WM 1997

 

WM '97 in San Sebastina - Strassenrennen Elite/Männer

Distanz: 19 Runden à 13.5 km = 256.5 km


Wenig Lohn für sehr viel Arbeit

Die Schweizer Radprofis wurden bei der WM in San Sebastian für ihr engagiertes Rennen schlecht belohnt.

Von Jürg Casanova (Tages-Anzeiger)

Laurent Dufaux Sechster und Letzter der von seinem Teamkameraden Laurent Brochard gemeisterten Spitzengruppe, Mauro Gianetti 16 Sekunden zurück Zwölfter - resultatmässig hatten die Schweizer von der Strassen-WM in San Sebastian bestimmt mehr erwartet. Wolfram Lindner, der Coach, wäre der letzte gewesen, dies abzustreiten. "Aber ich bin dennoch nicht unzufrieden", sagte er. "Wir sind aktiv gefahren, wir haben etwas versucht, waren praktisch in allen Gruppen vertreten. Nur wenn wir zu passiv gewesen wären, hätten wir jetzt Grund, uns zu ärgern." Tony Rominger und Roland Meier hatten das Rennen in der siebten von insgesamt 19 Runden à 13,5 km lanciert. Obwohl sie in ihrer Gruppe nur ungenügend Unterstützung fanden, zwangen sie die italienische Mannschaft während rund 50 km, sich an der Spitze des Feldes einzureihen, um die zweieinhalb Minuten Rückstand aufzuholen.

"Mit dieser Aktion wollte ich meinen Teil für die Mannschaft leisten, denn es war mir klar, dass ich ein Rennen von 260 km nicht würde durchstehen können. Wegen meiner Bronchitis habe ich nach der Vuelta während zwei Wochen täglich nicht mehr als zwei Stunden trainiert und mich nur auf das Zeitfahren vorbereitet", sagte Rominger. Auf seinem Programm hat er nun noch ein Benefiz-Kriterium in Fuenlabrada für den dort vor einem Jahr tödlich verunfallten José-Luis Espinoza, ein Zeitfahren in Les Herbiers und zum Karriereabschluss am 2. November in Valencia ein Kriterium. Dort hat vor einem Jahr auch Miguel Indurain sein letztes Rennen bestritten. Und der Stundenweltrekord? "Michele Ferrari ruft mich fast täglich an, aber ich will mir das gut überlegen, denn schliesslich bin ich es ja dann, der sich für diesen Versuch zu schinden hat", wollte sich Rominger nicht festlegen.

Richards frühes Aus

Der erste Schweizer, der an die Boxen fuhr, war in der zehnten Runde Pascal Richard. "Statt mich von den Efforts in der Vuelta zu erholen, bin ich schon am nächsten Tag zur Apulien-Rundfahrt gestartet. Das war ein Fehler. Ich fühlte mich schon seit mehreren Tagen völlig schlapp", erklärte der Romand, der zusätzlich über Magenschmerzen klagte.

"Wenn man im Feld mitfuhr, fühlte man sich stark, aber zwei Runden in einer kleinen Gruppe voraus und dem starken Wind ausgesetzt, dann kam plötzlich der Hammermann", erzählte Rolf Järmann. Der Ostschweizer war nicht der einzige, dem es so erging. Beat Zberg verschwand nach einem "Ausflug" in der zwölften Runde plötzlich von der Bildfläche, und Alex Zülle musste sich in der 14. Runde aus einer hochkarätigen Spitzengruppe mit Bugno, Virenque, Bartoli und Riis auf der Ebene dem Meer entlang zurückfallen lassen. "Ich hatte plötzlich keine Kraft mehr", kommentierte der Vuelta-Sieger.

Im Finish nicht frisch genug

Oscar Camenzind gehörte wie Armin Meier und Fabian Jeker zu den Betroffenen des Sturzes von Andrea Tafi zu Beginn der drittletzten Runde. Camenzind, der nach eigenen Aussagen im Finale noch über gute Beine verfügte, versuchte in zwei Anläufen vergeblich, den Anschluss an die vordere Gruppe wiederherzustellen. So blieben vorne nur noch Laurent Dufaux und Mauro Gianetti übrig, beides von Haus aus keine endschnellen Leute "und", so der Romand, "beide nicht mehr frisch genug, um auf eigene Faust noch etwas wagen zu können."

Resultate: 

  1. Laurent Brochard (Frankreich), 256,5 km in 6.16.48 (40,843 km/h)
  2. Bo Hamburger (Dänemark)
  3. Leon van Bon (Niederlande)
  4. Udo Bölts (Deutschland)
  5. Melchor Mauri (Spanien)
  6. Laurent Dufaux (Schweiz) alle gleiche Zeit
  7. Lauri Aus (Estand) + 0.09
  8. Johan Museeuw (Belgien) + 0.16
  9. Glenn Magnusson (Schweden)
  10. Michele Bartoli (Italien)
  11. Laurent Jalabert (Frankreich)
  12. Mauro Gianetti (Schweiz)
  13. Francesco Casagrande (Italien)
  14. Davide Rebellin (Italien) alle gleiche Zeit
  15. Aart Vierhouten (Niederlande) + 0.49
  16. Jens Zemke (Deutschland) + 0.50
  17. Henk Vogels (Australien) + 0.57
  18. Andrej Tchmil (Moldawien)
  19. Cedric Vasseur (Frankreich) alle gleiche Zeit
  20. Andrea Tafi (Italien) + 0.58
  21. Oscar Camenzind (Schweiz)
  22. Lars Michaelsen (Dänemark)
  23. Jo Planckaert (Belgien)
  24. Nicolas Jalabert (Frankreich)
  25. Piotr Ugrumov (Russland)
  26. Kai Hundertmarck (Deutschland)
  27. Wilfried Peeters (Belgien)
  28. Chris Horner (USA)
  29. Zbigniew Piatek (Polen)
  30. Angel Edo (Spanien)
  31.   161 Starter, 87 im Ziel

 

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