6. Etappe TdS 2000

 

 

18. 06. 2000 - Zusammenschluss an der Spitze der Tour de Suisse

In der Alpenetappe mit den Pässen Nufenen, Gotthard und Furka ist es Jan Ullrich als erstem Fahrer gelungen, die Führung im Gesamtklassement in der Tour de Suisse 2000 mit Erfolg zu verteidigen. Zeitdifferenzen brachte die Drei-Pässefahrt freilich kaum, vielmehr sind hinter Ullrich fünf Profis innerhalb von nur 29 Sekunden platziert.

[newswindow] - Oscar Camenzind liegt nun 17 Sekunden hinter Ullrich im 3. Gesamtrang. Ebenfalls noch vor dem Schweizer befindet sich der Italiener Eddy Mazzoleni, der Gewinner der Bergetappe vom Sonntag. Jan Ullrich hat sich - wenn auch mit reichlich Mühe - an der Spitze behauptet.

Ullrich jedoch scheint ein Leader wider Willen zu sein. “Ich freue mich, dass ich weiterhin Erster bin”, sagte der Deutsche am Ziel der Alpenetappe in Ulrichen zwar, “nun werde ich das Trikot aber in der nächsten schweren Etappe verlieren.” Ullrichs Aufenthalt in der Schweiz dient allein der Vorbereitung der Tour de France.

Camenzind und vier Italiener

Die mutmasslichen Anwärter auf den Gesamtsieg befinden sich in Lauerstellung. Sie heissen Mazzoleni, Camenzind, Dario Frigo (It), Daniele Nardello (It) und Wladimir Belli (It). Sie haben sich am Sonntag als Allrounder mit den besten Kletterqualitäten herauskristalliert. Die vier Italiener haben den Giro d'Italia bestritten. Camenzind hofft daher, dass seine Konkurrenten allmählich die Strapazen der drei Wochen in Italien zu spüren bekommen, er sich jedoch weiter steigern kann.

In den Alpen gehörte Camenzind noch nicht zu den Stärksten, hielt den Rückstand mit 1:55 aber im Rahmen und kann weiter mit dem Tour-Sieg liebäugeln. “Zum Glück bin ich noch dabei. Der Tag in den Alpen war der bisher Schwerste für mich. Wäre ich am Nufenen nicht schon bei der ersten Attacke mitgefahren, hätte ich an der Furka wohl noch mehr Reserven frei legen können”, sagte Camenzind. “Vor Ullrich muss ich mich nicht fürchten, aber die Italiener werden schwer zu schlagen sein. Das zeigte sich auch am Sonntag.”

Ullrich hätte die Gesamtführung wohl schon in Ulrichen wieder abgeben müssen. Aber das Spitzentrio Mazzoleni, Frigo und Belli bestritt das Finale nicht mehr mit der gleichen Vehemenz wie es die Gegnerschaft an der Furka düpiert hatte. Die taktischen Geplänkel im Kampf um den Sieg schlugen sich aufs Tempo nieder. Camenzind und Ullrich verringerten derweil die in der Furka-Steigung eingehandelten Rückstände merklich. Mazzoleni setzte sich schliesslich überraschend gegen die Teamkollegen Frigo und Belli durch. Der 27-Jährige errang seinen zweiten Sieg als Profi, nachdem er schon in der Tour de Romandie eine Etappe für sich entschieden hatte. Mazzoleni hatte sich bereits im Giro als starker Bergfahrer ausgewiesen; so beendete er die Etappe mit dem gefürchteten Gavia-Pass in Bormio als Zweiter.

Erstaunlicher Montgomery

Bester Schweizer in der Bergetappe war der junge Sven Montgomery als Sechster. Der 24-jährige Berner Oberländer traf unmittelbar nach Richard Virenque (Fr) im Ziel ein und verbesserte sich auf den 7. Gesamtrang (1:58 zurück). “Ich bin wesentlich selbstsicherer als im Vorjahr”, erklärte Montgomery. “Obschon ich die Tour de France bestreiten werde, fahre ich die Tour de Suisse nicht im Spargang.” Montgomery war im Vorjahr Gesamtsechster geworden und hatte sich als Schweizer Hoffnung für die Zukunft empfohlen.

Die Ambitionen von Laurent Dufaux hingegen waren schon im Zeitfahren erheblich minimiert worden. Bereits in der Prüfung gegen die Uhr büsste der Romand mehr als drei Minuten ein, in der Alpenetappe folgte indes ein noch weitaus grösserer Rückschlag. Der eigentlich zu den Bergspezialisten gehörende Schweizer verlor über 16 Minuten und fiel definitiv aus der Entscheidung. Dufaux war offensichtlich gesundheitlich angeschlagen. Laut Bluttests soll sich eine Infektion anbahnen.

Sogar aufgegeben hat Vorjahressieger Francesco Casagrande, der nur sehr widerwillig zur Tour de Suisse gestartet und im Zeitfahren vom Samstag schwer gestürzt war.


6. Etappe, Ulrichen - Ulrichen (103 km):
1. Mazzoleni 3:05:47 (33,296 km/h), 10 Sekunden Bonifikation
2. Frigo, 6 Sek. Bon
3. Belli, 4 Sek. Bon., beide gleiche Zeit
4. Michael Boogerd (Ho) 0:21
5. Virenque, gleiche Zeit
6. Montgomery 0:25
7. Massimo Cigana (It) 1:01
8. Marco Fincato (It) 1:05
9. Daniele De Paoli (It)
10. Nardello
 
11.  Daniel Atienza (Sp)
12.  Oscar Mason (It)
13.  Camenzind, alle gleiche Zeit
14.  Charrière 1:55
15.  Teterjuk
16.  Ullrich
17.  Roland Meier
18.  Tadej Vaijavec (Sln), alle gleiche Zeit
19.  Giuseppe Guerini (It) 2:32
20.  Thomas Mühlbacher (Ö) 2:45
 
21.  Stangelj 4:41
22.  Schnider 5:08
23.  Niermann, gleiche Zeit
24.  Gianetti 7:11
25.  Stefano Cattai (It)
26.  Hervé, beide gleiche Zeit
27.  Zampieri 8:41
28.  Bartoli 8:50
29.  Massimiliano Lelli (It), gleiche Zeit
30.  Zberg 11:39
 
Ferner:
31.  Heule
38. Stadelmann
48. Aebersold
50. Armin Meier
54. Garzelli, alle gleiche Zeit
57. Bourquenoud 16:12
64. Dufaux, gleiche Zeit
73. Ackermann 18:00
74. Strauss, gleiche Zeit
77. Vandenbroucke 21:54
78. Sidler 23:47
83. Rütimann 24:55
85. Zumsteg
86. Zucconi
95. Calcagni
108. Museeuw, alle gleiche Zeit.

125 gestartet, 114 klassiert.

Nicht gestartet: Andrej Tschmil (Be), Jacky Durand (Fr), Gordon Fraser (Ka).
Aufgegeben: Francesco Casagrande, Valentino China, Daniele
Contrini, Mirco Marini (alle It), Raivis Belohvosciks (Lett),
Philippe Gaumont (Fr), Peter Wuyts (Be), Jochen Summer (Ö), Bruno
Boscardin (Sz), Tobias Steinhauser (De), Jamie Drew (Au).


Gesamtklassement:

1. Ullrich 16:54:29
2. Mazzoleni 0:13
3. Camenzind 0:17
4. Frigo 0:30
5. Nardello 0:33
6. Belli 0:42
7. Montgomery 1:58
8. Teterjuk 2:40
9. Virenque 2:42
10. Mason 4:22
 
11.  Boogerd 4:32
12.  Vaijavec 4:41
13.  Roland Meier 4:49
14.  Atienza 5:55
15.  Mühlbacher 6:18
16.  Hervé 6:57
17.  Niermann 7:10
18.  Cigana 7:28
19.  Fincato 7:43
20.  De Paoli 9:16
 
Ferner:
29. Gianetti 14:48. 30.
34. Schnider 15:57
35. Charrière 16:27
37. Aebersold 17:29
38. Armin Meier 17:46
41. Dufaux 18:06
42. Zberg 18:10
46. Heule 19:31
49. Garzelli 21:43
52. Bourquenoud 24:53
54. Strauss 25:51
61. Stadelmann 30:52
74. Rütimann 37:46
75. Zampieri 38:18
83. Ackermann 44:58
85. Vandenbroucke 46:49
86. Zucconi 47:44
92. Museeuw 49:21
98. Calcagni 52:58
109. Zumsteg 58:16
110. Sidler 1:00:21


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