Oscar Camenzind ist im Alter von 25 Jahren verhältnismässig spät ins Profimetier eingestiegen.
beendigte Oscar Camenzind seine erste Tour de France in den Farben von Panaria im 36. Rang. Im gleichen Jahr war der Innerschweizer an den Strassen-WM in Lugano Edeldomestike für den späteren WM-Zweiten Mauro Gianetti und sorgte damit erstmals international für Anerkennung.
Der GP-Tell-Gesamtsieg, der zweite TdS-Schlussrang und der 12. TdF-Schlussrang von 1997 sind die Höhepunkte seines zweiten Profijahres. Dabei begeisterte vor allem die entfesselte Fahrweise Camenzinds in der Tour-de-Suisse-Etappe nach Davos die Massen.
startete Ösi als Helfer von Pavel Tonkow erstmals zum Giro d'Italia und erreichte mit dem 4. Schlussrang sein wohl bisher wertvollstes Resultat als Profi, bis er am 11. Oktober in Valkenburg, Holland, Strassen-Weltmeister wurde. Er ist damit der Nachfolger der Radlegende Ferdy Kübler, der vor 47 Jahren als letzter Schweizer Strassenweltmeister wurde. Im vom Regen geprägten WM-Rennen konnte Camenzind seinen letzten Begleiter den Holländer van Petegem distanzieren. Es war der Herbst des mittlerweile 28-jährigen Ösi. Mit dieser Form und der ausgezeichneten moralischen Verfassung gewann er auch den Saisonabschluss, die Lombardei-Rundfahrt, vor dem Holländer Michael Boogerd.
Steckbrief
Name: Oscar Camenzind
Spitzname: Ösi oder Ösel (Angela sagt Osci)
Geboren: 12. September 1971
Wohnort: 6442 Gersau, Büelstrasse
Beruf: Postbeamter, seit 1996 Radprofi
Verein: Velo Club Gersau
Familie: aufgewachsen in einer Bergbauernfamilie in Gersau, zusammen mit vier Geschwistern
Zivilstand: verheiratet seit dem 27. Oktober 2001
Grösse: 173 cm
Gewicht: 63 kg
Hobbys: Musik, Sport allgemein, Berge
Lieblingsgetränk: Mineralwasser
Lieblingsessen: Italienische Küche
Lebensmotto: Leben und leben lassen
Sportkarriere: Anfänger (1986/1987), Junior (1988/1989), Amateur (1990), Elite-Amateur bei GS Cilo Wenger (ab April 1990), bei GS Mazza (1991/1992, beim VC Lugano (1993/1994), bei Nippon Hodo (Japan, 1995), Profi bei GS Panaria-Vinavil (1996), bei Mapei-GB (ab 1997), Mapei-Bricobi (1998), Lampre-Daikin (1999,2000,2001), PHONAK-Hearing Systems (2002,2003,2004)
gewann er die 1. Etappe der Trentino-Rundfahrt und die 8. Etappe der Tour de Suisse von Landeck nach Nauders, die auf Grund der schlechten Witterung verkürzt worden war. Das zum Weltcup zählende Rennen "Flèche Wallone" beendete er als guter Vierter hinter dem italienischen Sieger Michele Bartoli. An der WM in Verona, seinem grossen Saisonziel, fehlte dem Titelverteidiger das Glück. Als wohl stärkster Fahrer im Feld erreichte er "nur" den sechsten Schlussrang.
Auch im Jahr 2000 startete Oscar Camenzind wieder in den Farben von LAMPRE-DAIKIN. Sechs lange Jahre hatte es gedauert, bis endlich wieder ein Schweizer die TOUR DE SUISSE gewann. In dieser Saison erreichte Ösi ein Dutzend Top-Ten-Platzierungen, darunter ein vierter Rang in einer Vuelta-Etappe und ein siebter Rang im Weltcup-Rennen von Zürich. An der WM in Plouay mitschte er wieder bis am Schluss vorne mit und wurde Sechzenter.
war das letzte Jahr in den LAMPRE-Farben. Eine gute Klassierung im Weltcup und wenn möglich die Tour de Suisse wieder zu gewinnen, waren die diesjährigen Ziele. Mit dem grossartigen Sieg bei Lüttich - Bastogne - Lüttich reichte es im WC zum ausgezeichneten 7. Schlussrang. Mehr lag nicht drin, weil ein Drüsenfieber-Virus Oscar zum vorzeitigen Saisonende nach der Vuelta zwang. Die Wiederholung des Tour de Suisse Sieges wurde im Aufstieg zum Gotthardpass vereitelt. Als Trost blieb der Sieg in der Schlussetappe der Schweizer Rundfahrt.
war das erste Jahr bei PHONAK Hearing Systems. Schon die Mittelmeer Rundfahrt brachte die ersten Top Ten Platzierungen der Saison und bei der Murcia Rundfahrt stand Oscar bereits wieder auf dem Podest. Dann folgte ein Rückschlag: Gesundheitliche Probleme zwangen Camenzind zu langem Nichtstun. Erst im Herbst konnte der Innerschweizer wieder ins Renngeschehen eingreifen. Aber Stürze verhinderten sowohl bei der Burgos Rundfahrt, bei der Vuelta und bei der WM in Zolder bessere Platzierungen. Saison-Höhepunkte waren 2002 der Gesamtsieg bei der Sachsen-Rundfahrt, der 2. Rang bei Mailand-Turin und der 3. Platz bei der Lombardei-Rundfahrt.
zählt Oscar Camenzind eher zu jenen Jahren, die er schnell vergessen möchte. Nach gutem Training und ansprechenden Resultaten anfangs Jahr startete er in mit Ambitionen in die Frühjahrsklassiker. Aber schon bei der Flandern-Rundfahrt warf ihm ein Fahrer eine Regenjacke ins Vorderrad. Spitalaufenthalt mit Rückenverletzungen und eine mehrwöchige Pause mit nachfolgendem Neuaufbau der Form waren die Folge. Die Tour de Suisse beendete Ösi trotz Helferdiensten auf dem beachtlichen 15. Rang. Auf die Weltmeisterschaft hin hatte er sich wieder eine Super-Form antrainiert, was die vielen guten Klassierungen bei der Züri-Metzgete (7.) und den WM-Vorbereitungsrennen in Italien zeigten. Die grösste Enttäuschung dieses Jahres war der Sturz an der WM in Hamilton kurz vor dem Ziel. Statt eines Podestplatzes gabe nur Schürfungen und Prellungen und Tränen.
sollte für Ösi wieder einmal ein erfolgreiches Jahr werden. Die Klassiker, Tour de Romandie, Tour de Suisse, die Olympischen Spiele in Athen und die Strassen-WM in Verona wurden als Saisonziele deklariert. Bis Mitte Jahr schauten immerhin 6 Topten-Platzierungen heraus. In Erinnerung bleibt sicher der Sprint gegen Jan Ullrich in der 1. Etappe der Tour de Suisse, den der Deutsche nur ganz knapp für sich entscheiden konnte. An dieser Niederlage hatte Ösi aber mehr zu beissen, als man von ihm gewohnt war...
...bei einer Trainingsfahrt Richtung Klausen-Pass wurde Oscar im Juli von einem Kommissär für einer Doping-Kontrolle angehalten. Ösi wurde positiv auf EPO getestet. Anstatt an den Olympischen Spielen und an der Wm teilnehmen zu können, erklärte er am 10. August seinen Rücktritt vom Profi-Radsport.
Eine grosse Karriere war damit jäh zu Ende.
Abenteuer Aconcagua - Ösi besteigt mit zwei Kollegen den höchsten Berg Südamerikas.