97.Lombardei-Rundfahrt
Wie
im Vorjahr heisst der Sieger der Lombardei-Rundfahrt Michele Bartoli.
Der Italiener überraschte seine Gegner 20 km vor dem Ziel
der Classique der fallenden Blätter.
[Si] - Einzig Bartolis Landsmann Angelo Lopeboselli reagierte
auf den Vorstoss, vermochte aber seinem wesentlich routinierten
Gegner in der letzten Steigung hinauf zur Altstadt von Bergamo
nicht mehr zu folgen. Bartoli wartete danach auf seinen sieben
Jahre jüngeren Gegner und bezwang ihn im Spurt sicher Seit
Eddy Merckx in den Jahen 1971 und 1972 ist Bartoli der erste Fahrer,
der die Lombardei-Rundfahrt zweimal in Folge zu gewinnen vermochte.
Wie
schon letztes Jahr hatte es in Italien einige Polemik gegeben,
weil Michele Bartoli nicht für die Strassen-WM aufgeboten
worden war. Der eigenwillige Fahrer passte nicht ins Konzept des
Nationalcoaches Franco Ballerini. Bartoli trat erst ab Mitte August
in Erscheinung. Der Italiener hatte Anfang Februar beim Training
in der Nähe von Barcelona auf der regennassen Strasse bei
einem üblen Sturz einen zweifachen Bruch des Beckens erlitten.
Mit seinem Sieg in der hoch eingestuften Lazio-Rundfahrt bewies
Bartoli am 20. September, dass er wieder zurück auf ein hohes
Niveau gefunden hatte.
Schon
vor der Lombardei-Rundfahrt hatte Paolo Bettini als erneuter Gesamtsieger
des Weltcups festgestanden. Das Ziel erreichte der Italiener nicht
auf seinem Rennvelo, sondern im Mannschaftswagen. Bettini war
40 km vor dem Ziel aus der Gruppe der Besten abgehängt worden
und gab das Rennen 20 km später auf. Nicht mehr ganz in Hochform
und nach der Rückkehr aus Kanada vom Zeitunterschied noch
nicht ganz retabliert, stand Bettini ebenso auf verlorenem Posten
wie der neue Strassenweltmeister Igor Astarloa, der sogar schon
zu einem früheren Zeitpunkt eliminiert worden war. Der Spanier
hatte nach seinem Titelgewinn noch drei Tage New York besucht
und war erst zur Wochenmitte nach Europa zurückgekehrt. Damit
fehlte es auch an der Möglichkeit, im Hinblick auf dieses
klassische Eintagesrennen noch vernünftig zu trainieren.
Dank
der früheren Rückkehr hatte Beat Zberg den Zeitunterschied
offensichtlich weit besser verdaut. Der Schweizer war unter den
elf gestarteten Schweizern klar der Beste. Nachdem er in der Schlussphase
rund 30 km an vorderster Front zurückgelegt hatte, reagierte
auch Zberg nicht, als Bartoli seine entscheidende Attacke einleitete.
Immerhin verfügte Beat Zberg am Schluss noch über die
Kraft, die erste Verfolgergruppe im Spurt um den 4. Platz zu schlagen.
Einzig Dario Frigo war es noch gelungen, sich leicht abzusetzen,
was dem Blondschopf den 3. Platz eintrug.
97.
Lombardei-Rundfahrt (Como - Bergamo, 249 km, letztes Weltcuprennen
der Saison): 1. Michele Bartoli (It) 6:29:41 (38,184 km/h). 2.
Angelo Lopeboselli (It) 0:02. 3. Dario Frigo (It) 1:35. 4. Beat
Zberg (Sz) 1:47. 5. Miguel Angel Martin Perdiguero (Sp). 6. Cédric
Vasseur (Fr). 7. Sergej Gontschar (Ukr). 8. Patrik Sinkewitz (De).
9. Guido Trentin (It). 10. Michael Boogerd (Ho).
11.
Peter Luttenberger (Ö). 12. Aitor Garmendia (Sp). 13. Leonardo
Piepoli (It). 14. Felix Garcia Casas (Sp), alle gleiche Zeit.
15. Matthias Kessler (De) 1:58. 16. Angel Vicioso (Sp). 17. Frank
Schleck (Lux). 18. Juan Antonio Flecha (Sp). 19. David Moncoutié
(Fr). 20. Andrea Peron (It).
21.
Marcos Serrano (Sp). 22. Carlos Sastre (Sp), alle gleiche Zeit.
23. Alessandro Bertolini (It) 3:08. 24. Markus Zberg (Sz). 25.
Gerrit Glomser (Ö), beide gleiche Zeit. 26. Maarten den Bakker
(Ho) 3:12. 27. Massimo Giunti (It). 28. Mario Aerts (Be). 29.
Isidro Nozal (Sp), alle gleiche Zeit. 30. Michael Rasmussen (Dä)
3:35. -- Ferner: 39. Alejandro Valverde (Sp) 5:00. 45. Davide
Rebellin (It). 46. Francesco Casagrande (It), beide gleiche Zeit.
52. Alexandre Moos (Sz) 9:31. 59. Daniel Schnider (Sz) 13:29.
66. Martin Elmiger (Sz), gleiche Zeit. -- 191 gestartet, 77 klassiert.
Aufgegeben u.a. Paolo Bettini (It), Igor Astarloa (Sp), Oscar
Camenzind (Sz).
Weltcup.
Schlussklassement (10 Rennen): 1. Bettini 365. 2. Boogerd 220.
3. Peter van Petegem (Be) 219. 4. Rebellin 187. 5. Erik Zabel
(De) 186. 6. Danilo Di Luca (It) 140. 7. Mirko Celestino (It)
139. 8. Daniele Nardello (It) 124. 9. Bartoli 124. 10. Casagrande
123. -- Ferner: 16. Astarloa 71. 18. Beat Zberg 62. 28. Markus
Zberg 29.
Sportgruppen:
1. Saeco (Di Luca, Celestino) 79. 2. Quick Step Bettini) 72. 3.
Alessio (Noé) 47. 4. Rabobank (Boogerd) 47. 5. Fassa Bortolo
(Bartoli) 45. 6. Team Telekom (Zabel, Kessler) 30. -- 13. Phonak
(Camenzind) 12. -- 19 klassiert.
Camenzind bisher einziger Sieger im Regenbogentrikot
17.10.03 (rsn) - Der frisch gebackene Weltmeister Igor Astarloa
(Saeco) peilt nach einer turbulenten Woche, die von einem Streit
um Bestechungsvorwürfe und Gerüchten um einen Dopingfall
überschattet war, bei der 97. Lombardei-Rundfahrt am Samstag
seinen ersten Sieg im Regenbogentrikot an. Im Weltcup, der mit
dem "Monument" zu Ende geht, ist die Entscheidung bereits
gefallen. Paolo Bettini (Quick Step) ist der Gesamtsieg nicht
mehr zu nehmen.
Astarloa
ist am letzten Mittwoch nach einem Kurzurlaub in New York wieder
nach Italien zurückgekehrt, wo der Baske seit Jahren zuhause
ist. Sechs Tage nach seinem WM-Triumph in Kanada ist die Lombardei-Rundfahrt
sein erstes Rennen im Regenbogentrikot. Die Unruhe der letzten
Tage um Astarloas Vorwürfe, Bettini habe ihn zu bestechen
versucht (Astarloa: "Mißverständnis") und
die Spekulationen, der Weltmeister könnte gedopt gewesen
sein (Ergebnisse der Dopingkontrollen werden nächste Woche
erwartet), will Astarloa hinter sich lassen. Mit Training an seinem
Wohnort am Gardasee versuchte der Weltmeister seit Donnerstag
den Kopf frei zu bekommen.
Seit die Weltmeisterschaften im Oktober ausgetragen wurden, gelang
es nur dem Schweizer Oskar Camenzind (1998) im Regenbogentrikot
die Lombardei-Rundfahrt, die zu den fünf "Monumenten"
des Radsport zählt, zu gewinnen. "Der Kurs liegt mir",
gibt sich Astarloa optimistisch. Der Spanier ist letzte Saison
zum ersten Mal den großen italienischen Herbstklassiker
gefahren, er kam auf den 23.Platz.
Das
Rennen beginnt in diesem Jahr wieder in Como, das in den Achtzigern
bereits Startort war. Das Ziel liegt nach 249km wie immer in Bergamo,
wo die Rennfahrer nach gut sechs Rennstunden gegen 16:30 Uhr erwartet
werden. Im schweren Profil des Rennens stehen die Anstiege von
Madonna del Ghisallo, Colle del Gallo, Selvino und Berbenno sowie
schließlich 4000 Meter vor Schluss in der Oberstadt von
Bergamo der Largo Colle Aperto, an dem die letzte Selektion erfolgt.
Die
drei Bitteren
Für
die Italiener hat die Lombardei-Rundfahrt wieder einmal besondere
Bedeutung, weil die squadra azurra bei der Straßen-WM leer
ausging. Und ganz besonders ambitioniert gehen drei Italiener
ins Rennen, die trotz guter Form nicht für die WM nominiert
worden waren. Allen voran Michele Bartoli (Fassa Bortolo), der
im vergangenen Jahr in Bergamo gewann, will sich für die
Nichtberücksichtigung revanchieren. Gleiches gilt für
den Vorjahres-Zweiten Davide Rebellin (Gerolsteiner) und den Lombardei-Sieger
von 1999, Mirko Celestino, der am Mittwoch mit seinem Sieg bei
Mailand-Turin seine Ambitionen bereits eindrucksvoll untermauerte.
Saeco hat neben Astarloa und Celestino mit Danilo Di Luca, dem
Sieger von 2001 ein weiteres Ass im Ärmel. Aus deutscher
Sicht zählt der Franke Matthias Kessler (Telekom), Elfter
2001 und 18. im letzten Jahr, zu den hoffnungsvollsten Startern.
Paolo
Bettini, der große Verlierer der Straßen-WM, hat eigentlich
mit der vorzeitig feststehenden Weltcup-Titelverteidigung und
der Führung in der Weltrangliste schon genug "Trostpreise",
doch der quirlige Toskaner startet grundsätzlich bei jedem
Rennen mit dem Sieg im Hinterkopf. In der Lombardei war Bettini,
der mit Luca Paolini den "Leutnant" an der Seite hat,
mit dem er bereits das Monument Mailand-San Remo aufmischte, noch
nie auf dem Podium. Ein neunter Platz 1999 und ein zehnter Rang
2000 waren seine besten Resultate. Den Weltcup mit einem Triumph
abzuschließen wäre so ganz nach dem Geschmack des italienischen
Meisters.
97.Lombardei-Rundfahrt
Kurs:
249 km.
Start
um 10:15 Uhr in in Como, Zielankunft in Bergamo gegen 16:40 Uhr.
Schwerer Kurs mit den Anstiegen von Madonna del Ghisallo, Colle
del Gallo, Selvino, Berbenno. Letzter Anstieg Largo Colle Aperto
4km vor dem Ziel.
Teams am Start: Fassa Bortolo, Alessio, De Nardi, Domina Vacanze,
Formaggi Pinzolo, Lampre, Mercatone Uno, Panaria, Saeco, Tenax
und Vini Caldirola (ITA), CCC (POL), Cofidis (FRA), CSC (DAN),
Landbouwkrediet, Lotto und Quick Step (BEL), ibanesto.com, Kelme
und ONCE (ESP), Bianchi, Gerolsteiner und Telekom (ALL), Phonak
(SUI), Rabobank (PBS)
Favoriten:
Paolo Bettini (ITA), Michael Boogerd (PBS), Luca Paolini (ITA),
Oscar Camenzind (SUI), Igor Astarloa (ITA), Mirko
Celestino (ITA), Michele Bartoli (ITA), Danilo Di Luca (ITA),
Francesco Casagrande (ITA), Davide Rebellin (ITA)