Camenzind,
Zülle und Zberg an der Tour de Romandie
17 Teams mit 136 Elite-Fahrern werden vom
5. bis 10. Mai in fünf Etappen die über 795 km führende 52. Tour
de Romandie bestreiten. Die Teilnehmerliste wird von Vorjahressieger
Pawel Tonkow sowie Chris Boardman (Gb) und Beat Zberg, die den Russen
letztes Jahr auf dem Podium flankierten, sowie von Alex Zülle angeführt.
Noch vor einigen Jahren versammelte die Fahrt durch die welsche
Schweiz alles am Start, was Rang und Namen hat. Das ist heute nicht
mehr der Fall. Bisher liegt den Veranstaltern die feste Zusage von
vier der 20 weltbesten Fahrer vor. Die anderen legen eine erste
Pause ein, haben eine andere Programmgestaltung oder geben den parallel
rollenden 4 Tagen von Dünkirchen den Vorzug.
Mit dabei ist beispielsweise Festina mit einem starken Aufgebot,
dem neben Alex Zülle, Bruno Boscardin, Laurent Dufaux, Fabian Jeker,
Armin Meier sowie der Italiener Wladimir Belli angehören. Als zweitstärkstes
Team wird Mapei-Bricobì eingestuft, bei dem neben Tonkow auch Oscar
Camenzind aufgeboten ist.
Der letztjährige Giro-Gesamtsieger Ivan Gotti (It), Luc Leblanc
(Fr), Jewgeni Berzin (Russ), Peter Luttenberger (Ö), Claudio Chiappucci
(It) und das Sprinter-As Mario Cipollini (It) sind die weiteren
klingenden Namen im Romandie-Feld, die nicht nur den Radsport-Insidern
ein Begriff sind.
14 Teams der 1. und drei Equipen der 2. Division bilden das Feld
dieser Tour de Romandie. Der für die Verpflichtungen der Teams zuständige
Claude Jacquat musste acht Teams eine Absage erteilen. Aufnahme
im Feld fand dafür die auf diese Saison als Zweitdivisons- Mannschaft
ins Leben gerufene Ericsson-Villiger. TdR-Direktor Daniel Perroud:
"Wir wollen mit unserer Zusage die Initiatoren dieser Sportgruppe
belohnen und den Fahrern die Möglichkeit bieten, sich international
in Szene zu setzen." Bei der wie die Tour de Suisse als "hors
catégorie" eingestuften Tour de Romandie erhalten 29 Schweizer
eine Startgelegenheit.
28.04.98 (si/oba) Die 52. Tour de Romandie
vom 5. bis 10. Mai ist eine "Tour des Suisses". Ausser
Philipp Buschor starten sämtliche Schweizer, die bei einer ausländischen
Equipe unter Vertrag sind. Überdies nehmen die beiden Schweizer
Sportgruppen Post Swiss Team und Ericsson-Villiger teil.
Tour-Direktor Daniel Perroud meldete am Dienstag die Zusage weiterer
Fahrer der internationalen Elite, nämlich des Tour-de-France-Zweiten
Richard Virenque (Fr), von Weltcup-Leader Michele Bartoli (It) und
dem Kletterspezialisten Marco Pantani (It). Von den Siegern der
grossen Rundfahrten des Jahres 1997 fehlt nur der Deutsche Jan Ullrich.
Giro-Gewinner Ivan Gotti (It) nimmt in Rheinfelden ebenso den Prolog
in Angriff wie der Vuelta-Dominator Alex Zülle. Mit dem Russen Pawel
Tonkow ist auch der Sieger der Tour de Romandie 1997 dabei. Insgesamt
beteiligen sich 17 Mannschaften mit 136 Fahrern.
Das Budget ist mit 2,3 Millionen Franken gleich gross wie bei der
51. TdR-Auflage. Das Westschweizer Fernsehen überträgt wie 1997
mindestens die letzte Rennstunde. Überdies wurde mit dem Sender
Eurosport ein Dreijahresvertrag vereinbart.
05.05.98- Der erste Leader der 52. Tour
de Romandie heisst Laurent Dufaux. Der Westschweizer legte die 4,8
km des Prologzeitfahrens in Rheinfelden in 5:44,88 Minuten zurück
und liess Alex Zülle um 1,45 Sekunden und Paolo Savoldelli (It)
um 1,95 Sekunden hinter sich. Als weitere Schweizer kam Roland Meier
auf den 4. und Oscar Camenzind auf den 8. Platz .
Dufaux' Erfolg stellt insofern eine Überraschung dar, als der Westschweizer
den
Spezialisten und Teamkollegen Alex Zülle hinter sich liess. In seiner
seit 1991 dauernden
Profilaufbahn hat Dufaux bisher erst zweimal eine Prüfung gegen
die Uhr für sich
entschieden.
1. Laurent Dufaux SUI 5'44"88; Schnitt:
52,192 km/h
2. Alex Zülle SUI + 1"45
3. Paolo Savoldelli ITA + 1"95
4. Roland Meier SUI + 2"67
5. Toni Tauler ESP + 4"77
6. Bruno Boscardin SUI + 4"80
7. Chris Boardman GBR + 5"44
8. Oscar Camenzind SUI + 5"50
9. Armin Meier SUI + 6"29
10. Eddy Seigneur FRA + 7"16
12. Beat Zberg SUI + 7"94
15. Rolf Järmann SUI + 8"39
18. Pascal Richard SUI + 10"25
Leader Dufaux zwar in Bedrängnis, aber wieder
Etappensieger
(si/js) Auch die 1. Etappe der Tour de Romandie über 169,9 km von
Rheinfelden nach
Saignelégier hat mit einem Schweizer Doppelerfolg geendet: Laurent
Dufaux errang nach dem Gewinn des Prologs seinen zweiten Tagessieg
und baute die Gesamtführung aus, und Markus Zberg sorgte mit Platz
2 für die Fortsetzung der Erfolgsserie des Post Swiss Teams. Dritter
wurde Weltcup-Leader Michele Bartoli (It).
Dufaux hatte im Finale aber bange Momente zu überstehen, ehe er
als umjubelter Solosieger vier Sekunden vor dem jüngeren der Zberg-Brüder
im Ziel eintraf. Oscar Camenzind hatte den Leader mit einer Attacke
25 km vor dem Ziel in arge Bedrängnis gebracht und war zusammen
mit seinem Fluchtgefährten Wladislaw Bobrik erst kurz vor der "Flamme
rouge", die den letzten Kilometer anzeigt, gestellt worden.
Anspruchsvoll Etappe
Dufaux weist nun 16 Sekunden Vorsprung auf den Gesamtzweiten Alex
Zülle auf. Als bester Ausländer folgt nach dem anspruchsvollen Teilstück
durch das Jura mit 2088 m Höhendifferenz der Italiener Paolo Savoldelli
mit 17 Sekunden Rückstand auf Rang 3. Roland Meier ist weiterhin
Gesamtvierter, Bartoli stiess auf Platz 5 vor. Insgesamt sind sieben
Schweizer in den ersten 10 klassiert, nämlich auch Camenzind (6.),
Armin Meier (7.), Beat Zberg (8.) und Rolf Järmann (10.)
Schweizer Meister Camenzind und der Russe Bobrik, 1994 Gewinner
der Lombardei-Rundfahrt, wiesen in der 22 km langen Schlussrunde
einen Maximalvorsprung von 51 Sekunden auf. Dufaux hatte im Verfolgerfeld
zu jenem Zeitpunkt bloss noch Armin Meier als Helfer aus der Festina-Mannschaft
zur Seite, weil Alex Zülle Defekt erlitten hatte und Felix Garcia
Casas (Sp) auf den Schweizer wartete. Garcia Casas freilich konnte
Zülle beim Aufholen nicht unterstützen.
Zülles Helferdienst
Dufaux hatte es also Zülle zu verdanken, dass Camenzind doch noch
gestellt wurde. Erst als der Ostschweizer wieder zu Dufaux aufschloss,
sich vor das 45köpfige Verfolgerfeld spannte und seine Rollerqualitäten
in den Dienst des Gesamtführenden stellte, schwand der Vorsprung
des Fluchtduos und ebnete sich der Weg für Dufaux' Etappensieg.
Camenzind aber wurde ein Opfer des Tempoforcings des zweifachen
Vuelta-Gesamtsiegers.
"Alex hat sich für mich geopfert", sagte Dufaux hinterher.
"Die Offensive von Camenzind war sehr gefährlich. Ich geriet
aber nicht in Panik, als plötzlich nur noch Armin Meier als einziger
Teamkollege bei mir war. Überhaupt hat die Mannschaft
hervorragend gearbeitet. So musste ich schliesslich auch noch etwas
tun, um aus den Bemühungen Kapital zu schlagen." Als Camenzind
und Bobrik eingeholt wurden, griff Chepe Gonzalez an, Dufaux konterte
umgehend, enteilte dem starken Bergfahrer aus Kolumbien souverän
und sicherte sich überdies die zehn Sekunden Zeitgutschrift, die
dem Etappensieger zustehen.
Tour de Romandie. 1. Etappe, Rheinfelden - Saignelégier (169,9 km):
1. Laurent Dufaux (Sz) 4:38:14 (36,638 km/h), 10 Sekunden Bonifikation.
2. Markus Zberg (Sz) 0:04 zurück, 6 Sek. Bon. 3. Michele Bartoli
(It), 4 Sek Bon. 4. Davide Rebellin (It). 5. Francesco Casagrande
(It). 6. Rolf Järmann (Sz). 7. Paul van Hyfte (Be). 8. Luc Leblanc
(Fr). 9. Gabriele Missaglia (It). 10. Paolo Savoldelli (It).
11. Stefan Garzelli (It). 12. Beat Zberg (Sz). 13. Gianni Faresin
(It). 14. Felice Puttini (Sz). 15. Ivan Gotti (It). 16. Roland Meier
(Sz). 17. Franz Hotz (Sz). 18. Laurent Madouas (Fr). 19. Michele
Coppolillo (It). 20. Peter Luttenberger (Ö).
21. Alexandre Moos (Sz). 22. Giuseppe Guerini (It). 23. Pascal Richard
(Sz). 24. Wladislaw Bobrik (Russ). 25. Andrea Noe (It).
26. Oscar Camenzind (Sz). 27. Christophe Rinero (Fr). 28.
Mauro Gianetti (Sz). 29. Alex Zülle (Sz). 30. Pawel
Tonkow (Russ).
Ferner: 42. Armin Meier (Sz), alle gleiche Zeit. 48. Christopher
Boardman (Gb) 12:00. 53. Lukas Zumsteg (Sz). 54. Daniel Schnider
(Sz). 57. Roland Müller (Sz). 59. Patrick Vetsch (Sz). 61. Fabian
Jeker (Sz). 70. Pierre Bourquenoud (Sz). 77.
Christian Charrière (Sz). 79. Daniel Paradies (Sz). 89. Richard
Virenque (Fr). 91. Rolf Huser (Sz). 103. Frédéric Vifian (Sz). 104.
Bruno Boscardin (Sz), alle gleiche Zeit. 109. Daniel von Flüe (Sz)
15:34. 110. Jacques Jolidon (Sz), gleiche Zeit. 112. Mario Cipollini
(It) 16:48. 118. Christian Heule (Sz). 121. Urs Graf (Sz). 123.
Christoph Göhring (Sz). 126. Chris Barnsley (Neus), alle gleiche
Zeit. -- 134 Fahrer gestartet, 133 klassiert. -- Nicht mehr gestartet:
Alain Turicchia (It). Aufgabe: Sébastien Hinault (Fr).
11. Markus Zberg, beide gleiche Zeit. 12. Rik Verbrugghe (Be) 0:24.
13. Richard 0:25. 14. Andrej Teterjuk (Kas), gleiche Zeit. 15. Christopher
Horner (USA) 0:26. 16. Gianetti. 17. Santiago Botero (Kol), beide
gleiche Zeit. 18. José Luis Rubiera (Sp) 0:27. 19. Rebellin. 20.
Rinero, beide gleiche Zeit.
Oscar Camenzind schonte seine Kräfte für
die Königsetappe
Laurent Dufaux geriet auch in der zweiten Etappe von Saignelégier
nach Montreux in Bedrängnis. Er konnte das Leadertrikot aber dank
der Hilfe von Alex Zülle mit Erfolg verteidigen. Der Tagessieg ging
an den Italiener Fabio Balato, der im Spurt ein 48köpfiges Spitzenfeld
vor Davide Rebellin (It) und Markus Zberg meisterte.
Zülle unternahm am Col de Mosse einen Formtest. Dies bewirkte schon
vor der Passhöhe den Zusammenschluss der vorderen Gruppen. Insgesamt
48 Fahrer überquerten das grösste Hindernis des Tages gemeinsam.
Leidtragender der ausgezeichneten Verfassung von Zülle war abermals
Oscar Camenzind, der bereits am Mittwoch einen erfolgversprechenden
Angriff auf die Gesamtführung lanciert hatte. Geplant hatte der
Innerschweizer den Angriff freilich nicht, denn er war noch müde
vom Effort in der 1. Etappe. "Dass war das einzige Mal, dass
ich in die Offensive ging. Aber als ich bemerkte, dass der Vorsprung
wieder geringer wurde, habe ich mich zurückfallen
lassen. Der Kräfteverschleiss am Vortag war doch zu gross gewesen",
sagte Camenzind.
In der Abfahrt vom Col des Mosses sowie im Flachen zwischen Aigle
und Montreux blieben Vorstösse weitgehend aus. Das Post Swiss Team
hielt entlang dem Genfersee das Tempo zu dritt hoch, um Markus Zberg
den Weg zum Etappensieg zu ebnen. Im Endspurt musste der junge Urner
aber den routinierten Baldato und Rebellin den Vortritt lassen.
Der 30jährige Baldato errang nach einer mehr als anderthalbjährigen
Durststrecke seinen zweiten bedeutenden Sieg innerhalb von sechs
Tagen, nachdem er in der vorigen Woche auch das Elite-Strassenrennen
in Frankfurt gewonnen hatte. Baldato hat 1996 schon die prestigeträchtige
Tour-de-France-Etappe auf den Champs-Elysées in Paris für sich entschieden,
daneben gewann er eine weitere Etappe in der Tour und bereits mehrere
im Giro.
(Quelle: Blue Window)
Ranglisten
Tour de Romandie. 2. Etappe, Saignelégier - Montreux (183,3 km):
1. Fabio Baldato (It) 4:12:24 (43,573 km/h), 10 Sekunden Bonifikation.
2. Davide Rebellin (It), 6 Sek. Bon. 3. Markus Zberg (Sz), 4 Sek.
Bon. 4. Gabriele Missaglia (It). 5. Paolo Bettini (It). 6. Patrick
Vetsch (Sz). 7. Beat Zberg (Sz). 8. Paolo Lanfranchi (It). 9. Paolo
Savoldelli (It). 10. Andrej Teterjuk (Kas).
11. Fabiano Fontanelli (It). 12. Paul van Hyfte (Be). 13. Felice
Puttini (Sz). 14. Mauro Gianetti (Sz). 16. David Moncoutie (Fr).
17. Stéphane Heulot (Fr). 18. Pascal Richard (Sz). 19. Francesco
Casagrande (It). 20. Gianni Bugno (It).
21. Oscar Camenzind (Sz). 22. Kurt
van de Wouwer (Be). 23. Santiago Botero (Kol). 24. Roland Meier
(Sz). 25. Ivan Gotti (It). 26. Luca Scinto (It). 27. Andrea Noe
(It). 28. Rolf Järmann (Sz). 29. Laurent Dufaux (Sz). 30. Franz
Hotz (Sz).
Ferner: 33. Luc Leblanc (Fr). 35. Alex Zülle (Sz). 38. Pierre Bourquenoud
(Sz). 39. Peter Luttenberger (Ö). 40. Michele Bartoli (It). 44.
Pawel Tonkow (Russ), alle gleiche Zeit. 53. Rolf Huser (Sz) 4:16
zurück. 60. Daniel Schnider (Sz) 5:02. 61.
Roland Müller (Sz). 66. Daniel Paradis (Sz). 70. Mario Cipollini
(It). 81. Armin Meier (Sz). 82. Alexandre Moos (Sz), alle gleiche
Zeit. 89. Jacques Jolidon (Sz) 11:08. 91. Frédéric Vifian (Sz),
gleiche Zeit.
103. Chris Barnsley (Neus) 13:46. 104. Daniel von Flüe (Sz). 105.
Urs Graf (Sz). 111. Christoph Göhring (Sz). 112. Lukas Zumsteg (Sz).
114. Fabian Jeker (Sz). 122. Christian Heule (Sz). 129. Bruno Boscardin
(Sz). 131. Christian Charrière (Sz),
alle gleiche Zeit. -- 133 Fahrer gestartet, 131 klassiert. -- Aufgabe:
Laurent Madous (Fr), Andrea Zatti (It).
Dufaux nach dem dritten Etappensieg kurz
vor dem Gesamterfolg
(si/ros) In Veysonnaz hat Laurent Dufaux seine dritte Etappe in
der diesjährigen Tour de Romandie gewonnen, der Gesamtsieg ist dem
Schweizer aber noch nicht ganz sicher. Der Leader erreichte das
Ziel der 151 km langen Bergetappe solo neun Sekunden vor dem Italiener
Francesco Casagrande, der mit 46 Sekunden Rückstand neuer Gesamzweiter
ist. Aber noch steht ein Zeitfahren auf dem Programm.
Der Italiener Davide Rebellin erreichte das Ziel bei grosser Hitze
und nach insgesamt fast 2900 Höhenmetern im dritten Rang 23 Sekunden
nach Dufaux und liegt im
Gesamtklassement als Dritter nun 0:49 Minuten zurück. Dufaux schätzt
Rebellin vor dem
17,6 km langen Einzelzeitfahren von heute (Samstag) nachmittag in
Lausanne als schärfsten Konkurrenten im Kampf um den Gesamtsieg
ein. In den Prüfungen gegen die Uhr ist Leichtgewicht Dufaux schon
auf Grund seiner Körpermasse im Nachteil. Er ist aber optimistisch,
die Tour de Romandie als Erster beenden zu können.
Knapp 2 km vor dem Ziel sprengte Dufaux eine neunköpfige Spitzengruppe,
nachdem
zuvor Alex Zülle bergauf kilometerlang Führungsarbeit für seinen
Teamkollegen verrichtet hatte. Bloss Casagrande vermochte den Rückstand
einigermassen im Rahmen zu halten, der Rest büsste 20 Sekunden und
mehr ein. "Ich wusste genau, wo ich angreifen wollte. Denn
ich kenne den Aufstieg wie meine Westentasche", sagte Dufaux.
"Im Hinblick auf das Zeitfahren bin ich optimistisch. Ich bin
den Parcours am Sonntag mit dem Auto abgefahren. Der Kurs ist relativ
kurz, kurvenreich und verlangt viele Rhythmuswechsel. Das kommt
mir entgegen. Überdies geben die Siege und das Leadertrikot Selbstvertrauen,
dazu beträgt der Vorsprung fast 50 Sekunden."
Die entscheidende Spitzengruppe hatte sich im ersten Aufstieg nach
Veysonnaz gebildet, als die Festina-Fahrer Fabian Jeker, Armin Meier
und Felix Garcia Casas das Tempo forcierten. Als Folge der Festina-Bemühungen
vermochten etwa 33 km vor
dem Ziel bloss noch neun Fahrer den Kontakt mit Dufaux und Zülle
zu halten. "Es war eine einfachere Etappe als am Vortag",
sagte Dufaux, "es gab weniger Taktik, dafür ein anforderungsreiches
Profil. Die frühen Fluchtgruppen liessen wir diesmal ziehen, da
wir uns ziemlich sicher waren, dass wir sie ohnehin wieder einholen
würden."
Dufaux, Zülle und Rebellin waren im Prinzip die einzigen Gewinner
der Königsetappe. Dufaux steht unmittelbar vor dem Gesamtsieg, Zülle
hat seinem Teamkollegen den Weg zum Triumph geebnet, und Rebellin
hat noch leise Chancen auf den Gesamtsieg. Zülle stellte sich wieder
ganz in den Dienst von Dufaux, büsste aber nach dem entscheidenden
Vorstoss noch mehr als eine Minute bis ins Ziel ein und fiel im
Gesamtklassement vom 2. in den 7. Rang. "Nachdem wir schon
die beiden
Tage zuvor hart gearbeitet hatten, konnten wir ja nicht plötzlich
die Beine hängen lassen. Womöglich habe ich im Hinblick auf den
Giro etwas viel Kraft gelassen, aber ein guter Formtest war die
heutige Etappe allemal", sagte Zülle.
Zu den Verlierern gehörte trotz der starken Verfassung Francesco
Casagrande, der unbedingt den Tagessieg wollte und dafür Roland
Meier "opferte". Der Zürcher Oberländer kam am Ende nicht
mehr ganz mit und rutschte im Gesamtklassement vom
4. auf den 8. Platz. Ivan Gotti und Pawel Tonkow, die neben Zülle
als aussichtsreichste Anwärter auf den Gesamtsieg im Giro d'Italia
gelten, waren im Finish nicht mehr in der Lage, erfolgreich zu kontern.
Der Italiener Gotti büsste auf den letzten zwei Kilometern 22 Sekunden
ein, der Russe Tonkow erhielt im kurzen Finale sogar eine Minute
aufgebrummt.
Richard und Gianetti gaben auf
Paolo Savoldelli (It), bis zum Start der 3. Etappe bestklassierter
Ausländer, kämpfte sich zwar in der Abfahrt nach der ersten Zielpassage
nochmals an die Spitze heran, verlor aber ebenfalls den Kontakt
und fiel vom 3. auf den 10. Platz zurück. Aus den ersten zehn im
Gesamtklassement verabschiedeten sich Michele Bartoli (vorher 5.),
Oscar Camenzind (6.), Markus Zberg (7.) und Giuseppe Guerini (10.).
Markus Zberg freilich hielt sich als Elfter bemerkenswert. Gar nicht
mehr am Start erschien Beat Zberg, Olympiasieger Pascal Richard
und Mauro Gianetti gaben unterwegs auf.
Tour de Romandie. 3. Etappe,
Montreux - Veysonnaz (151,1 km)
Alex Zülle gewann die zweite Halbetappe
des vierten Teilstücks der Tour de Romandie in Lausanne vor seinen
Landsleuten Laurent Dufaux, Roland Meier und Oscar Camenzind. Im
18 Kilometer langen Zeitfahren vom Lausanner Pontaise-Stadion nach
Romanel-sur-Lausanne distanzierte Zülle den Gesamtleader Dufaux
um 11,37 Sekunden.
Dufaux führt das Gesamtklassements vor
der Schlussetappe vom Sonntag mit 1:17 Minuten Vorsprung auf Zülle
an. Auf Platz drei zurückgefallen ist der Italiener Francesco Casagrande.
Roland Meier ist auf den fünften Zwischenrang vorgerückt.
Italienischer Doppelerfolg in der 1. Halbetappe
Die 1. Halbetappe des 4. Teilstücks der Tour de Romandie über 100,4
km von Sion nach Lausanne hat mit einem italienischen Doppelerfolg
geendet. Paolo Bettini setzte sich im Spurt einer siebenköpfigen
Spitzengruppe überraschend vor Fabio Baldato durch. Platz 3 belegte
François Simon (Fr), Felice Puttini kam als bester Schweizer auf
Rang 4.
Resultatübersicht
4. Etappe. 2. Halbetappe. Zeitfahren Lausanne- Romanel-sur-Lausanne
(18 km): 1. Alex Zülle (Sz). 2. Laurent Dufaux (Sz) 11,37. 3. Roland
Meier (Sz) 15,34. 4.
Oscar Camenzind (Sz) 32,08.
Laurent Dufaux tritt in die Fussstapfen
Tony Romingers
(si/ros) Laurent Dufaux hat erstmals den Gesamtsieg in der Tour
de Romandie errungen. Alex
Zülle sorgte als Zweiter im Schlussklassement für den ersten Schweizer
Doppelerfolg seit 1959. Die Etappen vom Wochenende gewannen Paolo
Bettini (in Lausanne), Zülle (das Zeitfahren) und schliesslich Christophe
Agnolutto (Fr), der Gewinner der Tour de Suisse 1997, in Genf.
Dufaux (29) liess sich den Erfolg in der letzten Etappe über 167
km von Lausanne nach Genf wie erwartet nicht mehr nehmen. Der Waadtländer
verwies seinen Teamkollegen Zülle (29) um 1:17 Minuten auf den Ehrenplatz.
Gesamtdritter wurde der Italiener Francesco Casagrande (1:23 zurück).
Roland Meier (31) rundete die starke Schweizer Bilanz als Fünfter
ab.
Überhaupt prägten die Schweizer die Rundfahrt durch die Westschweiz.
Sie gewannen insgesamt vier Etappen, was letztmals 1991 gelungen
war, und errangen im Zeitfahren vom Samstag über 17,6 km von Lausanne
nach Romanel einen Vierfacherfolg durch Zülle, Dufaux, Roland Meier
und Oscar Camenzind.
"Pöstler" düpiert
Dazu bestätigte sich das Post Swiss Team als ernstzunehmende Equipe,
auch wenn sich Daniel Schnider und Patrick Vetsch in der Schlussetappe
nicht sonderlich geschickt anstellten und vom Franzosen Agnolutto
düpiert wurden. Die "Pöstler" waren als einziges Team
zu zweit in einer sechsköpfigen Fluchtgruppe vertreten, die sich
schon nach 17 km abgesetzt hatte. In der Endabrechung belegten sie
aber bloss die Plätze 2 (Schnider) und 3. Agnolutto (28) stand bis
am Sonntag als einer der wenigen Fahrer der Casino-Mannschaft noch
ohne Sieg zu Buche, beseitigte diesen "Makel" aber auf
dem Quai du Mont-Blanc am Genfersee. Er fuhr den insgesamt 36. Saisonerfolg
für Casino ein.