Vuelta 2001

 

 

21. 09. 2001 - Beat Zberg brach den Bann - Camenzind hat aufgegeben

In der 13. Etappe der Vuelta meisterte Beat Zberg eine achtköpfige Spitzengruppe im Spurt und verbuchte seinen ersten Sieg in einer grossen Radrundfahrt.

[TA/si] - Im Kampf um den Tagessieg liess Zberg dem überraschenden Richard Virenque (Fr) und Igor Flores (Sp) deutlich das Nachsehen. Zberg beendete damit eine lange Strecke. Seinen letzten bedeutenden Sieg auf internationaler Ebene hatte der Schweizer vor vier Jahren im italienischen Rennen «Coppa Placci» errungen.

Beat Zberg widmete den Sieg seinem in der 3. Etappe schwer gestürzten jüngeren Bruder Markus, der sich die Schulter ausgerenkt hatte und aufgeben musste. Die 5000 Franken Siegprämie spendete Beat Zberg den Opfern der Terroranschläge in den USA. «Die tragischen Ereignisse in der letzten Woche haben mich sehr beschäftigt», sagte Zberg.

Leader nach der ersten Flachetappe nach dem anspruchsvollen Pensum in den Pyrenänen blieb der Spanier Oscar Sevilla (Sp) 41 Sekunden vor Landsmann Angel Casero. Das Feld mit Erik Zabel (De) an der Spitze erreichte das Ziel 35 Sekunden nach Zberg.

Zberg und seine Fluchtgefährten hatten sich nach der Hälfte der 206 km langen Etappe aus dem Hauptharst gelöst und einen Maximal-Vorsprung von knapp sechs Minuten herausgefahren. Im Finale spannte sich zwar insbesondere die Telekom-Equipe von Zabel vor das Feld, die Vorhut blieb aber unbehelligt.

Zberg verrichtete in der Spitze am meisten Arbeit und sorgte zugleich dafür, dass 3 km vor dem Ziel die entwichenen Virenque und Diaz Justo (Sp) eingeholt wurden. Trotzdem war der Schweizer auf der Zielgeraden frisch genug, um die Konkurrenz in die Schranken zu weisen.

Der letzte Etappensieg eines Schweizers vor Zberg an der Vuelta datiert aus dem vorigen Jahr, als Alex Zülle in Malaga zum Auftakt das Zeitfahren für sich entschieden hatte. Nach dem 1. Platz Oscar Camenzinds in der Frühlings-Classique Lüttich-Bastogne-Lüttich verbuchte Zberg in Port Aventura den zweitwichtigsten Sieg eines Schweizers in dieser Saison. Camenzind gab die Spanien-Rundfahrt in der 13. Etappe wie angekündigt auf. Der Schwyzer stieg nach 111 km vom Velo.

Resultate
Spanien-Rundfahrt.
13. Etappe, Andorra - Port Aventura (206 km):
1. Beat Zberg (Sz) 4:28:07 (46,095 km/h).
2. Richard Virenque (Fr).
3. Igor Flores (Sp).
4. Rafael Diaz Justo (Sp).
5. Dariusz Baranowski (Pol).
6. Roberto Sgambelluri (It).
7. Juan Guillamon (Sp), alle gleiche Zeit.
8. Massimo Giunti (It) 0:04 zurück.
9. Erik Zabel (De) 0:35.
10. Sven Teutenberg (De).
Ferner:
26. Oscar Sevilla (Sp).
37. Angel Casero (Sp).
87. Rolf Huser (Sz).
96. Fabian Jeker (Sz).
108. Niki Aebersold (Sz).
109. Mauro Gianetti (Sz), alle gleiche Zeit.
134. Alex Zülle (Sz) 1:34.
Aufgegeben u.a. Oscar Camenzind (Sz).

Gesamtklassement:
1. Sevilla 42:02:25.
2. Casero 0:41.
3. Juan Miguel Mercado (Sp) 2:02.
4. Levi Leipheimer (USA) 2:19.
5. José Maria Jimenez (Sp) 2:50.
6. Roberto Heras (Sp) 2:55.
7. David Plaza (Sp) 3:17.
8. Santiago Botero (Sp) 4:21.
9. José Luis Rubiera (Sp) 5:27.
10. Iban Mayo (Sp) 5:32.
Ferner:
24. Zberg 17:12.
93. Jeker 1:17:08.
97. Gianetti 1:18:43.
98. Aebersold 1:18:53.
104. Zülle 1:21:58.
113. Huser 1:30:41.


Tages- und Gesamtklassement vom 19.09.01
11. Etappe, Alp - Estacio de Pal (154 km):
1. José Maria Jimenez (Sp) 4:08:28 (37,230 km/h).
2. Fernando Escartin (Sp) 1:44 zurück.
3. Juan Miguel Mercado (Sp).
4. Roberto Heras (Sp).
5. Aitor Osa (Sp).
6. Oscar Sevilla (Sp).
7. Angel Casero (Sp), alle gleiche Zeit.
8. Klaus Möller (Dä) 1:49.
9. Inigo Cuesta (Sp) 2:10.
10. José Luis Rubiera (Sp) 2:31.
Ferner:
36. Beat Zberg (Sz) 8:32.
50. Fabian Jeker (Sz) 11:07.
70. Joseba Beloki (Sp) 19:55.
80. Niki Aebersold (Sz), gleiche Zeit.
135. Oscar Camenzind (Sz) 25:45.
148. Mauro Gianetti (Sz).
150. Alex Zülle (Sz), beide gleiche Zeit.
158. Rolf Huser (Sz) 36:04.
170 Fahrer gestartet, 158 klassiert.
Aufgegeben u.a. Marco Pantani (It), Paolo Savoldelli (It).

Gesamtklassement:
1. Sevilla 36:56:21.
2. Casero 0:37.
3. Mercado 1:46.
4. Leipheimer 2:27.
5. Heras 2:33.
6. Plaza 3:00.
7. Botero 3:06.
8. Jimenez 3:34.
9. Mayo 4:04.
10. Osa 4:32.

Ferner:
24. Zberg 15:43.
26. Beloki 17:57.
94. Gianetti 1:12:48.
97. Aebersold 1:13:51.
99. Jeker 1:14:31.
104. Camenzind 1:15:21.
107. Zülle 1:18:14.
113. Huser 1:23:54.


16.09.2001 - Ein Rekord vor dem Ruhetag

Ein Geschwindigkeitsrekord prägte die 9. Etappe der Spanien-Rundfahrt. Igor Gonzalez Galdeano (Sp) gewann in Saragossa mit dem Rekord-Stundenmittel von 55,176 km.

[TA/si] - von Daniel Good, Logrono

Beat Zberg fiel am Wochenende vom 16. auf den 23. Gesamtrang zurück mit insgesamt nun 8:20 Minuten Rückstand. Im 16 km langen, am Ende überaus steilen Schlussaufstieg vom Samstag verlor der Urner 7,5 km vor dem Ziel den Ansschluss an die Spitzengruppe und erhielt 2:46 aufgebrummt.

In der 9. Etappe büsste Zberg als 106. weitere 2:32 ein. Das Feld hatte sich auf Grund des Tempos und des heftigen Windes in mehrere Teile aufgesplittert. Bloss 39 Fahrer erreichten das Ziel zeitgleich mit Gonzalez Galdeano, der den Sprintern im Finale nach knapp 180 km ein Schnippchen schlug. Platz 2 ging an Sven Teutenberg (De). Dessen Landsmann, der dreifache Etappensieger Erik Zabel, hatte schon früher den Kontakt verloren. Bester Schweizer wurde am Sonntag Oscar Camenzind als 59. mit 49 Sekunden Rückstand. 

Camenzind, Zülle, Savoldelli
Foto: Keropress

Die bisher schnellste Etappe in einer grossen Landes-Rundfahrt hatte Marcel Wüst (De) 1998 ebenfalls in Saragossa (Vuelta) mit 51,137 km/h gewonnen. Inhaber der anderen beiden Rekorde ist Mario Cipollini (It). Der Starsprinter setzte sich 1999 in der Tour de France in Blois mit 50,365 km/h durch, zwei Jahre zuvor trimphierte Cipollini im Giro d'Italia in Venedig mit 48,521 km/h.

Von den Gesamtersten verpasste am Sonntag bloss David Plaza (Sp) den Anschluss an das erste Feld und fiel vom 4. auf den 7. Platz zurück. Beloki (28) führt vor dem ersten Ruhetag am Montag 14 Sekunden vor seinem Landsmann Oscar Sevilla. Der Baske trägt erstmals in einer grossen Landes-Rundfahrt das Leadertrikot.

Beloki musste in der Bergetappe bloss José Maria Jimenez (Sp) um 23 Sekunden den Vortritt lassen. Jimenez hatte vor drei Jahren mit insgesamt vier Etappenerfolgen für Furore gesorgt, seither konnte der Kletterer jenen Triumph aber nie mehr wiederholen und fiel in der Hierarchie seiner Equipe (Banesto) weit zurück.

Resultate
9. Etappe, Logrono - Saragossa (179,2 km):
1. Gonzelez Galdeano 3:14:52 (55,176 km/h).
2. Sven Teutenberg (De).
3. Biagio Conte (It).
4. Salvatore Commesso (It).
5. Danilo Hondo (De).
6. Angel Vicioso (Sp).
7. Eleuterio Anguita (Sp).
8. Millar.
9. Alberto Martinez (Sp).
10. Alberto Vinale (It).

Ferner:
43. David Plaza (Sp) 0:49.
54. Escartin.
59. Camenzind.
67. Huser.
68. Gianetti, alle gleiche Zeit.

Gesamtklassement:
1. Beloki 28:21:09
2. Sevilla 0:14.
3. Casero 0:51.
4. Botero 1:28.
5. Leipheimer 1:54.
6. Mercado 2:00.
7. Plaza 2:10.
8. Heras 2:47.
9. Mayo 3:14.
10. Gonzalez Galdeano 3:29.
Ferner:
23. Zberg 8:20.
82. Camenzind 30:40.
90. Huser 33:26.
100. Zülle 37:57.
103. Aebersold 39:32.
106. Gianetti 42:22.
118. Jeker 49:00.


15.09.2001 - Jimenez gewinnt Bergetappe

Wieder ein Leaderwechsel in der Spanien-Rundfahrt: Dank Platz 2 in der 8. Etappe entthronte der Spanier Joseba Beloki den Kolumbier Santiago Botero. Sieger der zweiten Bergetappe wurde mit José Maria Jimenez ebenfalls ein Spanier.

Beat Zberg büsste 7,5 Kilometer vor dem Ziel den Kontakt mit der Spitzengruppe ein und landete mit 2:44 Rückstand im 34. Rang. Im Gesamtklassement fiel Zberg als bester Schweizer vom 16. auf den 21. Platz zurück. Zeitgleich wie Zberg traf Botero im Ziel ein.

Tages- und Gesamtklassement

8.
Etappe, Reinosa - Alto Cruz de la Demanda (195 km):
1.
José Maria Jimenez (Sp) 4:43:02 (41,338 km/h).
2. Joseba Beloki (Sp) 0:22 zurück.
3. Juan Miguel Mercado (Sp) 0:27.
4. Roberto Laiseka (Sp) 0:29.

81. Oscar Camenzind (Sz).

Gesamtklassement:
1. Beloki 25:06:17.
2. Sevilla 0:15.
3. Casero 0:51.
4. David Plaza (Sp) 1:27.
5. Botero 1:28.

Ferner:
21. Zberg 5:48.
86. Camenzind 29:51.
93. Huser 32:37.
100. Zülle 35:25.
103. Aebersold 37:00.
108. Gianetti 41:33.
114. Jeker 42:17. 


11.09.2001 Zabel zum dritten...

Erik Zabel war an der Spanien-Rundfahrt auch in der dritten Etappe mit Massenstart nicht zu bezwingen und gewann in Gijon vor Ex-Weltmeister Oscar Freire. Nach einem Massensturz 1,5 km vor dem Ziel ist Santiago Botero neuer Leader.

Tages- und Gesamtklassement
4. Etappe, Leon - Gijon (175 km):
1. Erik Zabel 4:09:46 (42,039 km/h).
2. Oscar Freire (Sp).
3. Sven Teutenberg (De).

61.
Fabian Jeker (Sz).
74. Mauro Gianetti (Sz).
85. Alex Zülle (Sz).
89. Rolf Huser (Sz).
94. Oscar Camenzind (Sz).
102. Beat Zberg (Sz), alle gleiche Zeit.
160. Niki Aebersold (Sz) 1:24.
187 Fahrer gestartet und klassiert.

Gesamtklassement:
1. Botero 11:02:20.
2. Millar 0:04.
3. Horillo 0:11.

110. Camenzind 2:23.
122. Huser 2:40.
144. Aebersold 3:33.


10.09.2001 Zabel gewinnt auch heute

EriK Zabel gewinnt auch den Spurt der 3. Etappe. Markus Zberg musste etwa zur Hälfte der heutigen Etappe das Rennen aufgeben, nachdem er sich bei einem Sturz die Schulter ausgekugelt hatte.

3.Etappe: Valladolid - Leon, 140,5 km

     1. Erik Zabel (All/Telekom), 3 h 02:50. (46,108 km/h)
     2. Robbie McEwen (Aus), gl.Z.
     3. Danilo Hondo (All), gl.Z.
     4. Sven Teutenberg (All), gl.Z.
     5. Luca Paolini (Ita), gl.Z.
     
    87. Oscar Camenzind (Sui)                           
    
   Aufgabe: Markus Zberg (Sui/Rabobank) 

Gesamtwertung nach der 3. Etappe:

     1. David Millar (GBR/Cofidis), 6 h 52:17.
     2. Santiago Botero (Col), +   01.
     3. Igor Gonzalez de Galdeano (Esp), 17.
     4. José Gutierrez (Esp), 25.
     5. Pedro Horrillo (Esp), 28.
     6. Angel Vicioso  (Esp), 34.
     7. Oscar Sevilla (Esp), 35.
     8. Robert Hunter (AFS), 40.
     9. David Canada (Esp), 43.
    10. André Noé (Ita), 44.
    
   120. Oscar Camenzind (Sui), 2:19.


Bild: Keropress

09.09.2001 - Zabel gewinnt erste Etappe

Die 56. Spanien-Rundfahrt hat beinahe gleich wie die Tour de France begonnen. Die erste Etappe mit Massenstart wurde wie in Frankreich eine Beute des deutschen Star-Sprinters Erik Zabel.

[TA/si] - von Daniel Good, Valladolid

Mit Millar hatte sich in der 12 km langen Prüfung gegen die Uhr ein absoluter Spezialist für kurze Zeitfahren durchgesetzt. Der Brite gewann auf dem kurvenreichen Stadtkurs eine Sekunde vor dem Kolumbier Santiago Botero. Als bester Schweizer auf Platz 32 landete im Zeitfahren Alex Zülle, der im Vorjahr die Startetappe noch als Sieger beendet hatte.

Die 2. Etappe beendete Niki Aebersold als bester Schweizer als 25. Seinen schon 26. Saisonerfolg errang der 31-jährige Zabel, der bald Lance Armstrong (USA) an der Spitze der Weltrangliste ablösen könnte. Zabel krönte in der zweitkürzesten Etappe die Arbeit seines Teams mit einem souveränen Erfolg. Im Prolog wäre Zabel zwar noch beinahe gestürzt. In seiner Paradedisziplin aber, dem Massensprint, kehrte Zabel den Meister hervor und wies auf der leicht ansteigenden Zielgeraden Ex-Weltmeister Oscar Freire (Sp) und Robbie McEwen (Au) deutlich in die Schranken.

Der zweifache Gesamtsieger Zülle (33) ist in erster Linie in Spanien, um seinem Teamkollegen Fernando Escartin (Sp) zu einem guten Platz im Schlussklassement zu verhelfen. Der Bergspezialist aus dem Team Coast beendete das Zeitfahren mit gut einer Minute Rückstand als 55. und war 16 Sekunden langsamer als Zülle.

Eine Sekunde hinter Zülle landete Beat Zberg im 34. Rang. Der Urner ist Captain der Rabobank-Mannschaft und fährt zumindest in der ersten Woche auf das Gesamtklassement. Fabian Jeker, der Gewinner der Portugal-Rundfahrt, verlor knapp anderthalb Minuten und wurde nur 109. «Ich habe nach der Portugal-Rundfahrt keine Rennen mehr bestritten und nur fünf Tage hart trainiert. Das war vielleicht zu wenig», sagte der Basler.

Resultate
2. Etappe, Salamanca - Valladolid (147 km):
1.
Zabel 3:34:28 (41,179 km/h).
2. Oscar Freire (Sp).
3. Robbie McEwen (Au).
4. Angel Edo (It), alle gleiche Zeit.
5. David Etxebarria (Sp) 0:03.
6. Martin Perdiguero (Sp).
7. Horillo.
8. Janek Tombak (Est).
9. Millar.
10. Salvatore Commesso (It).
Ferner:
25. Aebersold.
51. Beat Zberg.
77. Zülle.
87. Jeker.


Gesamtklassement:
1. Millar 3:49:27.
2. Botero 0:01.
3. Leipheimer 0:06.
4. Gonzalez Galdeano 0:17.
5. Beloki 0:23.
6. Plaza 0:24.
7. Gutierrez 0:25.
8. Zarrabeitia 0:26.
9. Jaksche, gleiche Zeit.
10. Horillo 0:28.
Ferner:
31. Zülle 0:46.
33. Beat Zberg 0:47.
59. Markus Zberg 1:07.
98. Jeker 1:26.
100. Aebersold, gleiche Zeit.
122. Gianetti 1:41.
139. Camenzind 1:57.
151. Huser 2:14.


05. 09. 2001 - Schweizer Jagd auf Etappensiege

In der Vuelta España haben die Schweizer die letzte Chance in diesem Jahr, in einer grossen Rundfahrt positiv von sich reden machen. Die Favoritenrolle fällt allerdings den Spaniern Roberto Heras, Abraham Olano und Oscar Sevilla zu.

[TA/si] - Teilerfolge sollten für die Schweizer möglich sein, starten sie doch mit der nahezu gesamten Elite am Samstag in Salamanca zur 1. Etappe, einem 15 km langen Zeitfahren. Mit Alex Zülle, Gesamtsieger 1996 und 1997, Ex-Weltmeister Oscar Camenzind, Markus Zberg, vor drei Jahren zweifacher Etappengewinner und Träger des Leadertrikots, sowie Beat Zberg sind die in der Weltrangliste am höchsten eingestuften Schweizer dabei.

Camenzind (30) und Markus Zberg (27) allerdings wollen sich in Spanien in erster Linie auf die Mitte Oktober auf einem schweren Kurs in Lissabon (Por) stattfindende Strassen-WM vorbereiten. «Im Vordergrund steht für mich in diesem Herbst die WM, aber ich werde auch versuchen, in der einen oder anderen Etappe vorne dabei zu sein», sagt Markus Zberg.

Zülle (33), im Vorjahr immerhin Gewinner der 1. Etappe und während acht Tagen Gesamterster, ist im deutschen Team Coast Co-Leader. Mannschaftscaptain und Hoffnungsträger ist Fernando Escartin (Sp). «Ich könnte mir vorstellen, dass Escartin aufs Podest fährt», sagt Teamchef Wolfram Lindner. Neben Zülle sind für Coast mit Mauro Gianetti, Rolf Huser und Niki Aebersold drei weitere Schweizer gemeldet.

Mit Vorjahressieger Heras, Olano (1998), Zülle und Melchor Mauri (1991) beteiligen sich vier ehemalige Gesamtsieger an der 56. Vuelta. Dem portugiesischen Team (Milanezza) von Mauri gehört auch Fabian Jeker an, der Gewinner der zweiwöchigen Portugal-Rundfahrt. Der seit langem in Spanien wohnende Baslerbieter könnte aus Schweizer Sicht im Gesamtklassement positiv überraschen. Jeker (33) verbuchte in dieser Saison von den Schweizer Profis die meisten Siege.

Mit vier Prüfungen gegen die Uhr (davon ein Bergzeitfahren) und sechs Bergankünften bevorteilt die Streckenführung weder Kletterer noch Roller. Topfavorit ist Bergspezialist Heras mit der homogenen US-Postal-Equipe von Lance Armstrong (USA) im Rücken. Olano dürfte dem Vorjahressieger in den Zeitfahren zwar einige Zeit abnehmen, ist in den Bergen aber verwundbar.

Die aussichtsreichsten Nicht-Spanier kommen mit Giro-Sieger Gilberto Simoni und Ivan Gotti (Giro-Gewinner 1997 und 1999) aus Italien. Ein neuerliches Comeback mit Fragezeichen wagt Marco Pantani (It), derweil mit Richard Virenque ein weiterer Protagonist der Neunziger-Jahre die erste Rundfahrt von Bedeutung seit seiner Dopingsperre bestreitet.

 


"Ein Etappensieg ist mein Ziel"

"Die Züri-Metzgete" hat mich unglaublich viel Kraft gekostet. Ich hatte die ganze Woche noch daran zu beissen", sagte Oscar Camenzind auf die Frage, wie er sich momentan fühle. Für den am 12. September den 30 Geburtstag feiernden Gersauer ist das Strassenrennen in Zürich eines der härtesten Eintagesrennen, das es gibt. Camenzind fuhr in der vergangenen Woche zudem vier Eintagesrennen in Italien, aber die Kraft hatte ihm gefehlt, diese Rennen jeweils zu Ende zu fahren. Die letzten Tage galten darum vor allem der Erholung, um Energie zu sammeln für die schwere, drei Wochen dauernde "Vuelta". Bereits heute reist Ösi nach Spanien, wo morgen die ärztlichen Kontrollen durchgeführt werden. Dazu sagt er: "Wegen diesen Kontrollen müssen wir Fahrer immer früher an die Rundfahrten anreisen. Dies war noch vor wenigen Jahren ganz anders.

Mit der Saison bisher zufrieden

Oscar Camenzind hat im Frühjahr den Klassiker Lüttich - Bastogne - Lüttich zu seinen Gunsten entschieden. Vor allem wegen dieses prestigeträchtigen Sieges blickt Ösi zufrieden auf den bisherigen Saisonverlauf zurück: "Man muss heute froh sein, wenn man von den wenigen Gelegenheiten, die einem pro Saison geboten werden, eine ausnützen kann. Viele Fahrer setzen sich ganz klare Ziele, und es wird immer schwieriger, noch Rennen gewinnen zu können." Zudem ist der Rennkalender das ganze Jahr hindurch so voll, dass die Fahrer gezwungen werden, die Saison immer sorgfältiger zu planen. Camenzind geht denn auch nicht mit allzu grossen Ambitionen in die "Vuelta": "Ich hoffe, dass mir ein Etappensieg gelingt, dann bin ich schon mehr als zufrieden."
Ganz andere Ziele hat der Gersauer dann im Oktober. Dann findet in Portugal die Weltmeisterschaft statt und als letztes Weltcuprennen die Lombardei-Rundfahrt. In diesen zwei Rennen will Ösi an der Spitze mitmischen, wobei auch dannzumal viel vom Rennverlauf abhängt: "Man muss in solchen Rennen auch etwas Glück haben, dass man den richtigen Abgang erwischt. Aber ich werde es auf jeden Fall versuchen."

Für wen fährt ösi im nächsten Jahr

Seit dem 1. September dürfen Fahrer (offiziell) mit neuen Mannschaften verhandeln. Wie immer in dieser Jahreszeit werden in den Medien Spekulationen herumgeboten. Das war in den vergangenen Wochen nicht anders. Oscar Camenzind hat nach wie vor noch keinen neuen Vertrag unterschrieben. Ösi zu diesem Thema: Noch bin ich bei LAMPRE unter Vertrag. Aber es gibt ein Angebot beim Hörgeräthersteller PHONAK. Die kommenden Wochen werden eine Entscheidung bringen. Ich kann mir aber vorstellen, dass ich in der kommenden Saison für PHONAK fahren werde. Definitiv ist aber noch gar nichts."
Nach der Lombardei-Rundfahrt am 20. Oktober hat Oscar Camenzind noch einen sehr wichtigen Termin: Nur eine Woche später führt er seine Angela Oeschger in Gersau vor den Traualtar.

Aus: Bote der Urschweiz von Alfred Wolf


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