9. Etappe TdS 2000

 

 

 

21. 06. 2000 - Oscar Camenzind vor Tour de Suisse-Gesamtsieg

Oscar Camenzind steht in der 64. Tour de Suisse vor dem Gesamtsieg. Im Finale der vorletzten Etappe vor Arosa konterte der Schweizer sämtliche Angriffe souverän und verteidigte die Führung im Gesamtklassement mit Erfolg. Sieger der 9. Etappe mit Start in St. Moritz wurde nach 150 km der Italiener Francesco Secchiari, der mit zehn weiteren Fahrern schon früh ausgerissen war.

[newswindow] - Camenzinds gefährlichster Herausforderer Wladimir Belli (It) versuchte in den steilen Rampen (bis zu 14 Prozent) zwischen Litzirüti und Arosa zwar einige Male den Leader auszuhebeln, aber der Schwyzer parierte mit Hilfe von Teamkollege Gilberto Simoni (It) sämtliche Angriffe.

Der bald 29-jährige Camenzind wird nach der souveränen Darbietung in der langen Schlusssteigung zwischen Chur und Arosa aller Wahrscheinlichkeit nach erster Schweizer Tour-de-Suisse- Sieger seit Pascal Richard 1994. Die 10. und letzte Etappe vom Donnerstag führt über 178 km von Herisau nach Baden und weist keine nennenswerten Schwierigkeiten auf. In Baden wird mithin der grösste Erfolg in Camenzinds Karriere nach dem Gewinn des WM-Titels 1998 definitiv besiegelt. Der Tour-Sieg 2000 entschädigt den Gersauer zugleich für die Niederlage 1997, als Camenzind als klar stärkster Fahrer im Feld auf Grund einer taktischen Fehldispostion der Teamleitung auf Platz 2 landete.

Er habe schon zu Beginn der Schlusssteigung bemerkt, dass der Gesamtzweite Dario Frigo (It) Mühe bekundete und vorübergehend sogar den Anschluss verlor, sagte Camenzind. “Deshalb habe ich mich vor allem auf Belli konzentriert. Er hat es dann auch zwei, drei Mal versucht, aber ich konterte jedesmal erfolgreich. Ich fühlte mich stark und wäre in der Lage gewesen, weiteren Attacken zu folgen”, berichtete Camenzind. “Natürlich befand ich mich bei Bellis Attacken am Limit, aber eigentlich hatte ich noch Reserven.” Bellis Teamkollege Frigo war in der Entscheidung zwar ebenfalls präsent, er vermochte Camenzind aber ebenfalls nicht ernsthaft zu beunruhigen.

Camenzind erreichte Arosa mit mehr als 8 Minuten Rückstand im 13. Rang zeitgleich mit Frigo und Belli. Er dürfte der erste Gesamterste seit Marco Saligari (It) 1993 ohne Etappensieg sein, denn es nicht anzunehmen, dass Camenzind in Baden gewinnen wird. Die Schweizer fuhren zwar auch in der 9. Etappe beachtlich - Christian Heule aus dem Post Swiss Team belegte Platz 3 und Stefan Rütimann Rang 7 -, aber auf einen Etappenerfolg warten die Schweizer Profis weiter in diesem Jahr. Letzter Schweizer Tagessieger in der Tour de Suisse war Camenzind 1999 in Nauders im Tirol. Auf den 4. Gesamtrang verbesserte sich Sven Montgomery (24), der ebenfalls mit der Camenzind-Gruppe in Arosa eintraf und Jan Ullrich überholte. Aufgeben musste Laurent Dufaux, der wegen einer Erkältung schon seit einigen Tagen Antibiotika nehmen musste.

Den grössten Erfolg seiner Karriere errang Etappensieger Secchiari (28), ein Teamkollege von Dufaux, der schon im Aufstieg zum Flüela-Pass Unterschlupf in einer Vorhut fand und seinen letzten Begleiter Massimo Podenzana zu Beginn der Schlusssteigung stehen liess. Secchiari war schon im Giro d'Italia häufig in die Offensive getreten, der Erfolg blieb ihm damals aber noch versagt. “Die frühe Flucht kam unseren Plänen natürlich entgegen. So war der Kampf um den Etappensieg schon entschieden, und das Rennen war im Finale deshalb einfacher zu kontrollieren.” Begünstigt wurde Camenzinds Erfolg auch durch die ebenfalls in Italien lizenzierte Polti-Mannschaft, die ohne ersichtlichen Grund reichlich Führungsarbeit verrichtete. “Ich wurde auch nicht ganz schlau aus dieser Taktik”, sagte Camenzind, “vielleicht dachten sie noch an den Etappensieg, denn sie hatten die Initiative schon früh ergriffen.”


64. Tour de Suisse. 9. Etappe, St. Moritz - Arosa (150 km):

1. Francesco Secchiari (It) 3:47:59 (39,555 km/h), 10 Sekunden Bonifikation.
2. Salvatore Commesso (It) 3:34, 6 Sek. Bon.
3. Christian Heule (Sz) 3:44, 4 Sek. Bon. 4. Sven Teutenberg (De) 4:20
5. Massimo Podenzana (It), gleiche Zeit.
6. Marc Wauters (Be) 5:08.
7. Stefan Rütimann (Sz) 5:20.
8. Matthias Buxhofer (Ö) 5:32.
9. Massimiliano Mori (It) 7:22.
10. Michael Boogerd (Ho) 8:17.


11. Richard Virenque (Fr) 8:21.
12. Dario Frigo (It).
13. Oscar Camenzind (Sz).
14. Wladimir Belli (It).
15. Sven Montgomery (Sz).
16. Daniel Atienza (Sp).
17. Gilberto Simoni (It), alle gleiche Zeit.
18. Massimo Cigana (It) 8:47.
19. Oscar Mason (It).
20. Jan Ullrich (De).

21. Roland Meier (Sz).
22. Daniele Nardello (It).
23. Giuseppe Gurini (It).
24. Michele Bartoli (It), alle gleiche Zeit.
25. Marco Fincato (It) 9:28.
26. Gorazd Stangelj (Sln), gleiche Zeit.
27. Christian Charrière (Sz) 9:48.
28. Grischa Niermann (De) 9:52.
29. Andrej Teterjuk (Kas) 10:26.
30. Marcel Strauss (Sz).


Ferner:

31. Armin Meier (Sz).
32. Mauro Gianetti (Sz), alle gleiche Zeit.
39. Daniel Schnider (Sz) 15:02.
41. Niki Aebersold (Sz) 15:30.
43. Pierre Bourquenoud (Sz), gleiche Zeit.
46. Patrik Calcagni (Sz) 16:32.
51. René Stadelmann (Sz) 19:52.
53. Stefano Garzelli (It), gleiche Zeit.
63. Markus Zberg (Sz) 29:09.
65. Christian Sidler (Sz).
71. Pierre Ackermann (Sz).
72. Pietro Zucconi (Sz).
75. Steve Zampieri (Sz).
79. Franck Vandenbroucke (Be).
89. Johan Museeuw (Be), alle gleiche Zeit.

97 gestartet, 92 klassiert. Aufgegeben: Tadej Valjavec (Sln), Laurent Dufaux (Sz), Fausto Dotti (It), Torsten Schmidt, Jan Bratkowski (beide It).


Gesamtklassement:

1. Camenzind 29:30:21.
2. Frigo 0:14.
3. Belli 0:26.
4. Montgomery 1:42.
5. Ullrich 2:07.
6. Virenque 2:22.
7. Nardello 2:40.
8. Boogerd 5:13.
9. Mason 6:21.
10. Atienza 6:40.

11. Roland Meier 6:48.
12. Fincato 7:55.
13. Mazzoleni 8:35.
14. Teterjuk 9:14.
15. Cigana 9:35.
16. Niermann 10:46.
17. Bartoli 10:53.
18. Stangelj 12:27.
19. Hervé 12:54.
20. Giuseppe Guerini (It) 18:02.

21. Daniele De Paoli (It) 20:34.
22. Armin Meier 21:21.
23. Charrière 21:42.
24. Mühlbacher 22:56.
25. Udo Bölts (De) 23:16.
26. Buxhofer 23:16.
27. Heule 25:28.
28. Simoni 26:11.
29. Gianetti 26:47.
30. Stephan Gottschling (De) 28:10.

Ferner:

34. Schnider 30:52.
36. Garzelli 32:46.
38. Aebersold 33:39.
44. Strauss 44:46.
46. Bourquenoud 48:52.
50. Rütimann 57:50.
53. Zberg 1:01:38.
57. Stadelmann 1:05:27.
65. Zampieri 1:22:53.
67. Vandenbroucke 1:24:27.
75. Calcagni 1:37:31.
77. Zucconi 1:38:40.
81. Museeuw 1:46:31.
84. Ackermann 1:49:00.
88. Sidler 1:57:31.


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