Vuelta 1998

 

 

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Wiedergutmachung für Festina, Olano, Jalabert und Co.

Die am Samstag in Cordoba beginnende Spanien-Rundfahrt bietet zahlreichen Radprofis die Möglichkeit, die bis dahin unbefriedigende Saison doch noch mit Erfolg ausklingen zu lassen. Zu ihnen gehören die mehrheitlich hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Jalabert und Olano, aber auch die aus der Tour de France ausgeschlossenen Festina-Fahrer.

Die Vuelta ist ein Rennen der Schweizer geworden. Seit 1992 gab es mit einer Ausnahme (Jalabert 1995) ausschliesslich Schweizer Gesamtsiege. Zunächst gewann Tony Rominger dreimal, hernach war die Reihe 1996 und 1997 an Alex Zülle. Der 30 Jahre alte Ostschweizer, im Giro geschlagen und in der Tour mit Festina ins Dopingschlamassel geraten, zählt auch diesmal zu den Favoriten. Vor einem Jahr war Zülle nach Sturzverletzungen unter weit ungünstigeren Voraussetzungen gestartet und trotzdem überlegen vor Fernando Escartin und Laurent Dufaux Gesamtsieger geworden. Zülle sagt, er sei im Moment etwa doppelt so gut in Form wie vor der Vuelta 1997.

Zülles drittem Gesamtsieg in Folge könnte ausgerechnet Teamkollege Richard Virenque (29) im Wege stehen. Der Schweizer ist sich mannschaftsinterne Rivalität indes hinlänglich gewohnt. In den Jahren bei Once stand er wegen Laurent Jalabert meistens vor der gleichen Situation, musste jedoch seine eigenen Ambitionen kaum je hintenanstellen. Für den Franzosen Virenque, den vierfachen Bergkönig der Tour de France, wäre es an der Zeit, endlich einmal eine grosse Rundfahrt zu gewinnen.

Festina mit drei Favoriten

Als dritter Festina-Fahrer startet Laurent Dufaux (29) mit Blick aufs Gesamtklassement. Der Waadtländer beendete die beiden vergangenen Austragungen jeweils auf dem Podest. Im Gegensatz zu Zülle und Virenque hat Dufaux mit der Tour de Romandie und dem Midi Libre heuer schon zwei ansehnliche Etappenrennen gewonnen und steht somit weniger unter Druck. Virenque und Dufaux dürften die insgesamt vier Bergankünfte zum Vorteil gereichen, Zülle wird sein Potential in den beiden Zeitfahren über jeweils 40 km ausspielen wollen.

Die Zeitfahren zählen auch zu den Stärken des früheren Strassen-Weltmeisters Abraham Olano. Der 28jährige Spanier startet wie 1997 als einer meistgenannten Sieganwärter, obwohl er den Beweis noch längst nicht angetreten hat, dereinst Nachfolger von Miguel Indurain zu werden. Im Vorjahr gab Olano die Vuelta ebenso auf wie in diesem Sommer die Tour de France.

Nach sieben Flachetappen disloziert der Vuelta-Tross nach Mallorca, wo die Favoriten in der ersten Prüfung gegen die Uhr die Karten auf den Tisch legen müssen. Die erste Bergankunft steht in der 10. Etappe in Andorra auf dem Programm. Den neun Flachetappen stehen elf Teilstücke in den Bergen gegenüber. Die Spanien-Rundfahrt hat sich im vergangenen Jahr als erfolgsversprechendes WM-Vorbereitungsrennen erwiesen. Die vier Erstklassierten der Tour de France fehlen zwar, trotzdem ist die Besetzung ausgezeichnet.

Als Nummer 1 der Weltrangliste würde Jalabert (30) ein zweiter Vuelta-Gesamtsieg gut anstehen. In der Tour de France brach der Franzose wie schon oft ein, und in den Eintagesrennen vermochte er sich nicht so häufig wie gewohnt durchzusetzen. Dank den Fortschritten in den Zeitfahren und dem starken Team im Rücken ist Jalabert mindestens ein Platz auf dem Podest zuzutrauen, falls er seinen beinahe zur Regel gewordenen "jour sans" vermeiden kann.

Camenzind für verletzten Tonkow dabei

Aussenseiterchancen besitzt der kurzfristig anstelle des verletzten Russen Pawel Tonkow aufgebotene Oscar Camenzind. Als Gesamtvierter des Giro d'Italia hat der 27jährige Schwyzer seine Qulitäten einmal mehr unter Beweis gestellt. Allerdings ist die Frage offen, ob Camenzind nach der Gesässoperation und der damit verbundenden Pause wieder ausreichend in Form ist, um in Spanien zu reüssieren.

In letzter Minute wegen einer Knieverletzung Forfait erklären musste Bjarne Riis. Der Tour-de-France-Sieger von 1996 hätte sich auf Spaniens Strassen für eine Saison ohne Spitzenergebnisse revanchieren können. Keine Gelegenheit zur Rehabilitation erhält auch der ursprünglich gemeldete Italiener Ivan Gotti. Der Giro-Sieger von 1997 kämpft nach wie vor mit gesundheitlichen Problemen. In der Mannschaft des abwesenden Gotti (Saeco) beteiligt sich auch der Ostschweizer Philipp Buschor (27) an der 53. Vuelta España. (Quelle si).


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