Oscar Camenzind
Lombardei 1999

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Zum Saisonabschluss knapp am Sieg vorbei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Spurt einer Fünfergruppe hat Mirko Celestino (It) die Lombardei-Rundfahrt gewonnen, das letzte klassische Eintagesrennen der Saison. Hinter Danilo di Luca und Eddy Mazzoleni belegte Oscar Camenzind den 4. Platz. Den Gesamt-Weltcup gewann der Wahl-Belgier Andrej Tschmil. 

Auf einer schwereren Strecke wie letztes Jahr versuchte Camenzind mit dem gleichen Rezept zum Erfolg zu kommen wie vor zwölf Monaten: mit einem Antritt 4 km vor dem Ziel hinauf zur Altstadt von Bergamo. Doch statt Boogerd hiessen die letzten Gegner diesmal Danilo di Luca und Eddy Mazzoleni, und die beiden Italiener liessen sich nicht abschütteln wie damals der Holländer. 

Doch vom dritten Italiener im Bunde ging die grösste Gefahr aus. Celestino, der den Kontakt mit der Spitze verloren hatte und der vom teamfremden Dimitri Konischew (Russ) in der Abfahrt wieder nach vorne gefahren wurde, nutzte den Schwung der Aufholjagd und lancierte nach der letzten Kurve 400 m vor Schluss den Spurt. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Italiener ausgerechnet in diesem Moment herankommt", schilderte Camenzind den wichtigen Augenblick, nach dem er den Sprint nur noch in der Rolle des Zuschauers erlebte. 

Richards Zukunft ungewiss 

Bis an den Fuss der letzten Steigung hatte auch Pascal Richard der Spitzengruppe angehört. Der Romand wurde eliminiert, nachdem er vorher schon an Beinkrämpfen gelitten hatte, die darauf zurückzuführen waren, dass er ein sehr aktives Rennen fuhr. Ob der Olympiasieger den letzten grossen Wettkampf seiner Laufbahn bestritt, ist
noch offen. Von seiner Sportgruppe Mobilvetta hat er kein Angebot erhalten, das seiner Ansicht nach vom Einkommen her die Goldmedaille von Atlanta aufwiegt. 

Die Behauptung wäre falsch, Mirko Celestino habe nach Hamburg seinen zweiten Weltcup-Triumph dieses Jahres gestohlen. Der an der ligurischen Küste aufgewachsene Italiener, der in der Lombardei Wohnsitz genommen hat und der deshalb quasi einen Heimsieg feierte, lag in der letzten Rennstunde mit Ausnahme einiger weniger Minuten stets an der Spitze. Hatte er in Hamburg einen Moment des Zögerns der Gegner wenige hundert Meter vor dem Ziel zum Erfolg genutzt, so spielte er diesmal eine mitbestimmende Rolle. Und Celestino ist diese Saison der einzige Fahrer, der mehr als eines der zehn Weltcuprennen für sich entscheiden konnte. 

Alle Pläne misslungen 

In der Mannschaft der Gebrüder Zberg und des Weltcup-Zweiten Michael Boogerd hatte man für die Classique der fallenden Blätter Grosses vor. Das Rennen sollte gewonnen werden, der Weltcup ebenso und schliesslich lockte in der Teamwertung der UCI-Weltrangliste die Übernahme des 1. Platzes. 

Die Umsetzung der Vorhaben in die Realität scheiterte jedoch an einer konfusen Strategie. Im kleinen Hauptfeld von 24 Fahrern zwar zahlenmässig gut vertreten, machte jeder ein bisschen, aber keiner richtig. Rolf Sörensen vergeudete seine Kräfte, Boogerd zeigte sich zu oft, die Zbergs übernahmen einige Ablösungen. Am Schluss stand das Team mit leeren Händen da. Es blieb durch Markus Zberg als Spurtsieger der ersten Verfolger nur der 6. Rang. 

Die Beobachter erhielten beinahe ein Abbild der derzeitigen Situation bei Rabobank nach dem Fall Erik Dekker, der 24 Stunden vor der Strassen-WM wegen eines zu hohen Hämatokritwertes nach Hause geschickt werden musste. Der Hauptsponsor hat zur Abklärung der Angelegenheit drei unabhängige Fachleute bestellt. Sollte sich erhärten, dass Dekker mit Mitteln zur Leistungssteigerung manipuliert hat, hätten die Gebrüder Zberg und Niki Aebersold zwar noch einen Vertrag mit Jan Raas, aber keinen Geldgeber mehr im Hintergrund. 

Immer gepunktet 

Nach einem 3. Rang 1994 und dem 2. Platz 1995 ist Andrej Tschmil erstmals Weltcup-Gesamtsieger geworden. Der Russe hatte in der Lombardei-Rundfahrt leichtes Spiel. Er konnte sich konsequent an Boogerds Hinterrad heften und so das Risiko erheblich reduzieren, dass der Holländer die Classique gewinnt oder als Zweiter beendet. Dies hätte, mit einer schlechten Klassierung von Tschmil, die einzige theoretische Möglichkeit bedeutet, dass es an der Spitze des Weltcups noch zu einem Wechsel gekommen wäre. 

Die Basis zu seinem Gesamterfolg hatte Tschmil im März mit seinem Sieg in Mailand - San Remo gelegt. Daneben belegte er in der Meisterschaft von Zürich den 3. und in San Sebastian den 4. Platz. Der Russe ist der einzige Fahrer unter den 120 Klassierten des Weltcups, der in allen zehn Rennen punktete. 

93. Lombardei-Rundfahrt (Varese - Bergamo, 262 km, 10. Weltcuprennen der Saison): 

1. Mirko Celestino (It) 6:21:50 (41,170 km/h)
2. Danilo di Luca (It)
3. Eddy Mazzoleni (It)
4. Oscar Camenzind (Sz)
5. Dimitri Konischew (Russ) alle gleiche Zeit
6. Markus Zberg (Sz) 0:11
7. Marco Serpellini (It)
8. Marco Velo (It)
9. Paolo Bettini (It)
10. Christophe Moreau (Fr) 

11. Pascal Richard (Sz)
12. Rolf Sörensen (Dä)
13. William McRae (USA)
14. Andrej Tschmil (Russ)
15. Michael Boogerd (Ho) 
16. Andrej Zintschenko (Russ)
17. Daniele Nardello (It)
18. Mauro Gianetti (Sz)
19. Pawel Tonkow (Russ)
20. Santiago Blanco (Sp) alle gleiche Zeit 

21. Marcello Siboni (it) 0:26
22. Andrea Noé (It)
23. Felix Garcia (Sp) beide gleiche Zeit
24. Gilberto Simoni (It) 0:50
25. Beat Zberg (Sz)
26. Kurt Van de Wouwer (Be)
27. Jan Ullrich (De) 
28. Massimo Codol (It)
29. Igor Pugaci (Mold)
30. Andrea Tafi (It) alle gleiche Zeit

Ferner: 52. Felice Puttini (Sz) 10:21

169 gestartet, 57 klassiert

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