1. Niki Aebersold (Schweiz) Post Swiss Team 4:09.51 (45,850)
2. Mauro Bettin (Italien) Refin gl. Zeit
3. Erik Zabel (Deutschland) Telekom 0.08
4. Fabio Baldato (Italien) MG Technogym
5. Tom Steels (Belgien) Mapei
6. Max Van Heeswijk (Holland) Rabobank
7. Frankie Andreu (USA) Cofidis
8. Fabrizio Guidi (Italien) Scrigno
9. Lauri Aus (Litauen) Casino
10. Markus Zberg (Schweiz) Mercatone Uno
11. Rolf Huser (Schweiz) POST Swiss Team
12. Rolf Aldag ((Deutschland) Telekom
13. Jon Odriozola (Spanien) Batik
14. David Moncoutie (Frankreich) Cofidis
15. Dirk Baldinger (Deutschland) Polti
16. Christophe Agnolutto (Frankreich) Casino alle g.Z.
Gesamtwertung (Endstand)
1. Christophe Agnolutto (Frankreich) Casino 37.48.01 2. Oscar Camenzind (Schweiz) Mapei 2.08 3. Jan Ullrich (Deutschland) Telekom 4.20
4. David Extebarria (Spanien) Once 5.32
5. Roland Meier (Schweiz) Post Swiss Team 5.18
6. Felix Garcia Casas (Spanien) Festina 6.22
7. Daniele Nardello (Italien) Mapei 6.48
8. Stefano Garzelli (Italien) Mercatone Uno 7.17
9. Philipp Buschor (Schweiz) Saeco 7.26
10. Beat Zberg (Schweiz) Mercatone Uno 8.31
11. Danny Nelissen (Holland) Rabobank 8.56
12. Felice Puttini (Schweiz) Refin 8.59
13. Francesco Casagrande (Italien) Saeco 9.14
14. Udo Bölts (Deutschland) Telekom 11.17
15. Rolf Aldag (Deutschland) Telekom 15.12
Dokumentation.
Andi Rüppel schreibt für den Schweizer Tages-Anzeiger:
Die Post ging ab, die Rechnung auf
Niki Aebersold gewann die letzte Etappe
Für das junge Schweizer Post-Team ging die Tour
de Suisse mit einem Höhepunkt zu Ende: Niki Aebersold (25) gewann
die letzte Etappe, von Davos nach Zürich. Er sicherte sich selbst
und der Mannschaft den bisher bedeutendsten Sieg.
Selbst auf dem Weg zur Pressekonferenz hielt er das Natel in den
Händen, wählte eine Nummer nach der anderen, um Freunden und Verwandten
seine grosse Freude mitzuteilen. Der Berner Niki Aebersold feierte
gestern Donnerstag einen grossen Sieg, den zweiten in diesem Jahr
nach dem Erfolg bei der Stauseerundfahrt in Klingnau.
Er habe einfach mal etwas probiert, versuchte Aebersold sein Rennen
zu schildern. Dass es wirklich klappen könnte, glaubte er erst zehn
Kilometer vor dem Ziel. Dabei hatte Aebersold zu diesem Zeitpunkt
mit seinen beiden italienischen Begleitern Andrea Patuelli und Mauro
Bettin nur noch einen Vorsprung von 56 Sekunden, aber bereits eine
Flucht von 174 Kilometern in den Beinen.
Aebersold sollte recht behalten, obwohl die Fluchtgruppe das Feld
um nie mehr als 5:30 Minuten distanzieren konnte. Und weil Patuelli
nur wenige Kilometer vor dem Ziel gestürzt war, entwickelte sich
auf der Rennbahn Oerlikon ein packender Zweikampf um den Etappensieg.
"Ich wusste", so Aebersold, "dass ich hinter ihm,
weiter oben und mit einem kleinen Gang auf die Rennbahn fahren muss,
um eine Chance zu haben." Mit dieser Taktik hatte Aebersold
bereits 1995 den Australier McEwen geschlagen und die Züri-Metzgete
der Amateure für sich entschieden.
Mit fünf Kilo weniger mehr
Erfolg
"Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie
schön dieses Gefühl ist", sagte Aebersold hinterher. Doch der
Berner, der im vergangenen Jahr nicht zu überzeugen
vermocht hatte, danach etwa fünf Kilo Körpergewicht abtrainierte,
bleibt auf dem Boden - und mit grosser Sicherheit im Post-Team.
"Eine solche Kameradschaft, wie wir sie haben, ist sehr viel
wert."
"Nichts wird sein wie zuvor"
Mit dem Sieg in der Tour de Suisse hat
für Christophe Agnolutto eine neue Karriere begonnen
Nach 184 km langer Vorausfahrt gewann Niki Aebersold
die Schlussetappe der 61. Tour de Suisse. Auf der Rennbahn Oerlikon
schlug er seinen letzten Begleiter Mauro Bettin sicher. Christophe
Agnoluttos Leaderposition geriet nicht mehr in Gefahr.
Er habe in der Nacht vor der letzten Etappe erstmals schlecht geschlafen,
erzählte Agnolutto danach. Was ihm Sorgen machte, war der Aufstieg
vom Rheintal nach Wildhaus, den ihm Teamkollege Rolf Järmann im
Detail geschildert hatte. Aber letztlich war alles halb so schlimm,
obwohl Oscar Camenzind den Franzosen auf die Probe stellte. "Es
lief mir besser als am Vortag, mit meinem Team hatte ich alles unter
Kontrolle", sagte Agnolutto. Und als er auf die Rennbahn in
Oerlikon eingebogen sei, habe ihn ein unheimliches Gefühl der Zufriedenheit
und Erleichterung durchströmt.
Kein Wunder. Für den Pariser, dessen Grossvater aus dem Friaul nach
Frankreich auswanderte, bedeutet dieser Erfolg die vorläufige Krönung
seiner Karriere. Als er sich nach einer erfolgreichen Saison 1995
entschied, zu den Profis überzutreten, war er bereits 25jährig.
Er schickte Lebenslauf und Palmarès an alle französischen und italienischen
Teams, aber das Echo fiel bescheiden aus. Schliesslich erhielt er
eine Chance bei Vincent Lavenu, dessen Team damals noch Petit Casino
hiess.
Kritik am Wagemutigen
Doch seine angriffige Fahrweise, die bei den Amateuren
geschätzt worden war, wurde ihm bei den Profis als Nachteil ausgelegt.
Er würde zuviel Kraft in unnützen, weil aussichtslosen Attacken
verpuffen, nicht gemäss der abgemachten Taktik fahren, lauteten
die Vorwürfe. "Mein Erfolg im "A Travers le Morbihan"
kurz vor der Tour de Suisse und der Etappensieg in La Chaux-de-Fonds
haben mir jedoch gezeigt, dass sich Wagemut eben doch auszahlt",
sagt Agnolutto.
Ein Mann für alle Fälle
"Christophe ist ein einfacher, bescheidener
Typ, der keine grossen Sprüche macht. Und er ist immer disponibel",
urteilt Rolf Järmann über seinen Teamkollegen. Ein besonderes Beispiel:
Agnolutto war im Frühling nicht für Paris-Nizza vorgesehen. Nach
einem Sturz und Schlüsselbeinbruch in der Flandern-Rundfahrt hatte
ihn sein Sportlicher Leiter nach Belgien geschickt, um sich dort
in den Kermess-Rennen wieder in Form zu fahren. Da musste in letzter
Minute Ersatz für den verletzten Pascal Richard gesucht werden.
Agnolutto erhielt den Anruf seines Sportlichen Leiters, setzte sich
in Belgien ins Auto und brauste nach Paris. Drei Stunden hatte er
Zeit, um rechtzeitig zum Prolog einzutreffen. Mit 204 km/h blitzte
ihn ein Radargerät. Der Fahrausweis war für einen Monat weg.
Der Glückwunsch von Riis
"Sein Fehler war bis anhin, dass er zuwenig
an seine Fähigkeiten geglaubt hat", sagt Järmann. Das könnte
sich ab jetzt ändern. "Es ist noch nicht lange her, da habe
ich am Fernsehen Bjarne Riis bewundernd zugeschaut. Am Montagmorgen,
nach der Etappe nach Bosco Gurin, hat er erstmals mit mir gesprochen,
hat mir gratuliert. Mein Leben hat sich geändert. Nichts wird sein
wie zuvor, denn die Leute schauen mich jetzt mit andern Augen an,
und ich selber weiss, dass ich nicht mehr der gleiche Fahrer sein
werde, dass ich in diesen zehn Tagen einen grossen Schritt nach
vorne gemacht habe", lautete Agnoluttos Rück- und Ausblick
in Oerlikon.