Wie
schon in den letzten Jahren, setzte Ösi auch dieses Jahr
auf die Weltcup-Klassiker. So waren die Rennen Amstel Gold Race,
Lüttich-Bastogne-Lüttich, Züri-Metzgete, Lombardei-Rundfahrt
und natürlich die Weltmeisterschaft dick in seinem Programm
angestrichen. Viel Rennpech und Verletzungen verhinderten jedoch
oft den Start an diesen Rennen. Am 6. April, bei der Flandern-Rundfahrt,
kurz vor seinen vorher genannten Soisonzielen, wollte er seine
gute Form testen. Leider endete dieses Vorhaben im Spital von
Oudenaarde, weil ein belgischer Berufskollege vom Team Marlux
seine Regenjacke so ungeschickt wegwarf, dass sich diese im Vorderrad
von Ösi verfing. Diagnose: Zwei gestauchte Rückenwirbel
und fast zwei Monate Rennpause. Damit konnte er sein gezieltes
Aufbautraining, das er im Winter und Frühling betrieben hatte
und ihm zu einer ausgezeichneten Form verhalf, leider nicht in
gute Resultate umsetzen.
Sein erstes "richtiges" Rennen nach der Verletzung war
dann die Tour de Suisse (16.- 25. Juni), wo er trotz der langen
Zwangspause bereits wieder gute Leistungen zeigte.
Bei
der Schweizermeisterschaft in Ruggel (29.Juni) wenige Tage nach
Ende der Tour de Suisse machte Ösi schon wieder einen sehr
starken Eindruck. Hätte es keine Stallorder gegeben, wäre
der zweite SM-Titel dringelegen. (1. Schnyder, 2. Beuchat, 3.
Aebersold, 4.Camenzind; alle Phonak).
Nach der TdS beginnt bekanntlich die Tour de France, für
die Phonak keine Wildcarde erhalten hatte. Und während die
TdF am Laufen ist, gibt es wenig andere Startmöglichkeiten.
Eine davon war war die Sachsen-Tour, wo Ösi in der 3.Etappe
seinen ersten Saisonsieg feiern konnte und mit einem zweiten Platz
im Prolog seine gute Form unterstrich.
Die zweite Hälfte der Weltcuprennen wurde in San Sebastian
(9.August) gestartet. Bei Temperaturen von über 45°C
musste "Schlechtwetterfahrer " Camenzind schwer kämpfen.
Mit Dehydrierung und Anzeichen auf Hitzschlag bettelte Ösi
am Jaizkibel um Wasser. Ein Zuschauer konnte den schlimmsten Durst
mit einem Bidon Wasser mildern. Das Ziel erreichte er mit dem
ersten Feld auf Rang 29.
Beim Weltcuprennen in Zürich am 17. August war es zwar immer
noch recht heiss, aber mit rund 30°C doch einiges "kühler".
Das Rennen verlief fast wie jedes Jahr. Alle schauten auf die
Favoriten und mit Daniele Nardello entwischte ein Aussenseiter.

Oski
gelang mit dem 7. Rang ein sehr gutes Resultat, wenn man bedenkt,
dass er überhaupt keine Unterstützung von seiner Mannschaft
erhielt.
So blieb noch die WM in Hamilton, worauf sich der Gersauer wieder
sehr gewissenhaft vorbereitet hatte. Fast alles lief nach Plan.
Er war eine Runde vor Schluss zusammen mit den Topfavoriten dem
Feld entwischt. Nur Astarloa konnte sich noch aus dieser hochkarätigen
Gruppe absetzen. Knapp hinter dem neuen Weltmeister fuhr Ösi
in die Zielkurve. Es ging noch um Platz zwei. In der Kurve rutschte
dann plötzlich das Vorderrad weg, und ein Sturz vermieste
die letzten WM-Träume. Diagnose: eine Rippe und den kleinen
Finger gebrochen und überall schmerzhafte Prellungen.
Das hinderte Ösi aber nicht, drei Tage später bei Mailand-Turin
an den Start zu gehen. Auch sechs Tage später bei der Lombardei-Rundfahrt
wollte es Ösi nochmals wissen, musste aber dann doch wegen
zu starken Schmerzen aufgeben.
Insgesamt also wieder eine Saison mit sehr viel Pech und Verletzungen,
aber dadurch lässt sich ein Camenzind nicht unterkriegen.
2004 ist wieder ein anderes Jahr! (Bild: Keropress)