Doch noch ein Schweizer Sieg an der Tour de Suisse
2001: Oscar Camenzind gewann in Lausanne den Spurt einer fünfköpfigen
Fluchtgruppe. Lance Armstrong wurde Gesamtsieger.
[TA/si] - Als erster US-Amerikaner
seit Andy Hampstens Double 1986/87 hat Lance Armstrong die Tour
de Suisse gewonnen. Der Texaner holte im Zeitfahren von Sitten nach
Crans/Montana einen solch grossen Vorsprung heraus, dass seine Führung
im Gesamtklassement unantastbar wurde. Durch Oscar Camenzinds Sieg
in der Schlussetappe gab es einen für die Schweizer versöhnlichen
Abschluss.
Die Freundschaft mit Tony Rominger und die Möglichkeit, zwischen
Sitten und Crans/Montana eine aussagekräftige Überprüfung seiner
Verfassung vornehmen zu können, haben Lance Armstrong zum vierten
Mal in seiner Laufbahn in die Tour de Suisse gebracht und der nationalen
Rundfahrt einen prominenten Sieger beschert. Der frühere Triathlet
erhielt mit seinem Erfolg im Prologzeitfahren in Rust (De) Aufschluss
über seinen guten Formstand.
Zu einem Goldtrikot hat es den Schweizern in dieser Tour de Suisse
nicht gereicht. Aber Oscar Camenzind bestätigte mit seinem Etappensieg,
dass die Krise im Schweizer Profiradsport doch nicht gar so gross
sein kann, wie in den letzten Tagen behauptet wurde. Der Innerschweizer
gehörte einer fünf Fahrer starken Fluchtgruppe an, die sich nach
78 km gebildet und die bis zu fünf Minuten Vorsprung herausgeholt
hatte. Auf den letzten Metern profitierte Camenzind vom generösen
Einsatz Dimitri Konischews (Russ), der Nicolas Jalabert (Fr) stellte,
nachdem dieser bei der 1000-m-Marke angegriffen hatte.
Im Gesamtklassement jedoch war Camenzind am Gotthard ebenso ins
Hintertreffen geraten wie Alex Zülle. Das Verdikt der letzten Etappe
liess Camenzind immerhin noch auf den 11. Schlussrang vorrücken.
Im Verlaufe der Rundfahrt in Tuchfühlung mit den Gesamtbesten geblieben
war Beat Zberg, der mit einem bewundernswerten Einsatz in der Tremola
und einer ansprechenden Leistung in der Prüfung gegen die Uhr den
4. Schlussrang rettete.
Bei Vorstössen in den anderen Etappen mit Massenstart liessen die
Schweizer in der Regel den Ausländern den Vortritt. Vor dem Feld
zu sehen waren einzig Christian Heule zwischen Baar und Wildhaus
sowie Rolf Huser einige Kilometer zwischen Sitten und Lausanne.
Die diesbezügliche Ausnahme war Lukas Zumsteg.
Der Aargauer, ein Spezialist für lange Vorausfahrten, brachte durch
seinen Effort zwischen Rust und Basel am zweiten Tag Geld in die
Phonak-Mannschaftskasse. Der Gewinn einer Sprintwertung und damit
verbunden ein besonderes Leadertrikotschlugen sich mit rund 10’000
Franken nieder.
Resultate
65. Tour de Suisse. 10. Etappe, Lausanne - Lausanne (175,9 km):
1. Oscar Camenzind (Sz) 3:56:18 (44,663 km/h).
2. Emmanuel Magnien (Fr).
3. Christian Poos (Lux).
4. Dimitri Konischew (Russ).
5. Nicolas Jalabert (Fr), alle gleiche Zeit.
6. Erik Zabel (De) 2:56 zurück.
7. Saulius Ruskys (Lit).
8. Robert McEwen (Au).
9. Gerrit Glomser (Ö).
10. Rob Hunter (SA).
Mit siebeneinhalb Minuten Vorsprung auf das Feld
fuhr der Italiener Stefano Garzelli nach einer Solofahrt über 120
Kilometer ins Ziel der 7. Tour de Suisse-Etappe Locarno-Naters.
Zweiter wurde sein Landsmann und Teamkollege Michele Bartoli.
[TA/si] - Von Toni Nötzli, Naters
Der Österreicher Georg Totschnig, der 10 km vor dem Ziel noch zwei
Minuten Vorsprung auf das Feld mit allen Favoriten hatte und damit
virtueller Gesamtleader war, wurde kurz vor dem Ziel eingeholt.
Damit bleibt der Italiener Wladimir Belli an der Spitze des Gesamtklassements,
eine Sekunde vor Gilberto Simoni, 25 Sekunden vor Lance Armstrong,
30 vor Manuel Beltran und 31 vor Beat Zberg.
Nachdem Stefano Garzelli am Samstag auf der Gotthard-Etappe 21:26
Minuten eingebüsst hatte, suchte der Sieger der Tour de Suisse 1998
und des letztjährigen Giro d'Italia nach einer Möglichkeit zur Rehabilitation,
zumal ihm die diesjährige Italien-Rundfahrt wegen einer Erkältung
misslungen war und er dort nach der Pordoi-Etappe ausstieg.
Zusammen mit seinem Teamkollegen, dem italienischen Meister Michele
Bartoli, entwischte Garzelli schon nach 25 km. Doch mit diesem Vorstoss
hatte sich der Italiener ein Problem eingehandelt, weil sein Teamgefährte
schon vor Airolo nicht mehr mitkam.
Während längerer Zeit fuhr Garzelli mit einem Vorsprung von rund
einer Minute und der Ungewissheit, ob er auf Bartoli warten solle.
Dann erhielt er von seinem sportlichen Leiter Serge Parsani grünes
Licht, die Flucht fortzusetzen. Nach einer Vorausfahrt über 130
km konnte sich Garzelli über seinen vierten Etappensieg in der Tour
de Suisse und seinen zweiten Saisonerfolg freuen.
Die Tour de Suisse wird sich nun wohl am Dienstag entscheiden.
Im Bergzeitfahren über 25,1 km von Sitten nach Crans/Montana ist
Lance Armstrong der haushohe Favorit. In der Theorie sollte der
zweifache Tour-Sieger nicht nur die Prüfung gegen die Uhr gewinnen,
sondern zugleich auch die Schweizer Rundfahrt für sich entscheiden.
Der Amerikaner belegte am Montagabend Rang 3 der Gesamtwertung mit
25 Sekunden Rückstand.
Gegen diese Theorie sprach sich Wladimir Belli aus. Er und der
an 2. Stelle liegende Gilberto Simoni würden auf den ersten 9 km,
die flach verlaufen, zwei Sekunden pro Kilometer auf Armstrong einbüssen,
meinte der Leader. Auf den 15,9 km mit einer Höhendifferenz von
990 m seien sie dem Amerikaner indessen ebenbürtig, womit mit einem
knappen Ausgang zu rechnen sei.
«Ich werde alles versuchen, um mein Leadertrikot zu behalten»,
meinte Belli, der vor zwei Jahren im Midi Libre sogar ein Zeitfahren
gewonnen hatte. Und Gilberto Simoni bestritt im Giro eine Prüfung
gegen die Uhr, bei der er Spezialisten wie Abraham Olano (Sp) und
Sergej Gontschar (Ukr) deutlich hinter sich liess.
1. Stefano Garzelli (It) 3:59:13 (39,278 km/h),
10 Sek. Bon.
2. Michele Bartoli (It) 4:23, 6 Sek. Bon.
3. Tomas Konecny (Tsch) 7:28, 4 Sek. Bon.
4. George Hincapie (USA)
5. Paolo Bettini (It)
6. Janek Tombak (Est)
7. Beat Zberg (Sz)
8. Markus Zberg (Sz)
9. Alexander Winokurow (Kas)
10. Martin Elmiger (Sz)
11. Christian Vandevelde (USA)
12. Alexandre Moos (Sz)
13. Geert Verheyen (Be)
14. Niki Aebersold (Sz)
15. Tyler Hamilton (USA)
16. Lance Armstrong (USA)
17. Laurent Jalabert (Fr)
18. Gilberto Simoni (It)
19. Wladimir Belli (It) 20. Oscar Camenzind
(Sz)
21. Georg Totschnig (Ö)
22. Manuel Beltran (Sp)
23. Udo Bölts (De)
24. Inigo Cuesta (Sp)
25. Laurent Dufaux (Sz)
26. Juan Manuel Garate (Sp)
27. Francisco Cerezo (Sp)
28. Wjatscheslaw Jekimow (Russ)
29. Stefano Cattai (It)
30. Gerrit Glomser (Ö)
117 gestartet, 114 klassiert.
Nicht gestartet: Peter Luttenberger (Ö), Davide Rebellin (It).
Aufgegeben: Roger Beuchat (Sz), Gorazd Stangelj (Sln), Marco Fincato
(It).
Neuer Gesamtleader der Tour de Suisse ist Wladimir
Belli. Dimitri Konischew war der grosse Sieger der Königsetappe
auf dem Gotthard. Nach dem Einbruch von Oscar Camenzind und Alex
Zülle bleibt Beat Zberg die letzte Schweizer Hoffnung.
[TA/si] - Eine winzige Sekunde nur beträgt Bellis
Vorsprung im Gesamtklassement auf den Giro-Gewinner Gilberto Simoni.
Mit Lance Armstrong (25 Sekunden zurück), Manuel Beltran (30) und
Beat Zberg (31) sind die weiteren Fahrer an der Spitze der Gesamtwertung
gegeben, die voraussichtlich am Dienstag im Zeitfahren über 25,1
km von Sitten nach Crans/Montana den Gesamtsieger unter sich ausmachen
werden.
Die 10 km lange, mit Kopfstein-Pflastern besetzte Steigung der
Tremola führte zu einer Selektion, deren Opfer nicht nur Tyler Hamilton
wurde. Vorjahressieger Oscar Camenzind vermochte schon in den ersten
Kehren den Kontakt mit den Besten nicht mehr zu halten, konnte seinen
Rückstand aber auf 5:32 Minuten beschränken.
Alex Zülle fiel erst später zurück, dafür belief sich im Ziel das
Defizit des Ostschweizers auf 9:30 Minuten. Zu Beginn des Anstiegs
hatten noch Zülles Teamkollegen die Gangart der Hauptgruppe bestimmt.
Camenzinds Krise eröffnete dessen Teamgefährten Simoni und Juan
Manuel Garate die Möglichkeit zum Vorstoss. Insbesondere Garates
Rhythmuswechsel - der Spanier war im Giro Simonis bester Leutnant
in den Steigungen gewesen - führte zur Bildung einer kleinen Gruppe
mit Belli und Lance Armstrong, bei dem man den Eindruck hatte, er
gefalle sich in der Rolle des Beobachters.
Beat Zberg kämpfte verzweifelt um den Anschluss und musste sich
von den besten Kletterern nur 37 Sekunden abnehmen lassen.
Mit dem 3. Etappenrang und der damit verbundenen Zeitgutschrift
von vier Sekunden rettete Belli im Gesamtklassement genau eine Sekunde
Vorsprung auf Simoni. Belli war in der 14. Etappe des Giro ins Gerede
geraten, weil er einem jungen Zuschauer einen Faustschlag versetzt
hatte und aufgrund dieses Vorfalles von der Jury vom Rennen ausgeschlossen
worden war.
Nach einer Flucht von ursprünglich sieben Fahrern blieb am Schluss
einer übrig, dessen Effort mit dem Etappensieg gekrönt wurde. Von
einem Maximalvorsprung von über zwölf Minuten rettete Dimitri Konischew
1:57 Minuten ins Ziel. Der 35 Jahre alte Russe fährt bereits seit
1989 als Radprofi.
TA] - 1. Dimitri Konischew (Russ) 5:56:08 (37,165 km/h), 10 Sekunden
Bonifikation.
2. Gilberto Simoni (It) 1:57, 6 Sek. Bon.
3. Wladimir Belli (It), 4 Sek. Bon.
4. Manuel Beltran (Sp), beide gleiche Zeit.
5. Juan Manuel Garate (Sp) 2:22.
6. Beat Zberg (Sz) 2:34.
7. Lance Armstrong (USA), gleiche Zeit.
8. Laurent Jalabert (Fr) 3:39.
9. Daniel Schnider (Sz) 3:41.
10. Georg Totschnig (Ö). 11. Alexander Winokurow (Kas).
12. Marcelino Garcia (Sp), alle gleiche Zeit.
13. Udo Bölts (De) 4:08.
14. Gerrit Glomser (Ö) 4:46.
15. Laurent Dufaux (Sz).
16. Inigo Cuesta (Sp).
17. Stefano Cattai (It).
18. Mauro Gianetti (Sz), alle gleiche Zeit.
19. Oscar Camenzind 5:24.
20. Tomas Konecny (Tsch) 5:36.
129 gestartet, 123 klassiert.
Nicht gestartet: Martin Cotar (Kro). Aufgegeben: Paolo Savoldelli
(It), Francesco Secchiari (It), Scott McGrory (Au), Jean-Michel
Tessier (Fr), Jason Philipps (Au), Ronny Scholz (De).
In der 4. Etappe der Tour de Suisse hat sich
ein Kern von 19 Fahrern herauskristallisiert, die um das Gesamtklassement
fahren. Gewonnen wurde die Etappe von Alexander Winokurow (Kas).
Gianluca Bortolami (It) rettete knapp sein Leadertrikot.
[TA/si] - Die Animatoren des Tages hiessen Christian
Heule und Robbie McEwen. Der Schweizer wollte sich vor seinem Heimpublikum
in St. Gallenkappel in Szene setzen. Auf seiner Flucht über 100 km
holte das ungleiche Duo einen Maximalvorsprung von 4:35 Minuten heraus.
Just am Fusse der Steigung von Wildhaus wurden Heule und McEwen vom
Feld eingeholt.
Im 10 km langen Schlussaufstieg nach Wildhaus waren mit Laurent
Dufaux und Paolo Savoldelli zwei Fahrer überfordert, die auch im
Giro rasch an ihre Grenzen gestossen waren. Ihr Zeitverlust betrug
2:30 Minuten.
3 km vor dem Ziel entwischten Giro-Sieger Gilberto Simoni (It)
und Alexander Winokurow. «Für eine Selektion war es zu wenig steil.
Aber mit meinem Teamkollegen Simoni und Winokurow vorne hörten die
Rupfereien in unserer Gruppe auf. Schade, dass uns der Etappensieg
entglitt», hielt Vorjahressieger Oscar Camenzind fest.
Der Teilerfolg ging an Winokurow, der in dieser Saison die Deutschland-Rundfahrt
gewonnen hat. «Ich wollte eine Etappe gewinnen», hielt der Kasache
zu seinem starken Finale fest. Aber im Prinzip müsste er seine Kräfte
schonen, um Jan Ullrich (De) in der Tour de France beizustehen.
«Ich würde in der Tour de Suisse gerne mein eigenes Rennen fahren.
Aber im Hinblick auf die Tour ist dies riskant. Ich werde schauen,
wie es am Samstag geht, und danach entscheiden.» Ebenfalls noch
ausstehend ist der Entscheid, ob Winokurow weiterhin beim Team Deutsche
Telekom bleibt. Sein Vertrag läuft Ende dieses Jahres aus.
Den eigenen Tritt beibehalten, nicht mit den Besten mitgehen, gewissermassen
ein Bergzeitfahren bestreiten und am Schluss um jede Sekunde spurten.
Nach diesem Motto gelang es Gianluca Bortolami zu seiner eigenen
Überraschung, das Leadertrikot zu retten. 14 Sekunden beträgt der
Vorsprung des Italieners im Gesamtklassement auf Winokurow.
REsultate:
Tour
de Suisse. 4. Etappe, Baar - Wildhaus (144 km): 1. Alexander Winokurow
(Kas). 2. Gilberto Simoni (It) 0:09. 3. Laurent Jalabert (Fr), gleiche
Zeit. 4. Oscar Camenzind
(Sz) 0:12. 5. Davide Rebellin (It). 6. Stefano
Garzelli (It). Ferner: 11. Lance Armstrong (USA). 12. Alex Zülle
(Sz), alle gleiche Zeit. Gianluca Bortolami (It) rund 2:20 zurück.
Der Österreicher Peter Wrolich und der Italiener
Gianluca Bortolami schrieben die Geschichte der 3. Etappe der Tour
de Suisse. Am Schluss ihrer langen Flucht siegte Routinier Bortolami
und nahm Lance Armstrong das Leadertrickot ab.
[TA/si] - Beinahe wäre es in der 3. Etappe der Tour
de Suisse über 162,7 km von Reinach nach Baar zu einem jener Coups
gekommen, die schon verschiedentlich die Schweizer Rundfahrt gekennzeichnet
haben. Von einem Maximalvorsprung von 9 Minuten retteten Gianluca
Bortolami und Peter Wrolich 2:53 Minuten ins Ziel.
«Nachdem US Postal die Nachführarbeit einstellte, mussten wir etwas
unternehmen. Wir wollten einen weiteren Fall Agnolutto vermeiden.»
Mit diesen Worten erklärte Oscar Camenzind, weshalb sich auf den
letzten Kilometern seine Helfer kräftig in die Pedalen legten. Unterstützung
fanden sie beim Team Coast, das damit die Interessen von Alex Zülle
wahrte.
Zur Erinnerung: 1997 hatte Christophe Agnolutto (Fr) im Verlaufe
der 3. Etappe von Basel nach La Chaux-de-Fonds über 202 km 11:32
Minuten auf das passive Feld herausgeholt und das Leadertrikot übernommen.
Allen verzweifelten Versuchen von Camenzind zum Trotz gewann der
Franzose die Rundfahrt mit 2:08 Minuten Vorsprung.
Für den 33 Jahre alten Ginaluca Bortolami ging mit dem Etappensieg
und der Übernahme des Leadertrikots ein Traum in Erfüllung. In seinen
bisherigen zehn Saisons als Radprofi stand der Italiener erst einmal
an der Spitze des Gesamtklassementes einer Rundfahrt: 1995, als
er den Prolog der Tour DuPont in den USA gewonnen hatte.
Auf der Fahrt von der Region Basel ins Zugerland bewies der neue
Gesamterste taktischen Spürsinn. Als sich nach 68 km ein Quintett
absetzte, ahnte Bortolami, dass mit Tyler Hamilton und Laurent Jalabert
unter den Ausreissern kein Durchkommen sein würde. Nach der heftigen
Reaktion des Feldes liessen sich der Amerikaner und der Franzose
zurückfallen. Bortolami insistierte, und nachdem Wrolich aufschloss,
hatten die beiden Flüchtlinge freie Bahn.
«Ich bin kein Kletterer. Das Goldtrikot werde ich schon am Freitag
wieder abgeben müssen», meinte Bortolami, dem aller Voraussicht
nach spätestens die letzten 10 km hinauf nach Wildhaus zum Verhängnis
werden. Aber schon über Ricken und Wasserfluh sowie der Fahrt durch
das Appenzellerland sind Überraschungen nicht auszuschliessen.
Resultate
Tour de Suisse, 3. Etappe
Von Reinach nach Baar über 162,7 km.
1. Gianluca Bortolami (It), 3:46.29
2. Peter Wrolich (Ö), gleiche Zeit
3. Robbie McEwen (Au), + 2.53
4. Janek Tombak (Est), gleiche Zeit
Hauchdünner Spurtsieg für
Erik Zabel Erik Zabel hat die zweite Etappe der Tour
de Suisse in Basel gewonnen. Der Deutsche setzte sich im Spurt gegen
den Italiener Paolo Bettini durch. Das Leadertrikot von Lance Armstrong
war nicht in Gefahr.
[TA] - Lange Zeit hatten Lukas Zumsteg und Jason Philips
gemeinsam geführt und zwischenzeitlich einen Vorsprung von über sieben
Minuten herausgefahren. Zumsteg versuchte es zuletzt solo, wurde aber
wenige Kilometer vor dem Ziel vom tempobolzenden Feld eingeholt.
So kam es nach 178,8 km zur erwarteten Spurtankunft, bei der sich
Zabel hauchdünn vor Paolo Bettini und Saulius Ruskdys durchsetzte.
Es war der insgesamt vierte TdS-Etappensieg für den Deutschen.
Lukas Zumsteg vom Phonak-Team konnte sich zum Trost für den knapp
verpassten Etappensieg das Bergpreis-Leadertrikot sowie das Sprintertrikot
überstreifen.
Die dritte Etappe führt über 162,7 Kilometer von Reinach nach Baar
und ist erneut auf die Sprinter zugeschnitten. So wird Armstrong
sein Leadertrikot voraussichtlich verteidigen können. Es sei denn,
Servais Knaven holt weitere Bonifikationssekunden. Der Holländer
ist bis auf drei Sekunden an Armstrong herangerückt. (rom)
[TA] - 1. Erik Zabel (De)
4:26:49 (40,207 km/h), 10 Sekunden Bonifikation.
2. Paolo Bettini (It), 6 Sek. Bon.
3. Saulius Ruskis (Lit), 4 Sek. Bon.
4. Rob Hunter (SA).
5. Janek Tombak (Est).
6. Robert Sassone (Fr).
7. Peter Wrolich (Ö).
8. Jean-Patrick Nazon (Fr).
9. Arvis Piziks (Lett).
10. René Haselbacher (Ö). 48. Oscar Camenzind (Sz).
19. 06. 2001 - Prolog in Rust Lance Armstrong erster TdS-Leader - Ösi kann Schaden
in Grenzen halten
Beim Prolog der Tour de Suisse in Rust setzte
Lance Armstrong bereits den ersten Akzent. Der zweifache Tour-de-France-Sieger
gewann fünf Sekunden vor Laurent Jalabert und Tyler Hamilton. Bester
Schweizer war Beat Zberg als guter Fünfter. Auf
der völlig flachen Strecke mit neun Richtungsänderungen büsste Vorjahressieger
Oscar Camenzind 24,71 Sekunden ein (Rang 38). Damit blieb der Schwyzer
im Rahmen seiner Erwartungen, die auf einen Zeitverlust von maximal
30 Sekunden gelautet hatten. «Noch ist nichts verloren. Aber es
ist klar, dass jeglicher Rückstand zuerst einmal aufgeholt werden
muss. Mein Team und ich kommen in den nächsten Tagen noch besser
in Fahrt.»
65. Tour de Suisse. 1. Etappe, Prologzeitfahren in Rust/De (7,9
km):
1. Lance Armstrong (USA) 9:44,22.
2. Laurent Jalabert (Fr) 5,14 Sekunden zurück.
3. Tyler Hamilton (USA) 5,27.
4. Wjatscheslaw Jekimow (Russ) 5,35.
5. Beat Zberg (Sz) 7,02.
6. Servais Knaven (Ho) 7,66.
7. George Hincapie (USA) 9,11.
8. Grischa Niermann (De) 9,36.
9. Marc Wauters (Be) 9,68.
10. Nicolas Jalabert (Fr) 9,85. 38. Oscar Camenzind
24,71.
Schafft Oscar Camenzind, was vor ihm noch keinem
Schweizer gelang: die Tour de Suisse, die am 19. Juni beginnt,
zweimal hintereinander zu gewinnen?
Andy Mascheck
Zuerst quälten ihn die Pollen, dann eine Erkältung. Oscar Camenzind
musste am Giro d'Italia leiden. Trotzdem ist er heiss auf die Tour
de Suisse. Schliesslich ist er der Titelverteidiger, der Liebling
der Schweizer Velofans und die Tour de Suisse eines seiner grossen
Saisonziele. Und er kann schaffen, was bisher noch keinem Schweizer
gelang: die Schweizer Rundfahrt zweimal nacheinander zu gewinnen.
«Die Tour de Suisse ist für uns Schweizer natürlich ein spezielles
Rennen», sagt der Weltmeister von 1998 und diesjährige Sieger des
Klassikers Lüttich-Bastogne- Lüttich. Sogleich warnt er aber vor
zu hohen Erwartungen: «Ich habe seit Anfang Jahr sehr viele Rennen
bestritten und der Giro ging an die Substanz - irgendwann ist die
Kraft aufgebraucht.» Aber Achtung: Immer wenn der Gersauer «chlönt»,
ist er zu grossen Taten fähig.
Im Juli will «Ösi» - Marktwert 1,2 bis 1,5 Millionen Franken pro
Jahr - eine Pause einlegen und sich mit der Zukunft beschäftigen.
Seit seinem Profidebüt 1996 fährt er unter der gleichen Leitung.
Nun hat das Schweizer Profiteam Phonak Urs Freuler als Manager und
Alvaro Pino als sportlichen Leiter verpflichtet und braucht dringend
Weltranglistenpunkte. Immer öfter wurde der Name Camenzind mit Phonak
in Verbindung gebracht. «Das sind Spekulationen», sagt Ösi, «ich
fühle mich bei Lampre wohl.» Doch: «Erste Gespräche mit Phonak haben
stattgefunden. Und vielleicht gäbe mir eine Luftveränderung ja einen
neuen Kick.»
Das ist die Tour de Suisse 2001
19. Juni: Rust-Rust: 7,9 km/0 m Höhendifferenz
20. Juni: Rust-Basel: 178,8 km/1257 m
21. Juni: Reinach-Baar: 162,7 km/1390 m
22. Juni, Baar-Wildhaus: 144,0 km/2399 m
23. Juni: Widnau-Gotthard: 220,6 km/4037 m
24. Juni: Mendrisio-Mendrisio: 174,1 km/1809 m
25. Juni: Locarno-Naters: 156 km/2690 m
26. Juni: Sion-Montana (Zeitfahren), 25 km/1026 m
27. Juni: Sion-Lausanne: 166,8 km/1582 m
28. Juni: Lausanne-Lausanne: 175,9 km/1485 m
Schwieriger, als man denkt
Die Tour de Suisse 2001 beginnt erstmals in ihrer 67-jährigen Geschichte
im Ausland: am 19. Juni im Europa-Park Rust. Ein weiteres Novum
ist die Etappenankunft auf einem Pass, dem Gotthard. Das garantiert
ein Spektakel für die Zuschauer.
Viele Experten glauben, die Tour sei leichter als in den letzten
Jahren, aber Sportdirektor Tony Rominger ist überzeugt, dass «es
eine sehr anspruchsvolle Tour de Suisse geben wird» - trotz weniger
Höhenmetern.
Im Vergleich zum Vorjahr haben die Organisatoren um IMG-Boss Marc
Biver das Budget von 5 auf 5,5 Millionen Franken erhöht. Allein
die 17 Teams kosten rund eine halbe Million Franken. Trotzdem sollen
schwarze Zahlen geschrieben werden. Das Feld hats in sich. Bis auf
Sven Montgomery starten die bes-ten Schweizer: von Vorjahressieger
Ösi Camenzind über Alex Zülle und die Brüder Zberg bis zu Laurent
Dufaux. Dazu kommen die starken Ausländer wie Jalabert, Simoni,
Garzelli und erstmals der zweifache Tour-de-France-Sieger Lance
Arm-strong. Das freut auch Tony Rominger: «Ich bin sehr stolz, dass
wir eine solche Top-Besetzung haben. Mein Topfavorit ist trotzdem
Oscar Camenzind.» Andy Maschek
Faszination Tour de Suisse Karin Roten, Frau von Radprofi Armin Meier: «Der Radsport
ist faszinierend, speziell die Tour de Suisse: Wenn man sieht, was
die Fahrer mehrere Tage hintereinander leisten...» Sepp Renggli, Journalist, 42 Mal dabei: «Die Tour de Suisse
ist der Superlativ des Radsports in der Schweiz. Sie ist eine Tradition
und führt durch die schönsten Gegenden des Landes.» Barbara Heeb, Radweltmeisterin 1996: «Ohne die Tour de Suisse
würde dem Land etwas fehlen. Sie ist landschaftlich eine der schöns-ten
Rundfahrten und für die Zuschauer attraktiv.» Ferdy Kübler, TdS-Sieger 1942, 1948 und 1951: «Die Tour de
Suisse ist die grösste Sportveranstaltung des Landes. Die Fahrer
müssen bei jedem Wetter an ihre Leistungsgrenzen gehen.»
Glossar Besenwagen: Begleitwagen des letzten Fahrers.
Bonifikation: Zeitgutschrift - bei der TdS meist 10 Sekunden für
den Sieger, 6 für den 2. und 4 für den 3. der Etappe.
Goldtrikot: Das gelbe Trikot des Leaders der Tour de Suisse. Entspricht
dem Maillot jaune der Tour de France und der Maglia rosa beim Giro.
Prolog: Auftakt-Zeitfahren.
Peloton: Geschlossenes Fahrerfeld eines Rennens.
Wasserträger: Radrennfahrer, die den Kapitän oder den Bestplatzierten
ihres Teams unterstützen und mit Nahrung versorgen.