Es ist lange her, seit ihr etwas von uns gehört habt. Die positive Meldung zuerst: Wir haben es geschafft!
Chilli Con Carne
Am Dienstag haben Daniel und ich tatsächlich den Gipfel des Aconcagua erreicht. (Roli Müller musste aus gesundheitlichen Gründen früher zurück nach Mendoza). Allesdings war der Aufstieg alles andere als ein Pappenstiel. Ein Chilli Con Carne, das wir am Vorabend des Gipfeltages zum Nachtessen zu uns genommen hatten, hat es uns noch schwerer gemacht, als es sonst schon ist. Magenprobleme mit Durchfall hätten unser Unterfangen beinahe scheitern lassen.
Nicht ganz dicht in der Birne
Um 5 Uhr wurden wir geweckt. Ich hatte keine Lust auf Frühstück und trinken mochte ich auch nicht. Ich brachte wirklich keinen Bissen herunter. Beim Packen waren wir offensichtlich nicht ganz dicht in der Birne. Wie sich später herausstellte waren wir nicht in der Lage, klar zu denken, denn wir hatten viel zu viele Kleider bei uns, dafür gingen die Trinkvorräte schon bald zur Neige.
Nachdem wir das Wetter beobachtet hatten, machten wir uns auf den Weg. Ich hatte Kopfweh und Schwindellgefühle und dachte, dass wir heute den Gipfel heute nicht schaffen würden, aber man konnte es ja mal versuchen! Erstaunlicherweise ging es mit dem Laufen immer besser.
Zwischenziele
Etwa auf 6200 m steht die "Independenzia"-Hütte. Da machten wir nochmals eine Rast. Wir waren immer noch nicht überzeugt, das Ziel heute erreichen zu können. So setzten wir uns so einzelne Zwischenziele: Bis zu dieser Kuppe... bis zu diesem Rücken... Dann tauchte die letzte Flanke vor dem Gipfel auf, die "Caneletta". Ich dachte: Das muss ich doch einfach noch schaffen. Ein Gruppe von Holländern war ebenfalls am kämpfen. Einzelne konnten wir sogar überholen. Jeder einzelne kämpfte mit sich selber. Von ihnen schafften es auch nicht alle. Ein paar Schritte vorwärts ... Pause... nichts mehr zu trinken ... der Puls auf 190 ... wieder ein paar Schritte...
Diskussion
Ein Engländer, der uns entgegen kam, schwankte ziemlich und war sehr unsicher auf den Beinen. Auch Vofi hatte ziemlich Probleme. Juampi, auch aus unserer Gruppe, hatte gar erbrechen müssen, holte uns wieder auf und war plötzlich wieder am besten dran. Der Bergführer wollte Vofi wegen seines schlechten Zustandes nicht mehr auf den Gipfel lassen. Es gab eine heftige Diskusssion zwischen den beiden, aber Vofi setzte sich durch und schaffte das Ziel dann auch.
Geschafft, aber...
Wirklich geniessen konnten wir den erhebenden Augenblick unter diesen Umständen nicht besonders. Nach 10 Minuten machten wir uns bereits wieder auf den Weg hinunter zum Basislager. Das Wetter verschlechterte sich zusehens, es begann zu schneien. Zum Glück gab es keinen Nebel, so konnten wir wenigstens sehen, wo wir liefen. Der Bergführer machte richtig Dampf, sich mit uns auf den Weg nach unten zu machen.
Leute einsammeln
Auf dem Abstieg lief ich sehr unsichter. Der Flüssigkeitsverlust, der Durst, der leere Magen und die Höhe machten sich immer mehr bemerkbar. Ich hatte während des ganzen Tages einzig eine Tafel Schokolade zu mir genommen!
Die Bergführer begannen alle Leute zusammenzusammeln. Es war ziemlich glitschig vom Neuschnee. Alles war wie in Zeitlupe. Erst abends um halb neun kamen wir zurück ins Hochlager. 15 bis 20 Leute waren am Schluss zusammen, einige waren wirklich in einem bemitleidenswerten Zustand.
Rebellion des Magens
Im Lager gab es warmen Tee. Aber ich hatte noch nie so schnell wieder alles retour gegeben!. Die Lust zu trinken verging mir sofort wieder und ans Essen war nicht zu denken. Wir verzogen uns sofort ins Zelt und waren augenblicklich im Reich der Träume. In der Nacht musste ich mal raus. Ich konnte kaum laufen. Ich war wie betrunken. Die Dehydration zeigte ihre Wirkung. Vofi erging es noch schlimmer, er konnte sich nur noch auf allen Vieren bewegen.
Nicht tragfähig
Am Morgen funkte der Bergführer nach Trägern. Er sah sofort, dass wir nicht fähig waren, unser Gepäck selber zu tragen. Für 160 $ brachten die Portadedoras unser Gepäck hinunter ins Basislager auf etwa 4300 m. Das ist für die Einheimischen ein halber Monatslohn.
Dort angekommen, sah ich nach den Aussziehen der Schuhe, dass meine Zehen ganz blau waren. - Die Hölle folgte am andern Tag: 40 km mit kaputten Zehen und schwabligen Beinen das ganze Horocones-Tal hinunter bis an den Eingang des Nationalparks. Während den letzten Kilometern musste ich mehr leiden als beim Aufstieg zum Gipfel.
Im Bus zur Dusche
Am gleichen Abend fuhren wir noch 160 km im Bus bis nach Mendoza. Wir sehnten uns unglaublich auf eine Dusche, denn die hygienischen Bedingungen waren während den letzten Tagen ziemlich prekär.
In Mendoza war ich mehr kaputt als nach einer dreiwöchigen Rundfahrt. Ich hätte Tag und Nacht schlafen können.
Résumé
Wir hatten das Gefühl, gut vorbereitet zu sein, machten aber als Greenhorns ziemlich grobe Fehler. Unverzeihlich war sicher, dass wir zu wenig zu trinken und zu wenig zu essen mit auf den Gipfel nahmen. Obwohl der Berg nicht den Eindruck machte, schwierig zu sein, forderte er uns bis zum letzten. Trotz des Horrors beim Abstieg würde ich es aber wieder machen.
In erster Linie war es ein Riesenerlebnis mit tollen Kumpels. Wir haben viel an Erfahrung gewonnen. Obwohl es nicht alle drei geschafft haben, möchten wir alle das Erlebnins nicht missen. Das nächste Abenteuer folgt bestimmt!
Ösi
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