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20.08.00 - Dufaux gewinnt MvZ - Oscar Camenzind
auf Rang 7
19 Jahre nach Beat Breu hat wieder ein Schweizer die
Meisterschaft von Zürich gewonnen: Laurent Dufaux setzte sich nach einem
spannenden und von grossen Namen geprägten Rennen in einem Dreier-Spurt
vor dem Deutschen Jan Ullrich und Francesco Casagrande (It) durch.

[si/un] -
Um seinen ersten Weltcup-Sieg und den ersten Erfolg eines Schweizers seit
jenem von Oscar Camenzind 1998 in der Lombardei-Rundfahrt zu
bewerkstelligen, musste der 31-jährige Dufaux ein ordentliches Stück
Arbeit verrichten und zugleich die besten Rennfahrer der Welt schlagen.
Die Vorentscheidung auf dem anforderungsreichen Parcours mit gut 3500 m Höhendifferenz
leitete Lance Armstrong (USA) in der zweitletzten Runde 60 km vor dem Ziel
im Anstieg zum Pfannenstil ein. Der Tempoverschärfung des zweifachen
Siegers der Tour de France vermochten nur noch sieben Fahrer zu folgen,
unter ihnen mit Dufaux und Camenzind zwei Schweizer.
Die entscheidende Zäsur ging von Casagrande und Ullrich aus, die bei der
letzten Passage des Pfannenstils die Spitzengruppe sprengten. Nur noch
Dufaux widerstand den beiden Erstklassierten der Weltrangliste. Im Finale
lancierte Ullrich 250 m vor dem Ziel den Sprint von der Spitze aus, Dufaux
fing den Deutschen aber noch knapp ab. Camenzind beendete das Rennen
unmittelbar hinter Oscar Freire (Sp), seinem Nachfolger im Trikot des
Weltmeisters, im 7. Rang.
Dufaux rechtfertigte nicht nur die da und dort kritisierte
Olympia-Selektion mit Bravour, der Waadtländer fand in der Umgebung von Zürich
nach einer Saison mit reichlich Tiefs (Aufgabe der Tour de Suisse mit
einer Prostata-Entzündung und Sturz in der Tour de France) auch wieder
zum Erfolg. Dufaux' Sieg in der Meisterschaft von Zürich ist wohl noch höher
einzustufen als der Etappenerfolg in der Tour de France 1996, die beiden
4. Gesamtränge in der Tour (1996 und 1999), der zweite Platz in der
Vuelta 1996 sowie die Gesamtsiege in der Dauphiné-Rundfahrt (2) und der
Tour de Romandie, zumal er in Zürich gegen die nahezu stärkst mögliche
Konkurrenz zu Stande kam.
Der Sieg überraschte auch Dufaux selber: “Bisher war ich wirklich fast
nur in Etappenrennen erfolgreich. Es gab wohl einige Ehrenplätze in
Tageskursen, aber erst hier in Zürich passte alles zusammen.” Das schöne
Wetter und der coupierte Parcours gereichten dem vor allem als
Bergspezialisten bekannten Schweizer zum Vorteil, und dazu gesellte sich
das Rennglück. “Als wir uns im Finale zu dritt vorne befanden, rechnete
ich mir schon einiges aus. Aber vor allem Ullrich hinterliess einen nahezu
unglaublich starken Eindruck. Es war wohl mein Glück, dass er schon 800 m
vor dem Ziel die erste Attacke lancierte, jedoch ohne Erfolg blieb und
dann die Spitze übernehmen musste. Ich blieb in seinem Windschatten und
attackierte erst im letzten Moment. Nach 250 Kilometern entscheiden nur
noch die Kräfte und nicht mehr die reine Endschnelligkeit”, schilderte
Dufaux die letzten Meter. Der geschlagene Ullrich sagte, er freue sich
auch über Platz 2. “Ich habe zwar alles versucht, um zu gewinnen, hatte
aber Pech. Meine Siege aber werden noch kommen”, erklärte der Deutsche,
der wie bereits 1997 in Zürich Zweiter wurde.

“Dieser Sieg ist eine schöne Entschädigung für die vorab aus
gesundheitlichen Gründen schlechte Saison. Seit der Tour de France geht
es aber aufwärts. Im Training verbuchte ich täglich Fortschritte”, so
Dufaux. Er errang den zweiten Erfolg nach seiner siebenmonatigen, bis Ende
April 1999 dauernden Dopingsperre aus der Tour de France 1998. In diesem
Jahr hatte Dufaux in La Chaux-de- Fonds schon eine Etappe der Tour de
Romandie gewonnen. Ab nächstem Samstag bestreitet Dufaux mit Ambitionen
auf das Gesamtklassement die Spanien-Rundfahrt. “Ich hoffe, mit dem
Gewinn der Meisterschaft von Zürich eine erfolgreiche zweite Saisonhälfte
eingeläutet zu haben.”
In der Entscheidung stiess Oscar Camenzind (29) an seine Limiten. “In
den Steigungen bin ich noch nicht ganz so weit”, sagte der
Ex-Weltmeister. Camenzinds Team (Lampre) und jenes von Polti verhinderten
in der ersten Rennhälfte die Flucht einer gut 30-köpfigen Gruppe, die
zuweilen mit mehr als sechs Minuten vorausfuhr. “Wenn wir im Feld nicht
gearbeitet hätten, wären die Ausreisser wohl durchgekommen”, so
Camenzind. Zu der Vorhut gehörte als aussichtsreichster Schweizer Markus
Zberg. Nach der Einholung fehlten dem Urner in der 4. Runde aber die Kräfte,
um weiter mit den stärksten Profis mitzuhalten. Der Urner gab zwei Runden
vor Schluss auf.
Im Weltcup-Zwischenklassement baute Erik Zabel (De) die Führung gegenüber
Vorjahressieger Andrej Tschmil (Be) um weitere zwei Punkte auf 126 Zähler
aus. Die beiden abschliessenden Weltcup- Rennen (Paris - Tours und
Lombardei-Rundfahrt) finden erst nach den Olympischen Spielen statt.

“Züri-Metzgete” mit einer erstklassigen Besetzung

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Seit 1981 warten die Schweizer Radprofis auf einen
Heimsieg bei der “Meisterschaft von Zürich”. Die nächste Gelegenheit
auf einen Erfolg beim einzigen Schweizer Weltcuprennen (248,4 km) bietet
sich an diesem Sonntag bei der 87. Auflage. Doch die Konkurrenz ist auch
dieses Mal erstklassig: Im Feld der 22 Teams mit 176 Fahrern befinden sich
sämtliche Eintages-Spezialisten.
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[si/oba] -
Im Vordergrund steht das Duell um den Weltcup. Nachdem der Deutsche Erik
Zabel nach seinen Erfolgen bei Mailand-Sanremo und im Amstel Gold Race
bereits seinem ersten Gesamtsieg entgegen zu fahren schien, ist dank dem
letzten Rennen in San Sebastian wieder Spannung eingekehrt. Der belgische
Vorjahressieger Andrej Tschmil hat sich wieder bis auf 124 Punkte an den
Deutschen genähert. Da für einen Sieg 100 Punkte gutgeschrieben werden,
könnte Tschmil seine Aufholjagd auf der anspruchsvollen Zürcher Strecke
fortsetzen.
Hauptsächliche Siegesanwärter sind aber die Italiener Francesco
Casagrande, Paolo Bettini (Gewinner von Lüttich-Bastogne-Lüttich),
Davide Rebellin und der Hamburg-Sieger Gabriele Missaglia sowie der Holländer
Erik Dekker, der am vergangenen Samstag in San Sebastian triumphiert
hatte. Mit Aussenseiterchancen startet der spanische Weltmeister Oscar
Freire.
Im letzten Moment hat sich auch Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong, ein
exzellenter Eintagesfahrer, zu einer Teilnahme entschieden. Noch vor einer
Woche war der Texaner kurz vor dem Rennen in San Sebastian abgereist. Eine
Magenverstimmung verunmöglichte ihm eine Teilnahme. Inzwischen hat sich
der frühere Strassenweltmeister wieder erholt.
Camenzind und Markus Zberg aussichtsreichste Schweizer
Unter den 24 gemeldeten Schweizern ist am ehesten von Tour-de-
Suisse-Sieger Oscar Camenzind und dem WM-Zweiten Markus Zberg eine
Spitzenklassierung zu erwarten. Wenn Form und Rennglück gar
zusammenfallen, ist der erste Schweizer Erfolg seit 1981 nicht
ausgeschlossen. Damals siegte der Ostschweizer Beat Breu, nachdem er im
Finale seinen deutschen Kontrahenten Henry Rinklin düpiert hatte. Seither
sind vordere Platzierungen im Heimrennen weitgehend ausgeblieben. Selbst
seit dem letzten Podestplatz eines Schweizer Profis sind 12 Jahre
verstrichen. 1988 beendete Tony Rominger die “Züri-Metzgete” im
dritten Rang.Als Aussenseiter starten hingegen die beiden Schweizer
GS-2-Mannschaften Post Swiss Team und Phonak Hearing Systems. Beide
Equipes, die in Zürich ihr einziges Weltcuprennen in diesem Jahr
bestreiten, sind vom Veranstalter mit einer Wild Card eingeladen worden.
Chancen auf eine Spitzenklassierung werden die Fahrer dieser zwei Teams
kaum haben. Vielmehr werden sie ihr Heil in frühen Fluchtgruppen suchen,
um wenigstens temporär den medialen Blick auf ihren Sponsor zu lenken.
Zülle, Richard und Beat Zberg nicht am Start
Einziger prominenter Abwesender im Schweizer Lager ist Alex Zülle. Der
Ostschweizer hält sich derzeit in Spanien auf und bereitet sich auf die
Spanien-Rundfahrt vor, die eine Woche nach Zürich in Malaga gestartet
wird. Aus diesem Grund hat sich gleich die ganze Banesto-Mannschaft in der
Schweiz abgemeldet. Ebenfalls nicht am Start steht Olympiasieger Pascal
Richard, dessen Team Linda McCartney nicht eingeladen wurde. Auch Beat
Zberg verzichtet nach seiner langen Verletzungspause auf eine Teilnahme.
Ein Jahr nachdem der neue Organisator Daniel Perroud aus Genf sowie der
Radfahrer-Verein Zürich als Besitzer des Rennens die Meisterschaft von Zürich
wieder vollständig in die Limmatstadt verlegt haben, ist der Rundkurs ins
Zürcher Oberland nur leicht modifiziert worden. Beibehalten wurde die
Passage des 727 m hohen Pfannenstiels, einzig die Abfahrt zum Zürichsee
wurde entschärft.
Eines der anspruchsvollsten Weltcuprennen
Der Parcours wurde dadurch einige Kilometer kürzer, weshalb neu sechs
statt fünfeinhalb Runden auf dem Programm stehen. Start und Ziel befinden
sich unverändert an der Zürcher Bellerive-Strasse in unmittelbarer Nähe
des Bellevue. Die Gesamtdistanz beträgt 248,4 km, die Höhendifferenz
3426 m. Damit gehört die Meisterschaft von Zürich weiterhin zu den
anspruchsvollsten Weltcuprennen überhaupt.
Marschtabelle: Start in Zürich, Bellerive-Strasse (10.20 Uhr) -
Forch (10.47) - Pfannenstiel (11.08) - Zürich, 1. Zielpassage (11.28) -
Forch (11.52) - Pfannenstiel (12.12) - Zürich, 2. Zielpassage (12.30) -
Forch (12.53) - Pfannenstiel (13.13) - Zürich, 3. Zielpassage (13.32) -
Forch (13.55) - Pfannenstiel (14.14) - Zürich, 4. Zielpassage (14.33) -
Forch (14.55) - Pfannenstiel (15.14) -Zürich, 5. Zielpassage (15.30) -
Forch (15.53) - Pfannenstiel (16.12) - Ziel in Zürich, Bellerivestrasse
(16.28). -- Distanz: 248,4 km. -- Höhendifferenz: 3426 m.

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