SM 1997


 

14.12.97 - Gelungene Meister-Feier

Am 29. Juni 1997 war der Radprofi Oscar Camenzind in Sulz Schweizermeister geworden. Gestern nun hat der Veloclub Gersau für sein berühmtestes Mitglied eine stimmungsvolle Feier organisiert. Trotz Vorweihnachtszeit und gedrängtem Veranstaltungskalender zeigte der vollbesetzte Saal des Hotels Des Alpes, dass Ösi wohl der beliebteste Gersauer ist.

R.J. Als Oscar Camenzind 1995 erstmals Schweizermeister bei den Elite-Amateuren geworden war, organisierte ihm die Gersauer Bevölkerung spontan einen Einzug durchs ganze Dorf und eine offizielle Feier in der Aula. Obwohl Ösi inzwischen viel grössere Erfolge feiern konnte und auch Schweizermeister in der höchsten Kategorie der Strassenrennfahrer geworden ist, fiel die heurige Feier dagegen viel bescheidener aus. Das war aber ganz im Sinne des Gefeierten, der kein Freund des Pompösen ist und eigentlich lieber gar keine offizielle Feier gehabt hätte, sie aber dann doch genoss.

Multimedial Mit tosendem Applaus begrüssten gegen 200 Fans ihren Ösi. Multimedial und computerunterstützt wurden dann seine bisherigen Pro-Profi-Erfolge an der Österreich-Rundfahrt, der Tour de Suisse, der Schweizermeisterschaft und der Tour de France nochmals in Erinnerung gerufen. "Immer dann wenn die Fersehübertragung von der Tour de France begann, waren die Strassen in Gersau wie leergefegt. Vom Kindergärtner bis zur 83jährigen Grossmutter sassen alle vor dem Glotzophon und suchten nach dem roten Trikot mit dem Schweizerkreuz", wusste Jonny Reichlin, der durch den Anlass führte, zu berichten. Viel zu schmunzeln gab es, als der Velo Club sein Bildarchiv öffnete und bisher kaum gesehene Dias aus Camenzinds ersten Radfahrerjahren präsentierte.

Urchig Auch der Gersauer Bezirksrat weiss, wie wertvoll ihm ein sportliches Aushängeschild ist und zeigt dies immer wieder mit grosszügigen Gesten. Weil Ösi beim diesjährigen Chlausen-Trychlen in Gersau mitgemacht hatte, überreichte ihm Bezirksammann Theo Camenzind gleich eine prächtige Kuhglocke, damit er auch in den nächsten Jahren den Weg zu diesem traditionellen Brauch finden wird.

Augenzwinkernd Dass Oscar Camenzind für die Jungen ein Idol ist, zeigte der Schwarm Kinder, der ihn bei seiner Autogrammstunde umringte. Aber auch die Anhänger aus der älteren Generation werden immer mehr. Die Lacher auf seiner Seite hatte beispielsweise Pensionär Hermann Küttel, der einerseits Oscar für die kommende Weihnachtszeit eine selbstgebaute Krippe und andererseits seiner Freundin Angela Oeschger ein Vogelhäuschen überreichte, damit auch das private Umfeld für weitere Grosstaten stimme: "Äs chuzelet üs amig, und damit das mier zum Höhepunkt chömid, schänk ich a de Fründin äs Vogelhusli!"

Interessiert Obwohl Oscar Camenzind "von Computern wenig Ahnung" hat, wie er selber sagt, gibt es über ihn eine ausführliche Homepage im Internet. Bei der Schweizermeister-Feier konnten nun die noch nicht "vernetzten" Fans einen ersten Einblick in die Welt des Surfens im Netz erhalten. Diese Möglichkeit wurde denn auch rege genutzt. Dass dabei auch gleich Gratulations-e-Mails aus Seewen, aber auch aus Boston und Colorado abgerufen werden konnten, war eindrücklich und zeigt, dass Ösis Bekanntheitsgrad weltweit im Steigen begriffen ist.

Omnipräsent Fan-Club-Chef Edwin Camenzind konnte in seinem Rückblick auf das erste Jahr seiner Tätigkeit eine sehr positive Bilanz ziehen. In seinem Bericht hat er fein säuberlich aufgelistet, bei welchem Anlass wieviele Fans anwesend waren. So unterstützten nicht weniger als vierzig Fans Ösel bei der Tour de Suisse-Etappe nach Bosco Gurin, gar fünfzig reisten an die Schweizermeisterschaft nach Sulz und die weite Reise ins spanische San Sebastian nahmen immerhin neunzehn Ösi-Fans auf sich. "Du kannst fahren wo die willst, da ist sicher immer einer aus dem Fanclub dabei!" meint Ösi schelmisch.

Geplant In einem Interview gab Ösi vor seinen Fans Auskunft über die wichtigsten Rennen der nächsten Saison. So wird er den Giro d'Italia als Helfer von Pavel Tonkow bestreiten, um nachher bei der Tour de Suisse voll auf Sieg zu fahren. Er freut sich dabei besonders auf die Etappe nach Morschach, bei der Steinen, Goldau, Lauerz, Schwyz, Ibach und Brunnen durchfahren werden. Tags darauf besucht der Tour-Tross auch Gersau, was ein ganz besonderes Erlebnis sein wird. Eine Verschnaufpause wird es dieses Jahr im Sommer geben, denn die Frankreichrundfahrt steht diesmal nicht auf Ösis Rennprogramm, dafür ist eventuell ein Start an der Vuelta in Spanien vorgesehen. Für Spannung wird also auch dieses Jahr wieder gesorgt sein und zu feiern wird man in Gersau hoffentlich auch weiterhin haben.