GP Tell 1997


 

Oscar Camenzind, der letztjährige GP-Tell-Zweite, vor dem Start zum GP Tell 1997:
"Ich will den "TELL", wenn es die Konstellation zulässt, wiederum auf Sieg fahren. Das wird sich bereits am zweiten Tag zeigen, je nachdem was beim Aufstieg zum Lukmanierpass und dann hinauf nach Flims passiert."

Endlich gewann Oscar Camenzind eine Rundfahrt

(si/bz) Ohne einen Etappensieg errungen zu haben, hat Oscar Camenzind die 26. Auflage des GP Tell für sich entschieden. Der Gersauer holte sich am Samstag im Einzelzeitfahren das Leadertrikot und bekundete in der Schlussetappe nicht die geringsten Probleme, 48 Sekunden Vorsprung auf Niki Abersold und die 58 Sekunden auf Armin Meier zu verteidigen. Letzter Schweizer Gesamtsieger vor Camenzind war Dieter Runkel 1992.

Letztes Jahr hatte Camenzind in seinem ersten Jahr als Radprofi drei Etappen des GP Tell gewonnen. Dem taktischen Kalkül zufolge war aber sein damaliger Teamgefährte Andrea Dolci in der entscheidenden Fluchtaktion dabei, was dem Italiener den Gesamtsieg eintrug.

Auch diese Saison, neu unter den Farben der Sportgruppe Mapei, blieb Oscar Camenzind vorerst ein Gesamtsieg versagt. In der Österreich-Rundfahrt war er zwar der Stärkste, doch der Sieger hiess Daniele Nardello (It). In der Tour de Suisse, die er als Gesamtzweiter beendigte, wurde der Innerschweizer das grosse Opfer der Fehleinschätzung der Flucht eines Quartettes im Verlaufe der 3. Etappe zwischen Basel und La Chaux-de-Fonds.

Endlich, im weit weniger bedeutenden GP Tell, war es Oscar Camenzind vergönnt, seinen ersten Gesamtsieg in einer Rundfahrt als Radprofi zu feiern. Diesmal war er in keiner einzigen Etappe der Erste. Aber sein Formaufbau nach dem Tief am Ende der Tour de France erlaubte dem Innerschweizer, in der zweitgrössten Schweizer Rundfahrt einen Test vorzunehmen, der Camenzind im Hinblick auf die Strassen-WM zuversichtlich stimmen muss.

Er war im Verlauf der fünf Tage jener Fahrer, der in den entscheidenden Momenten unter den Anwärtern auf den Gesamtsieg der beste war. Camenzind löste im Rundstreckenrennen in Locarno die vorentscheidende Flucht aus, er war im Einzelzeitfahren (3.) schnell und er fuhr am Schlusstag so stark, dass er sich kaum mehr irgendwelcher Attacken erwehren musste. Die Apulien-Rundfahrt wird nun sein letzter Renneinsatz vor der WM in San Sebastian (Sp) sein.

Durch Niki Aebersold, der bis am Samstag mittag Gesamterster gewesen war, Armin und Roland Meier auf den Plätzen hinter Camenzind resultierte gar ein vierfacher Schweizer Triumph. Aebersold, der in diesem Jahr seit seinem Etappensieg in der Tour de Suisse grosse Fortschritte verzeichnete, wurde seine Schwäche in Prüfungen gegen die Uhr zum Verhängnis. Armin Meier bestritt das Zeitfahren möglicherweise etwas zu verkrampft. Zudem fehlte die Kraft, aber das ist nicht weiter verwunderlich. Nach seinem Fersenbruch in der 8. Etappe des Giro befindet sich der Reinacher noch immer im Aufbau. Ursprünglich hatten die Ärzte diagnostizierte, er könne bis Ende dieses Jahres keine Rennen mehr bestreiten.

 Schlussklassement:

1. Camenzind 16:02:24. 2. Aebersold 0:48. 3. Armin Meier 0:58. 4. Roland Meier 1:33. 5. Malberti 1:48. 6. Zberg 2:06. 7. Bölts 2:30. 8. Laddomada 3:08. 9. Figueras 3:43. 10. Sastre 12:42.

11. Andersson 13:25. 12. Vermaut 14:14. 13. Huser 23:57. 14. Charrière 25:58. 15. Patuelli 26:45. 16. Stadelmann 30:04. 17. Peschel 31:52. 18. Riis 31:57. 19. Aldag 32:23. 20. Konecny 32:54.

Ferner die weiteren Schweizer: 27. Müller 33:29. 38. Haymoz 35:12. 40. Fragnière 35:38. 45. Jenni 38:09. 47. Voléry 38:27. 51. Hotz 40:40. 53. Schätti 42:59. 54. Strauss 43:08. 55. Schnider 44:08. 56. Von Flüe 44:14. 57. Aeschbach 44:17. 59. Graf 46:07. 61. Themann 47:04. 64. Montgomery 48:57. 65. Vifian 49:12. 66. Göhring 49:40. 69. Zumsteg 55:58. 70. Buschor 1:02:57.