Lombardei 2003


 

97.Lombardei-Rundfahrt

Wie im Vorjahr heisst der Sieger der Lombardei-Rundfahrt Michele Bartoli. Der Italiener überraschte seine Gegner 20 km vor dem Ziel der Classique der fallenden Blätter.

[Si] - Einzig Bartolis Landsmann Angelo Lopeboselli reagierte auf den Vorstoss, vermochte aber seinem wesentlich routinierten Gegner in der letzten Steigung hinauf zur Altstadt von Bergamo nicht mehr zu folgen. Bartoli wartete danach auf seinen sieben Jahre jüngeren Gegner und bezwang ihn im Spurt sicher Seit Eddy Merckx in den Jahen 1971 und 1972 ist Bartoli der erste Fahrer, der die Lombardei-Rundfahrt zweimal in Folge zu gewinnen vermochte.

Wie schon letztes Jahr hatte es in Italien einige Polemik gegeben, weil Michele Bartoli nicht für die Strassen-WM aufgeboten worden war. Der eigenwillige Fahrer passte nicht ins Konzept des Nationalcoaches Franco Ballerini. Bartoli trat erst ab Mitte August in Erscheinung. Der Italiener hatte Anfang Februar beim Training in der Nähe von Barcelona auf der regennassen Strasse bei einem üblen Sturz einen zweifachen Bruch des Beckens erlitten. Mit seinem Sieg in der hoch eingestuften Lazio-Rundfahrt bewies Bartoli am 20. September, dass er wieder zurück auf ein hohes Niveau gefunden hatte.

Schon vor der Lombardei-Rundfahrt hatte Paolo Bettini als erneuter Gesamtsieger des Weltcups festgestanden. Das Ziel erreichte der Italiener nicht auf seinem Rennvelo, sondern im Mannschaftswagen. Bettini war 40 km vor dem Ziel aus der Gruppe der Besten abgehängt worden und gab das Rennen 20 km später auf. Nicht mehr ganz in Hochform und nach der Rückkehr aus Kanada vom Zeitunterschied noch nicht ganz retabliert, stand Bettini ebenso auf verlorenem Posten wie der neue Strassenweltmeister Igor Astarloa, der sogar schon zu einem früheren Zeitpunkt eliminiert worden war. Der Spanier hatte nach seinem Titelgewinn noch drei Tage New York besucht und war erst zur Wochenmitte nach Europa zurückgekehrt. Damit fehlte es auch an der Möglichkeit, im Hinblick auf dieses klassische Eintagesrennen noch vernünftig zu trainieren.

Dank der früheren Rückkehr hatte Beat Zberg den Zeitunterschied offensichtlich weit besser verdaut. Der Schweizer war unter den elf gestarteten Schweizern klar der Beste. Nachdem er in der Schlussphase rund 30 km an vorderster Front zurückgelegt hatte, reagierte auch Zberg nicht, als Bartoli seine entscheidende Attacke einleitete. Immerhin verfügte Beat Zberg am Schluss noch über die Kraft, die erste Verfolgergruppe im Spurt um den 4. Platz zu schlagen. Einzig Dario Frigo war es noch gelungen, sich leicht abzusetzen, was dem Blondschopf den 3. Platz eintrug.

97. Lombardei-Rundfahrt (Como - Bergamo, 249 km, letztes Weltcuprennen der Saison): 1. Michele Bartoli (It) 6:29:41 (38,184 km/h). 2. Angelo Lopeboselli (It) 0:02. 3. Dario Frigo (It) 1:35. 4. Beat Zberg (Sz) 1:47. 5. Miguel Angel Martin Perdiguero (Sp). 6. Cédric Vasseur (Fr). 7. Sergej Gontschar (Ukr). 8. Patrik Sinkewitz (De). 9. Guido Trentin (It). 10. Michael Boogerd (Ho).

11. Peter Luttenberger (Ö). 12. Aitor Garmendia (Sp). 13. Leonardo Piepoli (It). 14. Felix Garcia Casas (Sp), alle gleiche Zeit. 15. Matthias Kessler (De) 1:58. 16. Angel Vicioso (Sp). 17. Frank Schleck (Lux). 18. Juan Antonio Flecha (Sp). 19. David Moncoutié (Fr). 20. Andrea Peron (It).

21. Marcos Serrano (Sp). 22. Carlos Sastre (Sp), alle gleiche Zeit. 23. Alessandro Bertolini (It) 3:08. 24. Markus Zberg (Sz). 25. Gerrit Glomser (Ö), beide gleiche Zeit. 26. Maarten den Bakker (Ho) 3:12. 27. Massimo Giunti (It). 28. Mario Aerts (Be). 29. Isidro Nozal (Sp), alle gleiche Zeit. 30. Michael Rasmussen (Dä) 3:35. -- Ferner: 39. Alejandro Valverde (Sp) 5:00. 45. Davide Rebellin (It). 46. Francesco Casagrande (It), beide gleiche Zeit. 52. Alexandre Moos (Sz) 9:31. 59. Daniel Schnider (Sz) 13:29. 66. Martin Elmiger (Sz), gleiche Zeit. -- 191 gestartet, 77 klassiert. Aufgegeben u.a. Paolo Bettini (It), Igor Astarloa (Sp), Oscar Camenzind (Sz).

Weltcup. Schlussklassement (10 Rennen): 1. Bettini 365. 2. Boogerd 220. 3. Peter van Petegem (Be) 219. 4. Rebellin 187. 5. Erik Zabel (De) 186. 6. Danilo Di Luca (It) 140. 7. Mirko Celestino (It) 139. 8. Daniele Nardello (It) 124. 9. Bartoli 124. 10. Casagrande 123. -- Ferner: 16. Astarloa 71. 18. Beat Zberg 62. 28. Markus Zberg 29.

Sportgruppen: 1. Saeco (Di Luca, Celestino) 79. 2. Quick Step Bettini) 72. 3. Alessio (Noé) 47. 4. Rabobank (Boogerd) 47. 5. Fassa Bortolo (Bartoli) 45. 6. Team Telekom (Zabel, Kessler) 30. -- 13. Phonak (Camenzind) 12. -- 19 klassiert.


Camenzind bisher einziger Sieger im Regenbogentrikot

17.10.03 (rsn) - Der frisch gebackene Weltmeister Igor Astarloa (Saeco) peilt nach einer turbulenten Woche, die von einem Streit um Bestechungsvorwürfe und Gerüchten um einen Dopingfall überschattet war, bei der 97. Lombardei-Rundfahrt am Samstag seinen ersten Sieg im Regenbogentrikot an. Im Weltcup, der mit dem "Monument" zu Ende geht, ist die Entscheidung bereits gefallen. Paolo Bettini (Quick Step) ist der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen.

Astarloa ist am letzten Mittwoch nach einem Kurzurlaub in New York wieder nach Italien zurückgekehrt, wo der Baske seit Jahren zuhause ist. Sechs Tage nach seinem WM-Triumph in Kanada ist die Lombardei-Rundfahrt sein erstes Rennen im Regenbogentrikot. Die Unruhe der letzten Tage um Astarloas Vorwürfe, Bettini habe ihn zu bestechen versucht (Astarloa: "Mißverständnis") und die Spekulationen, der Weltmeister könnte gedopt gewesen sein (Ergebnisse der Dopingkontrollen werden nächste Woche erwartet), will Astarloa hinter sich lassen. Mit Training an seinem Wohnort am Gardasee versuchte der Weltmeister seit Donnerstag den Kopf frei zu bekommen.

Seit die Weltmeisterschaften im Oktober ausgetragen wurden, gelang es nur dem Schweizer Oskar Camenzind (1998) im Regenbogentrikot die Lombardei-Rundfahrt, die zu den fünf "Monumenten" des Radsport zählt, zu gewinnen. "Der Kurs liegt mir", gibt sich Astarloa optimistisch. Der Spanier ist letzte Saison zum ersten Mal den großen italienischen Herbstklassiker gefahren, er kam auf den 23.Platz.

Das Rennen beginnt in diesem Jahr wieder in Como, das in den Achtzigern bereits Startort war. Das Ziel liegt nach 249km wie immer in Bergamo, wo die Rennfahrer nach gut sechs Rennstunden gegen 16:30 Uhr erwartet werden. Im schweren Profil des Rennens stehen die Anstiege von Madonna del Ghisallo, Colle del Gallo, Selvino und Berbenno sowie schließlich 4000 Meter vor Schluss in der Oberstadt von Bergamo der Largo Colle Aperto, an dem die letzte Selektion erfolgt.

Die drei Bitteren

Für die Italiener hat die Lombardei-Rundfahrt wieder einmal besondere Bedeutung, weil die squadra azurra bei der Straßen-WM leer ausging. Und ganz besonders ambitioniert gehen drei Italiener ins Rennen, die trotz guter Form nicht für die WM nominiert worden waren. Allen voran Michele Bartoli (Fassa Bortolo), der im vergangenen Jahr in Bergamo gewann, will sich für die Nichtberücksichtigung revanchieren. Gleiches gilt für den Vorjahres-Zweiten Davide Rebellin (Gerolsteiner) und den Lombardei-Sieger von 1999, Mirko Celestino, der am Mittwoch mit seinem Sieg bei Mailand-Turin seine Ambitionen bereits eindrucksvoll untermauerte. Saeco hat neben Astarloa und Celestino mit Danilo Di Luca, dem Sieger von 2001 ein weiteres Ass im Ärmel. Aus deutscher Sicht zählt der Franke Matthias Kessler (Telekom), Elfter 2001 und 18. im letzten Jahr, zu den hoffnungsvollsten Startern.

Paolo Bettini, der große Verlierer der Straßen-WM, hat eigentlich mit der vorzeitig feststehenden Weltcup-Titelverteidigung und der Führung in der Weltrangliste schon genug "Trostpreise", doch der quirlige Toskaner startet grundsätzlich bei jedem Rennen mit dem Sieg im Hinterkopf. In der Lombardei war Bettini, der mit Luca Paolini den "Leutnant" an der Seite hat, mit dem er bereits das Monument Mailand-San Remo aufmischte, noch nie auf dem Podium. Ein neunter Platz 1999 und ein zehnter Rang 2000 waren seine besten Resultate. Den Weltcup mit einem Triumph abzuschließen wäre so ganz nach dem Geschmack des italienischen Meisters.


97.Lombardei-Rundfahrt

Kurs: 249 km.

Start um 10:15 Uhr in in Como, Zielankunft in Bergamo gegen 16:40 Uhr. Schwerer Kurs mit den Anstiegen von Madonna del Ghisallo, Colle del Gallo, Selvino, Berbenno. Letzter Anstieg Largo Colle Aperto 4km vor dem Ziel.

Teams am Start: Fassa Bortolo, Alessio, De Nardi, Domina Vacanze, Formaggi Pinzolo, Lampre, Mercatone Uno, Panaria, Saeco, Tenax und Vini Caldirola (ITA), CCC (POL), Cofidis (FRA), CSC (DAN), Landbouwkrediet, Lotto und Quick Step (BEL), ibanesto.com, Kelme und ONCE (ESP), Bianchi, Gerolsteiner und Telekom (ALL), Phonak (SUI), Rabobank (PBS)

Favoriten: Paolo Bettini (ITA), Michael Boogerd (PBS), Luca Paolini (ITA), Oscar Camenzind (SUI), Igor Astarloa (ITA), Mirko Celestino (ITA), Michele Bartoli (ITA), Danilo Di Luca (ITA), Francesco Casagrande (ITA), Davide Rebellin (ITA)