Etappe10

 

 

Tour de Suisse 1997

10. Etappe, Davos - Zürich am 26. Juni, 194 km

Berichte von dieser Etappe

1. Niki Aebersold (Schweiz) Post Swiss Team 4:09.51 (45,850)
2. Mauro Bettin (Italien) Refin gl. Zeit
3. Erik Zabel (Deutschland) Telekom 0.08
4. Fabio Baldato (Italien) MG Technogym
5. Tom Steels (Belgien) Mapei
6. Max Van Heeswijk (Holland) Rabobank
7. Frankie Andreu (USA) Cofidis
8. Fabrizio Guidi (Italien) Scrigno
9. Lauri Aus (Litauen) Casino
10. Markus Zberg (Schweiz) Mercatone Uno
11. Rolf Huser (Schweiz) POST Swiss Team
12. Rolf Aldag ((Deutschland) Telekom
13. Jon Odriozola (Spanien) Batik
14. David Moncoutie (Frankreich) Cofidis
15. Dirk Baldinger (Deutschland) Polti
16. Christophe Agnolutto (Frankreich) Casino alle g.Z.

Gesamtwertung (Endstand)

1. Christophe Agnolutto (Frankreich) Casino 37.48.01
2. Oscar Camenzind (Schweiz) Mapei 2.08
3. Jan Ullrich (Deutschland) Telekom 4.20
4. David Extebarria (Spanien) Once 5.32
5. Roland Meier (Schweiz) Post Swiss Team 5.18
6. Felix Garcia Casas (Spanien) Festina 6.22
7. Daniele Nardello (Italien) Mapei 6.48
8. Stefano Garzelli (Italien) Mercatone Uno 7.17
9. Philipp Buschor (Schweiz) Saeco 7.26
10. Beat Zberg (Schweiz) Mercatone Uno 8.31
11. Danny Nelissen (Holland) Rabobank 8.56
12. Felice Puttini (Schweiz) Refin 8.59
13. Francesco Casagrande (Italien) Saeco 9.14
14. Udo Bölts (Deutschland) Telekom 11.17
15. Rolf Aldag (Deutschland) Telekom 15.12


Dokumentation.  Andi Rüppel schreibt für den Schweizer Tages-Anzeiger:

Die Post ging ab, die Rechnung auf

Niki Aebersold gewann die letzte Etappe

Für das junge Schweizer Post-Team ging die Tour de Suisse mit einem Höhepunkt zu Ende: Niki Aebersold (25) gewann die letzte Etappe, von Davos nach Zürich. Er sicherte sich selbst und der Mannschaft den bisher bedeutendsten Sieg.

Selbst auf dem Weg zur Pressekonferenz hielt er das Natel in den Händen, wählte eine Nummer nach der anderen, um Freunden und Verwandten seine grosse Freude mitzuteilen. Der Berner Niki Aebersold feierte gestern Donnerstag einen grossen Sieg, den zweiten in diesem Jahr nach dem Erfolg bei der Stauseerundfahrt in Klingnau.

Er habe einfach mal etwas probiert, versuchte Aebersold sein Rennen zu schildern. Dass es wirklich klappen könnte, glaubte er erst zehn Kilometer vor dem Ziel. Dabei hatte Aebersold zu diesem Zeitpunkt mit seinen beiden italienischen Begleitern Andrea Patuelli und Mauro Bettin nur noch einen Vorsprung von 56 Sekunden, aber bereits eine Flucht von 174 Kilometern in den Beinen.

Aebersold sollte recht behalten, obwohl die Fluchtgruppe das Feld um nie mehr als 5:30 Minuten distanzieren konnte. Und weil Patuelli nur wenige Kilometer vor dem Ziel gestürzt war, entwickelte sich auf der Rennbahn Oerlikon ein packender Zweikampf um den Etappensieg. "Ich wusste", so Aebersold, "dass ich hinter ihm, weiter oben und mit einem kleinen Gang auf die Rennbahn fahren muss, um eine Chance zu haben." Mit dieser Taktik hatte Aebersold bereits 1995 den Australier McEwen geschlagen und die Züri-Metzgete der Amateure für sich entschieden.

Mit fünf Kilo weniger mehr Erfolg

"Ich kann gar nicht richtig beschreiben, wie schön dieses Gefühl ist", sagte Aebersold hinterher. Doch der Berner, der im vergangenen Jahr nicht zu überzeugen
vermocht hatte, danach etwa fünf Kilo Körpergewicht abtrainierte, bleibt auf dem Boden - und mit grosser Sicherheit im Post-Team. "Eine solche Kameradschaft, wie wir sie haben, ist sehr viel wert."


"Nichts wird sein wie zuvor"

Mit dem Sieg in der Tour de Suisse hat für Christophe Agnolutto eine neue Karriere begonnen

Nach 184 km langer Vorausfahrt gewann Niki Aebersold die Schlussetappe der 61. Tour de Suisse. Auf der Rennbahn Oerlikon schlug er seinen letzten Begleiter Mauro Bettin sicher. Christophe Agnoluttos Leaderposition geriet nicht mehr in Gefahr.

Er habe in der Nacht vor der letzten Etappe erstmals schlecht geschlafen, erzählte Agnolutto danach. Was ihm Sorgen machte, war der Aufstieg vom Rheintal nach Wildhaus, den ihm Teamkollege Rolf Järmann im Detail geschildert hatte. Aber letztlich war alles halb so schlimm, obwohl Oscar Camenzind den Franzosen auf die Probe stellte. "Es lief mir besser als am Vortag, mit meinem Team hatte ich alles unter Kontrolle", sagte Agnolutto. Und als er auf die Rennbahn in Oerlikon eingebogen sei, habe ihn ein unheimliches Gefühl der Zufriedenheit und Erleichterung durchströmt.

Kein Wunder. Für den Pariser, dessen Grossvater aus dem Friaul nach Frankreich auswanderte, bedeutet dieser Erfolg die vorläufige Krönung seiner Karriere. Als er sich nach einer erfolgreichen Saison 1995 entschied, zu den Profis überzutreten, war er bereits 25jährig. Er schickte Lebenslauf und Palmarès an alle französischen und italienischen Teams, aber das Echo fiel bescheiden aus. Schliesslich erhielt er eine Chance bei Vincent Lavenu, dessen Team damals noch Petit Casino hiess.

Kritik am Wagemutigen

Doch seine angriffige Fahrweise, die bei den Amateuren geschätzt worden war, wurde ihm bei den Profis als Nachteil ausgelegt. Er würde zuviel Kraft in unnützen, weil aussichtslosen Attacken verpuffen, nicht gemäss der abgemachten Taktik fahren, lauteten die Vorwürfe. "Mein Erfolg im "A Travers le Morbihan" kurz vor der Tour de Suisse und der Etappensieg in La Chaux-de-Fonds haben mir jedoch gezeigt, dass sich Wagemut eben doch auszahlt", sagt Agnolutto.

Ein Mann für alle Fälle

"Christophe ist ein einfacher, bescheidener Typ, der keine grossen Sprüche macht. Und er ist immer disponibel", urteilt Rolf Järmann über seinen Teamkollegen. Ein besonderes Beispiel: Agnolutto war im Frühling nicht für Paris-Nizza vorgesehen. Nach einem Sturz und Schlüsselbeinbruch in der Flandern-Rundfahrt hatte ihn sein Sportlicher Leiter nach Belgien geschickt, um sich dort in den Kermess-Rennen wieder in Form zu fahren. Da musste in letzter Minute Ersatz für den verletzten Pascal Richard gesucht werden. Agnolutto erhielt den Anruf seines Sportlichen Leiters, setzte sich in Belgien ins Auto und brauste nach Paris. Drei Stunden hatte er Zeit, um rechtzeitig zum Prolog einzutreffen. Mit 204 km/h blitzte ihn ein Radargerät. Der Fahrausweis war für einen Monat weg.

Der Glückwunsch von Riis

"Sein Fehler war bis anhin, dass er zuwenig an seine Fähigkeiten geglaubt hat", sagt Järmann. Das könnte sich ab jetzt ändern. "Es ist noch nicht lange her, da habe ich am Fernsehen Bjarne Riis bewundernd zugeschaut. Am Montagmorgen, nach der Etappe nach Bosco Gurin, hat er erstmals mit mir gesprochen, hat mir gratuliert. Mein Leben hat sich geändert. Nichts wird sein wie zuvor, denn die Leute schauen mich jetzt mit andern Augen an, und ich selber weiss, dass ich nicht mehr der gleiche Fahrer sein werde, dass ich in diesen zehn Tagen einen grossen Schritt nach vorne gemacht habe", lautete Agnoluttos Rück- und Ausblick in Oerlikon.


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