Oscar Camenzind
Mailand - Sanremo 99

Home Nach oben Tour Down Under Tirreno-Adriatico 1999 Mailand - Sanremo 99 Trentino-Rundfahrt Flèche Wallone Lüttich-Bastogne-Lüttich Berner Rundfahrt Gippingen 1999 Tour de Romandie Giro d'Italia 1999 Tour de Suisse 99 Lombardei 1999 WM 1999 Bildarchiv 1999 Gästebuch 1999  

 

       

 

 

 

webmaster 

Tschmil verhinderte Zabels Hattrick

Der dem erweiterten Favoritenkreis zugeordnete Andrej Tschmil hat das erste Rad-Weltcuprennen dieses Jahres, die über 294 km führende Classique Mailand - Sanremo, für sich entschieden. Der Wahlbelgier verhinderte den Hattrick von Erik Zabel, der nach zwei Siegen mit Platz 2 vorliebnehmen musste. Bester Schweizer wurde Markus Zberg, der den Sprint des grossen Hauptfeldes als 13. beendete.

Die Schweizer waren im spannenden Finale zwar präsent, zu einem Spitzenplatz reichte es jedoch nicht. Beat Zberg schloss zwar kurz vor dem letzten Kilometer zum solo führenden Italiener Gabriele Colombo, dem Sieger von 1996, auf. Gut 200 m später kam es jedoch zum Zusammenschluss. "Ich musste in dieser Situation einfach etwas machen. Als ich zu Colombo vorgestossen war, ging aber alles sehr schnell, und das Feld war sofort wieder da." Beat Zbergs jüngerer Bruder Markus hatte vergeblich darauf gehofft, dass er dank der Aktion von Beat im Sprint von seinen Teamkollegen unterstützt würde. "Ich war in der Entscheidung leider ganz auf mich allein gestellt", bedauerte Markus Zberg.

Ausgerechnet als die Schweizer Hoffnungen erloschen, nutzte der schon 36jährige Tschmil das kurze Zögern der Sprinter. Mit einem trockenen Antritt holte der in Sibirien geborene Routinier gut 50 m Vorsprung heraus und verteidigte die Reserve auf der Zielgeraden gegen das heranbrausende Feld mit Erfolg.

WM-Teilnehmer für 5 Länder

Tschmil ist ein ausgewiesener Classique-Jäger. Vor fünf Jahren gewann er mit Paris - Roubaix schon einmal ein Monument. Im vergangenen Jahr beendete er die Flandern-Rundfahrt als Dritter, Mailand - Sanremo als Fünfter, und 1997 setzte er sich im Weltcuprennen Paris - Tours durch. Tschmil hatte 1989 als einer der ersten Profis aus der ehemaligen Sowjetunion in den Westen gewechselt. Das Einzigartige am hervorragenden Finisseur ist freilich, dass er an Weltmeisterschaften schon fünf verschiedene Länder vertreten hat: die Sowjetunion, Russland, Moldawien, die Ukraine und Belgien. Seit 1998 ist Tschmil Belgier.

Tschmil sagte hinterher, er habe schon vor dem Rennen beabsichtigt, auf dem letzten Kilometer anzugreifen: "Die Einholung des Duos Zberg/Colombo und das kurze Verharren der Konkurrenz kamen mir dabei natürlich entgegen."

Zabel um 4.30 Uhr geweckt

Tschmil verhinderte mit seinem Gewaltsantritt auf dem letzten Kilometer den ersten Hattrick in Sanremo. Erik Zabel hätte sogar Eddy Merckx übertreffen können, der zwar zwischen 1966 und 1976 siebenmal an der Blumen-Riviera triumphiert hatte, aber nie dreimal in Folge. Der Klassesprinter Zabel hielt in den Steigungen wie bereits in den Jahren zuvor mit der Spitze mit, und sein Timing wäre erneut fast aufgegangen.

Womöglich schlug sich die frühe Tagwache negativ auf Zabels Explosivität im Endkampf aus. Schon um 4.30 Uhr hatten UCI-Kommissäre in Zabels Quartier angeklopt, um eine Blutprobe zu nehmen. "Das war eine Provokation", befand Zabel hinterher, "normalerweise kommen sie um 6 Uhr. Ich konnte nachher nicht mehr einschlafen."

Auch Sieger Tschmil musste eine Blutkontrolle über sich ergehen lassen, aber etwas später. Gewöhnlich wissen die Fahrer vor dem Start, ob im Blut ein erhöhter Hämatokritwert nachgewiesen wurde. Diesmal nicht. "Es war schon ein komisches Gefühl, so ins Rennen zu steigen", sagte Tschmil.

Geschlagene Italiener

Bis einen Kilometer vor dem Ziel hatten die Italiener das Rennen geprägt, letztlich setzte es für Bartoli und Co. aber eine empfindliche Niederlage ab. Mit dem viertklassierten Stefano Garzelli, dem Sieger der letztjährigen Tour de Suisse, brachten sie bloss einen Fahrer unter die ersten 9. Der Weltranglistenerste Michele Bartoli vermochte zwar an der Cipressa, der zweitletzten Steigung gut 20 km vor dem Ziel, als einziger Profi die Attacke Marco Pantanis halbwegs zu kontern. Aber in der folgenden, bis in die Schlusssteigung reichenden Fluchtaktion, in der Bartoli auch der starke und treue Helfer Paolo Bettini zur Seite stand, liess der Topfavorit zuviel Kraft, um am Poggio nochmals zu kontern.

Weltcuprennen Mailand - Sanremo (294 km):

1. Andrej Tschmil (Be)
2. Erik Zabel (De)
3. Zbigniew Spruch (Pol)
4. Stefano Garzelli (It)
5. Lauri Aus (Est)
6. Leon van Bon (Ho)
7. Peter van Petegem (Be)
8. Jo Planckaert (Be)
9. George Hincapie (USA)
10. Gabriele Balducci (It)

Ferner:
13. Markus Zberg (Sz)
28. Beat Zberg (Sz)

29. Oscar Camenzind (Sz)
58. Mauro Gianetti (Sz)
67. Pascal Richard (Sz), alle gleiche Zeit wie Tschmil
85. Rolf Huser (Sz) 3:03
100. Alexandre Moos (Sz) 6:47
114. Laurent Jalabert (Fr), gleiche Zeit

198 Fahrer gestartet, 169 klassiert.

Quelle: Blue Window

Zurück Home Nach oben Weiter