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Jan
Ullrich Nachfolger von Pascal Richard
Das olympische Strassenrennen in Sydney über 239,4
km ist nicht wie erwartet in einem Massenspurt entschieden worden, sondern
in einem Nannschaftsfahren
[si/man] - Die Situation,
dass auf den letzten Kilometern eines bedeutenden Strassenrennens gleich
drei Fahrer aus der gleichen Sportgruppe vorne liegen, ist selten. Die
letzten Beispiele gehen auf Paris - Roubaix des Jahres 1996 zurück, als
Johan Museeuw (Be) vor den beiden Italienern Gianluca Bortolomi und Andrea
Tafi siegten, die alle die Farben von Mapei trugen. Das andere Beispiel
der jüngeren Geschichte erfolgte in der Flèche Wallonne 1994. Damals
siegte Moreno Argentins (It) vor seinem Landsmann Giorgio Furlan und
Jewgeni Berzin (Russ), die damals bei Gewiss-Ballan unter Vertrag standen.
Im Falle von Paris - Roubaix wurde kolportiert, dass Mapei-Boss Dr.
Girogio Squinzi am Telefon die Reihenfolge bestimmt habe. Bei der Flèche
Wallonne fiel die Entscheidung in einer Steigung. Auf dem Rundkurs um den
Centennial Park führte Ullrich mit einem Antritt die Selektion herbei,
nach der nur noch Andreas Klöden und Alexander Winokurow beim Deutschen
an der Spitze blieben. Nachher entschied unter den drei Fahrern die
Tatsache, dass Ullrich als stärkster Fahrer betrachtet wurde, und
Winokurow mit dem 2. Platz für seine Arbeit entschädigt werden sollte,
die er im Verlaufe dieser Saison für die Sportgruppe geleistet hat.
Ein Abbild der Saison
Als Ullrich 26 km vor dem Ziel die Vorentscheidung einleitete und
anschliessend der Telekom-Express dem Ziel entgegen raste, befanden sich
die fünf Schweizer sofort in der Defensive. Beim Antritt des
Olympiasiegers befand sich Laurent Dufaux auf dessen Höhe, aber der
Romand vermochte Ullrichs Temposteigerung nicht mitzugehen. Im Feld
versuchten danach Alex Zülle und Mauro Gianetti vergeblich, die
Geschwindigkeit hoch zu halten, um Markus Zberg vielleicht doch noch zu
einer Chance in einem Massenspurt zu verhelfen.
Bis zum entscheidenden Moment hatte das Schweizer Quintett auf die
Anweisungen von Coach Wolfram Lindner exakt befolgt. Auf den ersten 120 km
schonten die helvetische Profis ihre Kräfte. Danach versuchten sie, in
Fluchtgruppen präsent zu sein, was Mauro Gianetti und Laurent Dufaux
gelang. Aber als das Stundenmittel die 45-km/h-Marke überschritt,
stiessen die Schweizer an ihre Limiten. Ihr nächstes Ziel bildet jetzt
die Strassen-WM von Mitte Oktober in Plouay (Fr), und bis dahin müssen
sie ihr Manko behoben haben. Die WM-Strecke in der Bretagne ist zwar etwas
schwerer, weist jedoch ebenfalls keine langen oder steilen Steigungen auf.
Es ist müssig, nach den Gründen für den Rückschlag zu forschen. Was
das Schweizer Quintett in Sydney zeigte, war ein Stück weit ein Abbild
dieser Saison, in der die Erfolge weit spärlicher blieben als in früheren
Jahren. Neben Dufaux' Triumph in der Meisterschaft von Zürich, Alex Zülles
Woche im Leadertrikot der Vuelta und Oscar
Camenzinds Gesamtsieg in der Tour de Suisse blieben nur noch
bescheidene Erfolgsmeldungen übrig.
Taktik mit zwei Pfeilern
In diesem olympischen Strassenrennen begingen die Holländer taktische
Fehler. Bei den Italienern rackerte sich Paolo Bettini vergeblich ab, um
seinen Chef Michele Bartoli in eine günstige Ausgangslage zu bringen. Bei
den Franzosen trat nur Lauretn Jalabert in Erscheinung. Von den Belgiern
versuchten Marc Wauters und Axel Merckx, Einfluss auf den Wettkampf zu
nehmen. Doch für eine Prüfung der Radprofis war der Rundkurs von Sydney
zu wenig selektiv. Deshalb regierte die Taktik über den Wagemut der
Athleten.
Mit Erik Zabel als Sprinter sowie Jan Ullrich als Allrounder verfügte die
deutsche Mannschaft über zwei taktische Stützen. Ullrichs Antritt bei
der zweitletzten Inangriffnahme der einzigen namhaften Steigung des
Circuits waren nur noch seine beiden Teamkollegen gewachsen. Während
Ullrich die Vuelta als Gesamtvierter eine knapp Woche vor Schluss verliess,
musste Winokurow ausharren, um die Ehre ihrer Sportgruppe zu retten. Beide
fanden sich in Brisbane wieder, wo das deutsche Aufgebot das olympische
Strassenrennen vorbereitete.
Mit seinem neuesten Triumph widerlegt Ullrich den ihm vorauseilenden Ruf,
ein Fahrer zu sein, der sich ausschliesslich auf die Tour de France
konzentriert. Der Deutsche war immerhin 1993 in Oslo Amateur-Weltmeister,
er belegte hin und wieder Ehrenplätze in klassischen Eintagesrennen - er
war zuletzt Zweiter der Meisterschaft von Zürich - und er holte sich im
letzten Oktober in Treviso (It) den Titel eines Zeitfahren-Weltmeisters.

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22.09.2000
Mit müden Beinen in Sydney
Seit Montag ist Oscar Camenzind in Sydney. Die Vuelta
hat ihm ziemlich zugesetzt und er hat momentan nicht viel "Saft"
in den Beinen.
Vom Olympia-Dorf müssen die Rennfahrer immer mit Bussen
zur Rennstrecke chauffiert werden. Das ist ziemlich umständlich.
Die Strecke ist schwerer als angenommen und könnte
ziemlich selektionieren.
Oscar hofft, dass er sich bis zum Rennen am Mittwoch, 27.09.00 um 01.00
Uhr MEZ einigermassen erholt hat und dass die Kraft in die Beine
zurückkehrt.

14. 08. 2000
Sydney-Vorschlag mit Camenzind und Zülle, aber ohne
Richard

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Der Schweiz. Rad- und Motorfahrer-Bund SRB schlägt
dem Schweizerischen Olympischen Verband SOV Oscar Camenzind, Laurent
Dufaux, Mauro Gianetti, Markus Zberg und Alex Zülle zur Teilnahme am
olympischen Strassenrennen in Sydney vor. Camenzind und Zülle sollen
zudem im Zeitfahren eingesetzt werden. Das Aufgebot erfolgte auf Grund des
Vorschlages von Coach Wolfram Lindner in Absprache mit dem
Selektionsgremium (Rocco Cattaneo, Thomas Burch) des nationalen
Radsport-Verbandes.
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[si/oba] -
Bei den Selektionären keine Berücksichtigung fand Pascal Richard, der
der Schweiz vor vier Jahren in Atlanta bei der erstmaligen Teilnahme von
Radprofis am olympischen Strassenrennen Gold beschert hatte. In einer
durch Erkrankungen beeinträchtigten Saison waren die Ergebnisse des
Waadtländers in den Augen der Selektionäre zu dürftig, obwohl Richard
in der Dänemark-Rundfahrt von Anfang August (Gesamt-13.) mit einer
ansprechenden Leistung aufgewartet hatte. In der UCI-Weltrangliste wird
der Romand unter den Schweizer Elite-Fahrern allerdings nur an 7. Stelle
geführt. Die Nichtberücksichtigung für Sydney wird zur Folge haben,
dass Pascal Richard seine Profikarriere nach 15 Jahren Dauer in diesem
Herbst beendet.
In Sydney können im Strassenrennen maximal fünf Fahrer pro Nation
eingesetzt werden. Zwei aus diesem Quintett sind zudem für die Prüfung
gegen die Uhr zugelassen

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