In Belgien hat Oscar Camenzind sein Palmares mit
einem weiteren grossen Sieg angereichert. Der 29-jährige Schweizer
gewann mit Lüttich-Bastogne-Lüttich die schwerste und älteste Radclassique
im Sprint einer fünfköpfigen Spitzengruppe.
[TA/si] - Camenzind war im Finale zusammen mit dem Weltranglisten-Ersten
Francesco Casagrande (It) der stärkste Fahrer. Er nahm den Kampf um
den Sieg auf der ansteigenden Zielgeraden aus der zweiten Position
hinter Casagrande in Angriff, breschte 150 m vor dem Ziel aus dem
Windschatten des Italieners an die Spitze und widerstand auch Rebellin
und Etxebarria.
«Im Finale habe ich alles richtig gemacht», sagte Camenzind hinterher.
«Ich habe mich ganz auf meinen Instinkt verlassen, und der hat mich
zum Glück nicht im Stich gelassen. In einer solchen Entscheidung
und mit diesen Gegnern ist es schwierig zu taktieren. Rebellin und
Etxebarria waren für mich die stärksten Sprinter. Doch entscheidend
waren hier die Kraftreserven.»
Die Vorentscheidung fiel erst in der zweitletzten der insgesamt
zehn heftigen Steigungen. Rund 82 Fahrer konnten sich gut 10 Kilometer
vor dem Ziel im Prinzip noch Chancen auf den Sieg ausrechnen, ehe
zunächst Etxebarria und hernach Casagrande an der Côte de Saint-Nicolas
die finale Zäsur bewirkten.
Mit Camenzind, Casagrande, Boogerd, Rebellin und Extebarria hoben
sich schliesslich doch noch fünf der meistgenannten Sieganwärter
vom Rest ab. Für Camenzind war dies der schwierigste Moment im Rennen:
«Als das Team von Casagrande im vollen Tempo in die Steigung hineinfuhr,
da musste ich wirklich auf die Zähne beissen.» In der Schlusssteigung
konterte Casagrande eine Attacke von Camenzind, dann holte der Schweizer
den Italiener zurück. Einen entscheidenden Vorsprung vermochte sich
jedoch keiner der Spitzenfahrer zu verschaffen, so dass es im Kampf
um den Sieg zum Sprint kam.
Nach dem WM-Titel und dem Gewinn der Lombardei-Rundfahrt 1998 sowie
dem Gesamtsieg in der Tour de Suisse im vorigen Sommer verbuchte
Camenzind den schon vierten Grosserfolg seiner Karriere. Zugleich
gewann der Schwyzer als bereits fünfter Schweizer die prestigeträchtige
Classique im Südosten Belgiens (nach 1951 und 1952 Ferdi Kübler,
1981 Sepp Fuchs, 1995 Mauro Gianetti, 1996 Pascal Richard). Bloss
die Belgier (61 Siege) und die Franzosen (9) waren im seit 1892
ausgetragenen Rennen noch erfolgreicher.
Mit den Plätzen 9 und 10 rundeten die Brüder Markus und Beat Zberg,
die mit 25 Sekunden Rückstand in der ersten Verfolgergruppe im Ziel
eintrafen, die hervorragende Schweizer Bilanz ab. Für die vom Erfolg
verwöhnte Mapei-Equipe setzte es hingegen erneut eine arge Niederlage
ab: Vorjahressieger Bettini wurde 15., der zweifache Gewinner Michele
Bartoli (It) bloss 28.