Tour de France 1997


 

 

Datum

Etappen-Rang

Rang im Gesamt- klassement

Etappen- Sieger

Leader

Bester Schweizer

 Prolog Zeitfahren

05.07.97

15.

15.

Boardman

Boardman

Rominger

 1. Rouen - Forges-les Eaux

06.07.97

37.

9.

Cipollini

Cipollini

Rominger

 2. St-Valéry-en- Caux - Vire

07.07.97

125.

13.

Cipollini

Cipollini

Rominger

 3. Vire - Plumelec

08.07.97

22.

10.

Zabel

Cipollini

Camenzind

 4. Plumelec - Le Puy-du Fou

09.07.97

33.

10.

Minali

Cipollini

Camenzind

 5. Chantonnay - La Châtre

10.07.97

64.

12.

Vasseur

Vasseur

Camenzind

 6. Le Blanc - Marennes

11.07.97

45.

12.

Blijlevens

Vasseur

Camenzind

 7. Marennes - Bordeaux

12.07.97

30.

9.

Zabel

Vasseur

Camenzind

 8. Sauternes - Pau

13.07.97

88.

9.

Zabel

Vasseur

Camenzind

 9. Pau - Loudenville

14.07.97

14.

7.

Brochard

Vasseur

Camenzind

 10. Luchon - Andorra

15.07.97

18.

7.

Ullrich

Ullrich

Dufaux

 11. Andorra - Perpignan

16.07.97

32.

8.

Desbiens

Ullrich

Dufaux

 12. Zeitfahren St. Etiènne

18.07.97

17.

9.

Ullrich

Ullrich

Dufaux

 13. St. Etiènne - Alpe d'Huez

19.07.97

22.

8.

Pantani

Ullrich

Camenzind

 14. Boug d'Oisons-Courchevel

20.07.97

16.

12.

Virenque

Ullrich

Dufaux

 15. Courchevel - Morzine

21.07.97

10.

11.

Pantani

Ullrich

Dufaux

 16. Morzine - Freiburg

22.07.97

26.

12.

Mengin

Ullrich

Dufaux

 17. Freiburg - Colmar

23.07.97

2.

12.

Stephens

Ullrich

Dufaux

 18. Colmar - Montbéliard

24.07.97

20.

12.

Rous

Ullrich

Dufaux

 19. Montbéliard - Dijon

25.07.97

124.

12.

Traversoni

Ullrich

Dufaux

 20. Disneyland - Disneyland

26.07.97

11.

12.

Olano

Ullrich

Dufaux

 21. Disneyland - Paris

27.07.97

26.

12.

Minali

Ullrich

Dufaux


Interview mit Oscar Camenzind nach der Tour de France

Aus Bote der Urschweiz

Nicht nur eingefleischte Ösi-Fans fieberten während den letzten drei Wochen mit Oscar Camenzind mit. Seit seinem Abschneiden an der Tour de Suisse und der hervorragenden Leistung an der Tour de France, mit dem 12. Gesamtrang, steht jeder Schweizer Radsportfan hinter dem Schwyzer.
Oscar Camenzind hat jetzt zwei grosse Etappenrennen hinter sich. Zuerst beteiligte er sich mit grossem Erfolg an der Tour de Suisse und in den letzten drei Wochen am härtesten Mehretappenrennen der Welt, an der Tour de France.

Sie sagten selbst schon: Keiner kann auf zwei Hochzeiten tanzen. Wo werden Sie im nächsten Jahr Prioritäten setzen und auf welcher Hochzeit wollen Sie nächstes Jahr tanzen?

Camenzind: "Ich bin überzeugt, dass ich mich in Zukunft einmal auf eine dreiwöchige Rundfahrt konzentrieren sollte. Dabei müsste ich praktisch auf die Tour de Suisse verzichten. Verzichten in dem Sinne, dass ich sie wohl fahren würde, aber nur noch als Vorbereitung. Das ist wohl auch fast die wichtigste Erkenntnis, die ich in diesen zwei Rennereignissen geholt habe."

Haben Sie denn das Gefühl, dass Ihre Form dieses Jahr etwas zu früh eingesetzt hat?

Camenzind: "Nein. Ich habe schon vor der Tour de Suisse gesagt, dass ich ohne Rücksicht auf die Tour de France fahre. Ich habe formmässig voll auf die Tour de Suisse gesetzt. Es ist dann ganz klar, dass wenn es in den letzten Etappen gut läuft, man sich davon ein Stück mit in die Tour de France nehmen will. Ich musste aber feststellen, dass ich an der Tour de France nie mehr die Beine hatte wie an der Tour de Suisse. Es gab nie einen Tag, an dem ich wirklich Superbeine hatte. (Nachdenklich) Gut, im Grunde genommen muss ich sagen, stimmte meine Form alles in allem gesehen doch nicht schlecht."

Wie sieht es demzufolge im nächsten Jahr aus?

Camenzind: "Das ist eine Sache die ich über den Winter mit dem sportlichen Leiter besprechen muss. Es ist durchgesickert, dass Pavel Tonkow in der nächsten Saison auf die Tour de France angesetzt werden soll. Da ist es dann noch offen, ob ich möglicherweise den Giro d'Italia fahre. Ich persönlich setze lieber auf die Tour de France. Ich denke aber, dass ich in Zukunft schwerpunktmässig auf eine dreiwöchige Tour angesetzt werde."

Kann es sich Ihr Team leisten, einfach ohne Sie eine Tour de France zu bestreiten, denn eine Visitenkarte Ihres Könnens haben sie in den letzten drei Wochen hinterlegt?

Camenzind: "Nein, das glaube ich schon nicht. Was aber feststeht, dass ich andere Prioritäten setzen muss. Diejenigen Fahrer, die im Gesamtklassement vorne mit dabei sind, haben sich ausnahmslos auf die Tour de France vorbereitet."

Generell gesehen: Waren Sie mit dem Verlauf der Tour de France zufrieden?

Camenzind: "Ich persönlich bin zufrieden, obwohl ich, wenn ich Bilanz ziehe, sagen muss, dass die dritte Woche recht hart war. Da befand ich mich einige Male hart am Anschlag. Die Müdigkeit hat man vor allem am Abend stark gespürt. Da mochte man oft nicht einmal mit dem Zimmernachbar mehr reden. Dazu kam noch die Erkältung, die ich vor allem in der dritten Woche zu spüren bekam."

Im Vorjahr war es der 36. Rang, jetzt der 12. Auf diese Leistung dürfen Sie und wir Schweizer stolz sein. Trotzdem die Frage, wäre eine bessere Klassierung möglich gewesen, wenn Sie an der Tour de Suisse Kräfte gespart hätten?

Camenzind: "Davon bin ich überzeugt und habe auch schon mit dem sportlichen Leiter darüber diskutiert. Ich habe schon an der Österreich-Rundfahrt gespürt, dass es mir gut läuft, vor allem auch in den Bergen. Meine Höchstform war genau auf den Juni geplant. Im modernen Radsport ist es so, dass man die Höchstform während rund einem Monat halten kann, dann flacht sie wieder ab. Je nach dem wie die Saison aufgebaut wird, kann man im Frühling ein Hoch haben, Mitte Jahr noch eines oder im Herbst alternierend noch eines. Ich hoffe, im September und Oktober nochmals brillieren zu können.

Wie gross war das Handicap der Mannschaft? Fast allen anderen Spitzenfahrer hatten immer Helfer um sich. Sie waren praktisch immer auf sich alleine gestellt.

Camenzind: "Auf den realtiv einfachen und flachen Etappen hatte ich immer Helfer um mich. In den Bergen war ich tatsächlich auf mich alleine gestellt. Ich habe mich dann an anderen Fahrern orientieren müssen. Ein Beispiel war Abraham Olano. Es sind auch die kleinen Sachen, die zu Buche schlagen, wenn man alleine ist. Da kann schon das Wasser holen lästig sein."

Aber Sie verlangen nach Unterstützung?

Camenzind: "Ganz klar. Das ist eine Sache, die das Team während des Winters besprechen muss. Wir benötigen unbedingt für dreiwöchige Touren ein bis zwei starke Helfer für Bergetappen."

Welches war der grösste Aufsteller beziehungsweise Absteller an der Tour?

Camenzind: "Aufsteller: Der zweite Rang in Colmar, da hat nur das Pünktchen auf dem i gefehlt. Absteller: Die eine Bergetappe und die Etappe nach Fribourg, da habe ich mich relativ mies gefühlt."

Wie war der Kontakt unter den Fahrern an dieser Tour, beispielsweise mit Sieger Jan Ulrich?

Camenzind: "Wir haben an der Tour de Suisse öfter miteinander geredet. An der Tour war der Medienrummel gross, da haben wir uns gegenseitig in Ruhe gelassen. Während der Tour hat man aber schon das eine oder andere Wort unter den Fahrern gewechselt."

Haben Sie gemerkt, dass das Interesse an Ihrer Person in der Schweiz gestiegen ist?

Camenzind: "Das habe ich schon mitbekommen, vor allem in den Alpen, wo viele Schweizer beiwohnten. Mein Schweizer Kreuz war auffällig, sogar den Franzosen ist es aufgefallen."

Hat Ihre Freundin Angela Öschger nie Angst um Sie, wenn Sie mit hohen Geschwindigkeiten die Berge heruntersausen?

Angela Öschger (Ösi überlässt ihr die Antwort gleich selbst): Ich habe immer ein wenig Angst um ihn, bete, dass er heil herunterkommt, vor allem dann, wenn er ohne Helm unterwegs ist."

Erinnern Sie sich noch an eine lustige Story an der Tour?

Camenzind: "Auf den Champs-Elysées musste ich 400 Meter vor dem Ziel stark abbremsen, denn ich hätte fast einen Nackten (Flitzer) über den Haufen gefahren. Hinter dem jagte bereits ein Flic (Polizist) her."

Wie erholen Sie sich jetzt von der Tour und wie sieht das Rennprogramm aus?

Camenzind: Erholen - das ist noch schwierig zu sagen. Ich fühle mich derzeit erstaunlich gut, die Müdigkeit kommt vermutlich in einer Woche. Bereits am Dienstag geht es im Rennprogramm weiter. Ab 9. August folgen die Weltcuprennen mit San Sebastian, Rochester und Züri-Metzgete."

Wie sieht es mit dem Vertrag für die nächste Saison aus?

Camenzind: "Ich denke, der dürfte etwas besser ausfallen."

Wieviel Preisgeld haben Sie und Ihr Team an der Tour de France verdient?

Camenzind: "Mit allen Sprints und Klassierungen dürften es für das Team rund 200'000 Francs sein, das heisst knapp unter 50'000 Franken. 15 Prozent der Preisgelder geht an die Helfer, der Rest wird gemäss einem besonderen Schlüssel an die Fahrer verteilt. Als Tour-Zwölfter erhalte ich 18'000 Francs (ca. 3600 Franken). Zum Vergleich: Sieger Jan Ullrich kassiert 2,2 Mio. Francs (ca. 440'000 Franken.)"