|

Rückblick
In letzter
Minute quasi wurde Oscar für die VUELTA aufgeboten. Der als Leader
der MAPEI-Mannschaft vorgesehene Pavel Tonkov stürzte am vergangenen
Sonntag beim GP Melinda und brach sich das Steissbein. Die Teamleitung
bot daraufhin Gabriele Missaglia als Ersatz auf.
Der Inhaber des MAPEI-Imperiums, Dr. Giorgio Squinzi legte daraufhin
sein Veto ein und forderte ultimativ die Mannschaftsleitung auf
das stärkste Team zu nominieren und für den verletzten Pavel Tonkov
Oscar Camenzind nachzumelden. Auch eine telefonische Intervention
unsererseits konnte Dr. Squinzi nicht mehr von seinem Entschluss
abbringen. Er entschied endgültig, dass Oscar die Vuelta fahren
muss.
Oscar zeigte sich selbstverständlich von diesem kurzfristigen Entschluss
nicht sehr erfreut, zumal seine ganze Saisonplanung gravierend geändert
wird und er - nach Abwesenheit durch die Portugal-Rundfahrt und
die nachfolgenden italienischen Rennen - nun schon wieder mehr als
drei Wochen von zu Hause weg ist. Zudem ist er, wenn auch die Formkurve
stark nach aufwärts zeigt, physisch und psychisch nicht optimal
auf eine dreiwöchige grosse Rundfahrt eingestellt.
Oscar wird versuchen, das Beste aus dieser Situation zu machen und
je nach Verlauf des Rennens seine sportliche Zielsetzung entsprechend
auszurichten. Die Vorbereitung auf die STRASSENWELTMEISTERSCHAFT
geniesst dabei weiterhin allerhöchste Priorität.
Tief betroffen zeigte sich Oscar auch, dass er seine Startverpflichtungen
in Elgg, Liestal und Karlsruhe ebensowenig erfüllen kann wie die
Teilnahme als Titelverteidiger am GP Tell.
| |
Nach
einem Zeitfahren auf einem Parcours der nicht gerade auf Oscars
Fähigkeiten zugeschnitten war (sehr flach, wenig Kurven, stark
windig) zeigte sich Oscar mit seinem 25. Rang und vor allem
mit dem Zeitverlust von 2'43" auf den überragenden Sieger
Abraham Olano insofern zufrieden als das Resultat im Rahmen
seiner Fähigkeiten lag.
|
Das
Gesamtklassement der Vuelta hat nach der ersten schweren Bergetappe
Konturen angenommen und die Tourfavoriten auf die vordersten
Plätze gebracht. Phantastisch hielt sich dabei auch Oscar der
seine Prachtsform bewies. In der Verfolgergruppe hinter Solosieger
Jimenez belegte Oscar den phantastischen 5. Rang,
zeitgleich mit den meistgenannten Tourfavoriten Laurent Jalabert
und Alex Zülle. Im Gesamtklassement hievte sich Oscar damit
auf Rang 8. Ein Fragezeichen ist allerdings hinter die Mannschaft
Mapei zu setzen. Diese ist schon arg dezimiert und in den Bergen
wird Oscar wohl kaum mit Unterstützung rechnen können. Allerdings
ist diese Situation für ihn nicht neu, denn auch anlässlich
der Tour de France von 1997 war er ohne mannschaftliche Unterstützung
ein bravouröses Rennen gefahren.
|
Eine
glänzende Etappe fuhr Oscar an der ersten sehr schweren Bergetappe
mit Ankunft auf Estacio de Pal in Andorra auf 1900 m.ü.M. und
einer Höhendifferenz von 660 Metern. Aus einer ersten Verfolgergruppe
griff Oscar sowohl am zweitletzten
Pass auch als im Aufstieg zum Ziel zweimal an. Alleine auf sich
gestellt musste er aber beide Male seine Fluchtversuche wieder
aufgeben und erklärte nachher, dass er wohl besser seine Kräfte
auf den Schlussanstieg aufgespart hätte. Immerhin überquerte
er als erster der Verfolger das Zielband auf dem phantastischen
vierten Rang, zeitgleich mit u.a. Leader Olano, Jalabert und
Zülle, alles die meistgenannten Tourfavoriten. Im Gesamtklassement
brachte ihn dieser Tag auf den 10. Rang mit einem Rückstand
von lediglich 2'44" auf Abraham Olano. Eine feine Leistung
wenn
man bedenkt, dass er in seiner stark dezimierten MAPEI-Equipe
über keine valablen Helfer mehr verfügt.
|
Einen
herben Rückschlag erlitt Oscar in der 19. Etappe der VUELTA.
In einer Abfahrt entstanden durch eine sehr aggressive Fahrweise
der ONCE-Mannschaft verschiedene Lücken und es bildeten sich
einzelne Grüpplein. Oscar verlor so den Kontakt mit den Spitzenfahrern.
Da keine effektive Nachführarbeit mehr verrichtet
wurde und Oscar (wie an dieser VUELTA schon gewohnt) auch keine
Mannschaftskollegen bei sich hatte, konnte er den Rückstand
nicht mehr gutmachen und verlor schlussendlich mehr als 15 Minuten
und damit den Platz unter den Top-Ten der diesjährigen Spanienrundfahrt.
Dies ist umso ärgerlicher als er eigentlich sehr gute Beine
hatte und zuversichtlich war, die Rundfahrt in den zehn besten
Positionen zu beenden.
|
In
der letzten schweren Bergetappe zeigte sich Oscar erneut von
seiner kämpferischen Seite und war lange Zeit an der Spitze
zu sehen. Trotz bravouröser Leistung wurde sein Kampfgeist nicht
ganz belohnt. Wenn man bedenkt, dass die VUELTA nicht im Rennkalender
vorgesehen war und Oscar kurzfristig und ohne
entsprechende Vorbereitung aufgeboten wurde und dies erst noch
mit einem desolaten MAPEI-Team, darf er mit seinem 16. Schlussrang
doch mehr als zufrieden sein. |
|