


Zülle gegen die Spanier
Der St. Galler Alex Zülle startet am Samstag in Murcia als grosser Favorit zur
54. Spanien-Rundfahrt. Siegeschancen werden ebenfalls dem spanischen
Vorjahresgewinner Abraham Olano und Fernando Escartin (Sp) eingeräumt. Die
Rundfahrt geht am 26. September nach 3853 Kilometern in Madrid zu Ende.
Die siebenmonatige Dopingsperre bis Ende April hat sich für Alex Zülle
bisher fast ausschliesslich positiv ausgewirkt. Nachdem er im Giro d'Italia nach
15 Etappen ausgestiegen war, zählte der Ostschweizer bereits an der Tour de
France, die er als Zweiter beendete, zu den Protagonisten. Und während andere
Fahrer langsam die Strapazen der langen Saison verspüren, ist Zülle nach der
unfreiwilligen Ruhepause noch lange nicht müde. Im Gegenteil: Nach seinem
bisher einzigen Saisonerfolg beim Einladungsrennen "Quer durch
Lausanne" möchte der Ostschweizer seine Bilanz weiter aufpolieren.
5 Schweizer Erfolge seit 1992
Damit stehen die Chancen gut, dass die Spanien-Rundfahrt nach einem Jahr
Unterbruch wieder zum Rennen der Schweizer wird. Das würde der Vuelta-Tradition
der 90-er Jahre entsprechen. Seit 1992 gab es nur in zwei Austragungen keinen
Schweizer Erfolg (1995 Laurent Jalabert, 1998 Abraham Olano). Zuvor war die
Reihe an Tony Rominger, der die Vuelta dreimal in Serie zu seinen Gunsten
entschied. 1996 und 1997 setzte sich Zülle in der Gesamtwertung durch. Das
Triple blieb ihm im letzten Jahr allerdings verwehrt. Nach dem Auschluss an der
Tour de France 1998 fand Zülle nicht mehr zu seinem gewohnten Rhythmus zurück
und belegte mit 6:05 Minuten Rückstand auf Olano den 6. Schlussrang.
Zülle, der seit Anfang Jahr bei Banesto unter Vertrag steht, kann auf eine
besonders starke Mannschaft zählen. Mit Leonardo Piepoli, José Maria Jimenez
(vierfacher Vuelta-Etappensieger 1998) und Manuel Beltran stehen ihm gleich drei
ausgewiesene Bergfahrer zu Diensten.
In dieser letzten grossen Rundfahrt der Saison rechnet sich auch Laurent
Dufaux einiges aus. Der vierte Platz an der Tour de France hatte dem Romand
jenes Selbstvertrauen zurückgegeben, das ihm während der Dopingsperre mitunter
abhanden gekommen war. Dritter (1997) und Zweiter (1996) war Dufaux in der
Vuelta schon gewesen. Ob es dieses Jahr ganz zuoberst aufs Podest reicht, hängt
in erster Linie von seiner Leistung in den beiden Zeitfahren ab. Dem gegenüber
stehen vier Bergankünfte, wo Dufaux eher seine Vorteile ausspielen kann.
Olano und Escartin gefährlichste Gegner
Zu den hauptsächlichen Herausforderern der beiden Schweizer gehören Olano
und Escartin. Beide Spanier müssen allerdings auf ihre eigene, traditionelle
Taktik zurück greifen. Während Olano sich in den Zeitfahren eine genügend
grosse Zeitreserve erarbeiten muss, um sich in den Bergen behaupten zu können,
konzentriert sich Escartin vor allem auf die Bergetappen.
Zwar müssen die Organisatoren auf Lance Armstrong und Marco Pantani
verzichten, die Sieger der beiden letzten Frankreich-Rundfahrten. Dennoch haben
sie wiederum ein illustres Feld verpflichten können. Neben den favorisierten Zülle,
Dufaux, Olano und Escartin versucht der Russe Pawel Tonkow einmal mehr, eine
Bestätigung für seinen Erfolg am Giro d'Italia 1996 zu erreichen. Aber auch
Bobby Julich (USA) hat seit seinem unfallbedingten Ausscheiden aus der Tour noch
eine Rechnung offen. Andere wiederum betrachten die Vuelta in erster Linie als
geeignetes Vorbereitungsrennen für die Weltmeisterschaften im Oktober.
WM-Vorbereitung für Camenzind
Zu diesen Fahrern zählt sich auch Weltmeister Oscar Camenzind. Nach der an
der Meisterschaft von Zürich erlittenen Rippenverletzung ist der 28jährige
wieder soweit genesen, dass ereine dreiwöchige Rundfahrt bestreiten kann.
Camenzind hat stets betont, wie wichtig für ihn eine Vuelta-Teilnahme zur
Erlangung der WM-Form sei. Aus Schweizer Sicht ist weiter auch das Abschneiden
von Markus Zberg und Niki Aebersold von Interesse. Zberg hatte vor einem Jahr in
den Farben des Post Swiss Teams überraschend die erste und letzte Etappe für
sich entschieden.
Ullrich erstmals an der Vuelta
Der seit über einem Jahr sieglose Jan Ullrich (De) möchte in Spanien wieder
an die Spitze zurückfinden, nachdem er die Tour de France wegen einer
Knieverletzung verpasst hatte. Der Deutsche bestreitet die Spanien-Rundfahrt zum
ersten Mal. Der Anfang August schwer gestürzte Laurent Jalabert hat den
Fragezeichen um seine Teilnahme schon drei Tage vor der ersten Etappe ein Ende
gesetzt. Nach dem günstigen Heilungsprozess der Schlüsselbein- und Rippenbrüche
wird der Franzose am Samstag am Start stehen.
Nach fünf vorwiegend flachen Etappen wird in Salamanca die erste wichtige Prüfung,
ein flaches Einzelzeitfahren über 46 km, ausgetragen. Bereits zwei Tage später
findet die erste von insgesamt vier Bergankünften in den Kantabrischen
Kordilleren statt. Dabei wird erstmals der Aufstieg nach Angliru befahren, der
vom Schwierigkeitsgrad demjenigen des Mortirolo-Passes in Italien entsprechen
soll.
Quelle: newswindow

Samstag, 4. September: Prolog in Murcia (6 km)
Gonzalez Galdeano erster Leader
Überraschender Auftakt zur 54. Spanien-Rundfahrt: Der Spanier Igor Gonzalez
Galdeano legte in Murcia den 6,1 km langen Hochgeschwindigkeits-Parcours am
schnellsten zurück und wurde erster Leader dieses dreiwöchigen Rennens. Mit
nur einer Sekunde Rückstand wurde Vorjahressieger Abraham Olano Zweiter. Der
Schweizer Alex Zülle liess nach einem kurzen Regenschauer Vorsicht walten und
belegte mit 15 Sekunden Rückstand den 37. Platz.

Sonntag, 5. September: 1. Etappe, Murcia - Benidorm (179
km)
Gute Ausgangslage für Alex Zülle
Auf der 1. Etappe der Spanien-Rundfahrt hat sich für Jacky Durand einmal mehr
eine lange Flucht bezahlt gemacht. Trotz der Einholung 27 km vor dem Ziel übernahm
der Franzose dank den Bonifikationen das Leadertrikot vom spanischen
Prologgewinner Igor Gonzalez Galdeano. Der Sieg im Teilstück von Murcia nach
Benidorm (179 km) ging an den Südafrikaner Robert Hunter. Im Gesamtklassement
liegen die Favoriten derzeit noch nahe beisammen. Mit 3 Sekunden Rückstand auf
Durand liegt Vorjahressieger Abraham Olano (Sp) auf Platz 3. Jan Ullrich (24.)
liegt 0:13, Alex Zülle (39.) als bester Schweizer 0:17, José-Maria Jiménez (
90.) 0:28 und Pawel Tonkow (104.) 0:30 zurück.
Einzig Fernando Escartin (127., 0:37) und Laurent Dufaux (162., 0:47) haben
sich schon grössere Rückstände eingehandelt. Durand und César Garcia Calvo (Sp)
haben sich auf der 1. Etappe entlang der Mittelmeerküste mit einer
140-km-Flucht ausgezeichnet. Bei der einzigen Bergpreiswertung der 3. Kategorie
nach 12 km setzte sich erst Garcia Calvo ab, wenig später folgte auch Durand.
Der Franzose kämpfte allerdings 23 km lang, um den geringen Rückstand von rund
20 Sekunden auf den Spanier gut zu machen. Den Maximalvorsprung von 12:37
Minuten erreichte das Duo nach 75 Kilometern. Dank den unterwegs gewonnenen 14
Bonifikationsekunden ist Durand neuer Leader der Spanien-Rundfahrt. Damit ist er
zum zweiten Mal nach 1995, als er zwei Tage lang das "maillot jaune"
der Tour de France trug, Leader in einer der drei grossen Rundfahrten.
Der Sieg ging an den erst 22-jährigen Hunter, der seinen ersten Erfolg als
Professional erzielte. Der Teamkollege von Oscar Camenzind wechselte im Herbst
1998 zu den Berufsfahrern, nachdem er in der Schweiz einige U23-Rennen gewonnen
hatte. Hunter setzte sich zusammen mit Sergej Utschakow (Ukr) und Robbie McEwen
(Au) 800 m vor dem Ziel in Benidorm leicht vom übrigen Feld ab, nachdem in
einer gefährlichen 90-Grad-Rechtskurve verschiedene Fahrer zu Fall gekommen
waren.Am schlimmsten erwischt e es Danilo Hondo (De) und Dario Andriotto (It),
die beide blutüberstömt liegen blieben. Während Hondo mit einer Platzwunde
noch ins Ziel fahren konnte, wurde Andriotto zur Kontrolle ins Spital gefahren.
Quelle: newswindow

Montag, 6. September: 2. Etappe: Alicante -
Albacete (206 km)
Marcel Wüst Sieger im Massenspurt
Marcel Wüst hat die 2. Etappe der Spanien-Rundfahrt im Sprint des Feldes mit
allen Schweizern für sich entschieden. Nach 206 km setzte sich der Deutsche vor
den beiden Italienern Stefano Zanini und Giovanni Lombardi durch. Gesamtleader
bleibt Jacky Durand (Fr). Die Favoriten erlebten grösstenteils einen ruhigen
Tag.
Aufregung gab es im Lager von Laurent Dufaux. Der Westschweizer stürzte rund 40
km vor Albacete bei einer Strassenverengung in einer Ortschaft. Dufaux musste
die Hilfe des Rennarztes in Anspruch nehmen, beendete die Etappe und begab sich
danach erneut in ärztliche Behandlung.
Fragezeichen um Dufaux -- Aus für Meier
In einem Communiqué teilte die Sportgruppe des Romand mit, er habe sich
Prellungen am Ellbogen und der Hüfte sowie Schürfungen am rechten Bein
zugezogen. Später am Abend wurde bekannt, Dufaux leide zudem an einer leichten
Beckenverschiebung, was den Beizug eines Chiropraktikers erforderlich mache.
Schweizer Meister Armin Meier war zur 2. Etappe gar nicht mehr gestartet und
trat als erster Schweizer die Heimreise an. Die Teilnahme von Meier war vorerst
gar nicht vorgesehen gewesen, zumal er sich wenige Tage vor dem Start eine Zyste
am Knie entfernen liess. Der kurzfristig aufgebotene Luzerner beschränkte sich
deshalb darauf, die Vuelta als WM-Vorbereitung zu betrachten. Als er aber
bereits auf der ersten Flachetappe beinahe fünf Minuten auf das Feld verlor und
auf den letzten Gesamtplatz zurückfiel, sah er die Sinnlosigkeit dieses
Unternehmens ein.
Appetit auf mehr
Erstaunter Leader Durand
Trotz den geringen Abständen an der Spitze und den verschiedenen
Bonifikationssprints behält der Franzose Jacky Durand das Leadertrikot. Der
32-jährige aus der Lotto-Equipe befand sich im ersten Aufstieg kurz nach dem
Start in leichten Schwierigkeiten, als er in eine 40-köpfige Nachhut relegiert
wurde. Mit Hilfe seiner Teamkollegen und der Festina-Mannschaft gelang ihm aber
wieder der Anschluss. Durand muss sich immer noch mit der Rolle des Leaders
anfreunden: "Es ist verrückt. An der Tour de France hatte ich mich in
einer Superform gefühlt und wurde Letzter. Jetzt fühle ich mich nicht
besonders stark und bin plötzlich Erster."Die Etappe wurde während 70 km
von einer 13 Fahrer umfassenden Fluchtgruppe vorwiegend mit Aussenseitern geprägt.
Da sich mit Grischa Niermann (De) auch der Gesamt-Achte darin befand, war es nur
eine Frage der Zeit, bis die Vorhut wieder eingeholt wurde. In der Schlussphase
versuchten verschiedene Fahrer ihr Glück in einem Vorstoss, zuletzt Fabio
Roscioli (It) und Inigo Charreau (Sp) auf den letzten 40 km.
Quelle: newswindow

Dienstag, 7. September: 3. Etappe, La Roda - Fuenlabrada
(222,8 km)
Leadertrikot als Belohnung für Etappensieg
Sprinter Marcel Wüst war an der Vuelta im Finish erneut nicht zu schlagen. In
der 3. Etappe von La Roda in den Madrider Vorort Fuenlabrada setzte sich der
Deutsche zum zweiten Mal in Folge im Massensprint durch und erzielte seinen
ingesamt 10. Etappensieg. Zugleich übernahm Wüst das Leadertrikot. Animator
des Tages war der unbekannte Spanier German Nieto, der nach einer langen Flucht
erst 7 km vor dem Ziel eingeholt wurde.
Nichts Neues gibt es von Sturzopfer Laurent Dufaux zu berichten. Am Ziel
klagte der Romand weiterhin über Schmerzen im Rücken. "Als das Tempo auf
den letzten 80 Kilometern gesteigert wurde, musste ich ziemlich auf die Zähne
beissen", sagte Dufaux ernüchtert. Besserung erhofft er sich von Michel
Barras, seinem persönlichen Physiotherapeuten, den er aus Lausanne einfliegen
liess. Mit einer Spezialtherapie hofft Dufaux, für die kommenden Bergetappen
wieder zu hundert Prozent gerüstet zu sein.
Noch vor dem Start hatte der Schweizer, der am Montag auf einem nassen
Strassenabschnitt ausgerutscht war, fälschlicherweise Entwarnung gegeben.
"Alles halb so schlimm", hatte Dufaux relativiert, "ein Sturz
kann immer passieren. Meine Ambitionen auf dem Gesamtsieg beeinträchtigt das
aber nicht, auch wenn es ein bisschen auf die Moral geschlagen hat."
Spekulationen um Camenzinds Zukunft
Aber nicht nur Dufaux dient in diesen Tagen als Gesprächsthema, sondern auch
Weltmeister Oscar Camenzind. Der Schwyzer hat seinen Vertrag bei Lampre noch
nicht verlängert. Deshalb wird heftig darüber spekuliert, in welchem Team er
die nächste Saison bestreiten wird. Derzeit liegen drei valable Offerten von
Mannschaften vor, wobei es sich um Lampre, das Team Telekom sowie Vitalicio
Seguros aus Spanien handeln dürfte. Ein Entscheid über Camenzinds Zukunft wird
nach Auskunftseines Managers Robert Ochsner nicht vor nächster Woche fallen.
Wüst erstmals Leader
Auf der sportlichen Ebene bestätigte Marcel Wüst seine derzeitige Hochform.
Auf der 3. Etappe zwischen La Roda und Fuenlabrada, mit 229,5 km das längste
Teilstück der Vuelta, war der Deutsche aus der Festina-Mannschaft zum zweiten
Mal in Serie der schnellste Sprinter. Wüst wurde vom früheren Weltmeister
Laurent Brochard und Andrej Kiwilew optimal auf die Zielgerade geführt, wo er
300 m vor dem Ziel die Spitzenposition übernahm und diese nicht mehr abgab.
Damit feierte der Kölner nicht nur seinen 10. Vuelta- Etappensieg seit 1995,
sondern übernahm auch dank den 20 Bonifikationssekunden das goldene
Leadertrikot. Noch nie zuvor hatte Wüst die Führung in einer der drei grossen
Rundfahrten inne gehabt. Nun wird er künftig zu Hause eine komplette Sammlung
der wichtigsten Trikots besitzen. "Ich habe bereits ein WM-Trikot von
Brochard, ein "maillot jaune" der Tour de France von Pascal Lino von
1992 und eine "maglia rosa" des Giro d'Italia von Alex Zülle. Nun
kommt sogar noch ein eigenes dazu", freute sich Wüst, der wegen eines Schlüsselbeinbruchs
für die Tour de France ausfiel und deshalb sich viel für die Vuelta
vorgenommen hatte.
Abwartende Favoriten vor dem Zeitfahren
Auf der 229,5 km langen Fahrt durch das Kastilien von Don Quijote hielten
sich die Favoriten auf den Gesamtsieg weiterhin zurück. Vor dem
Einzelzeitfahren über 46 weitgehend flache Kilometer in Salamanca vom Freitag
will sich noch niemand exponieren und unnötig Kräfte vergeuden. Dafür nützte
die spanische Zweitdivisionsmannschaft Fuenlabrada, die von der Behörde des
gestrigen Etappenziels unterstützt wird, zu einer 192 km langen Werbefahrt.
Erst riss German Nieto nach 35 km aus und fuhr zwischenzeitlich einen Vorsprung
von über 23 Minuten auf das Feld heraus. Als Nieto, der Gesamtletzte der letztjährigen
Vuelta, 7 km vor dem Ziel vor dem Tempodiktat der Sprintermannschaften
kapitulieren musste und eingeholt wurde, lancierte sein Teamkollege Stefano
Verziagi (It) eine Gegenattacke. Aber auch dieser Vorstoss wurde 4 km später
wieder neutralisiert.

Mittwoch, 8. September: 4. Etappe, Las Rozas - Salamanca (185
km)
Wüst feiert seinen insgesamt 11. Tagessieg in der Vuelta
Auch im Leadertrikot bleibt Marcel Wüst an der Spanien-Rundfahrt erfolgreich.
In Salamanca gewann der Deutsche nach 185,6 km den Massensprint und erzielte
dabei nach vier Teilstücken bereits seinen dritten Etappensieg. Zugleich bleibt
Wüst auch Gesamtleader. Nicht mehr dabei ist hingegen der Schweizer Laurent
Dufaux, der das Rennen aufgab.
Der Rückzug von Dufaux beim Verpflegungsabschnitt nach 95 km war nicht ganz überraschend
gekommen. Bereits am Dienstag hatte der Romand angedeutet, dass ihm die Folgen
des Sturzes aus der 2. Etappe weiterhin zu schaffen machten.
Dufaux, der als Tour-de-France-Vierter die Vuelta mit grossen Ambitionen in
Angriff genommen hatte, war auf einem nassen Strassenabschnitt ausgerutscht und
hatte sich dabei unter anderem eine Beckenverschiebung zugezogen. Bereits vor
dem gestrigen Etappenstart deutete Dufaux an, dass es ihm nicht sonderlich gut
gehe. Das zeigte sich gleich zu Beginn des Rennens. Selbst bei langsamem Tempo
war er nicht fähig, das Tempo des Feldes zu halten und wurde immer wieder
leicht distanziert. "Ich spürte Schmerzen im rechten Bein und in der
Leistengegend", sagte Dufaux nach seiner Aufgabe. Dazu litt er immer noch
an einer Zerrung im Adduktorenbereich. "Unter diesen Umständen ist es
besser, die Vuelta nicht fort zu setzen", sagte ein gefasster Dufaux. Der
30-Jährige kehrt am Donnerstag morgen nach Hause zurück und will einige
Ruhetage einlegen. Falls eine Freistellung der Vuelta-Organisatoren eintreffen
sollte, wird Dufaux voraussichtlich ab Mitte September bei den italienischen
WM-Vorbereitungsrennen wieder Wettkämpfe bestreiten.
Wüsts Hattrick
Auf der Gewinnerseite steht derzeit der Deutsche Marcel Wüst, der in
Salamanca bereits seinen dritten aufeinanderfolgenden Teilerfolg erzielte. Eine
ähnliche Serie hatte in diesem Jahr der Italiener Mario Cipollini an der Tour
de France hingelegt. "Cipo" gewann vier Teilstücke en suite. An der
Spanien-Rundfahrt ist das Kunststück eines Hattricks letztmals 1982 dem Belgier
Eddy Planckaert gelungen, der im Gegensatz zu Wüst aber nicht im Leadertrikot
unterwegs war. Die Bestmarke hält allerdings Planckaerts Landsmann Freddy
Maertens. 1977 fuhr dieser von Beginn weg im gelben Leadertrikot und gewann
nicht weniger als 13 Etappen, davon vier sowie drei in Serie.
Erstmals Bergpreis erster Kategorie
Da Wüst dank dem Etappensieg weitere 20 Bonifikationssekunden gut
geschrieben wurde, vergrösserte der Deutsche seinen Vorsprung im
Gesamtklassement auf Robbie McEwen auf nun 29 Sekunden. Viel Zeit wird Wüst
trotzdem nicht bleiben, sein Leadertrikot zu geniessen. Bereits auf der 5.
Etappe steht zwischen Béjar und der spanisch-portugiesischen Grenzstadt Ciudad
Rodrigo erstmals ein Erstkategorie-Aufstieg sowie drei kleinere
Bergpreiswertungen auf dem Programm. Wie es um die Verfassung der Favoriten um
den Gesamtsieg steht, dürfte spätestens am Freitag offenbart werden, wenn in
Salamanca das erste Einzelzeitfahren über (flache) 46 km ausgetragen wird.
Quelle: newswindow

Donnerstag, 9. September: 5. Etappe, Béjar - Ciudad Rodrigo (160 km)
Jan Ullrich feiert lang ersehnten Erfolg
Einen seit langem ersehnten Erfolg feierte mit seinem Etappensieg Jan Ullrich
(De), der Abraham Olano (Sp) und Frank Vandenbroucke (Be) knapp im Spurt schlug.
Nur einen Tag nach der Aufgabe von Laurent Dufaux hat mit Alex Zülle ein
zweiter Schweizer Siegesanwärter seine Ambitionen auf den Gesamterfolg
einstellen müssen. Nach der ersten Bergetappe traf der St. Galler in Ciudad
Rodrigo mit 5:29 Minuten Rückstand auf Ullrich im Ziel ein. Neuer Träger des
Leadertrikots ist der Spanier Abraham Olano.
Mit diesem Einbruch auf der 5. Etappe von Béjar nach Ciudad Rodrigo (160 km)
hat Zülle dieses Jahr bereits zum zweiten Mal einen möglichen Gesamtsieg in
einer grossen Rundfahrt vergeben. Bereits vor rund zwei Monaten büsste Zülle
auf der 2. Etappe der Tour de France in der berühmt-berüchtigen "Passage
du Gois" sämtliche Siegeschancen ein. Damals war er auf einem mit Algen
verschmutzten Strassenabschnitt durch das Wattenmeer zu Fall gekommen. Bis ins
Ziel verlor Zülle über 6 Minuten auf Sieger Lance Armstrong (USA). Diesmal war
Zülles grosser Rückstand aber nicht auf einen Sturz, sondern auf eigenes körperliches
Versagen zurück zu führen. Sein Debakel begann nach rund 90 km bei der Anfahrt
zum Portillo-Pass, dem ersten längeren Aufstieg der diesjährigen
Spanien-Rundfahrt. 3 km vor der Passhöhe vermochte der Ostschweizer das Tempo
des ersten Grüppchens mit sämtlichen Favoriten nicht mehr zu halten und fiel
in eine zweite Verfolgergruppe zurück. Auf dem Kulminationspunkt, 67 km vor dem
Ziel, betrug der Rückstand auf die führende Gruppe mit 27 Fahrern bereits 40
Sekunden.
Keine Kraft -- und keine Erklärung
An der Spitze intensivierte die Once-Mannschaft von Abraham Olano das Tempo,
dahinter verlor die Zülle-Gruppe immer mehr an Terrain. Als der Ostschweizer
wenige Kilometer später im kurzen Aufstieg zum Pena de Francia auch aus der
zweiten Gruppe zurückfiel, wurde er bloss noch von seinen beiden Teamkollegen
Jon Odriozola und Aitor Osa assistiert. Nach der Zieleinfahrt war Zülle
niedergeschlagen: "Ich weiss nicht, wieso es mir heute überhaupt nicht
lief. Ich hatte keine Kraft in den Beinen und zudem verspürte ich leichte
Schmerzen. Ich fühle mich müde. Nun ist alles vorbei." Bereits in der
Galizien- Rundfahrt und beim Weltcuprennen in San Sebastian habe er gemerkt,
dass irgend etwas nicht in Ordnung war. "Vielleicht", so Zülles erste
Analyse, "war die Anlaufzeit nach der Dopingsperre doch zu kurz
gewesen."Allerdings ziehen sich solche plötzlichen und unerklärlichen
Einbrüche wie ein roter Faden durch die jüngste Vergangenheit Zülles. An der
Schweizer Strassenmeisterschaft 1997 in Sulz gab er wenige Tage vor der Tour de
France das Rennen auf, nachdem er sich auf einen Schlag kraftlos fühlte. Und im
vergangenen Jahr verlor Zülle auf der letzten Bergetappe des Giro d'Italia über
30 Minuten. Zu diesem Rückfall hatte sein damaliger Betreuer Willy Voet in
seinem dieses Jahr erschienenen Doping-Enthüllungsbuch geschrieben, dass der
Grund in der falschen Dosierung und Kombination von Dopingpräparaten gelegen
haben soll. Neben Zülle fielen gestern auch die übrigen Schweizer im
Zwischenklassement weit zurück. Niki Aebersold konnte sich als einziger in der
ersten Verfolgergruppe (3:17 Min. zurück) behaupten. Markus Zberg, der
zweifache Etappensieger der Vuelta 1998, erreichte das Ziel in der Zülle-Gruppe.
Weltmeister Oscar Camenzind landete gar
abgeschlagen im grossen Hauptfeld, das über 22 Minuten auf den Sieger Jan
Ullrich einbüsste.
Ullrich wieder im Rampenlicht
Der Deutsche nützte die Konstellation an der Spitze des Rennens zu seinem
ersten Sieg seit ziemlich genau einem Jahr aus. Der 26-Jährige, der wegen einer
Knieverletzung die Tour de France nicht bestreiten konnte, setzte sich im Sprint
der Spitzengruppe knapp vor Abraham Olano (Sp) durch und erzielte seinen ersten
Etappensieg in einer Spanienrundfahrt. Nun belegt Ullrich bereits den zweiten
Platz im Gesamtklassement mit 0:10 Rückstand auf den neuen Leader Olano.
"Ich werde versuchen, auf die Gesamtwertung zu fahren, allerdings nicht mit
letzter Konsequenz", bekannte Ullrich. Zuvor hatte die Teamleitung stets
verlauten lassen, Ullrich bestreite die Vuelta lediglich als WM-Vorbereitung.
Bereits am Freitag bietet sich für den Deutschen beim Einzelzeitfahren in
Salamanca (46 km) eine weitere Möglichkeit, sich ins Goldtrikot einkleiden zu
lassen.
Quelle: newswindow

Freitag, 10. September: 6. Etappe, Salamanca - Salamanca
(Einzelzeitfahren /46,4 km)
Olano mit einer Minute Vorsprung im Ziel
Mit einem überlegenen Sieg im ersten Vuelta-Zeitfahren in Salamanca hat
Vorjahressieger Abraham Olano seine Spitzenposition weiter ausgebaut. Der
Spanier nahm Jan Ullrich nach 46 km beinahe eine Minute ab und nimmt die erste
Bergankunft vom Sonntag mit einem beruhigenden Zeitpolster in Angriff. Alex Zülle
beendete diese Prüfung als bester Schweizer im 30. Rang.
Nach einem guten Start verlor Zülle vor allem auf den letzten 13 km viel
Zeit. Bis zur dritten Zwischenzeit nach 33 km lag der Ostschweizer noch 1:54
Minuten hinter Sieger Olano zurück. Bis ins Ziel vergrösserte sich dieser
Abstand auf 4:25. Letzmals hatte Zülle in seiner Spezialdisziplin Zeitfahren im
ersten Zeitfahren der Tour de France 1995 ähnlich viel Zeit eingebüsst. Damals
verlor Zülle nach 54 km 3:56 Minuten auf Sieger Miguel Indurain. Bisher war Zülle
in 35 Zeitfahren siegreich gewesen, darunter auch an der Weltmeisterschaft 1996
in Lugano
Zülle mit Hoffnungsschimmer
Immerhin hat sich der Banesto-Schweizer nach seinem Einbruch in der
Bergetappe vom Vortag teilweise wieder auffangen können. Erst als er den eine
Minute vor ihm gestarteten Victor Pena (Kol) eingeholt hatte, geriet Zülle
erneut in eine Krise. Er musste Pena, der als Bergfahrer ein überraschend
starkes Zeitfahren (18. Rang) bot, wieder vorbei ziehen lassen und versuchte,
den Rückstand den Umständen zum Trotz möglichst gering zu halten. Dennoch hat
er wieder neue Hoffnungen geschöpft: "Es geht wieder leicht aufwärts."
Auch die übrigen Schweizer hielten sich vornehmlich zurück. Zweitbester
Schweizer wurde Niki Aebersold als 78. (6:14 zurück), Weltmeister Oscar
Camenzind verlor als 116. noch eine Minute mehr.
Stundenmittel von 52,005 km/h
Auf dem völlig flachen Parcours rund um Salamanca nahm Olano von Beginn weg
die Führung ein. Der Spanier baute den Vorsprung auf den zweitplazierten
Ullrich kontinuierlich aus und legte bei leichtem Wind und rund 35 Grad Wärme
den Parcours mit der horrenden Durchschnittsgeschwindigkeit von 52,005
Kilometern zurück. Ullrich erreichte das Ziel mit 57 Sekunden Rückstand.
Dritter wurde der spanische Landesmeister Angel Casero (2:17 zurück). Für
Olano war dies der bisher fünfte Saisonerfolg, zugleich der vierte in einem
Rennen gegen die Uhr. Olano baute zugleich seine Führung in der Gesamtwertung
aus. Vor der ersten Bergankunft am Sonntag auf dem 1580 m hoch gelegenen Angliru
beträgt sein Vorsprung auf Ullrich 1:07. Die übrigen Siegesanwärter Casero
(2:54), Pawel Tonkow (4:42) und Fernando Escartin (6:13) weisen bereits beträchtliche
Rückstände auf.
Bis zu 23,6 Steigungsprozente
An dieser Ausgangslage wird sich voraussichtlich auch nach der Sonntagsetappe
nicht viel ändern, obwohl der 13 km lange Schlussanstieg durchschnittlich 9,6
Steigungsprozente misst. Als besonders schwierig werden indes die letzten 6 km
mit steilen Abschnitten von bis zu 23,6 Prozenten angekündigt. Zülle, der im
Vorfeld der Vuelta zweimal den Angliru bezwungen hatte, vergleicht diesen mit
den schwierigsten Aufstiegen in den Dolomiten. Bereits zuvor stehen drei
Bergpreiswertungen, zwei der ersten und einer der zweiten Kategorie, an. Die
ungewohnte Steilheit des Angliru ist zweifelslos ein Spektakel, wenn auch ein
eher fragwürdiges. Erschwerend kommt dazu, dass für das Wochenende schlechtes
Wetter angesagt wird. Und falls die Strasse nass sein sollte, wird nicht
ausgeschlossen, dass der Aufstieg gar nicht mehr fahrenderweise bewältigt
werden kann. Für diesen Fall haben die Organisatoren angekündigt, die letzten
6 km aus dem Programm zu nehmen.
Erstmals mit Mountainbike-Übersetzung
Verschiedene Teams, darunter Once (Olano) und Kelme (Escartin, Roberto
Heras), werden ihre Rennräder mit einer Mountainbike-Übersetzung ausrüsten.
Dabei werden zum ersten Mal im Strassenradsport drei (statt zwei) vordere
Kettenblätter eingesetzt. Dass diese Massnahme nicht unbestritten ist, zeigen jüngste
Befürchtungen. Weil dadurch die Sitzposition leicht verändert wird, könnte
dies Sehnenscheidenentzündungen provozieren, glauben Teamärzte. Aber auch die
übrigen Fahrer werden höchst ungewohnte Übersetzungen montieren lassen.
Normalerweise wird am Berg als kleinste Übersetzung 39x21 (3,96 m pro
Pedalumdrehung) eingesetzt. Wer am Sonntag bis zum Angliru hoch fahren will,
muss aber 39x26 (3,20 m pro Umdrehung) einsetzen, wie diverse Testfahrten
ergeben haben.
Quelle: newswindow

Samstag, 11. September: 7. Etappe, Salamanca - Leon (217 km)
Sonntag, 12. September: 8. Etappe, Leon - Alto de Angliru
(175,6 km/Bergankunft)
Zeitfahren-Spezialist Olano überzeugt am Berg
Vorjahressieger Abraham Olano hat an der Spanien-Rundfahrt sein goldenes
Leadertrikot auch in der ersten Bergankunft verteidigt. Ein 5. Etappenrang
erlaubte dem Spanier, seinen Vorsprung auf Jan Ullrich (De) auf 2:09 Minuten
auszubauen. Der Sieg in dieser anspruchsvollen 8. Etappe von Leon zum Alto de
L'Angliru sicherte sich nach 175 km José Maria Jiménez (Sp). Oscar
Camenzind geht es von Tag zu Tag besser. "Heute konnte ich mit den
Besten so lange mithalten wie schon lange nicht mehr," gab sich
Geburtstagskind Camenzind am Abend zuversichtlich.
Zu einem Sprint ist es auf dem nebelverhangenen Alto de L'Angliru nicht
gekommen. Von zwei Motorrädern behindert, konnte Tonkow auf der schmalen
Strasse auf den letzten, leicht abfallenden Metern gar nicht mehr das Tempo
steigern. Somit musste er den Etappenerfolg auf diesem mit Spannung erwarteten
Teilstück praktisch kampflos Jiménez, einem Teamkollegen von Alex Zülle, überlassen.
Der Spanier, der nach sechs zweiten Plätzen seinen ersten Saisonerfolg feierte,
war es indes ein geglückter Versuch, die Siegesserie aus dem Vorjahr fort zu
setzten. Damals gewann Jiménez bei der Vuelta vier Bergankünfte.
Jiménez' Aufholjagd im Finale
Bis zum letzten Kilometer schien Tonkow wie der sichere Sieger auszusehen,
zumal sein Vorsprung auf Jiménez 2 km vor dem Ziel noch knapp 40 Sekunden
betrug. In den letzten Kehren drehte der Spanier aber gewaltig auf und spurtete
die bis zu 20 Prozent steilen Schlussrampen hoch. Mit einem riskanten Manöver
überholte Jiménez auf den letzten 800 Metern einen Jurywagen und schloss zum
Russen auf.
In der Schlussphase dieses bislang anspruchvollsten Teilstücks mit drei
Bergpreiswertungen sowie einem 13 km langen Schlussaufstieg sah es zunächst für
Leader Olano nicht sehr vorteilhaft aus. Bei andauerndem Nieselregen und dichtem
Nebel fiel der Spanier in der Abfahrt vom Collado-Pass, dem zweitletzten
Hindernis, über den vor ihm gestürzten Belgier Kurt van den Wouwer und
rutschte über das Strassenbord in einen Graben. Obwohl er nur mit fremder Hilfe
herausklettern konnte, schloss Olano 8 km vor dem Ziel zur Gruppe mit Jan
Ullrich (De), Roberto Heras (Sp), und José Maria Jiménez (Sp) auf.

Montag, 13. September: 9. Etappe, Gijon - Los Corrales
de Buelna (186 km/Bergankunft)
Camenzind nach starker Leistung nur knapp geschlagen
Weltmeister Oscar Camenzind hat an der Spanien-Rundfahrt
seinen dritten Saisonsieg nur knapp verpasst. Der Schwyzer, der während 176 km
an der Spitze fuhr, musste sich auf der 9. Etappe zwischen Gijon und Los
Corrales de Buelna nur von seinem Vorgänger Laurent Brochard (Fr) schlagen
lassen. Vor dem Ruhetag verteidigte Abraham Olano die Führung im
Gesamtklassement erfolgreich.
Bei sehr windigen Verhältnissen im Finale hatte Camenzind die Situation bis
zum letzten Kilometer unter Kontrolle. Erst auf den letzten 1000 Metern
entwischte Laurent Brochard, der erst kurz zuvor mit Rolf Sörensen (Dä) zu den
vier Spitzenfahrern Camenzi nd, Nicola Miceli (It), Eddy Mazzoleni (It) und José
Luis Rubiera (Sp) aufgeschlossen hatte, seinen Gegnern. Nach 186 km feierte der
Franzose nicht nur den ersten Saisonsieg, sondern den wichtigsten Erfolg überhaupt
seit seinem Strassen-Weltmeistertitel 1997 in San Sebastian. Nach den vier
Erfolgen von Marcel Wüst (De) bedeutete Brochards Erfolg bereits der fünfte
Etappensieg für die Festina-Equipe, die seit der letztjährigen Tour de France
vom früheren Rominger-Teamchef Juan Fernandez geleitet wird.
Zuversichtlich
Im Rücken von Brochard entschied Camenzind den Sprint um Platz zwei deutlich
vor Miceli, Andrej Zintschenko (Russ) und Sörensen. "Es geht langsam
wieder aufwärts", freute sich Camenzind im Ziel, nachdem er die ersten
Vuelta-Etappen mit Rippenschmerzen und Atemschwierigkeiten bewältigen musste.
"Möglicherweise lag es am kalten Wetter, dass heute die Beschwerden nicht
auftraten", so der Schwyzer, der einen WM-Test erst für die dritte
Vuelta-Woche eingeplant hatte.
"Das Allerwichtigste für mich ist derzeit aber, Rennen um Rennen zu
fahren", meint Camenzind im Hinblick auf die Strassen-Weltmeisterschaft in
Verona in rund vier Wochen. Seit dem Sturz an der Meisterschaft von Zürich
hatte der Weltmeister während zwei Wochen bis zum Start der Vuelta keine Wettkämpfe
bestreiten können. Derweil bleibt Camenzinds Saisonbilanz bei zwei Siegen
stehen. Neben einem Teilerfolg bei der Trentino-Rundfahrt hatte Camenzind die
wegen Schneefalls verkürzte 8. Etappe der Tour de Suisse ins österreichische
Nauders gewonnen.
Aktiver Camenzind
Zuvor hatte es auf dem classique-ähnlichen Schlussteil mit einem kurzen und
bis zu 12 Prozent steilen Aufstieg 8 km vor dem Ziel danach ausgesehen, als ob
sich ein Quartett mit Camenzind, Miceli, Mazzoleni und Rubiera vorentscheidend
aus einer früheren 12er-Spitzengruppe absetzen könnte. Die vier Fahrer fuhren
mit einem kleinen Vorsprung in die äusserst rutschige und gefährliche Abfahrt,
in der Mazzoleni stürzte. Auf den vier flachen Schlusskilometern fiel die
harmonische Zusammenarbeit aber zusammen. Bei jedem Angriff an der Spitze wurde
die Nachführarbeit Camenzind, der als stärkster Sprinter angeschaut wurde, überlassen.
Bereits zuvor gehörte Camenzind einen Tag nach seinem 28. Geburtstag bei der
Fahrt entlang der nordspanischen Atlantikküste zu den aktivsten Fahrern. Mit
Etappensieger Brochard, dem Gesamtzweiten Jan Ullrich (De) und Sörensen gehörte
er zu jenen 13 Fahre rn, die sich bei strömendem Regen und deutlich kühleren
Temperaturen als noch vor ein paar Tagen bereits nach 10 km vom Feld abgesetzt
hatten. Einzig Ullrich liess 24 km später die Beine hängen und fiel ins Feld
zurück. "Wir wollten nicht, dass er sich zu sehr verausgabt", sagte
später sein Sportlicher Leiter Rudy Pevenage zu diesem Manöver. Tatsächlich
beabsichtige Ullrich mit seinem Rückzug , dass die Flucht erfolgreich verläuft.
Denn an der Spitze befand sich mit Ralf Grabsch (De) ein Teamkollege Ullri chs,
der in dieser Vuelta seinen ersten Einsatz für Telekom bestreitet. Die Gruppe
erreichte bei Rennhälfte einen Maximalvorsprung von 9:50 Minuten, wobei Rubiera
als Gesamt-16. für kurze Zeit theoretischer Leader war.
Ab Donnerstag Pyrenäen
Im Feld verbrachte Leader Abraham Olano trotz Regen und Kälte einen eher
geruhsamen Tag. Erst im letzten Aufstieg, als das Feld in viele kleine Grüppchen
aufgesplittert wurde, musste der spanische Vorjahressieger zu Ullrich
aufschliessen, der für kurze Zeit das Tempo erhöht hatte. Da nach der Abfahrt
auch der Gesamtdritte Pawel Tonkow wieder zur Olano-Gruppe aufschliessen konnte,
ergaben sich an der Spitze des Gesamtklassements vor den schweren Pyrenäenetappen
ab Donnerstag keine Änderungen. Noch am selben Abend absolvierte der ganze
Vuelta-Tross einen 400-Kilometer-Transfer nach Saragossa, wo die Fahrer ein
wohlverdienter Ruhetag erwartet. Die Spanien-Rundfahrt wird am Mittwoch mit der
10. Etappe fortgesetzt. Start und Ziel des fast völlig flachen und 183 km
langen Parcours befinden sich in Saragossa.
Quelle: newswindow

Dienstag, 14. September: Ruhetag

Mittwoch, 15. September: 10. Etappe, Saragossa - Saragossa (183 km)
Sergej Utschakow kam den Sprintern zuvor
Für einmal hatten an der Spanien-Rundfahrt die Sprinter auf einer Flachetappe
das Nachsehen. Das 10. Teilstück mit Start und Ziel in Saragossa entschied der
Ukrainer Sergej Utschakow vor dem Italiener Fabio Roscioli. Beide gehörten
einer Fünfer-Spitzengruppe an, die sich 110 km vor dem Ziel abgesetzt hatten.
Vor der ersten Pyrenäenetappe führt im Gesamtklassement unverändert Abraham
Olano (Sp) vor Jan Ullrich (De) und Pawel Tonkow (Russ).
Quelle: newswindow

Donnerstag, 16. September: 11. Etappe, Huesca - Pla de Beret (201
km/Bergankunft)
Olano verlor eine halbe Minute
Abraham Olano, der Gesamterste der Spanien-Rundfahrt, verlor in der ersten Pyrenäen-Etappe,
dem 200 km langen Teilstück von Huesca hinauf nach Pla de Beret, 28 Sekunden
auf seine gefährlichsten Gegner, den Deutschen Jan Ullrich und den Russen Pawel
Tonkow. Etappensieger wurde der Italiener Daniele Nardello, der im Spurt einer
Vierergruppe vor dem Kolumbier Victor Hugo Pena und den beiden Spaniern Félix
Garcia Casas und José Manuel Uria gewann.
Das führende Quartett mit Etappensieger Nardello hatte einer ursprünglich
22 Fahrer umfassenden Spitzengruppe angehört, die sich schon nach 39 km vom
Feld absetzte und einen maximalen Vorsprung von rund 10 Minuten besass. Im Feld
mit den Gesamtersten, das letztlich knapp sieben Minuten nach Etappensieger
Nardello eintraf, vermochte Olano im letzten Aufstieg nach Pla de Beret nicht
mehr mitzuhalten. Der Spanier behauptete sich zwar als Leader, aber nun liegt
Olano nur noch 1:40 vor Jan Ullrich und 2:30 vor Pawel Tonkow.
Quelle: newswindow

Freitag, 17. September: 12. Etappe, Sort - Arcalis/Andorra
(147 km/Bergankunft)
Jan Ullrich neuer Vuelta-Leader
Der Spanier Abraham Olano hat auf der 147 km langen Königsetappe der
Spanien-Rundfahrt von Sort zur andorranischen Skistation Arcalis das
Leadertrikot an Jan Ullrich abgeben müssen. Dem Deutschen reichte dazu ein 10.
Platz, nachdem Olano im 14 km langen Schlussaufstieg eingebrochen und beinahe
acht Minuten auf Ullrich verloren hatte. Ullrich führt nun vor dem überraschenden
Tagessieger Igor Gonzalez Galdeano (0:36 zurück) und Pawel Tonkow (0:48).
Für den 25-jährigen Basken Gonzalez Galdeano aus der Vitalicio- Mannschaft
war dies bereits der zweite Etappenerfolg, nachdem er vor knapp zwei Wochen den
Prolog in Murcia für sich entschieden hatte. Daraufhin trug er einen Tag lang
das Goldtrikot. Auch gestern war für in die Leaderposition in Greifnähe
gewesen. Schliesslich fehlten ihm dazu aber 36 Sekunden. Gonzalez Galdeano hatte
im zweitletzten Aufstieg rund 35 km vor dem Ziel angegriffen und erreichte das
Ziel im 2230 m hoch gelegenen Arcalis als Solosieger. 40 Sekunden zurück trafen
Roberto Heras (Sp), José Maria Jiménez (Sp) und Leonardo Piepoli (It) ein. Jan
Ullrich und Pawel Tonkow folgte in der zweiten Verfolgergruppe mit einer Minute
Rückstand. Obwohl der Deutsche damit seinen angstrebten Erfolg in Arcalis
verpasste, war er dennoch der Profiteur des Tages. Denn der 10. Etappenrang
reichte Ullrich, um bei seiner ersten Vuelta-Teilnahme das goldene Leadertrikot
von Olano zu übernehmen. Dass ihm dieser Coup in Arcalis gelang, hat für den
Telekom-Fahrer eine ganz besondere Bedeutung. Letztmals hatte er in dieser Pyrenäen-Skistation
1997 eine Tour-de-France- Etappe gewonnen. Gleichzeitig übernahm Ullrich das
Goldtrikot von Bjarne Riis und verteidigte es bis Paris.
Besondere Genugtuung für Ullrich
Für Ullrich kommt diese Duplizität der Ereignisse einer besonderen
Genugtuung gleich. Nach einem verpatzten Frühling war der 25-jährige Merdinger
im Sommer wegen einer Knieverletzung für sieben Wochen ausgefallen. "Bei
diesem schönen Wetter in Spanien habe ich mich überraschend schnell wieder in
Schwung fahren können", erklärte Ullrich seinen schnellen Formanstieg.
Eine spezielle Taktik habe er im Schlussaufstieg nicht verfolgt. "Ich bin
einfach voll Anschlag gefahren", meinte Ullrich in seiner trockenen Art.
Bereits heute wird indes Ullrichs Rolle in der Vuelta eine wesentliche Änderung
erfahren. Als neuer Leader wird er auf der letzten Pyrenäen-Etappe mit dem
Schlussaufstieg nach Castellar del Riu vom Angreifer zum Verteidiger. Allerdings
lässt er sich dadurch nicht unter Druck setzen: "Ich freu mich erst mal über
das Goldtrikot. Wenn ich es in den nächsten Tagen wieder verlieren sollte, wäre
ich auch nicht traurig".
Olano fiel Tempo von Zülle zum Opfer
Der Vorjahressieger und bisherige Leader Olano wurde bereits früh aus der
Entscheidung relegiert. Im Aufstieg zur zweiten der vier Bergpreiswertungen fiel
der Fahrer aus der Once-Mannschaft einer Rhythmusverschärfung des Erzrivalen
Banesto zum Opfer. Vor allem der Schweizer Alex Zülle, der im Gesamtklassement
bereits weit zurück liegt, sorgte mit seiner forschen Fahrweise dafür, dass
Olano nicht mehr mithalten konnte und zurückfiel. Zwar kam Olano nach der
Abfahrt wieder auf bis eine halbe Minute an die Gruppe mit Ullrich und Tonkow
heran, aber im zweitletzen Aufstieg wurde der Spanier entscheidend zurückgebunden.
Bis ins Ziel verlor Olano achteinhalb Minuten auf Sieger Gonzalez Galdeano und
fiel im Gesamtklassement auf Rang 9 zurück. Bis 4 km vor dem Ziel vermochte
auch der Schweizer Niki Aebersold in der Olano- Gruppe mitzuhalten, bevor er
noch leicht distanziert wurde. Im Gesamtklassement rückte der Berner jetzt auf
Position 19 vor.
45 Fahrer vor dem Auschluss
Das hohe Tempo an der Spitze wäre beinahe auch einem Pulk von nicht weniger
als 45 Fahrern zum Verhängnis geworden. Die letzten "gruppetti" überschritten
den Kontrollschluss (12 Prozent der Siegerzeit) und hätten eigentlich
reglementsgemäss ausgeschlossen werden müssen. Deshalb erhöhte die Jury unter
der Leitung des Schweizers Louis Wermelinger diesen Prozentsatz auf 14 Prozent,
um zu verhindern, dass nur mehr ein Mini-Feld zur Fortsetzung der Vuelta
antritt.

Samstag, 18. September: 13. Etappe, Andorra - Castellar del
Riu (149 km/Bergankunft)
Zweiter Saisonsieg von Alex Zülle
Alex Zülle konnte an der Spanien-Rundfahrt doch noch ein persönliches
Erfolgserlebnis verbuchen. Der 31-jährige Schweizer gewann die dritte Pyrenänen-Etappe,
die über 139 Kilometer von Andorra nach Rasos de Peguera führte. Für Zülle
war es der zweite Sieg in diesem Jahr nach jenem im Rennen "Quer durch
Lausanne." Der noch zur Halbzeit führende Zeitfahr-Weltmeister Abraham
Olano musste die Weiterfahrt wegen eines Bruchs der sechsten Rippe nach der 13.
Etappe einstellen.
Im Gesamtklassement konnte der Deutsche Jan Ullrich als Etappenfünfter seine
Führung nicht nur verteidigen, sondern baute sie weiter aus. Der
zweitplatzierte Spanier Igor Gonzalez Galdeano liegt nun 49 Sekunden zurück,
neu auf Platz 3 liegt dessen Landsmann Roberto Heras (2:35 zurück).
Mit diesem Teilerfolg ist Zülle zumindest eine teilweise Rehabilitation für
seinen Einbruch am Ende der ersten Vuelta-Woche gelungen, als er auf der Fahrt
nach Ciudad Rodrigo und im folgenden Zeitfahren in Salamanca viel Zeit auf die
Besten eingebüsst hatte. Dabei vergab Zülle, der als Favorit zur Vuelta
gestartet war, sämtliche Chancen auf einen dritten Gesamtsieg nach 1996 und
1997. Dass er dieses Leistungsloch aber schon wieder überwunden hat, deutete Zülle
auf der Königsetappe am Freitag an. Im zweiten von vier Aufstiegen schlug der
Ostschweizer einen derart hohen Rhythmus an, dass der damalige Leader Abraham
Olano (Sp) entscheidend distanziert wurde und das Goldene Trikot an Ullrich
abgeben musste.
"Ein Sieg ist immer etwas Schönes", sagte Zülle nach dem Rennen,
"aber dieser Erfolg ist mir besonders viel Wert. Vor einer Woche in
Salamanca hätte ich nicht mehr geglaubt, dass für mich noch ein Etappensieg
drin liegt. Sicher war ich mir aber erst, als wir 500 Meter vor dem Ziel
waren." Zülle gewann seine insgesamt 8. Vuelta- Etappe und erzielte
gleichzeitig seinen zweiten Saisonerfolg. Zuvor hatte der St. Galler, dessen
Saison nach der Dopingsperre erst am 1. Mai begonnen hatte, kurz nach der Tour
de France das Einladungsrennen "Quer durch Lausanne" für sich
entschieden.
Zusammen mit Miceli und seinem Banesto-Teamkollegen Jon Odriozola (Sp) setzte
sich Zülle rund 80 km vor dem Ziel im Aufstieg zum Collada de Clara, einer
Bergpreiswertung der zweiten Kategorie, vom Feld ab. Das Trio erreichte einen
Maximalvorsprung von knapp fünf Minuten. Zu Beginn des Schlussaufstiegs
retteten sie noch knapp drei Minuten auf ein erstes grösseres Feld mit allen
Favoriten, unter ihnen auch Leader Jan Ullrich. 8 km vor dem Ziel wurde
Odriozola aus der Spitze eliminiert. Gleichzeitig formierte sich dahinter eine
hochkarätige Siebnergruppe mit Ullrich, dem Gesamtzweiten Igor Gonzalez
Galdeano (Sp), Roberto Heras (Sp), José Maria Jiménez (Sp), Manuel Beltran (Sp),
José Manuel Uria (Sp) sowie Leonardo Piepoli (It). Es fehlte einzig der Dritte
Pawel Tonkow, der bis ins Ziel über drei Minuten verlor und im Gesamtklassement
auf Rang 5 zurück fiel. Auf dem letzten Kilometer sicherte sich Jiménez knapp
vor Piepoli und Ullrich den dritten Etappenrang.
Olano gibt die Vuelta wegen eines Rippenbruchs auf
Die Spanien-Rundfahrt wird ohne Abraham Olano (Sp) zu Ende gehen. Der noch
zur Halbzeit führende Zeitfahr-Weltmeister musste die Weiterfahrt wegen eines
Bruchs der sechsten Rippe nach der 13. Etappe einstellen. Bei einem Sturz kurz
vor dem Ziel der 8. Etappe wurden noch zwei weitere Rippenbögen in
Mitleidenschaft gezogen. Trotz dieser Blessuren war Olano zunächst weiter
gefahren.

Sonntag, 19. September: 14. Etappe, Barcelona - Barcelona (141
km)
Wegen Regen verkürzte Etappe
Der Italiener Fabio Roscioli hat die bei strömendem Regen ausgetragene und
auf 99 km verkürzte 14. Etappe der Spanien-Rundfahrt im Spurt gegen seinen
Landsmann Massimiliano Lelli für sich entschieden. Das vom Schweden Glenn
Magnusson angeführte Feld mit allen Gesamtersten folgte mit 1:51 Minuten Rückstand.
Jan Ullrich führt die Gesamtwertung unverändert mit 49 Sekunden Vorsprung auf
den Spanier Igor Gonzales Galdeano an.
Roscioli und Lelli waren zu Beginn der 5. Runde ausgerissen, kurz nachdem das
Fahrerfeld Anstalten zu einem Streik gemacht hatte. Unter dem Druck der Fahrer
war schon mit einer halben Stunde Verspätung gestartet worden und nach vielen
Diskussionen wurde auch der Parcours auf 135 km verkürzt. Die gefährliche
Abfahrt vom Montjuich wurde gestrichen, doch das war den Fahrern im starken
Regen von Barcelona noch nicht genug. Deshalb waren sie drauf und dran, nach fünf
Runden vom Rad zu steigen. Die Jury entschied, die Streckenlänge noch weiter --
auf nunmehr 99,6 km -- zu verkürzen.

Montag, 20. September: 15. Etappe, La Senia - Valencia
(193 km)
Jekimow mit dem besten Stehvermögen - Ullrich bleibt Leader
An der Spanien-Rundfahrt haben sich die Favoriten vor den entscheidenden Etappen
der kommenden Tage nochmals geschont. Das Hauptfeld verlor im 15. Teilstück von
La Senia nach Valencia knapp 13 Minuten auf eine Neuner-Spitzengruppe. Der Sieg
ging nach 193 km an den Russen Wjatscheslaw Jekimow. An der Spitze bleibt
weiterhin der Deutsche Jan Ullrich.
Der als gewiefter Taktiker bekannte Jekimow hatte auch diesmal wieder seine
ganze Routine einsetzen können. Der 33-jährige Russe, aus der Vergangenheit
vor allem bekannt für lange Sprints im Stile eines Finisseurs, wartete bis 100
m vor dem Ziel in Valencia, ehe er den Spanier Igor Flores ein- und überholte.
Flores, ein 25-jähriger Baske aus der Euskatel-Mannschaft, hatte zuvor bei der
1000-m-Marke einen Vorstoss gewagt und war bis kurz vor dem Ziel in Führung
gelegen. Im Sprint hatte Jekimow keine Mühe, um sich gegen Frankie Andreu (USA)
und Paolo Bettini (It) durchzusetzen.
Nur einen Tag nach dem Sieg von Fabio Roscioli sorgte Altmeister Jekimow
bereits für den zweiten Etappenerfolg für die kleine spanisch-italienische
Mannschaft Amica Chips-Costa de Almeria. Zugleich war es sein dritter
Saisonserfolg, nachdem er in diesem Jahr bereits das Tour de Suisse-Zeitfahren
in Meiringen sowie eine Etappe der Portugal-Rundfahrt gewonnen hatte.
Ausgang für 9 Aussenseiter
Jekimow hatte sich 20 km nach dem Start zusammen mit acht weiteren Fahrern
vom Feld abgesetzt. Da Bettini als Bester in der Gesamtwertung vor der Etappe
nur gerade den 42. Rang mit über einer Stunde Rückstand auf Leader Jan Ullrich
einnahm, gewährte der Hauptharst dieser Neuner-Vorhut Ausgang. Die Aussenseiter
nahmen das Angebot dankend an und vergrösserten ihren Vorsprung sukzessive. Der
Maximalabstand wurde 50 km vor dem Ziel mit 18:37 Minuten erreicht.
Währenddessen wurde auch im Feld allmählich das Tempo gesteigert. In einem
kleineren Aufstieg rund 40 km vor dem Ziel war es wie in den vergangenen Tagen
das Banesto-Team von Alex Zülle, das den Rhythmus im Stile eines
Mannschaftszeitfahren auf einen Schlag erhöhte. In der Folge wurde das Feld
zweigeteilt, alle Favoriten fanden indes in der vorderen Gruppe Unterschlupf.
Mit dieser Taktik verfolgte Banesto aber nicht die Absicht, Ullrich in
Verlegenheit zu bringen, sondern sie wollten die Führung im
Mannschaftsklassement anstreben. Derzeit nehmen Zülle und seine Kameraden den
zweiten Platz ein, 1:21 Minuten hinter Vitalicio.
Aufgabe von Fabian Jeker
Den Sprint des Feldes gewann der Spanier Miguel Martin vor Salvatore Commesso
(It). Erstmals seit geraumer Zeit zeigte sich auch der Schweizer Markus Zberg in
einer Endausscheidung wieder in vorderer Position. Der letztjährige zweifache
Vuelta-Etappensieger wurde Vierter, was ihn im Hinblick auf die verbleibenden
Tage Zuversicht gibt. Auf der anderen Seite hat sich mit Fabian Jeker bereits
der vierte Schweizer aus der Vuelta verabschiedet. Der Baselbieter hatte in der
letzten Pyrenäen-Etappe vor drei Tagen eine schmerzende Handgelenkprellung
erlitten. Zuvor hatten bereits Laurent Dufaux sowie Armin und Roland Meier
aufgegeben.
Quelle: newswindow

Dienstag, 21. September: 16. Etappe, Valencia - Teruel (200,4 km)
Aktiver Camenzind kam auf den fünften Etappenrang
Der Belgier Frank Vandenbroucke hat die 16. Etappe der Spanien-Rundfahrt von
Valencia nach Teruel für sich entschieden. Nach 200,4 km schlug Vandenbroucke
seinen einzigen Begleiter Jon Odriozola (Sp) im Spurt. Als erster Schweizer
erreichte Oscar Camenzind das Ziel in der ersten Verfolgergruppe (4:44 zurück)
als Fünfter. Im Feld, das mit rund 13 Minuten Rückstand eintraf, befanden sich
alle Gesamtersten.
Zusammen mit Odriozola hatte sich Vandenbroucke rund 60 km vor dem Ziel im
Aufstieg zu einem Zweitkategorie-Pass aus einer 14-er-Spitzengruppe abgesetzt,
in der sich unter anderem auch der Schweizer Weltmeister Oscar Camenzind befand.
Der 24-jährige Belgier schlug in der Folge ein so hohes Tempo an, dass ihm
Odriozola nur mit Mühe folgen konnte und der Rückstand der übrigen
Spitzenfahrer bis auf knapp fünf Minuten anstieg. Obwohl "VDB" einen
Grossteil der Führungsarbeit geleistet hatte, bekundete er in Teruel keine Mühe,
den von den Anstrengungen gezeichneten Spanier im Sprint klar hinter sich zu
lassen.
Vandenbroucke in WM-Form
Mit seinem siebten Saisonsieg hat Vandenbroucke eine fünf Monate dauernde
Erfolgslosigkeit beendet. Sein letzter Sieg datiert von Mitte April, als er auf
souveräne Weise die Rad-Classique Lüttich- Bastogne-Lüttich gewonnen hatte.
Zuvor hatte der Wallone bereits Platz 2 an der Flandern-Rundfahrt und den 7.
Rang bei Paris-Roubaix belegt. Im Mai war der Teamkollege des Schweizers Roalnd
Meier von seiner Cofidis-Sportgruppe für drei Monate suspendiert worden, als
bekannt wurde, dass der Radprofi in die Doping-Affäre um den Pariser
Rechtsanwalt Bertrand Lavelot und den Pferdezüchter Bernard Sainz verwickelt
war. Erst anfangs August nahm er beim Weltcuprennen in San Sebastian die Renntätigkeit
wieder auf und wird nach dem gestrigen Auftritt bereits zu den heissen Favoriten
für die Weltmeisterschaft gezählt, die am 10. Oktober in Verona stattfindet.
Zum zweiten Mal an dieser Vuelta ist auch Weltmeister Camenzind in Aktion
getreten, nachdem er bereits die 9. Etappe als Zweiter beendet hatte. Der
Schwyzer gehörte nach 27 km zu jenen 13 Fahrern, welche die richtige
Fluchtgruppe erwischt hatten und zwischenzeitlich über 10 Minuten Vorsprung auf
das Feld mit allen Klassementsersten aufwiesen. In der entscheidenden Phase verfügte
Camenzind aber (noch) nicht über die Kraft, um dem Antritt Vandenbrouckes zu
folgen.
Camenzind trotz Formrückstand zuversichtlich
"Wir fuhren alle auf dem kleinen Kettenblatt, als plötzlich
Vandenbroucke mit einer viel grösseren Übersetzung an uns allen
vorbeizischte", erlebte Camenzind den entscheidenden Moment. "In der
folgenden Abfahrt gaben wir in unserer Gruppe alles. Dennoch wurde der Rückstand
immer grösser." Mit dieser Form gehöre der Belgier ganz gewiss zu seinen
engsten Konkurrenten um den WM-Titel, bestätigte auch Camenzind.
Für den Innerschweizer, der in diesen Tagen voraussichtlich den Vertrag mit
Lampre verlängern wird, ist es derzeit aber schwierig, einen gezielten
WM-Aufbau zu gestalten. "In den Pyrenäenetappen bin ich jeden Tag am
Anschlag gefahren", so Camenzind, der sich mittlerweilen von seiner
Rippenverletzung aus der Meisterschaft von Zürich wieder prächtig erholt hat.
Aber beunruhigen lässt er sich davon nicht: "Die Zuversicht im Hinblick
auf das WM-Rennen habe ich noch lange nicht verloren."
Goldtrikot locker verteidigt
Entgegen den gross aufgemachten Ankündigungen in der spanischen Presse,
welche eine Offensive ihrer Fahrer angekündigt hatte, erlebte das Feld mit
allen Gesamtklassements-Ersten einen ruhigen Tag. Obwohl das sehr gewellte
Terrain genügend Angriffmöglichkeiten geboten hätte, hielten sich die die
spanischen Podest-Anwärter bei mässig warmen Temperaturen und einem heftigen
Seitenwind weitgehend zurück, so dass der Deutsche Jan Ullrich auch seinen
vierten Tag im Goldtrikot schadlos überstand.
Quelle: newswindow

Mittwoch, 22. September: 17. Etappe, Los Bronchales -Guadalajara
(225 km)
Ruhe vor dem Sturm für Jan Ullrich
Zum dritten Mal in Folge schrieben an der Spanien-Rundfahrt nicht die Favoriten,
sondern eine Handvoll Aussenseiter die Renngeschichte. Auf der mit 225 km zweitlängsten
Etappe zwischen Bronchales und Guadalajara setzte sich international unbekannte
Italiener Cristian Moreni durch. Das Feld mit Leader Jan Ullrich und den übrigen
Gesamtklassements-Ersten verlor über 16 Minuten. Dennoch verteidigte der
Deutsche sein Goldtrikot auch vier Tage vor Abschluss der Vuelta problemlos.
Auf dem Weg zu seinem überraschenden Sieg hatte sich Moreni 5 km vor dem Ziel
ein Herz gefasst und seine Aussenseiter-Chance genützt. Mit einem kurzen Sprint
setzte er sich aus der 11-er-Spitzengruppe ab und konnte seinen kleinen
Vorsprung nicht zuletzt dank den zahlreichen Kurvenkombinationen bis zur
Ziellinie verteidigen. Für den Italiener aus der Liquigas-Mannschaft, der
bereits am Vortag den Riecher für die richtige Fluchtgruppe (mit Sieger Frank
Vandenbroucke) besessen hatte, war es ein ganz besonderer Erfolg. Noch nie zuvor
hatte der im zweiten Profijahr steckende Moreni einen Sieg bei den Professionals
erzielen können.
Kämpfer Tafi
Einige Kilometer zuvor hatte es nach dem Sieg eines anderen Italieners
ausgesehen: Andrea Tafi riss 31 km vor dem Ziel in seinem bekannten Stil als
Tempofahrer aus und konnte sich während über 20 km gegen die jagenden
Verfolger wehren. In der Abfahrt nach der letzten Drittkategorie-Bergwertung war
es aber um den Paris-Roubaix-Sieger dieses Jahres geschehen.
Die Vorentscheidung um den Tagessieg war wie in den vergangenen Tagen erneut
früh, diesmal nach 84 km, gefallen, als sich an der Spitze elf Fahrer, darunter
neben Moreni und Tafi auch Mikel Zarrabeitia (Sp), Vicente Garcia Acosta (Sp),
Davide Rebellin (It) und Mariano Piccoli (It), zusammenschlossen. Da Zarrabeitia
als Bester des Gesamtklassements (18.) bereits über eine halbe Stunde hinter
Leader Ullrich zurücklag, setzte dessen Telekom-Mannschaft den Ausreissern
nicht nach. Da sich im Feld niemand für die Nachführarbeit verantwortlich fühlte,
verlor der Hauptharst bis ins Ziel viel Zeit.
Einmal mehr zeigte sich, dass derzeit keine Equipe die Stärke besitzt, dem
Rennen den Stempel aufzudrücken. Von Beginn weg suchten immer wieder die Fahrer
ihr Glück in Vorstössen, was dieses lange Teilstück zusätzlich anspruchsvoll
und schnell machte. Zu den angriffslustigen Fahrern gehörte auch der Schweizer
Markus Zberg, der im Vorjahr noch zwei Vuelta-Etappen gewonnen hatte. Passiv
verhielten sich hingegen die zahlriechen spanischen Herausforderer von Ullrich,
die in diesen Tagen auf den mittelschweren Etappen ein hervorragendes Terrain für
taktische Inszenierungen vorgefunden hätten.
Letzte Chance für Ullrichs Gegner
Auch wenn am Donnerstag nebst zwei weiteren Bergpreiswertungen in Alto de
Abantos (1650 m) die letzte von fünf Bergankünften auf dem Programm steht,
wird die Festung Ullrichs kaum mehr aus den Angeln zu heben sein. Der Deutsche,
so hatte der 25-jährige Merdinger bereits in den Pyrenäen bewiesen, ist in den
Bergen genug stark, um sich auch alleine gegen seine Herausforderer wehren zu können.
Auch die letzten 13 km mit den moderaten 5,6 Steigungsprozenten werden kaum dazu
dienen, um Ullrich und seine bisher überraschend stark auftretende Mannschaft
zermürben zu können.
Quelle: newswindow

Donnerstag, 23. September: 18. Etappe, Guadalajara - Alto de Abantos (166,3 km)
Jan Ullrich liess sich nicht abschütteln
Am viertletzten Tag der Spanien-Rundfahrt kam es zum längst erwarteten Angriff
auf Leader Jan Ullrich. Der Deutsche offenbarte dabei erstmals Schwächen.
Dennoch verlor er auf seine gefährlichsten Konkurrenten wenig Zeit und konnte
seine Gesamtführung verteidigen. Sie beträgt nun 31 Sekunden auf Igor Gonzalez
Galdeano (Sp). Die letzte Bergankunft der diesjährigen Vuelta auf Alto de
Abantos entschied nach 166 km der Spanier Roberto Laiseka für sich.
Das seit einigen Tagen gross angekündigte Angriffsspektakel beschränkte
sich auf dem 18. Tagesabschnitt in erster Linie auf die Banesto-Mannschaft des
Gesamtvierten José Maria Jiménez (Sp). In der ersten Hälfte des 13 km langen
Schlussaufstiegs zu den rund 50 km nördlich der Hauptstadt Madrid gelegenen
Alto de Abantos schlug der stark fahrende Alex Zülle für den in seinem Rücken
abwartenden Jiménez ein hohes Tempo an. Bereits am ersten Pass hatte Zülle die
ganze Führungsarbeit geleistet mit dem Ziel, die junge Telekom- Mannschaft um
Leader Ullrich in Schwierigkeiten zu bringen.
Unter diesem Tempodiktat verringerte sich auch der Vorsprung einer frühen
Ausreissergruppe kontinuierlich, die sich nach 10 km gebildet hatte und maximal
rund fünf Minuten Vorsprung aufwies. In der Klosterstadt Escorial, zu Beginn
des Schlussaufstiegs, wurden mit dem Russen Sergej Smetanin und dem Spanier
Mikel Zarrabeitia auch die letzten Vertreter dieser Vorhut von der
Ullrich-Gruppe wieder eingeholt.
Tempomacher Zülle
Der Deutsche schien zunächst selbst in der entscheidenden Phase dem Rhythmus
problemlos folgen zu können. Sieben Kilometer vor dem Ziel wurde Tempomacher Zülle
aber beinahe zum zweiten Mal seiner neuen Rolle als Favoritenkiller gerecht, als
Ullrich zum ersten Mal leicht distanziert wurde. Bereits vor knapp einer Woche
hatte Zülle mit seinem Tempoforcing in der Andorra-Etappe für den Fall des
damaligen Leaders Abraham Olano (Sp) gesorgt.
Gestern gelang Ullrich aber im Gegensatz zu Olano wenig später auf einem
flacheren Abschnitt wieder der Anschluss zur Spitzengruppe mit allen
Gesamtersten. Dieses Spiel wiederholte sich kurz darauf, und auch dieses zweite
Mal konnte Ullrich die Schwächephase wieder korrigieren. Erst drei Kilometer
vor dem Ziel setzte der Deutsche nicht mehr alles auf eine Karte, um seinen
Motor nicht zu überdrehen, und fiel zum dritten Mal leicht zurück. Auf diese
Weise büsste er zwar gegenüber dem Gesamtzweiten Igor Gon zalez Galdeano (Sp)
18 Sekunden und dem -dritten Roberto Heras (Sp) deren 19 ein, konnte aber seine
Gesamtführung verteidigen.
Grösster Erfolg für Laiseka
Den Tagessieg des 18. Teilstücks holte sich der Spanier Roberto Laiseka, der
7 km vor dem Ziel aus der Spitzengruppe angegriffen hatte. Erst kurz vor dem
Ziel nahm sein Landsmann Jiménez dessen Verfolgung auf. Dem vierfachen
Vuelta-Etappensieger von 1998 gelang es aber nicht etwa, zum Führenden
aufzuschliessen, sondern er wurde vom erneut stark auftretenden Belgier Frank
Vandenbroucke, dem Etappensieger von Teruel, auf Platz drei verwiesen. Laiseka,
ein 30-jähriger Baske aus der spanischen Euskatel-Mannschaft, erzielte bei
seinem Soloerfolg Saisonsieg Nummer 1 und den Wichtigsten seiner Karriere überhaupt.
Vor den letzten drei Etappen, darunter ein Zeitfahren, haben sich im
Gesamtklassement nur geringfügige Änderungen ergeben: Ullrichs Vorsprung auf
Gonzalez Galdeano beträgt noch 31 Sekunden, Heras liegt neu 2:16 Minuten zurück.
"Ich bin froh, dass ich meinen Abstand noch in Grenzen halten konnte",
sagte Ullrich nach dem Rennen. "Die Spanier haben keine Gelegenheit
ausgelassen und werden dies nun auch weiterhin nicht tun." Der starke
Auftritt der eigenen Mannschaft stimmt Ullrich im Hinblick auf einen möglichen
Gesamtsieg aber zuversichtlich: "Die Mannschaft ist in die Leaderrolle
hineingewachsen und kämpft wie ein Löwe. Jeder Fahrer gibt eine 300-prozentige
Leistung."
Quelle: newswindow

Freitag, 24. September: 19. Etappe, San Lorenzo de El Escorial
- Avila (185 km)
Zweiter Etappensieg für Frank Vandenbroucke
Der Deutsche Jan Ullrich steht bei seiner ersten Vuelta-Teilnahme vor dem
Gesamtsieg. Der 25-Jährige aus der Telekom- Mannschaft beendete in Avila die
letzte Bergetappe zeitgleich mit den übrigen Gesamtersten. Der Sieg ging nach
184 km an den Belgier Frank Vandenbroucke, der seinen zweiten Etappenerfolg in
Spanien feierte.
Vandenbroucke suchte auf dem 19. Tagesabschnitt die Entscheidung zwei
Kilometer vor dem Ziel, als er in einem kleinen Aufstieg nach Avila aus der
Achter-Spitzengruppe mit allen fünf Gesamtersten herausfuhr. Auf dem rund 1 km
langen Kopfsteinpflaster-Abschnitt überholte er mit unglaublicher Leichtigkeit
den kurz zuvor ausgerissenen Spanier Mikel Zarrabeitia und fuhr einem souveränen
Solosieg entgegen. Bereits 800 m vor dem Ziel zeigte sich Vandenbroucke derart
siegessicher, dass er sich umdrehte und bereits die geballte Faust als Zeichen
des Erfolgs gen Himmel streckte.
Vandenbroucke als WM-Favorit
Vandenbroucke hatte diesen Teilerfolg, nach dem Sieg in der 16. Etappe
bereits sein zweiter, mit allen Kräften gesucht. Bereits 23 km vor dem Ziel,
kurz vor der Passhöhe des letzten Vuelta-Anstiegs, hatte der Belgier einen
Vorstoss gewagt, war aber einige Kilometer später von der Ullrich-Gruppe wieder
gestellt worden. Zuvor hatte Vandenbroucke fast während der ganzen 16 km langen
Anfahrt zum Puerto de Navalmoral die Führungsarbeit geleistet. Mit dieser Form
zählt Vandenbroucke, der diesjährige Sieger bei der Classique Lüttich-Bastogne-Lüttich,
endgültig zu den ganz grossen Favoriten auf den Weltmeistertitel.
Bei der Pressekonferenz sah man sich erstaunlicherweise nicht einem sich
freuenden Vandenbroucke gegenüber. Die Erklärung dafür liegt in seiner jüngsten
Vergangenheit. Seit der Belgier Ende April in die Dopingaffäre um den Pariser
Rechtsanwalt Bertrand Lavelot und den Pferdezüchter Bernard Sainz verwickelt
war und von seiner Cofidis-Mannschaft für einige Zeit suspendiert wurde, tritt
der Teamkollege des Schweizers Roland Meier nur noch mit ernster Miene auf.
Letzte Chance verpasst
Die auf den Plätzen zwei bis vier liegenden spanischen Herausforderer von
Jan Ullrich hatten gestern Freitag auch die letzte Möglichkeit verpasst, den
Deutschen vom ersten Gesamtrang zu verdrängen. Dabei durfte Ullrich auf die
Unterstützung der beiden übrig gebliebenen Cofidis-Fahrer Vandenbroucke und
Massimiliano Lelli zählen, die bei zwei von drei längeren Aufstiegen ein
derart hohes Tempo anschlugen, dass an einen Angriff gar nicht mehr zu denken
war. Bei den Spaniern verhinderte zudem erwartungsgemäss die
Konkurrenzsituation zwischen den verschiedenen Teams eine konzentrierte Aktion
gegen Ullrich.
Damit stehen die Voraussetzungen sehr gut, dass Jan Ullrich bei seiner ersten
Teilnahme am Sonntag als dritter deutscher Gesamtsieger der 54.
Spanien-Rundfahrt auf dem Madrider Paseo de la Castellana eintreffen wird. Denn
unter normalen Umständen wird Ullrich im 46 km langen Einzelzeitfahren vom
Samstag den knappen Vorsprung von 31 Sekunden auf den Spanier Igor Gonzalez
Galdeano kaum preisgeben. Zwar hatte Gonzalez Galdeano das Prologzeitfahren für
sich entschieden. Dafür nahm Ullrich dem Spanier in der ersten langen Prüfung
(46 km) gegen die Uhr in Salamanca 1:21 Minuten ab. Der drittplatzierte
Kletterspezialist Roberto Heras (Sp, 2:16 zurück) hatte gar 3:11 verloren. Für
Ullrich wäre es der zweite Gesamtsieg in einer grossen Rundfahrt, nachdem der
frühere Amateur-Weltmeister vor zwei Jahren die Tour de France gewonnen hatte.
Quelle: newswindow

Samstag, 25. September: 20. Etappe, El Tiemblo - Avila
(Einzelzeitfahren/46 km)
Jan Ullrich dominiert Schlusszeitfahren - Zülle auf Platz 2
(si/oba) Der Deutsche Jan Ullrich hat sich mit seinem überlegenen Sieg im abschliessenden Schlusszeitfahren
der 54. Spanien-Rundfahrt den Gesamtsieg definitiv gesichert. Ullrich legte die 46 beschwerlichen Kilometer
zwischen El Tiemblo und Avila 2:50 schneller zurück als der zweitplatzierte Schweizer Alex Zülle. Auf Platz 3
folgt der Belgier Frank Vandenbroucke (2:57 zurück).
Die letzte Hoffnung der Spanier, dass der Gesamtzweite Igor Gonzalez Galdeano noch eine Überraschung schaffen könnte, wurde bereits auf
den ersten Kilometern zunichte gemacht. Kurz vor der ersten Zwischenzeit nach 15 km hatte Ullrich den zwei Minuten vor ihm gestarteten
Spanier eingeholt und fuhr ungefährdet seinem zweiten Etappensieg an dieser Vuelta entgegen.
Auch für Zülle gab es einen erfreulichen Abschluss. Der Ostschweizer, der im Vorjahr noch das Schlusszeitfahren in Fuenlabrada gewonnen
hatte, belegte vor allem dank einer Aufholjagd im Schlussteil den zweiten Platz. Bereits vor drei Jahren hatte er auf dem gleichen Parcours
denselben Rang erreicht. Damals musste er sich auf dem Weg zu seinem ersten Gesamtsieg lediglich seinem mittlerweilen zurückgetretenen
Landsmann Tony Rominger beugen.

Sonntag, 26. September: 21. Etappe, Madrid - Madrid (163 km)
Jan Ullrichs glanzvolle Rückkehr an die Weltspitze
Nach einer bisher verpfuschten Saison hat der Deutsche Jan Ullrich in Madrid die
54. Spanien-Rundfahrt als überlegener Gesamtsieger beendet. Der 25-Jährige aus
der Telekom-Mannschaft sicherte sich den Sieg im letzten Einzelzeitfahren am
Samstag, als er die gesamte Konkurrenz deklassiert hatte. Den Einheimischen
blieben nur die Ehrenplätze: Platz zwei sicherte sich Igor Gonzalez Galdeano,
Dritter wurde Robero Heras. Die Schlussankunft auf dem Madrider Paseo de la
Castellana entschied im Sprint der Holländer Jeroen Blijlevens für sich.
Im 46 km langen Einzelzeitfahren zwischen El Tiemblo und Avila, auf dem ein
kleiner Pass mit 700 Höhenmeter zu überwinden war, hatte Ullrich einen
Rhythmus vorgelegt, den keiner seiner 114 übrig gebliebenen Konkurrenten auch
nur annähernd folgen konnte. Bei seinem zweiten Etappensieg distanzierte
Ullrich den Schweizer Alex Zülle um 2:50 Minuten. "Ullrich war wie von
einer anderen Welt gefahren", sagte der Ostschweizer zum fulminanten
Auftritt seines Gegners.
Bereits vor der 20-km-Marke hatte der Deutsche, der am 2. Dezember seinen 26.
Geburstag feiert, den zwei Minuten vor ihm gestarteten Gonzalez Galdeano ein-
und überholt. Damit war die letzte Hoffnung der spanischen Fans auf eine Überraschung
gewichen, de nn nur eine solche hätte dem Rennen noch eine Wende zu Gunsten der
iberischen Herausforderer gegeben. So blieben ihnen nach dem letztjährigen
Gesamtsieg von Abraham Olano diesmal nur die Ränge 2 (Gonzalez Galdeano), 3
(Heras) und 5 (José Maria Jiménez). Die Schlussetappe rund um die Hauptstadt
Madrid brachte erwartungsgemäss keine Änderungen mehr. Den Massensprint des
ganzen Feldes gewann der Holländer Jeroen Blijlevens, der dabei seinen 14.
Saisonsieg erzielte.
Ullrich als Überraschung
Die eigentliche Überraschung der Vuelta, der letzten der drei grossen
Rundfahrten, war aber Ullrich persönlich gewesen. Lediglich mit dem Ziel
angetreten, sich auf die Weltmeisterschaften von Mitte Oktober vorzubereiten,
konnte der als sensibel geltende Ullrich ohne Leistungsdruck antreten. Gerade in
dieser Lockerheit lag wohl schliesslich auch der Schlüssel zur glanzvollen Rückkehr
des deutschen Rad-Idols in die Weltspitze. "Ich habe wieder den Spass am
Radfahren gefunden", sagte Ullrich, der nach einem verpfuschten Frühling
und der Verletzungspause in Deutschland in arge Kritik geraten war.
Während viele der vorgängig genannten Favoriten durch Stürze (Fernando
Escartin, Abraham Olano) oder durch Leistungseinbrüche (Alex Zülle) vorzeitig
aufgeben oder zurückgebunden wurde, schlug Ullrichs Stunde ausgerechnet auf der
andorranischen Skistation Arcalis, als er vom kriselnden Olano die Führung übernahm.
Am gleichen Ort hatte er sich vor zwei Jahren bereits ins Goldtrikot der Tour de
France einkleiden lassen. Wie damals, als er die Führung bis auf die Pariser
Champs-Elysées behielt und als erster Deutscher die Frankreich-Rundfahrt
gewann, liess er sich auf den verbleibenden neun Etappen das "maillot de
oro" nicht mehr nehmen. Ullrich ist nach Rudi Altig (1962) und Rolf
Wolfshohl (1965) der dritte Deutsche, der die Spanien-Rundfahrt auf Platz 1
beendet.
Geschlagene Schweizer
Nebst den Spanier gehören auch die Schweizer zu den Geschlagenen, nachdem
sie nicht mehr ganz an die Leistungen vergangener Jahre anknüpfen konnten. Nach
fünf Gesamtsiegen in den letzten acht Jahren brachten die acht gestarteten
Schweizer keinen Vertrete r in die ersten Zehn. Als bester klassierte sich der
Berner Niki Aebersold auf Platz 20.
Ein Spitzenplatz war vor allem von Alex Zülle, dem Vueltasieger von 1996 und
1997, sowie von Laurent Dufaux erwartet worden. Der Romand musste allerdings
nach einem Sturz das Rennen aufgeben. Zülle hingegen erlitt bereits auf der 5.
Etappe einen folgenschweren Einbruch, dem ein zweiter am folgenden Tag beim
Zeitfahren in Salamanca folgte. "Ich hatte mich von der Tour de France noch
nicht richtig erholt", lautete die Erklärung des Ostschweizers. Bereits in
den Pyrenäen zeigte sich Zülle aber wieder erholt und stellte sich von da an
mit allen Kräften in die Dienste seiner Banesto-Mannschaft. Den Lohn bescherte
sich Zülle gleich selbst, als er vor einer Woche die letzte Pyrenäen-
Bergankunft auf Rassos de Peguera solo gewann.
Camenzind mit Mühe
Zwei Wochen vor den Weltmeisterschaften in Verona sorgten zwei weitere
Schweizer für keine grossen Schlagzeilen. Markus Zberg, der 1998 gleich zwei
Vuelta-Etappen gewonnen hatte, fühlt sich derzeit zwar in toller Form.
"Ich konnte dies aber nicht in Resultate umsetzen", übte sich der
Urner in Selbstkritik. Auch Weltmeister Oscar Camenzind bekundete Mühe, wieder
den Anschluss zu finden, nachdem er nach dem Sturz an der Meisterschaft von Zürich
Ende August eine Woche pausieren musste. Ein zweiter Etappenrang sowie
verschiedene Ausrissversuche waren seine (karge) Ausbeute gewesen.
Quelle: newswindow

Die 21 engagierten Equipen (je 9 Fahrer):
Banesto (Alex Zülle/Sz, José Maria Jiménez/Sp, Manuel
Beltran/Sp)
Cofidis (Roland Meier/Sz, Bobby Julich/USA, Frank
Vandenbroucke/Be)
Festina-Lotus (Laurent Brochard/Fr, Fabian Jeker/Sz, Marcel Wüst/De)
Kelme (Fernando Escartin/Sp, Roberto Heras/Sp)
Lampre (Oscar Camenzind/Sz, Gabriele Missaglia/It, Marco
Serpellini/It)
Lotto (Andrej Tschmil/Be, Jacky Durand/Fr)
Mapei (Pawel Tonkow/Russ, Daniele Nardello/It)
Once (Abraham Olano/Sp, Laurent Jalabert/Fr, Mikel Zarrabeitia/Sp, David
Etxebarria/Sp)
Polti (Davide Rebellin/It, Mirko Celestino/It)
Rabobank (Markus Zberg/Sz, Niki Aebersold/Sz, Rolf Sörensen/Dä)
Saeco (Laurent Dufaux/Sz, Armin Meier/Sz, Dario Frigo/It,
Salvatore Commesso/It)
Telekom (Jan Ullrich/De, Giuseppe Guerini/It, Alberto Elli/It)
TVM (Jeroen Blijlevens/Ho, Peter van Petegem/Be)
US Postal (Tyler Hamilton/USA, Kevin Livingston/USA)
Vitalicio (Daniel Clavero/Sp, Angel Casero/Sp)
Euskaltel (Joseba Belaki/Sp)
Fuenlabrada (Pedro Diaz/Sp)
Benfica (Melchior Mauri/Sp)
Riso Scotti (Alexander Schefer/Kas, Ivan Basso/It)
Amica Chips (Felice Puttini/Sz, Daniele de Paoli/It)
Liquigas (Nicola Miceli/It, Andrej Teterjuk/Kas)

Etappenklassement/Gesamtstand
21. Etappe, Madrid - Madrid (163 km):
1. Jeroen Blijlevens (Ho) 4:06:26 (39,686 km/h)
2. Julian Dean (Neus)
3. Paolo Bettini (It)
4. Glenn Magnusson (Sd)
5. Giancarlo Raimondi (It)
6. Zberg. 7. Angel Edo (Sp)
8. Sergej Smetanin (Russ)
9. Robert Hunter (SA)
10. Giovanni Lombardi (It)
11. Koen Beeckman (Ho) 12. Miguel Martin (Sp) 13. Vandenbroucke
14. Mario Traversoni (It) 15. Aebersold 16. Marco Gili (It) 17. Jekimow 18.
Mariano Piccoli (It) 19. Stefano Casagranda (It) 20. Igor Flores (Sp) 21.
Stefano Verziagi (It) 22. Fabio Roscioli (It) 23. Massimiliano Lelli (It) 24.
Camenzind 25. McRae 26. Danilo Hondo (De) 27. Zintschenko 28. Eleuterio Anguita
(Sp) 29. Pedro Diaz (Sp) 30. Unai Etxebarria (Ven) Ferner: 86. Zülle alle
gleiche Zeit wie Blijlevens 115 Fahrer gestartet und klassiert.
Schlussklassement:
1. Ullrich 89:52:03
2. Gonzalez Galdeano 4:15 zurück
3. Heras 5:57
4. Tonkow 7:53
5. Jiménez 9:24
6. Rubiera 10:13
7. Beltran 11:20
8. Piepoli 13:13
9. Parra 16:20
10. Blanco 18:15
11. Zarrabeitia 22:06 12. Vandenbroucke 23:39 13. José Manuel
Uria (Sp) 27:28 14. Chaurreau 29:42 15. Osa 31:06 16. Txema del Olmo (Sp) 31:49
17. Félix Garcia Casas (Sp) 36:34 18. Roberto Laiseka (Sp) 40:14 19. McRae
44:29 20. Aebersold 59:04 21. Lafis 59:43 22. Massimo Codol (It) 1:02:49 23.
Nardello 1:02:58 24. Zintschenko 1:04:08 25. Gianni Faresin (It) 1:06:26 26.
Mauri 1:06:33 27. Odriozola 1:11:15 28. Juan Carlos Vicario (Sp) 1:11:25 29.
Andrea Tafi (It) 1:14:08 30. Zberg 1:14:14 Ferner: 37. Zülle 1:30:18 48.
Camenzind 1:48:39
