Vuelta 1998

 

 

 

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Rückblick

In letzter Minute quasi wurde Oscar für die VUELTA aufgeboten. Der als Leader der MAPEI-Mannschaft vorgesehene Pavel Tonkov stürzte am vergangenen Sonntag beim GP Melinda und brach sich das Steissbein. Die Teamleitung bot daraufhin Gabriele Missaglia als Ersatz auf.
Der Inhaber des MAPEI-Imperiums, Dr. Giorgio Squinzi legte daraufhin sein Veto ein und forderte ultimativ die Mannschaftsleitung auf das stärkste Team zu nominieren und für den verletzten Pavel Tonkov Oscar Camenzind nachzumelden. Auch eine telefonische Intervention unsererseits konnte Dr. Squinzi nicht mehr von seinem Entschluss abbringen. Er entschied endgültig, dass Oscar die Vuelta fahren muss.
Oscar zeigte sich selbstverständlich von diesem kurzfristigen Entschluss nicht sehr erfreut, zumal seine ganze Saisonplanung gravierend geändert wird und er - nach Abwesenheit durch die Portugal-Rundfahrt und die nachfolgenden italienischen Rennen - nun schon wieder mehr als drei Wochen von zu Hause weg ist. Zudem ist er, wenn auch die Formkurve stark nach aufwärts zeigt, physisch und psychisch nicht optimal auf eine dreiwöchige grosse Rundfahrt eingestellt.
Oscar wird versuchen, das Beste aus dieser Situation zu machen und je nach Verlauf des Rennens seine sportliche Zielsetzung entsprechend auszurichten. Die Vorbereitung auf die STRASSENWELTMEISTERSCHAFT geniesst dabei weiterhin allerhöchste Priorität.
Tief betroffen zeigte sich Oscar auch, dass er seine Startverpflichtungen in Elgg, Liestal und Karlsruhe ebensowenig erfüllen kann wie die Teilnahme als Titelverteidiger am GP Tell.

  Nach einem Zeitfahren auf einem Parcours der nicht gerade auf Oscars Fähigkeiten zugeschnitten war (sehr flach, wenig Kurven, stark windig) zeigte sich Oscar mit seinem 25. Rang und vor allem mit dem Zeitverlust von 2'43" auf den überragenden Sieger Abraham Olano insofern zufrieden als das Resultat im Rahmen seiner Fähigkeiten lag.
 
Das Gesamtklassement der Vuelta hat nach der ersten schweren Bergetappe Konturen angenommen und die Tourfavoriten auf die vordersten Plätze gebracht. Phantastisch hielt sich dabei auch Oscar der seine Prachtsform bewies. In der Verfolgergruppe hinter Solosieger Jimenez belegte Oscar den phantastischen 5. Rang,
zeitgleich mit den meistgenannten Tourfavoriten Laurent Jalabert und Alex Zülle. Im Gesamtklassement hievte sich Oscar damit auf Rang 8. Ein Fragezeichen ist allerdings hinter die Mannschaft Mapei zu setzen. Diese ist schon arg dezimiert und in den Bergen wird Oscar wohl kaum mit Unterstützung rechnen können. Allerdings ist diese Situation für ihn nicht neu, denn auch anlässlich der Tour de France von 1997 war er ohne mannschaftliche Unterstützung ein bravouröses Rennen gefahren.
Eine glänzende Etappe fuhr Oscar an der ersten sehr schweren Bergetappe mit Ankunft auf Estacio de Pal in Andorra auf 1900 m.ü.M. und einer Höhendifferenz von 660 Metern. Aus einer ersten Verfolgergruppe griff Oscar sowohl am zweitletzten
Pass auch als im Aufstieg zum Ziel zweimal an. Alleine auf sich gestellt musste er aber beide Male seine Fluchtversuche wieder aufgeben und erklärte nachher, dass er wohl besser seine Kräfte auf den Schlussanstieg aufgespart hätte. Immerhin überquerte er als erster der Verfolger das Zielband auf dem phantastischen vierten Rang, zeitgleich mit u.a. Leader Olano, Jalabert und Zülle, alles die meistgenannten Tourfavoriten. Im Gesamtklassement brachte ihn dieser Tag auf den 10. Rang mit einem Rückstand von lediglich 2'44" auf Abraham Olano. Eine feine Leistung wenn
man bedenkt, dass er in seiner stark dezimierten MAPEI-Equipe über keine valablen Helfer mehr verfügt.
Einen herben Rückschlag erlitt Oscar in der 19. Etappe der VUELTA. In einer Abfahrt entstanden durch eine sehr aggressive Fahrweise der ONCE-Mannschaft verschiedene Lücken und es bildeten sich einzelne Grüpplein. Oscar verlor so den Kontakt mit den Spitzenfahrern. Da keine effektive Nachführarbeit mehr verrichtet
wurde und Oscar (wie an dieser VUELTA schon gewohnt) auch keine Mannschaftskollegen bei sich hatte, konnte er den Rückstand nicht mehr gutmachen und verlor schlussendlich mehr als 15 Minuten und damit den Platz unter den Top-Ten der diesjährigen Spanienrundfahrt. Dies ist umso ärgerlicher als er eigentlich sehr gute Beine hatte und zuversichtlich war, die Rundfahrt in den zehn besten Positionen zu beenden.
In der letzten schweren Bergetappe zeigte sich Oscar erneut von seiner kämpferischen Seite und war lange Zeit an der Spitze zu sehen. Trotz bravouröser Leistung wurde sein Kampfgeist nicht ganz belohnt. Wenn man bedenkt, dass die VUELTA nicht im Rennkalender vorgesehen war und Oscar kurzfristig und ohne
entsprechende Vorbereitung aufgeboten wurde und dies erst noch mit einem desolaten MAPEI-Team, darf er mit seinem 16. Schlussrang doch mehr als zufrieden sein. 
 

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