Dritter Rang für Oscar
Camenzind
Andrea
Ferrigato spielte im Finale der Berner Rundfahrt all seine Erfahrung
aus und schlug den Schweizer Meister Niki Aebersold im Spurt um
wenige Zentimeter. Strassen-Weltmeister Oscar Camenzid erreichte
den 3. Platz nachdem in der Schlussphase des Rennens um ihn herum
ein eigentliches Angriffsfeuerwerk abgegangen war.
Mit Ferrigato reüssierte in Bern einer der Favoriten.
Der mittlerweile 29jährige hat sich insbesondere in der Saison 1996
einen Namen gemacht. Damals entschied der Italiener mit der Leeds
International Classic und der Meisterschaft von Zürich gleich zwei
Weltcuprennen für sich.
Für das Rabobank-Team ging bis 5 m vor dem Zielstrich
die Rechnung auf. Bei der Vorentscheidung nach 130 km, als sich
ein Septett absetzte, war die holländische Sportgruppe durch Aebersold
und Marc Wauters vertreten. Der Belgier meldete sich auch präsent,
als die Fluchtgruppe nach der letzten Passage des Frienisberges
zuerst auf ein Quintett und dann auf ein Quartett reduziert wurde.
Die Ausgangslage schien wirklich vielversprechend: Wauters kontrollierte
das Geschehen, der spurtstarke Aebersold schonte sich für die letzten
paar hundert Meter.
Dafür, dass er in dieser Saison bereits zum vierten
Mal auf das Podest, aber noch nie auf die oberste Stufe steigen
konnte, hatte Niki Aebersold eine einfache Antwort zur Hand: "Ich
habe die Nerven verloren und 50 m zu früh angetreten." So schlug
der Effort des Berners auf den letzten Metern in eine grosse Enttäuschung
um: "Alles war gut eingefädelt. Es hätte alles gestimmt..."
Ratloser Oscar Camenzind
Im Mittelpunkt des ersten bedeutenden Strassenrennens
unseres Landes stand auf den letzten 70 km natürlich Strassen-Weltmeister
Oscar Camenzind. Dass sich der Fahrer im Regenbogentrikot einer
ausserordentlich guten Bewachung erfreut, erfuhr der Innerschweizer
zur Genüge. "Ich hatte es im Final sehr schwer", merkte
Camenzind zu den letzten Kilometern an. Er schloss manche Lücke,
nachdem um ihn herum in einer Art Feuerwerk am Schluss zahlreiche
Angriffe lanciert wurden. "Was soll ich machen", lautete
Camenzinds rhetorische Frage, nachdem er kein Mittel gefunden hatte,
seine Gegner zu schlagen.
Er habe die 1. Etappe der Trentino-Rundfahrt
schon hinter sich, hielt Camenzind zu seinem weiteren Programm fest.
In Wahrheit startet er heute Montag in Lienz zu diesem fünftägigen
Etappenrennen. Und der Innerschweizer hatte auf den Strassen im
Norden der Bundeshauptstadt zu einem wohl einmaligen Bild beigetragen.
In der Fluchtgruppe waren der (Schweizer) Strassen- Weltmeister,
der (Schweizer) Olympiasieger und der Schweizer Strassen-Meister
vereint. Dass sich Pascal Richard 58 Sekunden Rückstand einhandelte,
war auf die ungenügende Verpflegung des Westschweizers zurückzuführen.
Das Dutzend voll
Zu seiner Verwunderung hatte Andrea Ferrigato
an der in der Vorwoche zu Ende gegangenen Lombardischen Woche den
8. Schlussrang belegt. Die langen Steigungen wie auch das Bergzeitfahren
jener Prüfung sind nicht auf seine Fähigkeiten zugeschnitten. Die
Hügel des Schweizer Mittellandes behagen ihm besser. Jedenfalls
erwähnte der Italiener, dass der Schlusskurs der früheren Meisterschaft
von Zürich - er gewann sie 1996 in seiner bisher erfolgreichsten
Saison - Ähnlichkeiten mit der Rundstrecke von Bern gehabt habe.
Nachdem er im Februar die Trofeo Pantalica auf
Sizilien für sich entschieden hatte, kam Ferrigato in Bern zu seinem
zweiten Saisonsieg und zum zwölften Erfolg seiner seit 1991 dauernden
Profi- Karriere. Er hatte nicht nur das Gespür, sich in der Vorentscheidung
auf Marc Wauters zu konzentrieren. Er rechnete auch mit einer gewissen
Rivalität zwischen Aebersold und Camenzind und hoffte, daraus Nutzen
zu ziehen. Dass diese Rechnung aufging, war nicht zuletzt auch auf
die Unterstützung durch Ferrigatos Teamkollegen Nicola Loda zurückzuführen,
der 5 km vor dem Ziel Wauters nach einem der Angriffe des Belgiers
wieder stellte. "Das ist ein wichtiger Sieg für mich, und er
kam im richtigen Moment", stellte Ferrigato zufrieden fest,
nicht ohne auch Lodas Verdienste gebührend zu würdigen.
Berner Rundfahrt. Elite international (196,8
km):
1. Andrea Ferrigato (It) 4:55:04 (40,018 km/h)
2. Niki Aebersold (Sz)
3. Oscar Camenzind (Sz)
4. Marc Wauters (Be) alle gleiche Zeit
5. Nicola Loda (It)
0:18
6. Pascal Richard (Sz) 0:58
7. Steffen Wesemann (De) 2:30
8. Beat Zberg (Sz)
gleiche Zeit
9. Massimo Gimondi (It) 2:35
10.Christian Charrière (Sz) 2:44
11.Rolf Järmann (Sz) 3:38
12.Peter Vries (Ho)
3:48
13.Kai Hundertmarck (De)
14.Marco Gili (It)
15.Mauro Zanetti (It) alle gleiche Zeit
16.Sven Montgomery (Sz) 3:55
17.Rolf Huser (Sz)
5:57
18.Michel Lafis (Sd)
19.Patrick Vetsch (Sz)
20.Roland Müller (Sz)
21.Pierre Bourquenoud (Sz)
22.Marco Della Vedova (It)
23.Andreas Klöden (De)
24.Francesco Frattini (It)
25.Alberto Ongarato (It) alle gleiche Zeit
26.Daniel Aeschlimann (Sz) 10:53
27.Michael Skelde (Dä)
28.Marco Milesi (It)
29.René Stadelmann (Sz)
30.A.Aeschbach (Sz) alle gleiche Zeit
Ferner die weiteren Schweizer:
31.Josef Christen
32.Daniel Schnider
34.Richard Chassot
35.Christian Heule
37.Daniel von Flüe
40.Daniel Paradis
41.Hanskurt Brand
48.Franz Hotz
49.Urs Graf
50.Philipp Buschor
52.Alexandre Moos
alle gleiche Zeit
98 Fahrer gestartet, 64 klassiert
(Quelle: Newswindow/Bild:
Keropress)