 Sekunden hinter Ullrich im 3. Gesamtrang.
Ebenfalls noch vor dem Schweizer befindet sich der Italiener Eddy
Mazzoleni, der Gewinner der Bergetappe vom Sonntag. Jan Ullrich
hat sich - wenn auch mit reichlich Mühe - an der Spitze behauptet.
Ullrich jedoch scheint ein Leader wider Willen zu sein. “Ich freue
mich, dass ich weiterhin Erster bin”, sagte der Deutsche am Ziel
der Alpenetappe in Ulrichen zwar, “nun werde ich das Trikot aber
in der nächsten schweren Etappe verlieren.” Ullrichs Aufenthalt
in der Schweiz dient allein der Vorbereitung der Tour de France.
Camenzind und vier Italiener
Die mutmasslichen Anwärter auf den Gesamtsieg befinden sich in Lauerstellung.
Sie heissen Mazzoleni, Camenzind, Dario Frigo (It), Daniele Nardello
(It) und Wladimir Belli (It). Sie haben sich am Sonntag als Allrounder
mit den besten Kletterqualitäten herauskristalliert. Die vier Italiener
haben den Giro d'Italia bestritten. Camenzind hofft daher, dass
seine Konkurrenten allmählich die Strapazen der drei Wochen in Italien
zu spüren bekommen, er sich jedoch weiter steigern kann.
In den Alpen gehörte Camenzind noch nicht zu den Stärksten, hielt
den Rückstand mit 1:55 aber im Rahmen und kann weiter mit dem Tour-Sieg
liebäugeln. “Zum Glück bin ich noch dabei. Der Tag in den Alpen
war der bisher Schwerste für mich. Wäre ich am Nufenen nicht schon
bei der ersten Attacke mitgefahren, hätte ich an der Furka wohl
noch mehr Reserven frei legen können”, sagte Camenzind. “Vor Ullrich
muss ich mich nicht fürchten, aber die Italiener werden schwer zu
schlagen sein. Das zeigte sich auch am Sonntag.”
Ullrich hätte die Gesamtführung wohl schon in Ulrichen wieder abgeben
müssen. Aber das Spitzentrio Mazzoleni, Frigo und Belli bestritt
das Finale nicht mehr mit der gleichen Vehemenz wie es die Gegnerschaft
an der Furka düpiert hatte. Die taktischen Geplänkel im Kampf um
den Sieg schlugen sich aufs Tempo nieder. Camenzind und Ullrich
verringerten derweil die in der Furka-Steigung eingehandelten Rückstände
merklich. Mazzoleni setzte sich schliesslich überraschend gegen
die Teamkollegen Frigo und Belli durch. Der 27-Jährige errang seinen
zweiten Sieg als Profi, nachdem er schon in der Tour de Romandie
eine Etappe für sich entschieden hatte. Mazzoleni hatte sich bereits
im Giro als starker Bergfahrer ausgewiesen; so beendete er die Etappe
mit dem gefürchteten Gavia-Pass in Bormio als Zweiter.
Erstaunlicher Montgomery
Bester Schweizer in der Bergetappe war der junge Sven Montgomery
als Sechster. Der 24-jährige Berner Oberländer traf unmittelbar
nach Richard Virenque (Fr) im Ziel ein und verbesserte sich auf
den 7. Gesamtrang (1:58 zurück). “Ich bin wesentlich selbstsicherer
als im Vorjahr”, erklärte Montgomery. “Obschon ich die Tour de France
bestreiten werde, fahre ich die Tour de Suisse nicht im Spargang.”
Montgomery war im Vorjahr Gesamtsechster geworden und hatte sich
als Schweizer Hoffnung für die Zukunft empfohlen.
Die Ambitionen von Laurent Dufaux hingegen waren schon im Zeitfahren
erheblich minimiert worden. Bereits in der Prüfung gegen die Uhr
büsste der Romand mehr als drei Minuten ein, in der Alpenetappe
folgte indes ein noch weitaus grösserer Rückschlag. Der eigentlich
zu den Bergspezialisten gehörende Schweizer verlor über 16 Minuten
und fiel definitiv aus der Entscheidung. Dufaux war offensichtlich
gesundheitlich angeschlagen. Laut Bluttests soll sich eine Infektion
anbahnen.
Sogar aufgegeben hat Vorjahressieger Francesco Casagrande, der nur
sehr widerwillig zur Tour de Suisse gestartet und im Zeitfahren
vom Samstag schwer gestürzt war.
6. Etappe, Ulrichen - Ulrichen
(103 km):
1. Mazzoleni 3:05:47 (33,296 km/h), 10 Sekunden Bonifikation
2. Frigo, 6 Sek. Bon
3. Belli, 4 Sek. Bon., beide gleiche Zeit
4. Michael Boogerd (Ho) 0:21
5. Virenque, gleiche Zeit
6. Montgomery 0:25
7. Massimo Cigana (It) 1:01
8. Marco Fincato (It) 1:05
9. Daniele De Paoli (It)
10. Nardello
11. Daniel Atienza (Sp)
12. Oscar Mason (It)
13. Camenzind, alle gleiche Zeit
14. Charrière 1:55
15. Teterjuk
16. Ullrich
17. Roland Meier
18. Tadej Vaijavec (Sln), alle gleiche Zeit
19. Giuseppe Guerini (It) 2:32
20. Thomas Mühlbacher (Ö) 2:45
21. Stangelj 4:41
22. Schnider 5:08
23. Niermann, gleiche Zeit
24. Gianetti 7:11
25. Stefano Cattai (It)
26. Hervé, beide gleiche Zeit
27. Zampieri 8:41
28. Bartoli 8:50
29. Massimiliano Lelli (It), gleiche Zeit
30. Zberg 11:39
Ferner:
31. Heule
38. Stadelmann
48. Aebersold
50. Armin Meier
54. Garzelli, alle gleiche Zeit
57. Bourquenoud 16:12
64. Dufaux, gleiche Zeit
73. Ackermann 18:00
74. Strauss, gleiche Zeit
77. Vandenbroucke 21:54
78. Sidler 23:47
83. Rütimann 24:55
85. Zumsteg
86. Zucconi
95. Calcagni
108. Museeuw, alle gleiche Zeit.
125 gestartet, 114 klassiert.
Nicht gestartet: Andrej Tschmil (Be), Jacky Durand (Fr), Gordon
Fraser (Ka).
Aufgegeben: Francesco Casagrande, Valentino China, Daniele
Contrini, Mirco Marini (alle It), Raivis Belohvosciks (Lett),
Philippe Gaumont (Fr), Peter Wuyts (Be), Jochen Summer (Ö), Bruno
Boscardin (Sz), Tobias Steinhauser (De), Jamie Drew (Au).