Oscar Camenzind

  

 

       

 

 

 

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Vorschau

Zülle gegen die Spanier

Der St. Galler Alex Zülle startet am Samstag in Murcia als grosser Favorit zur 54. Spanien-Rundfahrt. Siegeschancen werden ebenfalls dem spanischen Vorjahresgewinner Abraham Olano und Fernando Escartin (Sp) eingeräumt. Die Rundfahrt geht am 26. September nach 3853 Kilometern in Madrid zu Ende.

Die siebenmonatige Dopingsperre bis Ende April hat sich für Alex Zülle bisher fast ausschliesslich positiv ausgewirkt. Nachdem er im Giro d'Italia nach 15 Etappen ausgestiegen war, zählte der Ostschweizer bereits an der Tour de France, die er als Zweiter beendete, zu den Protagonisten. Und während andere Fahrer langsam die Strapazen der langen Saison verspüren, ist Zülle nach der unfreiwilligen Ruhepause noch lange nicht müde. Im Gegenteil: Nach seinem bisher einzigen Saisonerfolg beim Einladungsrennen "Quer durch Lausanne" möchte der Ostschweizer seine Bilanz weiter aufpolieren.

5 Schweizer Erfolge seit 1992

Damit stehen die Chancen gut, dass die Spanien-Rundfahrt nach einem Jahr Unterbruch wieder zum Rennen der Schweizer wird. Das würde der Vuelta-Tradition der 90-er Jahre entsprechen. Seit 1992 gab es nur in zwei Austragungen keinen Schweizer Erfolg (1995 Laurent Jalabert, 1998 Abraham Olano). Zuvor war die Reihe an Tony Rominger, der die Vuelta dreimal in Serie zu seinen Gunsten entschied. 1996 und 1997 setzte sich Zülle in der Gesamtwertung durch. Das Triple blieb ihm im letzten Jahr allerdings verwehrt. Nach dem Auschluss an der Tour de France 1998 fand Zülle nicht mehr zu seinem gewohnten Rhythmus zurück und belegte mit 6:05 Minuten Rückstand auf Olano den 6. Schlussrang.

Zülle, der seit Anfang Jahr bei Banesto unter Vertrag steht, kann auf eine besonders starke Mannschaft zählen. Mit Leonardo Piepoli, José Maria Jimenez (vierfacher Vuelta-Etappensieger 1998) und Manuel Beltran stehen ihm gleich drei ausgewiesene Bergfahrer zu Diensten.

In dieser letzten grossen Rundfahrt der Saison rechnet sich auch Laurent Dufaux einiges aus. Der vierte Platz an der Tour de France hatte dem Romand jenes Selbstvertrauen zurückgegeben, das ihm während der Dopingsperre mitunter abhanden gekommen war. Dritter (1997) und Zweiter (1996) war Dufaux in der Vuelta schon gewesen. Ob es dieses Jahr ganz zuoberst aufs Podest reicht, hängt in erster Linie von seiner Leistung in den beiden Zeitfahren ab. Dem gegenüber stehen vier Bergankünfte, wo Dufaux eher seine Vorteile ausspielen kann.

Olano und Escartin gefährlichste Gegner

Zu den hauptsächlichen Herausforderern der beiden Schweizer gehören Olano und Escartin. Beide Spanier müssen allerdings auf ihre eigene, traditionelle Taktik zurück greifen. Während Olano sich in den Zeitfahren eine genügend grosse Zeitreserve erarbeiten muss, um sich in den Bergen behaupten zu können, konzentriert sich Escartin vor allem auf die Bergetappen.

Zwar müssen die Organisatoren auf Lance Armstrong und Marco Pantani verzichten, die Sieger der beiden letzten Frankreich-Rundfahrten. Dennoch haben sie wiederum ein illustres Feld verpflichten können. Neben den favorisierten Zülle, Dufaux, Olano und Escartin versucht der Russe Pawel Tonkow einmal mehr, eine Bestätigung für seinen Erfolg am Giro d'Italia 1996 zu erreichen. Aber auch Bobby Julich (USA) hat seit seinem unfallbedingten Ausscheiden aus der Tour noch eine Rechnung offen. Andere wiederum betrachten die Vuelta in erster Linie als geeignetes Vorbereitungsrennen für die Weltmeisterschaften im Oktober.

WM-Vorbereitung für Camenzind

Zu diesen Fahrern zählt sich auch Weltmeister Oscar Camenzind. Nach der an der Meisterschaft von Zürich erlittenen Rippenverletzung ist der 28jährige wieder soweit genesen, dass ereine dreiwöchige Rundfahrt bestreiten kann. Camenzind hat stets betont, wie wichtig für ihn eine Vuelta-Teilnahme zur Erlangung der WM-Form sei. Aus Schweizer Sicht ist weiter auch das Abschneiden von Markus Zberg und Niki Aebersold von Interesse. Zberg hatte vor einem Jahr in den Farben des Post Swiss Teams überraschend die erste und letzte Etappe für sich entschieden.

Ullrich erstmals an der Vuelta

Der seit über einem Jahr sieglose Jan Ullrich (De) möchte in Spanien wieder an die Spitze zurückfinden, nachdem er die Tour de France wegen einer Knieverletzung verpasst hatte. Der Deutsche bestreitet die Spanien-Rundfahrt zum ersten Mal. Der Anfang August schwer gestürzte Laurent Jalabert hat den Fragezeichen um seine Teilnahme schon drei Tage vor der ersten Etappe ein Ende gesetzt. Nach dem günstigen Heilungsprozess der Schlüsselbein- und Rippenbrüche wird der Franzose am Samstag am Start stehen.

Nach fünf vorwiegend flachen Etappen wird in Salamanca die erste wichtige Prüfung, ein flaches Einzelzeitfahren über 46 km, ausgetragen. Bereits zwei Tage später findet die erste von insgesamt vier Bergankünften in den Kantabrischen Kordilleren statt. Dabei wird erstmals der Aufstieg nach Angliru befahren, der vom Schwierigkeitsgrad demjenigen des Mortirolo-Passes in Italien entsprechen soll.

Quelle: newswindow

Etappenplan / Berichte

Samstag, 4. September:  Prolog in Murcia (6 km)

Gonzalez Galdeano erster Leader

Überraschender Auftakt zur 54. Spanien-Rundfahrt: Der Spanier Igor Gonzalez Galdeano legte in Murcia den 6,1 km langen Hochgeschwindigkeits-Parcours am schnellsten zurück und wurde erster Leader dieses dreiwöchigen Rennens. Mit nur einer Sekunde Rückstand wurde Vorjahressieger Abraham Olano Zweiter. Der Schweizer Alex Zülle liess nach einem kurzen Regenschauer Vorsicht walten und belegte mit 15 Sekunden Rückstand den 37. Platz.

Sonntag, 5. September: 1. Etappe, Murcia - Benidorm (179 km)

Gute Ausgangslage für Alex Zülle

Auf der 1. Etappe der Spanien-Rundfahrt hat sich für Jacky Durand einmal mehr eine lange Flucht bezahlt gemacht. Trotz der Einholung 27 km vor dem Ziel übernahm der Franzose dank den Bonifikationen das Leadertrikot vom spanischen Prologgewinner Igor Gonzalez Galdeano. Der Sieg im Teilstück von Murcia nach Benidorm (179 km) ging an den Südafrikaner Robert Hunter. Im Gesamtklassement liegen die Favoriten derzeit noch nahe beisammen. Mit 3 Sekunden Rückstand auf Durand liegt Vorjahressieger Abraham Olano (Sp) auf Platz 3. Jan Ullrich (24.) liegt 0:13, Alex Zülle (39.) als bester Schweizer 0:17, José-Maria Jiménez ( 90.) 0:28 und Pawel Tonkow (104.) 0:30 zurück.

Einzig Fernando Escartin (127., 0:37) und Laurent Dufaux (162., 0:47) haben sich schon grössere Rückstände eingehandelt. Durand und César Garcia Calvo (Sp) haben sich auf der 1. Etappe entlang der Mittelmeerküste mit einer 140-km-Flucht ausgezeichnet. Bei der einzigen Bergpreiswertung der 3. Kategorie nach 12 km setzte sich erst Garcia Calvo ab, wenig später folgte auch Durand. Der Franzose kämpfte allerdings 23 km lang, um den geringen Rückstand von rund 20 Sekunden auf den Spanier gut zu machen. Den Maximalvorsprung von 12:37 Minuten erreichte das Duo nach 75 Kilometern. Dank den unterwegs gewonnenen 14 Bonifikationsekunden ist Durand neuer Leader der Spanien-Rundfahrt. Damit ist er zum zweiten Mal nach 1995, als er zwei Tage lang das "maillot jaune" der Tour de France trug, Leader in einer der drei grossen Rundfahrten.

Der Sieg ging an den erst 22-jährigen Hunter, der seinen ersten Erfolg als Professional erzielte. Der Teamkollege von Oscar Camenzind wechselte im Herbst 1998 zu den Berufsfahrern, nachdem er in der Schweiz einige U23-Rennen gewonnen hatte. Hunter setzte sich zusammen mit Sergej Utschakow (Ukr) und Robbie McEwen (Au) 800 m vor dem Ziel in Benidorm leicht vom übrigen Feld ab, nachdem in einer gefährlichen 90-Grad-Rechtskurve verschiedene Fahrer zu Fall gekommen waren.Am schlimmsten erwischt e es Danilo Hondo (De) und Dario Andriotto (It), die beide blutüberstömt liegen blieben. Während Hondo mit einer Platzwunde noch ins Ziel fahren konnte, wurde Andriotto zur Kontrolle ins Spital gefahren.

Quelle: newswindow

Montag, 6. September:  2. Etappe: Alicante - Albacete (206 km)

Marcel Wüst Sieger im Massenspurt

Marcel Wüst hat die 2. Etappe der Spanien-Rundfahrt im Sprint des Feldes mit allen Schweizern für sich entschieden. Nach 206 km setzte sich der Deutsche vor den beiden Italienern Stefano Zanini und Giovanni Lombardi durch. Gesamtleader bleibt Jacky Durand (Fr). Die Favoriten erlebten grösstenteils einen ruhigen Tag.

Aufregung gab es im Lager von Laurent Dufaux. Der Westschweizer stürzte rund 40 km vor Albacete bei einer Strassenverengung in einer Ortschaft. Dufaux musste die Hilfe des Rennarztes in Anspruch nehmen, beendete die Etappe und begab sich danach erneut in ärztliche Behandlung.

Fragezeichen um Dufaux -- Aus für Meier

In einem Communiqué teilte die Sportgruppe des Romand mit, er habe sich Prellungen am Ellbogen und der Hüfte sowie Schürfungen am rechten Bein zugezogen. Später am Abend wurde bekannt, Dufaux leide zudem an einer leichten Beckenverschiebung, was den Beizug eines Chiropraktikers erforderlich mache.

Schweizer Meister Armin Meier war zur 2. Etappe gar nicht mehr gestartet und trat als erster Schweizer die Heimreise an. Die Teilnahme von Meier war vorerst gar nicht vorgesehen gewesen, zumal er sich wenige Tage vor dem Start eine Zyste am Knie entfernen liess. Der kurzfristig aufgebotene Luzerner beschränkte sich deshalb darauf, die Vuelta als WM-Vorbereitung zu betrachten. Als er aber bereits auf der ersten Flachetappe beinahe fünf Minuten auf das Feld verlor und auf den letzten Gesamtplatz zurückfiel, sah er die Sinnlosigkeit dieses Unternehmens ein. 

Appetit auf mehr

Erstaunter Leader Durand

Trotz den geringen Abständen an der Spitze und den verschiedenen Bonifikationssprints behält der Franzose Jacky Durand das Leadertrikot. Der 32-jährige aus der Lotto-Equipe befand sich im ersten Aufstieg kurz nach dem Start in leichten Schwierigkeiten, als er in eine 40-köpfige Nachhut relegiert wurde. Mit Hilfe seiner Teamkollegen und der Festina-Mannschaft gelang ihm aber wieder der Anschluss. Durand muss sich immer noch mit der Rolle des Leaders anfreunden: "Es ist verrückt. An der Tour de France hatte ich mich in einer Superform gefühlt und wurde Letzter. Jetzt fühle ich mich nicht besonders stark und bin plötzlich Erster."Die Etappe wurde während 70 km von einer 13 Fahrer umfassenden Fluchtgruppe vorwiegend mit Aussenseitern geprägt. Da sich mit Grischa Niermann (De) auch der Gesamt-Achte darin befand, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Vorhut wieder eingeholt wurde. In der Schlussphase versuchten verschiedene Fahrer ihr Glück in einem Vorstoss, zuletzt Fabio Roscioli (It) und Inigo Charreau (Sp) auf den letzten 40 km.

Quelle: newswindow

Dienstag, 7. September:    3. Etappe, La Roda - Fuenlabrada  (222,8 km)

Leadertrikot als Belohnung für Etappensieg

Sprinter Marcel Wüst war an der Vuelta im Finish erneut nicht zu schlagen. In der 3. Etappe von La Roda in den Madrider Vorort Fuenlabrada setzte sich der Deutsche zum zweiten Mal in Folge im Massensprint durch und erzielte seinen ingesamt 10. Etappensieg. Zugleich übernahm Wüst das Leadertrikot. Animator des Tages war der unbekannte Spanier German Nieto, der nach einer langen Flucht erst 7 km vor dem Ziel eingeholt wurde.

Nichts Neues gibt es von Sturzopfer Laurent Dufaux zu berichten. Am Ziel klagte der Romand weiterhin über Schmerzen im Rücken. "Als das Tempo auf den letzten 80 Kilometern gesteigert wurde, musste ich ziemlich auf die Zähne beissen", sagte Dufaux ernüchtert. Besserung erhofft er sich von Michel Barras, seinem persönlichen Physiotherapeuten, den er aus Lausanne einfliegen liess. Mit einer Spezialtherapie hofft Dufaux, für die kommenden Bergetappen wieder zu hundert Prozent gerüstet zu sein.

Noch vor dem Start hatte der Schweizer, der am Montag auf einem nassen Strassenabschnitt ausgerutscht war, fälschlicherweise Entwarnung gegeben. "Alles halb so schlimm", hatte Dufaux relativiert, "ein Sturz kann immer passieren. Meine Ambitionen auf dem Gesamtsieg beeinträchtigt das aber nicht, auch wenn es ein bisschen auf die Moral geschlagen hat."

Spekulationen um Camenzinds Zukunft

Aber nicht nur Dufaux dient in diesen Tagen als Gesprächsthema, sondern auch Weltmeister Oscar Camenzind. Der Schwyzer hat seinen Vertrag bei Lampre noch nicht verlängert. Deshalb wird heftig darüber spekuliert, in welchem Team er die nächste Saison bestreiten wird. Derzeit liegen drei valable Offerten von Mannschaften vor, wobei es sich um Lampre, das Team Telekom sowie Vitalicio Seguros aus Spanien handeln dürfte. Ein Entscheid über Camenzinds Zukunft wird nach Auskunftseines Managers Robert Ochsner nicht vor nächster Woche fallen.

Wüst erstmals Leader

Auf der sportlichen Ebene bestätigte Marcel Wüst seine derzeitige Hochform. Auf der 3. Etappe zwischen La Roda und Fuenlabrada, mit 229,5 km das längste Teilstück der Vuelta, war der Deutsche aus der Festina-Mannschaft zum zweiten Mal in Serie der schnellste Sprinter. Wüst wurde vom früheren Weltmeister Laurent Brochard und Andrej Kiwilew optimal auf die Zielgerade geführt, wo er 300 m vor dem Ziel die Spitzenposition übernahm und diese nicht mehr abgab. Damit feierte der Kölner nicht nur seinen 10. Vuelta- Etappensieg seit 1995, sondern übernahm auch dank den 20 Bonifikationssekunden das goldene Leadertrikot. Noch nie zuvor hatte Wüst die Führung in einer der drei grossen Rundfahrten inne gehabt. Nun wird er künftig zu Hause eine komplette Sammlung der wichtigsten Trikots besitzen. "Ich habe bereits ein WM-Trikot von Brochard, ein "maillot jaune" der Tour de France von Pascal Lino von 1992 und eine "maglia rosa" des Giro d'Italia von Alex Zülle. Nun kommt sogar noch ein eigenes dazu", freute sich Wüst, der wegen eines Schlüsselbeinbruchs für die Tour de France ausfiel und deshalb sich viel für die Vuelta vorgenommen hatte.

Abwartende Favoriten vor dem Zeitfahren

Auf der 229,5 km langen Fahrt durch das Kastilien von Don Quijote hielten sich die Favoriten auf den Gesamtsieg weiterhin zurück. Vor dem Einzelzeitfahren über 46 weitgehend flache Kilometer in Salamanca vom Freitag will sich noch niemand exponieren und unnötig Kräfte vergeuden. Dafür nützte die spanische Zweitdivisionsmannschaft Fuenlabrada, die von der Behörde des gestrigen Etappenziels unterstützt wird, zu einer 192 km langen Werbefahrt. Erst riss German Nieto nach 35 km aus und fuhr zwischenzeitlich einen Vorsprung von über 23 Minuten auf das Feld heraus. Als Nieto, der Gesamtletzte der letztjährigen Vuelta, 7 km vor dem Ziel vor dem Tempodiktat der Sprintermannschaften kapitulieren musste und eingeholt wurde, lancierte sein Teamkollege Stefano Verziagi (It) eine Gegenattacke. Aber auch dieser Vorstoss wurde 4 km später wieder neutralisiert.

Mittwoch, 8. September:    4. Etappe, Las Rozas - Salamanca (185 km)

Wüst feiert seinen insgesamt 11. Tagessieg in der Vuelta

Auch im Leadertrikot bleibt Marcel Wüst an der Spanien-Rundfahrt erfolgreich. In Salamanca gewann der Deutsche nach 185,6 km den Massensprint und erzielte dabei nach vier Teilstücken bereits seinen dritten Etappensieg. Zugleich bleibt Wüst auch Gesamtleader. Nicht mehr dabei ist hingegen der Schweizer Laurent Dufaux, der das Rennen aufgab.

Der Rückzug von Dufaux beim Verpflegungsabschnitt nach 95 km war nicht ganz überraschend gekommen. Bereits am Dienstag hatte der Romand angedeutet, dass ihm die Folgen des Sturzes aus der 2. Etappe weiterhin zu schaffen machten.

Dufaux, der als Tour-de-France-Vierter die Vuelta mit grossen Ambitionen in Angriff genommen hatte, war auf einem nassen Strassenabschnitt ausgerutscht und hatte sich dabei unter anderem eine Beckenverschiebung zugezogen. Bereits vor dem gestrigen Etappenstart deutete Dufaux an, dass es ihm nicht sonderlich gut gehe. Das zeigte sich gleich zu Beginn des Rennens. Selbst bei langsamem Tempo war er nicht fähig, das Tempo des Feldes zu halten und wurde immer wieder leicht distanziert. "Ich spürte Schmerzen im rechten Bein und in der Leistengegend", sagte Dufaux nach seiner Aufgabe. Dazu litt er immer noch an einer Zerrung im Adduktorenbereich. "Unter diesen Umständen ist es besser, die Vuelta nicht fort zu setzen", sagte ein gefasster Dufaux. Der 30-Jährige kehrt am Donnerstag morgen nach Hause zurück und will einige Ruhetage einlegen. Falls eine Freistellung der Vuelta-Organisatoren eintreffen sollte, wird Dufaux voraussichtlich ab Mitte September bei den italienischen WM-Vorbereitungsrennen wieder Wettkämpfe bestreiten.

Wüsts Hattrick

Auf der Gewinnerseite steht derzeit der Deutsche Marcel Wüst, der in Salamanca bereits seinen dritten aufeinanderfolgenden Teilerfolg erzielte. Eine ähnliche Serie hatte in diesem Jahr der Italiener Mario Cipollini an der Tour de France hingelegt. "Cipo" gewann vier Teilstücke en suite. An der Spanien-Rundfahrt ist das Kunststück eines Hattricks letztmals 1982 dem Belgier Eddy Planckaert gelungen, der im Gegensatz zu Wüst aber nicht im Leadertrikot unterwegs war. Die Bestmarke hält allerdings Planckaerts Landsmann Freddy Maertens. 1977 fuhr dieser von Beginn weg im gelben Leadertrikot und gewann nicht weniger als 13 Etappen, davon vier sowie drei in Serie.

Erstmals Bergpreis erster Kategorie

Da Wüst dank dem Etappensieg weitere 20 Bonifikationssekunden gut geschrieben wurde, vergrösserte der Deutsche seinen Vorsprung im Gesamtklassement auf Robbie McEwen auf nun 29 Sekunden. Viel Zeit wird Wüst trotzdem nicht bleiben, sein Leadertrikot zu geniessen. Bereits auf der 5. Etappe steht zwischen Béjar und der spanisch-portugiesischen Grenzstadt Ciudad Rodrigo erstmals ein Erstkategorie-Aufstieg sowie drei kleinere Bergpreiswertungen auf dem Programm. Wie es um die Verfassung der Favoriten um den Gesamtsieg steht, dürfte spätestens am Freitag offenbart werden, wenn in Salamanca das erste Einzelzeitfahren über (flache) 46 km ausgetragen wird.

Quelle: newswindow

Donnerstag, 9. September:  5. Etappe, Béjar - Ciudad Rodrigo (160 km)

Jan Ullrich feiert lang ersehnten Erfolg

Einen seit langem ersehnten Erfolg feierte mit seinem Etappensieg Jan Ullrich (De), der Abraham Olano (Sp) und Frank Vandenbroucke (Be) knapp im Spurt schlug. Nur einen Tag nach der Aufgabe von Laurent Dufaux hat mit Alex Zülle ein zweiter Schweizer Siegesanwärter seine Ambitionen auf den Gesamterfolg einstellen müssen. Nach der ersten Bergetappe traf der St. Galler in Ciudad Rodrigo mit 5:29 Minuten Rückstand auf Ullrich im Ziel ein. Neuer Träger des Leadertrikots ist der Spanier Abraham Olano.

Mit diesem Einbruch auf der 5. Etappe von Béjar nach Ciudad Rodrigo (160 km) hat Zülle dieses Jahr bereits zum zweiten Mal einen möglichen Gesamtsieg in einer grossen Rundfahrt vergeben. Bereits vor rund zwei Monaten büsste Zülle auf der 2. Etappe der Tour de France in der berühmt-berüchtigen "Passage du Gois" sämtliche Siegeschancen ein. Damals war er auf einem mit Algen verschmutzten Strassenabschnitt durch das Wattenmeer zu Fall gekommen. Bis ins Ziel verlor Zülle über 6 Minuten auf Sieger Lance Armstrong (USA). Diesmal war Zülles grosser Rückstand aber nicht auf einen Sturz, sondern auf eigenes körperliches Versagen zurück zu führen. Sein Debakel begann nach rund 90 km bei der Anfahrt zum Portillo-Pass, dem ersten längeren Aufstieg der diesjährigen Spanien-Rundfahrt. 3 km vor der Passhöhe vermochte der Ostschweizer das Tempo des ersten Grüppchens mit sämtlichen Favoriten nicht mehr zu halten und fiel in eine zweite Verfolgergruppe zurück. Auf dem Kulminationspunkt, 67 km vor dem Ziel, betrug der Rückstand auf die führende Gruppe mit 27 Fahrern bereits 40 Sekunden.

Keine Kraft -- und keine Erklärung

An der Spitze intensivierte die Once-Mannschaft von Abraham Olano das Tempo, dahinter verlor die Zülle-Gruppe immer mehr an Terrain. Als der Ostschweizer wenige Kilometer später im kurzen Aufstieg zum Pena de Francia auch aus der zweiten Gruppe zurückfiel, wurde er bloss noch von seinen beiden Teamkollegen Jon Odriozola und Aitor Osa assistiert. Nach der Zieleinfahrt war Zülle niedergeschlagen: "Ich weiss nicht, wieso es mir heute überhaupt nicht lief. Ich hatte keine Kraft in den Beinen und zudem verspürte ich leichte Schmerzen. Ich fühle mich müde. Nun ist alles vorbei." Bereits in der Galizien- Rundfahrt und beim Weltcuprennen in San Sebastian habe er gemerkt, dass irgend etwas nicht in Ordnung war. "Vielleicht", so Zülles erste Analyse, "war die Anlaufzeit nach der Dopingsperre doch zu kurz gewesen."Allerdings ziehen sich solche plötzlichen und unerklärlichen Einbrüche wie ein roter Faden durch die jüngste Vergangenheit Zülles. An der Schweizer Strassenmeisterschaft 1997 in Sulz gab er wenige Tage vor der Tour de France das Rennen auf, nachdem er sich auf einen Schlag kraftlos fühlte. Und im vergangenen Jahr verlor Zülle auf der letzten Bergetappe des Giro d'Italia über 30 Minuten. Zu diesem Rückfall hatte sein damaliger Betreuer Willy Voet in seinem dieses Jahr erschienenen Doping-Enthüllungsbuch geschrieben, dass der Grund in der falschen Dosierung und Kombination von Dopingpräparaten gelegen haben soll. Neben Zülle fielen gestern auch die übrigen Schweizer im Zwischenklassement weit zurück. Niki Aebersold konnte sich als einziger in der ersten Verfolgergruppe (3:17 Min. zurück) behaupten. Markus Zberg, der zweifache Etappensieger der Vuelta 1998, erreichte das Ziel in der Zülle-Gruppe. Weltmeister Oscar Camenzind landete gar abgeschlagen im grossen Hauptfeld, das über 22 Minuten auf den Sieger Jan Ullrich einbüsste.

Ullrich wieder im Rampenlicht

Der Deutsche nützte die Konstellation an der Spitze des Rennens zu seinem ersten Sieg seit ziemlich genau einem Jahr aus. Der 26-Jährige, der wegen einer Knieverletzung die Tour de France nicht bestreiten konnte, setzte sich im Sprint der Spitzengruppe knapp vor Abraham Olano (Sp) durch und erzielte seinen ersten Etappensieg in einer Spanienrundfahrt. Nun belegt Ullrich bereits den zweiten Platz im Gesamtklassement mit 0:10 Rückstand auf den neuen Leader Olano. "Ich werde versuchen, auf die Gesamtwertung zu fahren, allerdings nicht mit letzter Konsequenz", bekannte Ullrich. Zuvor hatte die Teamleitung stets verlauten lassen, Ullrich bestreite die Vuelta lediglich als WM-Vorbereitung. Bereits am Freitag bietet sich für den Deutschen beim Einzelzeitfahren in Salamanca (46 km) eine weitere Möglichkeit, sich ins Goldtrikot einkleiden zu lassen.

Quelle: newswindow

Freitag,  10. September: 6. Etappe, Salamanca - Salamanca (Einzelzeitfahren /46,4 km)

Olano mit einer Minute Vorsprung im Ziel

Mit einem überlegenen Sieg im ersten Vuelta-Zeitfahren in Salamanca hat Vorjahressieger Abraham Olano seine Spitzenposition weiter ausgebaut. Der Spanier nahm Jan Ullrich nach 46 km beinahe eine Minute ab und nimmt die erste Bergankunft vom Sonntag mit einem beruhigenden Zeitpolster in Angriff. Alex Zülle beendete diese Prüfung als bester Schweizer im 30. Rang.

Nach einem guten Start verlor Zülle vor allem auf den letzten 13 km viel Zeit. Bis zur dritten Zwischenzeit nach 33 km lag der Ostschweizer noch 1:54 Minuten hinter Sieger Olano zurück. Bis ins Ziel vergrösserte sich dieser Abstand auf 4:25. Letzmals hatte Zülle in seiner Spezialdisziplin Zeitfahren im ersten Zeitfahren der Tour de France 1995 ähnlich viel Zeit eingebüsst. Damals verlor Zülle nach 54 km 3:56 Minuten auf Sieger Miguel Indurain. Bisher war Zülle in 35 Zeitfahren siegreich gewesen, darunter auch an der Weltmeisterschaft 1996 in Lugano

Zülle mit Hoffnungsschimmer

Immerhin hat sich der Banesto-Schweizer nach seinem Einbruch in der Bergetappe vom Vortag teilweise wieder auffangen können. Erst als er den eine Minute vor ihm gestarteten Victor Pena (Kol) eingeholt hatte, geriet Zülle erneut in eine Krise. Er musste Pena, der als Bergfahrer ein überraschend starkes Zeitfahren (18. Rang) bot, wieder vorbei ziehen lassen und versuchte, den Rückstand den Umständen zum Trotz möglichst gering zu halten. Dennoch hat er wieder neue Hoffnungen geschöpft: "Es geht wieder leicht aufwärts."

Auch die übrigen Schweizer hielten sich vornehmlich zurück. Zweitbester Schweizer wurde Niki Aebersold als 78. (6:14 zurück), Weltmeister Oscar Camenzind verlor als 116. noch eine Minute mehr.

Stundenmittel von 52,005 km/h

Auf dem völlig flachen Parcours rund um Salamanca nahm Olano von Beginn weg die Führung ein. Der Spanier baute den Vorsprung auf den zweitplazierten Ullrich kontinuierlich aus und legte bei leichtem Wind und rund 35 Grad Wärme den Parcours mit der horrenden Durchschnittsgeschwindigkeit von 52,005 Kilometern zurück. Ullrich erreichte das Ziel mit 57 Sekunden Rückstand. Dritter wurde der spanische Landesmeister Angel Casero (2:17 zurück). Für Olano war dies der bisher fünfte Saisonerfolg, zugleich der vierte in einem Rennen gegen die Uhr. Olano baute zugleich seine Führung in der Gesamtwertung aus. Vor der ersten Bergankunft am Sonntag auf dem 1580 m hoch gelegenen Angliru beträgt sein Vorsprung auf Ullrich 1:07. Die übrigen Siegesanwärter Casero (2:54), Pawel Tonkow (4:42) und Fernando Escartin (6:13) weisen bereits beträchtliche Rückstände auf.

Bis zu 23,6 Steigungsprozente

An dieser Ausgangslage wird sich voraussichtlich auch nach der Sonntagsetappe nicht viel ändern, obwohl der 13 km lange Schlussanstieg durchschnittlich 9,6 Steigungsprozente misst. Als besonders schwierig werden indes die letzten 6 km mit steilen Abschnitten von bis zu 23,6 Prozenten angekündigt. Zülle, der im Vorfeld der Vuelta zweimal den Angliru bezwungen hatte, vergleicht diesen mit den schwierigsten Aufstiegen in den Dolomiten. Bereits zuvor stehen drei Bergpreiswertungen, zwei der ersten und einer der zweiten Kategorie, an. Die ungewohnte Steilheit des Angliru ist zweifelslos ein Spektakel, wenn auch ein eher fragwürdiges. Erschwerend kommt dazu, dass für das Wochenende schlechtes Wetter angesagt wird. Und falls die Strasse nass sein sollte, wird nicht ausgeschlossen, dass der Aufstieg gar nicht mehr fahrenderweise bewältigt werden kann. Für diesen Fall haben die Organisatoren angekündigt, die letzten 6 km aus dem Programm zu nehmen.

Erstmals mit Mountainbike-Übersetzung

Verschiedene Teams, darunter Once (Olano) und Kelme (Escartin, Roberto Heras), werden ihre Rennräder mit einer Mountainbike-Übersetzung ausrüsten. Dabei werden zum ersten Mal im Strassenradsport drei (statt zwei) vordere Kettenblätter eingesetzt. Dass diese Massnahme nicht unbestritten ist, zeigen jüngste Befürchtungen. Weil dadurch die Sitzposition leicht verändert wird, könnte dies Sehnenscheidenentzündungen provozieren, glauben Teamärzte. Aber auch die übrigen Fahrer werden höchst ungewohnte Übersetzungen montieren lassen. Normalerweise wird am Berg als kleinste Übersetzung 39x21 (3,96 m pro Pedalumdrehung) eingesetzt. Wer am Sonntag bis zum Angliru hoch fahren will, muss aber 39x26 (3,20 m pro Umdrehung) einsetzen, wie diverse Testfahrten ergeben haben.
Quelle: newswindow 

Samstag, 11. September:    7. Etappe, Salamanca - Leon (217 km)

Sonntag, 12. September:    8. Etappe, Leon - Alto de Angliru (175,6 km/Bergankunft)

Zeitfahren-Spezialist Olano überzeugt am Berg

Vorjahressieger Abraham Olano hat an der Spanien-Rundfahrt sein goldenes Leadertrikot auch in der ersten Bergankunft verteidigt. Ein 5. Etappenrang erlaubte dem Spanier, seinen Vorsprung auf Jan Ullrich (De) auf 2:09 Minuten auszubauen. Der Sieg in dieser anspruchsvollen 8. Etappe von Leon zum Alto de L'Angliru sicherte sich nach 175 km José Maria Jiménez (Sp). Oscar Camenzind geht es von Tag zu Tag besser. "Heute konnte ich mit den Besten so lange mithalten wie schon lange nicht mehr," gab sich Geburtstagskind Camenzind am Abend zuversichtlich.

Zu einem Sprint ist es auf dem nebelverhangenen Alto de L'Angliru nicht gekommen. Von zwei Motorrädern behindert, konnte Tonkow auf der schmalen Strasse auf den letzten, leicht abfallenden Metern gar nicht mehr das Tempo steigern. Somit musste er den Etappenerfolg auf diesem mit Spannung erwarteten Teilstück praktisch kampflos Jiménez, einem Teamkollegen von Alex Zülle, überlassen. Der Spanier, der nach sechs zweiten Plätzen seinen ersten Saisonerfolg feierte, war es indes ein geglückter Versuch, die Siegesserie aus dem Vorjahr fort zu setzten. Damals gewann Jiménez bei der Vuelta vier Bergankünfte.

Jiménez' Aufholjagd im Finale

Bis zum letzten Kilometer schien Tonkow wie der sichere Sieger auszusehen, zumal sein Vorsprung auf Jiménez 2 km vor dem Ziel noch knapp 40 Sekunden betrug. In den letzten Kehren drehte der Spanier aber gewaltig auf und spurtete die bis zu 20 Prozent steilen Schlussrampen hoch. Mit einem riskanten Manöver überholte Jiménez auf den letzten 800 Metern einen Jurywagen und schloss zum Russen auf.

In der Schlussphase dieses bislang anspruchvollsten Teilstücks mit drei Bergpreiswertungen sowie einem 13 km langen Schlussaufstieg sah es zunächst für Leader Olano nicht sehr vorteilhaft aus. Bei andauerndem Nieselregen und dichtem Nebel fiel der Spanier in der Abfahrt vom Collado-Pass, dem zweitletzten Hindernis, über den vor ihm gestürzten Belgier Kurt van den Wouwer und rutschte über das Strassenbord in einen Graben. Obwohl er nur mit fremder Hilfe herausklettern konnte, schloss Olano 8 km vor dem Ziel zur Gruppe mit Jan Ullrich (De), Roberto Heras (Sp), und José Maria Jiménez (Sp) auf.

Montag, 13. September:  9. Etappe, Gijon - Los Corrales de Buelna (186 km/Bergankunft)

Camenzind nach starker Leistung nur knapp geschlagen

Weltmeister Oscar Camenzind hat an der Spanien-Rundfahrt seinen dritten Saisonsieg nur knapp verpasst. Der Schwyzer, der während 176 km an der Spitze fuhr, musste sich auf der 9. Etappe zwischen Gijon und Los Corrales de Buelna nur von seinem Vorgänger Laurent Brochard (Fr) schlagen lassen. Vor dem Ruhetag verteidigte Abraham Olano die Führung im Gesamtklassement erfolgreich.

Bei sehr windigen Verhältnissen im Finale hatte Camenzind die Situation bis zum letzten Kilometer unter Kontrolle. Erst auf den letzten 1000 Metern entwischte Laurent Brochard, der erst kurz zuvor mit Rolf Sörensen (Dä) zu den vier Spitzenfahrern Camenzi nd, Nicola Miceli (It), Eddy Mazzoleni (It) und José Luis Rubiera (Sp) aufgeschlossen hatte, seinen Gegnern. Nach 186 km feierte der Franzose nicht nur den ersten Saisonsieg, sondern den wichtigsten Erfolg überhaupt seit seinem Strassen-Weltmeistertitel 1997 in San Sebastian. Nach den vier Erfolgen von Marcel Wüst (De) bedeutete Brochards Erfolg bereits der fünfte Etappensieg für die Festina-Equipe, die seit der letztjährigen Tour de France vom früheren Rominger-Teamchef Juan Fernandez geleitet wird.

Zuversichtlich

Im Rücken von Brochard entschied Camenzind den Sprint um Platz zwei deutlich vor Miceli, Andrej Zintschenko (Russ) und Sörensen. "Es geht langsam wieder aufwärts", freute sich Camenzind im Ziel, nachdem er die ersten Vuelta-Etappen mit Rippenschmerzen und Atemschwierigkeiten bewältigen musste. "Möglicherweise lag es am kalten Wetter, dass heute die Beschwerden nicht auftraten", so der Schwyzer, der einen WM-Test erst für die dritte Vuelta-Woche eingeplant hatte.

"Das Allerwichtigste für mich ist derzeit aber, Rennen um Rennen zu fahren", meint Camenzind im Hinblick auf die Strassen-Weltmeisterschaft in Verona in rund vier Wochen. Seit dem Sturz an der Meisterschaft von Zürich hatte der Weltmeister während zwei Wochen bis zum Start der Vuelta keine Wettkämpfe bestreiten können. Derweil bleibt Camenzinds Saisonbilanz bei zwei Siegen stehen. Neben einem Teilerfolg bei der Trentino-Rundfahrt hatte Camenzind die wegen Schneefalls verkürzte 8. Etappe der Tour de Suisse ins österreichische Nauders gewonnen.

Aktiver Camenzind

Zuvor hatte es auf dem classique-ähnlichen Schlussteil mit einem kurzen und bis zu 12 Prozent steilen Aufstieg 8 km vor dem Ziel danach ausgesehen, als ob sich ein Quartett mit Camenzind, Miceli, Mazzoleni und Rubiera vorentscheidend aus einer früheren 12er-Spitzengruppe absetzen könnte. Die vier Fahrer fuhren mit einem kleinen Vorsprung in die äusserst rutschige und gefährliche Abfahrt, in der Mazzoleni stürzte. Auf den vier flachen Schlusskilometern fiel die harmonische Zusammenarbeit aber zusammen. Bei jedem Angriff an der Spitze wurde die Nachführarbeit Camenzind, der als stärkster Sprinter angeschaut wurde, überlassen.

Bereits zuvor gehörte Camenzind einen Tag nach seinem 28. Geburtstag bei der Fahrt entlang der nordspanischen Atlantikküste zu den aktivsten Fahrern. Mit Etappensieger Brochard, dem Gesamtzweiten Jan Ullrich (De) und Sörensen gehörte er zu jenen 13 Fahre rn, die sich bei strömendem Regen und deutlich kühleren Temperaturen als noch vor ein paar Tagen bereits nach 10 km vom Feld abgesetzt hatten. Einzig Ullrich liess 24 km später die Beine hängen und fiel ins Feld zurück. "Wir wollten nicht, dass er sich zu sehr verausgabt", sagte später sein Sportlicher Leiter Rudy Pevenage zu diesem Manöver. Tatsächlich beabsichtige Ullrich mit seinem Rückzug , dass die Flucht erfolgreich verläuft. Denn an der Spitze befand sich mit Ralf Grabsch (De) ein Teamkollege Ullri chs, der in dieser Vuelta seinen ersten Einsatz für Telekom bestreitet. Die Gruppe erreichte bei Rennhälfte einen Maximalvorsprung von 9:50 Minuten, wobei Rubiera als Gesamt-16. für kurze Zeit theoretischer Leader war.

Ab Donnerstag Pyrenäen

Im Feld verbrachte Leader Abraham Olano trotz Regen und Kälte einen eher geruhsamen Tag. Erst im letzten Aufstieg, als das Feld in viele kleine Grüppchen aufgesplittert wurde, musste der spanische Vorjahressieger zu Ullrich aufschliessen, der für kurze Zeit das Tempo erhöht hatte. Da nach der Abfahrt auch der Gesamtdritte Pawel Tonkow wieder zur Olano-Gruppe aufschliessen konnte, ergaben sich an der Spitze des Gesamtklassements vor den schweren Pyrenäenetappen ab Donnerstag keine Änderungen. Noch am selben Abend absolvierte der ganze Vuelta-Tross einen 400-Kilometer-Transfer nach Saragossa, wo die Fahrer ein wohlverdienter Ruhetag erwartet. Die Spanien-Rundfahrt wird am Mittwoch mit der 10. Etappe fortgesetzt. Start und Ziel des fast völlig flachen und 183 km langen Parcours befinden sich in Saragossa.

Quelle: newswindow 

Dienstag, 14. September:   Ruhetag 

Mittwoch, 15. September: 10. Etappe, Saragossa - Saragossa (183 km)

Sergej Utschakow kam den Sprintern zuvor

Für einmal hatten an der Spanien-Rundfahrt die Sprinter auf einer Flachetappe das Nachsehen. Das 10. Teilstück mit Start und Ziel in Saragossa entschied der Ukrainer Sergej Utschakow vor dem Italiener Fabio Roscioli. Beide gehörten einer Fünfer-Spitzengruppe an, die sich 110 km vor dem Ziel abgesetzt hatten. Vor der ersten Pyrenäenetappe führt im Gesamtklassement unverändert Abraham Olano (Sp) vor Jan Ullrich (De) und Pawel Tonkow (Russ).

Quelle: newswindow

Donnerstag, 16. September: 11. Etappe, Huesca - Pla de Beret (201 km/Bergankunft)

Olano verlor eine halbe Minute

Abraham Olano, der Gesamterste der Spanien-Rundfahrt, verlor in der ersten Pyrenäen-Etappe, dem 200 km langen Teilstück von Huesca hinauf nach Pla de Beret, 28 Sekunden auf seine gefährlichsten Gegner, den Deutschen Jan Ullrich und den Russen Pawel Tonkow. Etappensieger wurde der Italiener Daniele Nardello, der im Spurt einer Vierergruppe vor dem Kolumbier Victor Hugo Pena und den beiden Spaniern Félix Garcia Casas und José Manuel Uria gewann.

Das führende Quartett mit Etappensieger Nardello hatte einer ursprünglich 22 Fahrer umfassenden Spitzengruppe angehört, die sich schon nach 39 km vom Feld absetzte und einen maximalen Vorsprung von rund 10 Minuten besass. Im Feld mit den Gesamtersten, das letztlich knapp sieben Minuten nach Etappensieger Nardello eintraf, vermochte Olano im letzten Aufstieg nach Pla de Beret nicht mehr mitzuhalten. Der Spanier behauptete sich zwar als Leader, aber nun liegt Olano nur noch 1:40 vor Jan Ullrich und 2:30 vor Pawel Tonkow.
 Quelle: newswindow

Freitag, 17. September:    12. Etappe, Sort - Arcalis/Andorra (147 km/Bergankunft)

Jan Ullrich neuer Vuelta-Leader

Der Spanier Abraham Olano hat auf der 147 km langen Königsetappe der Spanien-Rundfahrt von Sort zur andorranischen Skistation Arcalis das Leadertrikot an Jan Ullrich abgeben müssen. Dem Deutschen reichte dazu ein 10. Platz, nachdem Olano im 14 km langen Schlussaufstieg eingebrochen und beinahe acht Minuten auf Ullrich verloren hatte. Ullrich führt nun vor dem überraschenden Tagessieger Igor Gonzalez Galdeano (0:36 zurück) und Pawel Tonkow (0:48).

Für den 25-jährigen Basken Gonzalez Galdeano aus der Vitalicio- Mannschaft war dies bereits der zweite Etappenerfolg, nachdem er vor knapp zwei Wochen den Prolog in Murcia für sich entschieden hatte. Daraufhin trug er einen Tag lang das Goldtrikot. Auch gestern war für in die Leaderposition in Greifnähe gewesen. Schliesslich fehlten ihm dazu aber 36 Sekunden. Gonzalez Galdeano hatte im zweitletzten Aufstieg rund 35 km vor dem Ziel angegriffen und erreichte das Ziel im 2230 m hoch gelegenen Arcalis als Solosieger. 40 Sekunden zurück trafen Roberto Heras (Sp), José Maria Jiménez (Sp) und Leonardo Piepoli (It) ein. Jan Ullrich und Pawel Tonkow folgte in der zweiten Verfolgergruppe mit einer Minute Rückstand. Obwohl der Deutsche damit seinen angstrebten Erfolg in Arcalis verpasste, war er dennoch der Profiteur des Tages. Denn der 10. Etappenrang reichte Ullrich, um bei seiner ersten Vuelta-Teilnahme das goldene Leadertrikot von Olano zu übernehmen. Dass ihm dieser Coup in Arcalis gelang, hat für den Telekom-Fahrer eine ganz besondere Bedeutung. Letztmals hatte er in dieser Pyrenäen-Skistation 1997 eine Tour-de-France- Etappe gewonnen. Gleichzeitig übernahm Ullrich das Goldtrikot von Bjarne Riis und verteidigte es bis Paris.

Besondere Genugtuung für Ullrich

Für Ullrich kommt diese Duplizität der Ereignisse einer besonderen Genugtuung gleich. Nach einem verpatzten Frühling war der 25-jährige Merdinger im Sommer wegen einer Knieverletzung für sieben Wochen ausgefallen. "Bei diesem schönen Wetter in Spanien habe ich mich überraschend schnell wieder in Schwung fahren können", erklärte Ullrich seinen schnellen Formanstieg. Eine spezielle Taktik habe er im Schlussaufstieg nicht verfolgt. "Ich bin einfach voll Anschlag gefahren", meinte Ullrich in seiner trockenen Art. Bereits heute wird indes Ullrichs Rolle in der Vuelta eine wesentliche Änderung erfahren. Als neuer Leader wird er auf der letzten Pyrenäen-Etappe mit dem Schlussaufstieg nach Castellar del Riu vom Angreifer zum Verteidiger. Allerdings lässt er sich dadurch nicht unter Druck setzen: "Ich freu mich erst mal über das Goldtrikot. Wenn ich es in den nächsten Tagen wieder verlieren sollte, wäre ich auch nicht traurig".

Olano fiel Tempo von Zülle zum Opfer

Der Vorjahressieger und bisherige Leader Olano wurde bereits früh aus der Entscheidung relegiert. Im Aufstieg zur zweiten der vier Bergpreiswertungen fiel der Fahrer aus der Once-Mannschaft einer Rhythmusverschärfung des Erzrivalen Banesto zum Opfer. Vor allem der Schweizer Alex Zülle, der im Gesamtklassement bereits weit zurück liegt, sorgte mit seiner forschen Fahrweise dafür, dass Olano nicht mehr mithalten konnte und zurückfiel. Zwar kam Olano nach der Abfahrt wieder auf bis eine halbe Minute an die Gruppe mit Ullrich und Tonkow heran, aber im zweitletzen Aufstieg wurde der Spanier entscheidend zurückgebunden. Bis ins Ziel verlor Olano achteinhalb Minuten auf Sieger Gonzalez Galdeano und fiel im Gesamtklassement auf Rang 9 zurück. Bis 4 km vor dem Ziel vermochte auch der Schweizer Niki Aebersold in der Olano- Gruppe mitzuhalten, bevor er noch leicht distanziert wurde. Im Gesamtklassement rückte der Berner jetzt auf Position 19 vor.

45 Fahrer vor dem Auschluss

Das hohe Tempo an der Spitze wäre beinahe auch einem Pulk von nicht weniger als 45 Fahrern zum Verhängnis geworden. Die letzten "gruppetti" überschritten den Kontrollschluss (12 Prozent der Siegerzeit) und hätten eigentlich reglementsgemäss ausgeschlossen werden müssen. Deshalb erhöhte die Jury unter der Leitung des Schweizers Louis Wermelinger diesen Prozentsatz auf 14 Prozent, um zu verhindern, dass nur mehr ein Mini-Feld zur Fortsetzung der Vuelta antritt.

Samstag, 18. September:    13. Etappe, Andorra - Castellar del Riu (149 km/Bergankunft)

Zweiter Saisonsieg von Alex Zülle

Alex Zülle konnte an der Spanien-Rundfahrt doch noch ein persönliches Erfolgserlebnis verbuchen. Der 31-jährige Schweizer gewann die dritte Pyrenänen-Etappe, die über 139 Kilometer von Andorra nach Rasos de Peguera führte. Für Zülle war es der zweite Sieg in diesem Jahr nach jenem im Rennen "Quer durch Lausanne." Der noch zur Halbzeit führende Zeitfahr-Weltmeister Abraham Olano musste die Weiterfahrt wegen eines Bruchs der sechsten Rippe nach der 13. Etappe einstellen.

Im Gesamtklassement konnte der Deutsche Jan Ullrich als Etappenfünfter seine Führung nicht nur verteidigen, sondern baute sie weiter aus. Der zweitplatzierte Spanier Igor Gonzalez Galdeano liegt nun 49 Sekunden zurück, neu auf Platz 3 liegt dessen Landsmann Roberto Heras (2:35 zurück).

Mit diesem Teilerfolg ist Zülle zumindest eine teilweise Rehabilitation für seinen Einbruch am Ende der ersten Vuelta-Woche gelungen, als er auf der Fahrt nach Ciudad Rodrigo und im folgenden Zeitfahren in Salamanca viel Zeit auf die Besten eingebüsst hatte. Dabei vergab Zülle, der als Favorit zur Vuelta gestartet war, sämtliche Chancen auf einen dritten Gesamtsieg nach 1996 und 1997. Dass er dieses Leistungsloch aber schon wieder überwunden hat, deutete Zülle auf der Königsetappe am Freitag an. Im zweiten von vier Aufstiegen schlug der Ostschweizer einen derart hohen Rhythmus an, dass der damalige Leader Abraham Olano (Sp) entscheidend distanziert wurde und das Goldene Trikot an Ullrich abgeben musste.

"Ein Sieg ist immer etwas Schönes", sagte Zülle nach dem Rennen, "aber dieser Erfolg ist mir besonders viel Wert. Vor einer Woche in Salamanca hätte ich nicht mehr geglaubt, dass für mich noch ein Etappensieg drin liegt. Sicher war ich mir aber erst, als wir 500 Meter vor dem Ziel waren." Zülle gewann seine insgesamt 8. Vuelta- Etappe und erzielte gleichzeitig seinen zweiten Saisonerfolg. Zuvor hatte der St. Galler, dessen Saison nach der Dopingsperre erst am 1. Mai begonnen hatte, kurz nach der Tour de France das Einladungsrennen "Quer durch Lausanne" für sich entschieden.

Zusammen mit Miceli und seinem Banesto-Teamkollegen Jon Odriozola (Sp) setzte sich Zülle rund 80 km vor dem Ziel im Aufstieg zum Collada de Clara, einer Bergpreiswertung der zweiten Kategorie, vom Feld ab. Das Trio erreichte einen Maximalvorsprung von knapp fünf Minuten. Zu Beginn des Schlussaufstiegs retteten sie noch knapp drei Minuten auf ein erstes grösseres Feld mit allen Favoriten, unter ihnen auch Leader Jan Ullrich. 8 km vor dem Ziel wurde Odriozola aus der Spitze eliminiert. Gleichzeitig formierte sich dahinter eine hochkarätige Siebnergruppe mit Ullrich, dem Gesamtzweiten Igor Gonzalez Galdeano (Sp), Roberto Heras (Sp), José Maria Jiménez (Sp), Manuel Beltran (Sp), José Manuel Uria (Sp) sowie Leonardo Piepoli (It). Es fehlte einzig der Dritte Pawel Tonkow, der bis ins Ziel über drei Minuten verlor und im Gesamtklassement auf Rang 5 zurück fiel. Auf dem letzten Kilometer sicherte sich Jiménez knapp vor Piepoli und Ullrich den dritten Etappenrang.

Olano gibt die Vuelta wegen eines Rippenbruchs auf

Die Spanien-Rundfahrt wird ohne Abraham Olano (Sp) zu Ende gehen. Der noch zur Halbzeit führende Zeitfahr-Weltmeister musste die Weiterfahrt wegen eines Bruchs der sechsten Rippe nach der 13. Etappe einstellen. Bei einem Sturz kurz vor dem Ziel der 8. Etappe wurden noch zwei weitere Rippenbögen in Mitleidenschaft gezogen. Trotz dieser Blessuren war Olano zunächst weiter gefahren.
 

Sonntag, 19. September: 14. Etappe, Barcelona - Barcelona (141 km)

Wegen Regen verkürzte Etappe

Der Italiener Fabio Roscioli hat die bei strömendem Regen ausgetragene und auf 99 km verkürzte 14. Etappe der Spanien-Rundfahrt im Spurt gegen seinen Landsmann Massimiliano Lelli für sich entschieden. Das vom Schweden Glenn Magnusson angeführte Feld mit allen Gesamtersten folgte mit 1:51 Minuten Rückstand. Jan Ullrich führt die Gesamtwertung unverändert mit 49 Sekunden Vorsprung auf den Spanier Igor Gonzales Galdeano an.

Roscioli und Lelli waren zu Beginn der 5. Runde ausgerissen, kurz nachdem das Fahrerfeld Anstalten zu einem Streik gemacht hatte. Unter dem Druck der Fahrer war schon mit einer halben Stunde Verspätung gestartet worden und nach vielen Diskussionen wurde auch der Parcours auf 135 km verkürzt. Die gefährliche Abfahrt vom Montjuich wurde gestrichen, doch das war den Fahrern im starken Regen von Barcelona noch nicht genug. Deshalb waren sie drauf und dran, nach fünf Runden vom Rad zu steigen. Die Jury entschied, die Streckenlänge noch weiter -- auf nunmehr 99,6 km -- zu verkürzen.

Montag, 20. September: 15. Etappe, La Senia - Valencia (193 km)

Jekimow mit dem besten Stehvermögen - Ullrich bleibt Leader

An der Spanien-Rundfahrt haben sich die Favoriten vor den entscheidenden Etappen der kommenden Tage nochmals geschont. Das Hauptfeld verlor im 15. Teilstück von La Senia nach Valencia knapp 13 Minuten auf eine Neuner-Spitzengruppe. Der Sieg ging nach 193 km an den Russen Wjatscheslaw Jekimow. An der Spitze bleibt weiterhin der Deutsche Jan Ullrich.

Der als gewiefter Taktiker bekannte Jekimow hatte auch diesmal wieder seine ganze Routine einsetzen können. Der 33-jährige Russe, aus der Vergangenheit vor allem bekannt für lange Sprints im Stile eines Finisseurs, wartete bis 100 m vor dem Ziel in Valencia, ehe er den Spanier Igor Flores ein- und überholte. Flores, ein 25-jähriger Baske aus der Euskatel-Mannschaft, hatte zuvor bei der 1000-m-Marke einen Vorstoss gewagt und war bis kurz vor dem Ziel in Führung gelegen. Im Sprint hatte Jekimow keine Mühe, um sich gegen Frankie Andreu (USA) und Paolo Bettini (It) durchzusetzen.

Nur einen Tag nach dem Sieg von Fabio Roscioli sorgte Altmeister Jekimow bereits für den zweiten Etappenerfolg für die kleine spanisch-italienische Mannschaft Amica Chips-Costa de Almeria. Zugleich war es sein dritter Saisonserfolg, nachdem er in diesem Jahr bereits das Tour de Suisse-Zeitfahren in Meiringen sowie eine Etappe der Portugal-Rundfahrt gewonnen hatte.

Ausgang für 9 Aussenseiter

Jekimow hatte sich 20 km nach dem Start zusammen mit acht weiteren Fahrern vom Feld abgesetzt. Da Bettini als Bester in der Gesamtwertung vor der Etappe nur gerade den 42. Rang mit über einer Stunde Rückstand auf Leader Jan Ullrich einnahm, gewährte der Hauptharst dieser Neuner-Vorhut Ausgang. Die Aussenseiter nahmen das Angebot dankend an und vergrösserten ihren Vorsprung sukzessive. Der Maximalabstand wurde 50 km vor dem Ziel mit 18:37 Minuten erreicht.

Währenddessen wurde auch im Feld allmählich das Tempo gesteigert. In einem kleineren Aufstieg rund 40 km vor dem Ziel war es wie in den vergangenen Tagen das Banesto-Team von Alex Zülle, das den Rhythmus im Stile eines Mannschaftszeitfahren auf einen Schlag erhöhte. In der Folge wurde das Feld zweigeteilt, alle Favoriten fanden indes in der vorderen Gruppe Unterschlupf. Mit dieser Taktik verfolgte Banesto aber nicht die Absicht, Ullrich in Verlegenheit zu bringen, sondern sie wollten die Führung im Mannschaftsklassement anstreben. Derzeit nehmen Zülle und seine Kameraden den zweiten Platz ein, 1:21 Minuten hinter Vitalicio.

Aufgabe von Fabian Jeker

Den Sprint des Feldes gewann der Spanier Miguel Martin vor Salvatore Commesso (It). Erstmals seit geraumer Zeit zeigte sich auch der Schweizer Markus Zberg in einer Endausscheidung wieder in vorderer Position. Der letztjährige zweifache Vuelta-Etappensieger wurde Vierter, was ihn im Hinblick auf die verbleibenden Tage Zuversicht gibt. Auf der anderen Seite hat sich mit Fabian Jeker bereits der vierte Schweizer aus der Vuelta verabschiedet. Der Baselbieter hatte in der letzten Pyrenäen-Etappe vor drei Tagen eine schmerzende Handgelenkprellung erlitten. Zuvor hatten bereits Laurent Dufaux sowie Armin und Roland Meier aufgegeben.

Quelle: newswindow

Dienstag, 21. September:  16. Etappe, Valencia - Teruel (200,4 km)

Aktiver Camenzind kam auf den fünften Etappenrang

Der Belgier Frank Vandenbroucke hat die 16. Etappe der Spanien-Rundfahrt von Valencia nach Teruel für sich entschieden. Nach 200,4 km schlug Vandenbroucke seinen einzigen Begleiter Jon Odriozola (Sp) im Spurt. Als erster Schweizer erreichte Oscar Camenzind das Ziel in der ersten Verfolgergruppe (4:44 zurück) als Fünfter. Im Feld, das mit rund 13 Minuten Rückstand eintraf, befanden sich alle Gesamtersten.

Zusammen mit Odriozola hatte sich Vandenbroucke rund 60 km vor dem Ziel im Aufstieg zu einem Zweitkategorie-Pass aus einer 14-er-Spitzengruppe abgesetzt, in der sich unter anderem auch der Schweizer Weltmeister Oscar Camenzind befand. Der 24-jährige Belgier schlug in der Folge ein so hohes Tempo an, dass ihm Odriozola nur mit Mühe folgen konnte und der Rückstand der übrigen Spitzenfahrer bis auf knapp fünf Minuten anstieg. Obwohl "VDB" einen Grossteil der Führungsarbeit geleistet hatte, bekundete er in Teruel keine Mühe, den von den Anstrengungen gezeichneten Spanier im Sprint klar hinter sich zu lassen.

Vandenbroucke in WM-Form

Mit seinem siebten Saisonsieg hat Vandenbroucke eine fünf Monate dauernde Erfolgslosigkeit beendet. Sein letzter Sieg datiert von Mitte April, als er auf souveräne Weise die Rad-Classique Lüttich- Bastogne-Lüttich gewonnen hatte. Zuvor hatte der Wallone bereits Platz 2 an der Flandern-Rundfahrt und den 7. Rang bei Paris-Roubaix belegt. Im Mai war der Teamkollege des Schweizers Roalnd Meier von seiner Cofidis-Sportgruppe für drei Monate suspendiert worden, als bekannt wurde, dass der Radprofi in die Doping-Affäre um den Pariser Rechtsanwalt Bertrand Lavelot und den Pferdezüchter Bernard Sainz verwickelt war. Erst anfangs August nahm er beim Weltcuprennen in San Sebastian die Renntätigkeit wieder auf und wird nach dem gestrigen Auftritt bereits zu den heissen Favoriten für die Weltmeisterschaft gezählt, die am 10. Oktober in Verona stattfindet.

Zum zweiten Mal an dieser Vuelta ist auch Weltmeister Camenzind in Aktion getreten, nachdem er bereits die 9. Etappe als Zweiter beendet hatte. Der Schwyzer gehörte nach 27 km zu jenen 13 Fahrern, welche die richtige Fluchtgruppe erwischt hatten und zwischenzeitlich über 10 Minuten Vorsprung auf das Feld mit allen Klassementsersten aufwiesen. In der entscheidenden Phase verfügte Camenzind aber (noch) nicht über die Kraft, um dem Antritt Vandenbrouckes zu folgen.

Camenzind trotz Formrückstand zuversichtlich

"Wir fuhren alle auf dem kleinen Kettenblatt, als plötzlich Vandenbroucke mit einer viel grösseren Übersetzung an uns allen vorbeizischte", erlebte Camenzind den entscheidenden Moment. "In der folgenden Abfahrt gaben wir in unserer Gruppe alles. Dennoch wurde der Rückstand immer grösser." Mit dieser Form gehöre der Belgier ganz gewiss zu seinen engsten Konkurrenten um den WM-Titel, bestätigte auch Camenzind.

Für den Innerschweizer, der in diesen Tagen voraussichtlich den Vertrag mit Lampre verlängern wird, ist es derzeit aber schwierig, einen gezielten WM-Aufbau zu gestalten. "In den Pyrenäenetappen bin ich jeden Tag am Anschlag gefahren", so Camenzind, der sich mittlerweilen von seiner Rippenverletzung aus der Meisterschaft von Zürich wieder prächtig erholt hat. Aber beunruhigen lässt er sich davon nicht: "Die Zuversicht im Hinblick auf das WM-Rennen habe ich noch lange nicht verloren."

Goldtrikot locker verteidigt

Entgegen den gross aufgemachten Ankündigungen in der spanischen Presse, welche eine Offensive ihrer Fahrer angekündigt hatte, erlebte das Feld mit allen Gesamtklassements-Ersten einen ruhigen Tag. Obwohl das sehr gewellte Terrain genügend Angriffmöglichkeiten geboten hätte, hielten sich die die spanischen Podest-Anwärter bei mässig warmen Temperaturen und einem heftigen Seitenwind weitgehend zurück, so dass der Deutsche Jan Ullrich auch seinen vierten Tag im Goldtrikot schadlos überstand.

Quelle: newswindow

Mittwoch, 22. September:   17. Etappe, Los Bronchales -Guadalajara (225 km)

Ruhe vor dem Sturm für Jan Ullrich

Zum dritten Mal in Folge schrieben an der Spanien-Rundfahrt nicht die Favoriten, sondern eine Handvoll Aussenseiter die Renngeschichte. Auf der mit 225 km zweitlängsten Etappe zwischen Bronchales und Guadalajara setzte sich international unbekannte Italiener Cristian Moreni durch. Das Feld mit Leader Jan Ullrich und den übrigen Gesamtklassements-Ersten verlor über 16 Minuten. Dennoch verteidigte der Deutsche sein Goldtrikot auch vier Tage vor Abschluss der Vuelta problemlos.

Auf dem Weg zu seinem überraschenden Sieg hatte sich Moreni 5 km vor dem Ziel ein Herz gefasst und seine Aussenseiter-Chance genützt. Mit einem kurzen Sprint setzte er sich aus der 11-er-Spitzengruppe ab und konnte seinen kleinen Vorsprung nicht zuletzt dank den zahlreichen Kurvenkombinationen bis zur Ziellinie verteidigen. Für den Italiener aus der Liquigas-Mannschaft, der bereits am Vortag den Riecher für die richtige Fluchtgruppe (mit Sieger Frank Vandenbroucke) besessen hatte, war es ein ganz besonderer Erfolg. Noch nie zuvor hatte der im zweiten Profijahr steckende Moreni einen Sieg bei den Professionals erzielen können.

Kämpfer Tafi

Einige Kilometer zuvor hatte es nach dem Sieg eines anderen Italieners ausgesehen: Andrea Tafi riss 31 km vor dem Ziel in seinem bekannten Stil als Tempofahrer aus und konnte sich während über 20 km gegen die jagenden Verfolger wehren. In der Abfahrt nach der letzten Drittkategorie-Bergwertung war es aber um den Paris-Roubaix-Sieger dieses Jahres geschehen.

Die Vorentscheidung um den Tagessieg war wie in den vergangenen Tagen erneut früh, diesmal nach 84 km, gefallen, als sich an der Spitze elf Fahrer, darunter neben Moreni und Tafi auch Mikel Zarrabeitia (Sp), Vicente Garcia Acosta (Sp), Davide Rebellin (It) und Mariano Piccoli (It), zusammenschlossen. Da Zarrabeitia als Bester des Gesamtklassements (18.) bereits über eine halbe Stunde hinter Leader Ullrich zurücklag, setzte dessen Telekom-Mannschaft den Ausreissern nicht nach. Da sich im Feld niemand für die Nachführarbeit verantwortlich fühlte, verlor der Hauptharst bis ins Ziel viel Zeit.

Einmal mehr zeigte sich, dass derzeit keine Equipe die Stärke besitzt, dem Rennen den Stempel aufzudrücken. Von Beginn weg suchten immer wieder die Fahrer ihr Glück in Vorstössen, was dieses lange Teilstück zusätzlich anspruchsvoll und schnell machte. Zu den angriffslustigen Fahrern gehörte auch der Schweizer Markus Zberg, der im Vorjahr noch zwei Vuelta-Etappen gewonnen hatte. Passiv verhielten sich hingegen die zahlriechen spanischen Herausforderer von Ullrich, die in diesen Tagen auf den mittelschweren Etappen ein hervorragendes Terrain für taktische Inszenierungen vorgefunden hätten.

Letzte Chance für Ullrichs Gegner

Auch wenn am Donnerstag nebst zwei weiteren Bergpreiswertungen in Alto de Abantos (1650 m) die letzte von fünf Bergankünften auf dem Programm steht, wird die Festung Ullrichs kaum mehr aus den Angeln zu heben sein. Der Deutsche, so hatte der 25-jährige Merdinger bereits in den Pyrenäen bewiesen, ist in den Bergen genug stark, um sich auch alleine gegen seine Herausforderer wehren zu können. Auch die letzten 13 km mit den moderaten 5,6 Steigungsprozenten werden kaum dazu dienen, um Ullrich und seine bisher überraschend stark auftretende Mannschaft zermürben zu können.

Quelle: newswindow

Donnerstag, 23. September: 18. Etappe, Guadalajara - Alto de Abantos (166,3 km)

Jan Ullrich liess sich nicht abschütteln

Am viertletzten Tag der Spanien-Rundfahrt kam es zum längst erwarteten Angriff auf Leader Jan Ullrich. Der Deutsche offenbarte dabei erstmals Schwächen. Dennoch verlor er auf seine gefährlichsten Konkurrenten wenig Zeit und konnte seine Gesamtführung verteidigen. Sie beträgt nun 31 Sekunden auf Igor Gonzalez Galdeano (Sp). Die letzte Bergankunft der diesjährigen Vuelta auf Alto de Abantos entschied nach 166 km der Spanier Roberto Laiseka für sich.

Das seit einigen Tagen gross angekündigte Angriffsspektakel beschränkte sich auf dem 18. Tagesabschnitt in erster Linie auf die Banesto-Mannschaft des Gesamtvierten José Maria Jiménez (Sp). In der ersten Hälfte des 13 km langen Schlussaufstiegs zu den rund 50 km nördlich der Hauptstadt Madrid gelegenen Alto de Abantos schlug der stark fahrende Alex Zülle für den in seinem Rücken abwartenden Jiménez ein hohes Tempo an. Bereits am ersten Pass hatte Zülle die ganze Führungsarbeit geleistet mit dem Ziel, die junge Telekom- Mannschaft um Leader Ullrich in Schwierigkeiten zu bringen.

Unter diesem Tempodiktat verringerte sich auch der Vorsprung einer frühen Ausreissergruppe kontinuierlich, die sich nach 10 km gebildet hatte und maximal rund fünf Minuten Vorsprung aufwies. In der Klosterstadt Escorial, zu Beginn des Schlussaufstiegs, wurden mit dem Russen Sergej Smetanin und dem Spanier Mikel Zarrabeitia auch die letzten Vertreter dieser Vorhut von der Ullrich-Gruppe wieder eingeholt.

Tempomacher Zülle

Der Deutsche schien zunächst selbst in der entscheidenden Phase dem Rhythmus problemlos folgen zu können. Sieben Kilometer vor dem Ziel wurde Tempomacher Zülle aber beinahe zum zweiten Mal seiner neuen Rolle als Favoritenkiller gerecht, als Ullrich zum ersten Mal leicht distanziert wurde. Bereits vor knapp einer Woche hatte Zülle mit seinem Tempoforcing in der Andorra-Etappe für den Fall des damaligen Leaders Abraham Olano (Sp) gesorgt.

Gestern gelang Ullrich aber im Gegensatz zu Olano wenig später auf einem flacheren Abschnitt wieder der Anschluss zur Spitzengruppe mit allen Gesamtersten. Dieses Spiel wiederholte sich kurz darauf, und auch dieses zweite Mal konnte Ullrich die Schwächephase wieder korrigieren. Erst drei Kilometer vor dem Ziel setzte der Deutsche nicht mehr alles auf eine Karte, um seinen Motor nicht zu überdrehen, und fiel zum dritten Mal leicht zurück. Auf diese Weise büsste er zwar gegenüber dem Gesamtzweiten Igor Gon zalez Galdeano (Sp) 18 Sekunden und dem -dritten Roberto Heras (Sp) deren 19 ein, konnte aber seine Gesamtführung verteidigen.

Grösster Erfolg für Laiseka

Den Tagessieg des 18. Teilstücks holte sich der Spanier Roberto Laiseka, der 7 km vor dem Ziel aus der Spitzengruppe angegriffen hatte. Erst kurz vor dem Ziel nahm sein Landsmann Jiménez dessen Verfolgung auf. Dem vierfachen Vuelta-Etappensieger von 1998 gelang es aber nicht etwa, zum Führenden aufzuschliessen, sondern er wurde vom erneut stark auftretenden Belgier Frank Vandenbroucke, dem Etappensieger von Teruel, auf Platz drei verwiesen. Laiseka, ein 30-jähriger Baske aus der spanischen Euskatel-Mannschaft, erzielte bei seinem Soloerfolg Saisonsieg Nummer 1 und den Wichtigsten seiner Karriere überhaupt.

Vor den letzten drei Etappen, darunter ein Zeitfahren, haben sich im Gesamtklassement nur geringfügige Änderungen ergeben: Ullrichs Vorsprung auf Gonzalez Galdeano beträgt noch 31 Sekunden, Heras liegt neu 2:16 Minuten zurück. "Ich bin froh, dass ich meinen Abstand noch in Grenzen halten konnte", sagte Ullrich nach dem Rennen. "Die Spanier haben keine Gelegenheit ausgelassen und werden dies nun auch weiterhin nicht tun." Der starke Auftritt der eigenen Mannschaft stimmt Ullrich im Hinblick auf einen möglichen Gesamtsieg aber zuversichtlich: "Die Mannschaft ist in die Leaderrolle hineingewachsen und kämpft wie ein Löwe. Jeder Fahrer gibt eine 300-prozentige Leistung."

Quelle: newswindow

Freitag, 24. September:   19. Etappe, San Lorenzo de El Escorial - Avila (185 km)

Zweiter Etappensieg für Frank Vandenbroucke

Der Deutsche Jan Ullrich steht bei seiner ersten Vuelta-Teilnahme vor dem Gesamtsieg. Der 25-Jährige aus der Telekom- Mannschaft beendete in Avila die letzte Bergetappe zeitgleich mit den übrigen Gesamtersten. Der Sieg ging nach 184 km an den Belgier Frank Vandenbroucke, der seinen zweiten Etappenerfolg in Spanien feierte.

Vandenbroucke suchte auf dem 19. Tagesabschnitt die Entscheidung zwei Kilometer vor dem Ziel, als er in einem kleinen Aufstieg nach Avila aus der Achter-Spitzengruppe mit allen fünf Gesamtersten herausfuhr. Auf dem rund 1 km langen Kopfsteinpflaster-Abschnitt überholte er mit unglaublicher Leichtigkeit den kurz zuvor ausgerissenen Spanier Mikel Zarrabeitia und fuhr einem souveränen Solosieg entgegen. Bereits 800 m vor dem Ziel zeigte sich Vandenbroucke derart siegessicher, dass er sich umdrehte und bereits die geballte Faust als Zeichen des Erfolgs gen Himmel streckte.

Vandenbroucke als WM-Favorit

Vandenbroucke hatte diesen Teilerfolg, nach dem Sieg in der 16. Etappe bereits sein zweiter, mit allen Kräften gesucht. Bereits 23 km vor dem Ziel, kurz vor der Passhöhe des letzten Vuelta-Anstiegs, hatte der Belgier einen Vorstoss gewagt, war aber einige Kilometer später von der Ullrich-Gruppe wieder gestellt worden. Zuvor hatte Vandenbroucke fast während der ganzen 16 km langen Anfahrt zum Puerto de Navalmoral die Führungsarbeit geleistet. Mit dieser Form zählt Vandenbroucke, der diesjährige Sieger bei der Classique Lüttich-Bastogne-Lüttich, endgültig zu den ganz grossen Favoriten auf den Weltmeistertitel.

Bei der Pressekonferenz sah man sich erstaunlicherweise nicht einem sich freuenden Vandenbroucke gegenüber. Die Erklärung dafür liegt in seiner jüngsten Vergangenheit. Seit der Belgier Ende April in die Dopingaffäre um den Pariser Rechtsanwalt Bertrand Lavelot und den Pferdezüchter Bernard Sainz verwickelt war und von seiner Cofidis-Mannschaft für einige Zeit suspendiert wurde, tritt der Teamkollege des Schweizers Roland Meier nur noch mit ernster Miene auf.

Letzte Chance verpasst

Die auf den Plätzen zwei bis vier liegenden spanischen Herausforderer von Jan Ullrich hatten gestern Freitag auch die letzte Möglichkeit verpasst, den Deutschen vom ersten Gesamtrang zu verdrängen. Dabei durfte Ullrich auf die Unterstützung der beiden übrig gebliebenen Cofidis-Fahrer Vandenbroucke und Massimiliano Lelli zählen, die bei zwei von drei längeren Aufstiegen ein derart hohes Tempo anschlugen, dass an einen Angriff gar nicht mehr zu denken war. Bei den Spaniern verhinderte zudem erwartungsgemäss die Konkurrenzsituation zwischen den verschiedenen Teams eine konzentrierte Aktion gegen Ullrich.

Damit stehen die Voraussetzungen sehr gut, dass Jan Ullrich bei seiner ersten Teilnahme am Sonntag als dritter deutscher Gesamtsieger der 54. Spanien-Rundfahrt auf dem Madrider Paseo de la Castellana eintreffen wird. Denn unter normalen Umständen wird Ullrich im 46 km langen Einzelzeitfahren vom Samstag den knappen Vorsprung von 31 Sekunden auf den Spanier Igor Gonzalez Galdeano kaum preisgeben. Zwar hatte Gonzalez Galdeano das Prologzeitfahren für sich entschieden. Dafür nahm Ullrich dem Spanier in der ersten langen Prüfung (46 km) gegen die Uhr in Salamanca 1:21 Minuten ab. Der drittplatzierte Kletterspezialist Roberto Heras (Sp, 2:16 zurück) hatte gar 3:11 verloren. Für Ullrich wäre es der zweite Gesamtsieg in einer grossen Rundfahrt, nachdem der frühere Amateur-Weltmeister vor zwei Jahren die Tour de France gewonnen hatte.

Quelle: newswindow


Samstag, 25. September:  20. Etappe, El Tiemblo - Avila (Einzelzeitfahren/46 km)

Jan Ullrich dominiert Schlusszeitfahren - Zülle auf Platz 2 

(si/oba) Der Deutsche Jan Ullrich hat sich mit seinem überlegenen Sieg im abschliessenden Schlusszeitfahren der 54. Spanien-Rundfahrt den Gesamtsieg definitiv gesichert. Ullrich legte die 46 beschwerlichen Kilometer zwischen El Tiemblo und Avila 2:50 schneller zurück als der zweitplatzierte Schweizer Alex Zülle. Auf Platz 3 folgt der Belgier Frank Vandenbroucke (2:57 zurück). 

Die letzte Hoffnung der Spanier, dass der Gesamtzweite Igor Gonzalez Galdeano noch eine Überraschung schaffen könnte, wurde bereits auf den ersten Kilometern zunichte gemacht. Kurz vor der ersten Zwischenzeit nach 15 km hatte Ullrich den zwei Minuten vor ihm gestarteten Spanier eingeholt und fuhr ungefährdet seinem zweiten Etappensieg an dieser Vuelta entgegen. 

Auch für Zülle gab es einen erfreulichen Abschluss. Der Ostschweizer, der im Vorjahr noch das Schlusszeitfahren in Fuenlabrada gewonnen hatte, belegte vor allem dank einer Aufholjagd im Schlussteil den zweiten Platz. Bereits vor drei Jahren hatte er auf dem gleichen Parcours denselben Rang erreicht. Damals musste er sich auf dem Weg zu seinem ersten Gesamtsieg lediglich seinem mittlerweilen zurückgetretenen
Landsmann Tony Rominger beugen. 

Sonntag, 26. September:   21. Etappe, Madrid - Madrid (163 km)

Jan Ullrichs glanzvolle Rückkehr an die Weltspitze

Nach einer bisher verpfuschten Saison hat der Deutsche Jan Ullrich in Madrid die 54. Spanien-Rundfahrt als überlegener Gesamtsieger beendet. Der 25-Jährige aus der Telekom-Mannschaft sicherte sich den Sieg im letzten Einzelzeitfahren am Samstag, als er die gesamte Konkurrenz deklassiert hatte. Den Einheimischen blieben nur die Ehrenplätze: Platz zwei sicherte sich Igor Gonzalez Galdeano, Dritter wurde Robero Heras. Die Schlussankunft auf dem Madrider Paseo de la Castellana entschied im Sprint der Holländer Jeroen Blijlevens für sich.

Im 46 km langen Einzelzeitfahren zwischen El Tiemblo und Avila, auf dem ein kleiner Pass mit 700 Höhenmeter zu überwinden war, hatte Ullrich einen Rhythmus vorgelegt, den keiner seiner 114 übrig gebliebenen Konkurrenten auch nur annähernd folgen konnte. Bei seinem zweiten Etappensieg distanzierte Ullrich den Schweizer Alex Zülle um 2:50 Minuten. "Ullrich war wie von einer anderen Welt gefahren", sagte der Ostschweizer zum fulminanten Auftritt seines Gegners.

Bereits vor der 20-km-Marke hatte der Deutsche, der am 2. Dezember seinen 26. Geburstag feiert, den zwei Minuten vor ihm gestarteten Gonzalez Galdeano ein- und überholt. Damit war die letzte Hoffnung der spanischen Fans auf eine Überraschung gewichen, de nn nur eine solche hätte dem Rennen noch eine Wende zu Gunsten der iberischen Herausforderer gegeben. So blieben ihnen nach dem letztjährigen Gesamtsieg von Abraham Olano diesmal nur die Ränge 2 (Gonzalez Galdeano), 3 (Heras) und 5 (José Maria Jiménez). Die Schlussetappe rund um die Hauptstadt Madrid brachte erwartungsgemäss keine Änderungen mehr. Den Massensprint des ganzen Feldes gewann der Holländer Jeroen Blijlevens, der dabei seinen 14. Saisonsieg erzielte.

Ullrich als Überraschung

Die eigentliche Überraschung der Vuelta, der letzten der drei grossen Rundfahrten, war aber Ullrich persönlich gewesen. Lediglich mit dem Ziel angetreten, sich auf die Weltmeisterschaften von Mitte Oktober vorzubereiten, konnte der als sensibel geltende Ullrich ohne Leistungsdruck antreten. Gerade in dieser Lockerheit lag wohl schliesslich auch der Schlüssel zur glanzvollen Rückkehr des deutschen Rad-Idols in die Weltspitze. "Ich habe wieder den Spass am Radfahren gefunden", sagte Ullrich, der nach einem verpfuschten Frühling und der Verletzungspause in Deutschland in arge Kritik geraten war.

Während viele der vorgängig genannten Favoriten durch Stürze (Fernando Escartin, Abraham Olano) oder durch Leistungseinbrüche (Alex Zülle) vorzeitig aufgeben oder zurückgebunden wurde, schlug Ullrichs Stunde ausgerechnet auf der andorranischen Skistation Arcalis, als er vom kriselnden Olano die Führung übernahm. Am gleichen Ort hatte er sich vor zwei Jahren bereits ins Goldtrikot der Tour de France einkleiden lassen. Wie damals, als er die Führung bis auf die Pariser Champs-Elysées behielt und als erster Deutscher die Frankreich-Rundfahrt gewann, liess er sich auf den verbleibenden neun Etappen das "maillot de oro" nicht mehr nehmen. Ullrich ist nach Rudi Altig (1962) und Rolf Wolfshohl (1965) der dritte Deutsche, der die Spanien-Rundfahrt auf Platz 1 beendet.

Geschlagene Schweizer

Nebst den Spanier gehören auch die Schweizer zu den Geschlagenen, nachdem sie nicht mehr ganz an die Leistungen vergangener Jahre anknüpfen konnten. Nach fünf Gesamtsiegen in den letzten acht Jahren brachten die acht gestarteten Schweizer keinen Vertrete r in die ersten Zehn. Als bester klassierte sich der Berner Niki Aebersold auf Platz 20.

Ein Spitzenplatz war vor allem von Alex Zülle, dem Vueltasieger von 1996 und 1997, sowie von Laurent Dufaux erwartet worden. Der Romand musste allerdings nach einem Sturz das Rennen aufgeben. Zülle hingegen erlitt bereits auf der 5. Etappe einen folgenschweren Einbruch, dem ein zweiter am folgenden Tag beim Zeitfahren in Salamanca folgte. "Ich hatte mich von der Tour de France noch nicht richtig erholt", lautete die Erklärung des Ostschweizers. Bereits in den Pyrenäen zeigte sich Zülle aber wieder erholt und stellte sich von da an mit allen Kräften in die Dienste seiner Banesto-Mannschaft. Den Lohn bescherte sich Zülle gleich selbst, als er vor einer Woche die letzte Pyrenäen- Bergankunft auf Rassos de Peguera solo gewann.

Camenzind mit Mühe

Zwei Wochen vor den Weltmeisterschaften in Verona sorgten zwei weitere Schweizer für keine grossen Schlagzeilen. Markus Zberg, der 1998 gleich zwei Vuelta-Etappen gewonnen hatte, fühlt sich derzeit zwar in toller Form. "Ich konnte dies aber nicht in Resultate umsetzen", übte sich der Urner in Selbstkritik. Auch Weltmeister Oscar Camenzind bekundete Mühe, wieder den Anschluss zu finden, nachdem er nach dem Sturz an der Meisterschaft von Zürich Ende August eine Woche pausieren musste. Ein zweiter Etappenrang sowie verschiedene Ausrissversuche waren seine (karge) Ausbeute gewesen.

Quelle: newswindow

Teilnehmer

Die 21 engagierten Equipen (je 9 Fahrer):

Banesto (Alex Zülle/Sz, José Maria  Jiménez/Sp, Manuel Beltran/Sp)
Cofidis (Roland Meier/Sz, Bobby Julich/USA, Frank  Vandenbroucke/Be)
Festina-Lotus (Laurent Brochard/Fr, Fabian Jeker/Sz, Marcel Wüst/De)
Kelme  (Fernando Escartin/Sp, Roberto Heras/Sp)
Lampre (Oscar Camenzind/Sz, Gabriele  Missaglia/It, Marco Serpellini/It)
Lotto (Andrej Tschmil/Be, Jacky Durand/Fr)
Mapei (Pawel Tonkow/Russ, Daniele Nardello/It)
Once (Abraham Olano/Sp, Laurent Jalabert/Fr, Mikel Zarrabeitia/Sp, David Etxebarria/Sp)
Polti (Davide Rebellin/It, Mirko Celestino/It)
Rabobank (Markus Zberg/Sz, Niki Aebersold/Sz, Rolf Sörensen/Dä)
Saeco (Laurent Dufaux/Sz, Armin Meier/Sz, Dario Frigo/It, Salvatore Commesso/It)
Telekom (Jan Ullrich/De, Giuseppe Guerini/It, Alberto Elli/It)
TVM (Jeroen Blijlevens/Ho, Peter van  Petegem/Be)
US Postal (Tyler Hamilton/USA, Kevin Livingston/USA)
Vitalicio (Daniel Clavero/Sp, Angel Casero/Sp)
Euskaltel (Joseba Belaki/Sp)
Fuenlabrada (Pedro Diaz/Sp)
Benfica (Melchior Mauri/Sp)
Riso Scotti (Alexander Schefer/Kas, Ivan Basso/It)
Amica Chips (Felice Puttini/Sz, Daniele de Paoli/It)
Liquigas (Nicola  Miceli/It, Andrej Teterjuk/Kas) 

Etappenklassement/Gesamtstand

21. Etappe, Madrid - Madrid (163 km): 

1. Jeroen Blijlevens (Ho) 4:06:26 (39,686 km/h) 
2. Julian Dean (Neus) 
3. Paolo Bettini (It) 
4. Glenn Magnusson (Sd) 
5. Giancarlo Raimondi (It) 
6. Zberg. 7. Angel Edo (Sp) 
8. Sergej Smetanin (Russ) 
9. Robert Hunter (SA) 
10. Giovanni Lombardi (It) 

11. Koen Beeckman (Ho) 12. Miguel Martin (Sp) 13. Vandenbroucke 14. Mario Traversoni (It) 15. Aebersold 16. Marco Gili (It) 17. Jekimow 18. Mariano Piccoli (It) 19. Stefano Casagranda (It) 20. Igor Flores (Sp) 21. Stefano Verziagi (It) 22. Fabio Roscioli (It) 23. Massimiliano Lelli (It) 24. Camenzind 25. McRae 26. Danilo Hondo (De) 27. Zintschenko 28. Eleuterio Anguita (Sp) 29. Pedro Diaz (Sp) 30. Unai Etxebarria (Ven) Ferner: 86. Zülle alle gleiche Zeit wie Blijlevens 115 Fahrer gestartet und klassiert. 

Schlussklassement: 
1. Ullrich 89:52:03 
2. Gonzalez Galdeano 4:15 zurück 
3. Heras 5:57 
4. Tonkow 7:53 
5. Jiménez 9:24 
6. Rubiera 10:13 
7. Beltran 11:20 
8. Piepoli 13:13 
9. Parra 16:20 
10. Blanco 18:15 

11. Zarrabeitia 22:06 12. Vandenbroucke 23:39 13. José Manuel Uria (Sp) 27:28 14. Chaurreau 29:42 15. Osa 31:06 16. Txema del Olmo (Sp) 31:49 17. Félix Garcia Casas (Sp) 36:34 18. Roberto Laiseka (Sp) 40:14 19. McRae 44:29 20. Aebersold 59:04 21. Lafis 59:43 22. Massimo Codol (It) 1:02:49 23. Nardello 1:02:58 24. Zintschenko 1:04:08 25. Gianni Faresin (It) 1:06:26 26. Mauri 1:06:33 27. Odriozola 1:11:15 28. Juan Carlos Vicario (Sp) 1:11:25 29. Andrea Tafi (It) 1:14:08 30. Zberg 1:14:14 Ferner: 37. Zülle 1:30:18 48. Camenzind 1:48:39