Wiedergutmachung für Festina, Olano, Jalabert
und Co.
Die am Samstag in Cordoba beginnende Spanien-Rundfahrt
bietet zahlreichen Radprofis die Möglichkeit, die bis dahin unbefriedigende
Saison doch noch mit Erfolg ausklingen zu lassen. Zu ihnen gehören
die mehrheitlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Jalabert
und Olano, aber auch die aus der Tour de France ausgeschlossenen
Festina-Fahrer.
Die Vuelta ist ein Rennen der Schweizer geworden. Seit 1992 gab
es mit einer Ausnahme (Jalabert 1995) ausschliesslich Schweizer
Gesamtsiege. Zunächst gewann Tony Rominger dreimal, hernach war
die Reihe 1996 und 1997 an Alex Zülle. Der 30 Jahre alte Ostschweizer,
im Giro geschlagen und in der Tour mit Festina ins Dopingschlamassel
geraten, zählt auch diesmal zu den Favoriten. Vor einem Jahr war
Zülle nach Sturzverletzungen unter weit ungünstigeren Voraussetzungen
gestartet und trotzdem überlegen vor Fernando Escartin und Laurent
Dufaux Gesamtsieger geworden. Zülle sagt, er sei im Moment etwa
doppelt so gut in Form wie vor der Vuelta 1997.
Zülles drittem Gesamtsieg in Folge könnte ausgerechnet Teamkollege
Richard Virenque (29) im Wege stehen. Der Schweizer ist sich mannschaftsinterne
Rivalität indes hinlänglich gewohnt. In den Jahren bei Once stand
er wegen Laurent Jalabert meistens vor der gleichen Situation, musste
jedoch seine eigenen Ambitionen kaum je hintenanstellen. Für den
Franzosen Virenque, den vierfachen Bergkönig der Tour de France,
wäre es an der Zeit, endlich einmal eine grosse Rundfahrt zu gewinnen.
Festina mit drei Favoriten
Als dritter Festina-Fahrer startet Laurent
Dufaux (29) mit Blick aufs Gesamtklassement. Der Waadtländer beendete
die beiden vergangenen Austragungen jeweils auf dem Podest. Im Gegensatz
zu Zülle und Virenque hat Dufaux mit der Tour de Romandie und dem
Midi Libre heuer schon zwei ansehnliche Etappenrennen gewonnen und
steht somit weniger unter Druck. Virenque und Dufaux dürften die
insgesamt vier Bergankünfte zum Vorteil gereichen, Zülle wird sein
Potential in den beiden Zeitfahren über jeweils 40 km ausspielen
wollen.
Die Zeitfahren zählen auch zu den Stärken des früheren Strassen-Weltmeisters
Abraham Olano. Der 28jährige Spanier startet wie 1997 als einer
meistgenannten Sieganwärter, obwohl er den Beweis noch längst nicht
angetreten hat, dereinst Nachfolger von Miguel Indurain zu werden.
Im Vorjahr gab Olano die Vuelta ebenso auf wie in diesem Sommer
die Tour de France.
Nach sieben Flachetappen disloziert der Vuelta-Tross nach Mallorca,
wo die Favoriten in der ersten Prüfung gegen die Uhr die Karten
auf den Tisch legen müssen. Die erste Bergankunft steht in der 10.
Etappe in Andorra auf dem Programm. Den neun Flachetappen stehen
elf Teilstücke in den Bergen gegenüber. Die Spanien-Rundfahrt hat
sich im vergangenen Jahr als erfolgsversprechendes WM-Vorbereitungsrennen
erwiesen. Die vier Erstklassierten der Tour de France fehlen zwar,
trotzdem ist die Besetzung ausgezeichnet.
Als Nummer 1 der Weltrangliste würde Jalabert (30) ein zweiter Vuelta-Gesamtsieg
gut anstehen. In der Tour de France brach der Franzose wie schon
oft ein, und in den Eintagesrennen vermochte er sich nicht so häufig
wie gewohnt durchzusetzen. Dank den Fortschritten in den Zeitfahren
und dem starken Team im Rücken ist Jalabert mindestens ein Platz
auf dem Podest zuzutrauen, falls er seinen beinahe zur Regel gewordenen
"jour sans" vermeiden kann.
Camenzind für verletzten Tonkow
dabei
Aussenseiterchancen besitzt der kurzfristig anstelle
des verletzten Russen Pawel Tonkow aufgebotene Oscar Camenzind.
Als Gesamtvierter des Giro d'Italia hat der 27jährige Schwyzer seine
Qulitäten einmal mehr unter Beweis gestellt. Allerdings ist die
Frage offen, ob Camenzind nach der Gesässoperation und der damit
verbundenden Pause wieder ausreichend in Form ist, um in Spanien
zu reüssieren.
In letzter Minute wegen einer Knieverletzung Forfait erklären musste
Bjarne Riis. Der Tour-de-France-Sieger von 1996 hätte sich auf Spaniens
Strassen für eine Saison ohne Spitzenergebnisse revanchieren können.
Keine Gelegenheit zur Rehabilitation erhält auch der ursprünglich
gemeldete Italiener Ivan Gotti. Der Giro-Sieger von 1997 kämpft
nach wie vor mit gesundheitlichen Problemen. In der Mannschaft des
abwesenden Gotti (Saeco) beteiligt sich auch der Ostschweizer Philipp
Buschor (27) an der 53. Vuelta España. (Quelle si).