Etappe1

 

 

Tour de Suisse 1997

1. Etappe, Zeitfahren in Romanshorn am 17. Juni 1997, 7,2 km

Berichte von dieser Etappe

1. Oscar Camenzind (Schweiz) Mapei 8.57
2. Leon Van Bon (Niederlande) Rabobank + 0.03
3. Roberto Petito (Italien) + 0.05
4. Danny Nelissen (Niederlande) Rabobank + 0.07
5. Udo Bölts (Deutschland) Telekom + 0.14
6. Jürgen Werner (Deutschland) Refin + 0.19
7. Daniele Nardello (Italien) Mapei + 0.21
8. Frederic Guesdon (Frankreich) FDJ gleiche Zeit
9. Christophe Agnolutto (Frankreich) Casino gleiche Zeit
10. Max van Heeswijk (Niederlande) Rabobank gleiche Zeit
11. Franck Bouyer (Frankreich) FDJ + 0.22
12. Mirko Celestino (Italien) Polti gleiche Zeit
13. Emmanuel Magnien (Frankreich) Festina gleiche Zeit
14. Eddy Seigneur (Frankreich) FDJ + 0.23
15. Philipp Buschor (Schweiz) Saeco gleiche Zeit

Gesamtwertung: wie Etappenergebnis


Dokumentation. sid schreibt:

Überraschung zum Auftakt der Tour de Suisse

Außenseiter Camenzind gewinnt Einzelzeitfahren

Plötzlich einsetzender Regen hat für einen Außenseitersieg beim Prolog der 61. Auflage der Tour de Suisse gesorgt. Das Einzelzeitfahren zum Auftakt der Radfernfahrt durch die Schweiz gewann nach 7,2 Kilometern auf dem Rundkurs in Romanshorn überraschend der Lokalmatador Oscar Camenzind.

Der 22jährige Eidgenosse vom italienischen Mapei-Rennstall siegte nach 8:57,42 Minuten mit drei Sekunden Vorsprung vor dem Niederländer Leon van Bon und fünf vor dem Italiener Roberto Petito. Als bester deutscher Starter fuhr der Heltersbeger Udo Bölts auf den fünften Rang direkt vor Jürgen Werner aus Köln.

Telekom-Fahrer Bölts, der erst am vergangenen Sonntag das Mehr-Etappenrennen Dauphine Libere in Frankreich gewonnen hatte, kam mit 14 Sekunden Rückstand auf Camenzind ins Ziel, Werner lag 19 Sekunden zurück. Achtbar auf den Rängen 17, 27 und 32 hielten sich Michael Rich (24 Sekunden) aus Waldkirch, der Ahlener Rolf Aldag (Telekom/27) und Dirk Baldinger (28) aus Merdingen.

Bei seinem Tagessieg profitierte Camenzind von der für ihn noch günstigen Wetterlage. Der Schweizer ging um 17.37 Uhr an den Start und trat dabei als einer der letzten Fahrer auf noch trockener Straße den Kampf gegen die Uhr über die kurvenreiche Strecke an. Nach seiner Zielankunft setzte der große Regen ein, und das letzte Viertel des Teilnehmerfeldes hatte mit der nassen Piste zu kämpfen.

Fast alle Favoriten waren zum Schluß des Zeitplans gesetzt und hatten somit keine Chance, an die zuvor erzielten Zeiten heranzukommen. Betroffen davon waren auch die Stars des Bonner Teams Deutsche Telekom. Als Telekom-Kapitän landete Dänemarks Tour-de-France-Sieger Bjarne Riis mit 54 Sekunden Rückstand nur auf dem 122. Platz im 156köpfigen Starterfeld. Noch schlimmer erwischte es Spurtstar Erik Zabel aus Unna. Der Punktbeste der letztjährigen
Tour de France landete mit 1:39 Minuten Rückstand auf dem 152. Platz.

Auch die Lokalfavoriten Tony Rominger und Alex Zülle fuhren auf der nassen Straße hinterher. Rominger wurde 38 Sekunden zurück, 64., den 108. Rang belegte Zülle mit 49 Sekunden Rückstand. Belgiens Weltmeister Johan Museeuw wurde landete 1:07 Minuten zurück auf Rang 143.


 

Dokumentation. Jürg Casanova schreibt für den Schweizer Tages-Anzeiger

Camenzind erster Leader

Der Schweizer gewann zum Auftakt der Tour de Suisse das Zeitfahren in Romanshorn

Das Hauseckenrennen von Romanshorn zum Auftakt der 61. Tour de Suisse wurde durch Regen beeinträchtigt und blieb von bescheidenem sportlichem Wert. Der Lichtblick aus Schweizer Sicht: Oscar Camenzind heisst der erste Leader.

7,2 km mass der Parcours durch die Hafenstadt am Bodensee, auf dem die Fahrer kaum je zu einem Rhythmus fanden, denn über ein Dutzend enge Kurven zwangen zum Abbremsen und zur richtigen Dosierung zwischen Mut zum Risiko und Vorsicht. Danach musste die Maschine von neuem beschleunigt werden. Auf dieser für ein Zeitfahren nicht glücklich gewählten Strecke konnte nur eine Spitzenzeit erzielen, wer die entsprechende mentale Einstellung, um nicht zu sagen
Aggressivität, an den Start brachte.

Damit nicht genug: Zu Beginn der letzten Stunde begann es kurz zu regnen - Camenzind hatte wenige Minuten zuvor sein Pensum absolviert. Auf nasser Strasse hatten Camenzinds Rivalen keine Chance, die Bestzeit des Zentralschweizers zu gefährden. Das lag nicht nur an den Kurven, sondern zusätzlich daran, dass ausgerechnet bei vielen Richtungsänderungen Strassenmarkierungen wie Fussgängerstreifen usw. vorhanden waren und die Unterlage besonders tückisch machten.

Kein Wunder, dass insbesondere die Fahrer mit klingenden Namen keine unnötigen Risiken eingingen oder die Distanz im offensichtlichen Schongang absolvierten. So findet man denn exzellente Zeitfahrer auf ganz ungewohnten Plätzen: Tony Rominger als 65., Jan Ullrich als 68., Laurent Jalabert als 104., Alex Zülle als 108., Bjarne Riis als als 122. und Ewgeni Berzin als 137. von 156 Gestarteten.

Oscar Camenzind gab sich als fairer Sieger, der gegenüber den Medien nicht unterschlagen wollte, dass ihm der Gewitterregen Vorteile gebracht hatte. "Ohne Regen hätte ich gegen so hochkarätige Konkurrenz wohl kaum gewonnen", erklärte der 25jährige Zentralschweizer. "Aber solche Parcours, in denen nicht einfach auf langen Geraden Tempo gebolzt wird, behagen mir. Ständige Rhythmuswechsel kommen mir entgegen." Camenzind, der in seiner zweiten Saison als Berufsfahrer und im Solde der italienischen Sportgruppe Mapei steht, hatte schon als Amateur einige Prologe gewonnen und erst vor wenigen Tagen auch jenen der Österreich-Rundfahrt. Dort hatte die Mannschaft allerdings auf Daniele Nardello als Leader gesetzt, und Camenzind hatte diszipliniert seinen Teil zum Gesamtsieg des jungen Italieners beigesteuert. Es wäre nicht mehr als billig, dass der Sportliche Leiter, der Belgier Patrick Lefévère, jetzt in der Heimat Camenzinds Gegenrecht hält.


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