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06. 2000 - Oscar Camenzind vor Tour de Suisse-Gesamtsieg
Oscar Camenzind steht in der 64.
Tour de Suisse vor dem Gesamtsieg. Im Finale der vorletzten Etappe
vor Arosa konterte der Schweizer sämtliche Angriffe souverän und
verteidigte die Führung im Gesamtklassement mit Erfolg. Sieger der
9. Etappe mit Start in St. Moritz wurde nach 150 km der Italiener
Francesco Secchiari, der mit zehn weiteren Fahrern schon früh ausgerissen
war.
[newswindow]
- Camenzinds gefährlichster Herausforderer Wladimir Belli (It) versuchte
in den steilen Rampen (bis zu 14 Prozent) zwischen Litzirüti und
Arosa zwar einige Male den Leader auszuhebeln, aber der Schwyzer
parierte mit Hilfe von Teamkollege Gilberto Simoni (It) sämtliche
Angriffe.
Der bald 29-jährige Camenzind wird nach der souveränen Darbietung
in der langen Schlusssteigung zwischen Chur und Arosa aller Wahrscheinlichkeit
nach erster Schweizer Tour-de-Suisse- Sieger seit Pascal Richard
1994. Die 10. und letzte Etappe vom Donnerstag führt über 178 km
von Herisau nach Baden und weist keine nennenswerten Schwierigkeiten
auf. In Baden wird mithin der grösste Erfolg in Camenzinds Karriere
nach dem Gewinn des WM-Titels 1998 definitiv besiegelt. Der Tour-Sieg
2000 entschädigt den Gersauer zugleich für die Niederlage 1997,
als Camenzind als klar stärkster Fahrer im Feld auf Grund einer
taktischen Fehldispostion der Teamleitung auf Platz 2 landete.
Er habe schon zu Beginn der Schlusssteigung bemerkt, dass der Gesamtzweite
Dario Frigo (It) Mühe bekundete und vorübergehend sogar den Anschluss
verlor, sagte Camenzind. “Deshalb habe ich mich vor allem auf Belli
konzentriert. Er hat es dann auch zwei, drei Mal versucht, aber
ich konterte jedesmal erfolgreich. Ich fühlte mich stark und wäre
in der Lage gewesen, weiteren Attacken zu folgen”, berichtete Camenzind.
“Natürlich befand ich mich bei Bellis Attacken am Limit, aber eigentlich
hatte ich noch Reserven.” Bellis Teamkollege Frigo war in der Entscheidung
zwar ebenfalls präsent, er vermochte Camenzind aber ebenfalls nicht
ernsthaft zu beunruhigen.
Camenzind erreichte Arosa mit mehr als 8 Minuten Rückstand im 13.
Rang zeitgleich mit Frigo und Belli. Er dürfte der erste Gesamterste
seit Marco Saligari (It) 1993 ohne Etappensieg sein, denn es nicht
anzunehmen, dass Camenzind in Baden gewinnen wird. Die Schweizer
fuhren zwar auch in der 9. Etappe beachtlich - Christian Heule aus
dem Post Swiss Team belegte Platz 3 und Stefan Rütimann Rang 7 -,
aber auf einen Etappenerfolg warten die Schweizer Profis weiter
in diesem Jahr. Letzter Schweizer Tagessieger in der Tour de Suisse
war Camenzind 1999 in Nauders im Tirol. Auf den 4. Gesamtrang verbesserte
sich Sven Montgomery (24), der ebenfalls mit der Camenzind-Gruppe
in Arosa eintraf und Jan Ullrich überholte. Aufgeben musste Laurent
Dufaux, der wegen einer Erkältung schon seit einigen Tagen Antibiotika
nehmen musste.
Den grössten Erfolg seiner Karriere errang Etappensieger Secchiari
(28), ein Teamkollege von Dufaux, der schon im Aufstieg zum Flüela-Pass
Unterschlupf in einer Vorhut fand und seinen letzten Begleiter Massimo
Podenzana zu Beginn der Schlusssteigung stehen liess. Secchiari
war schon im Giro d'Italia häufig in die Offensive getreten, der
Erfolg blieb ihm damals aber noch versagt. “Die frühe Flucht kam
unseren Plänen natürlich entgegen. So war der Kampf um den Etappensieg
schon entschieden, und das Rennen war im Finale deshalb einfacher
zu kontrollieren.” Begünstigt wurde Camenzinds Erfolg auch durch
die ebenfalls in Italien lizenzierte Polti-Mannschaft, die ohne
ersichtlichen Grund reichlich Führungsarbeit verrichtete. “Ich wurde
auch nicht ganz schlau aus dieser Taktik”, sagte Camenzind, “vielleicht
dachten sie noch an den Etappensieg, denn sie hatten die Initiative
schon früh ergriffen.”
64. Tour de Suisse. 9. Etappe, St.
Moritz - Arosa (150 km):
1. Francesco Secchiari (It) 3:47:59
(39,555 km/h), 10 Sekunden Bonifikation.
2. Salvatore Commesso (It) 3:34, 6 Sek. Bon.
3. Christian Heule (Sz) 3:44, 4 Sek. Bon. 4. Sven Teutenberg (De)
4:20
5. Massimo Podenzana (It), gleiche Zeit.
6. Marc Wauters (Be) 5:08.
7. Stefan Rütimann (Sz) 5:20.
8. Matthias Buxhofer (Ö) 5:32.
9. Massimiliano Mori (It) 7:22.
10. Michael Boogerd (Ho) 8:17.
11. Richard Virenque (Fr) 8:21.
12. Dario Frigo (It). 13. Oscar Camenzind (Sz).
14. Wladimir Belli (It).
15. Sven Montgomery (Sz).
16. Daniel Atienza (Sp).
17. Gilberto Simoni (It), alle gleiche Zeit.
18. Massimo Cigana (It) 8:47.
19. Oscar Mason (It).
20. Jan Ullrich (De).
21. Roland Meier (Sz).
22. Daniele Nardello (It).
23. Giuseppe Gurini (It).
24. Michele Bartoli (It), alle gleiche Zeit.
25. Marco Fincato (It) 9:28.
26. Gorazd Stangelj (Sln), gleiche Zeit.
27. Christian Charrière (Sz) 9:48.
28. Grischa Niermann (De) 9:52.
29. Andrej Teterjuk (Kas) 10:26.
30. Marcel Strauss (Sz).
Ferner:
31. Armin Meier (Sz).
32. Mauro Gianetti (Sz), alle gleiche Zeit.
39. Daniel Schnider (Sz) 15:02.
41. Niki Aebersold (Sz) 15:30.
43. Pierre Bourquenoud (Sz), gleiche Zeit.
46. Patrik Calcagni (Sz) 16:32.
51. René Stadelmann (Sz) 19:52.
53. Stefano Garzelli (It), gleiche Zeit.
63. Markus Zberg (Sz) 29:09.
65. Christian Sidler (Sz).
71. Pierre Ackermann (Sz).
72. Pietro Zucconi (Sz).
75. Steve Zampieri (Sz).
79. Franck Vandenbroucke (Be).
89. Johan Museeuw (Be), alle gleiche Zeit.