Von
Jürg Casanova (Tages-Anzeiger)
Laurent
Dufaux Sechster und Letzter der von seinem Teamkameraden Laurent
Brochard gemeisterten Spitzengruppe, Mauro Gianetti 16 Sekunden
zurück Zwölfter - resultatmässig hatten die Schweizer von der Strassen-WM
in San Sebastian bestimmt mehr erwartet. Wolfram Lindner, der Coach,
wäre der letzte gewesen, dies abzustreiten. "Aber ich bin dennoch
nicht unzufrieden", sagte er. "Wir sind aktiv gefahren,
wir haben etwas versucht, waren praktisch in allen Gruppen vertreten.
Nur wenn wir zu passiv gewesen wären, hätten wir jetzt Grund, uns
zu ärgern." Tony Rominger und Roland Meier hatten das Rennen
in der siebten von insgesamt 19 Runden à 13,5 km lanciert. Obwohl
sie in ihrer Gruppe nur ungenügend Unterstützung fanden, zwangen
sie die italienische Mannschaft während rund 50 km, sich an der
Spitze des Feldes einzureihen, um die zweieinhalb Minuten Rückstand
aufzuholen.
"Mit
dieser Aktion wollte ich meinen Teil für die Mannschaft leisten,
denn es war mir klar, dass ich ein Rennen von 260 km nicht würde
durchstehen können. Wegen meiner Bronchitis habe ich nach der Vuelta
während zwei Wochen täglich nicht mehr als zwei Stunden trainiert
und mich nur auf das Zeitfahren vorbereitet", sagte Rominger.
Auf seinem Programm hat er nun noch ein Benefiz-Kriterium in Fuenlabrada
für den dort vor einem Jahr tödlich verunfallten José-Luis Espinoza,
ein Zeitfahren in Les Herbiers und zum Karriereabschluss am 2. November
in Valencia ein Kriterium. Dort hat vor einem Jahr auch Miguel Indurain
sein letztes Rennen bestritten. Und der Stundenweltrekord? "Michele
Ferrari ruft mich fast täglich an, aber ich will mir das gut überlegen,
denn schliesslich bin ich es ja dann, der sich für diesen Versuch
zu schinden hat", wollte sich Rominger nicht festlegen.
Richards frühes
Aus
Der
erste Schweizer, der an die Boxen fuhr, war in der zehnten Runde
Pascal Richard. "Statt mich von den Efforts in der Vuelta zu
erholen, bin ich schon am nächsten Tag zur Apulien-Rundfahrt gestartet.
Das war ein Fehler. Ich fühlte mich schon seit mehreren Tagen völlig
schlapp", erklärte der Romand, der zusätzlich über Magenschmerzen
klagte.
"Wenn
man im Feld mitfuhr, fühlte man sich stark, aber zwei Runden in
einer kleinen Gruppe voraus und dem starken Wind ausgesetzt, dann
kam plötzlich der Hammermann", erzählte Rolf Järmann. Der Ostschweizer
war nicht der einzige, dem es so erging. Beat Zberg verschwand nach
einem "Ausflug" in der zwölften Runde plötzlich von der
Bildfläche, und Alex Zülle musste sich in der 14. Runde aus einer
hochkarätigen Spitzengruppe mit Bugno, Virenque, Bartoli und Riis
auf der Ebene dem Meer entlang zurückfallen lassen. "Ich hatte
plötzlich keine Kraft mehr", kommentierte der Vuelta-Sieger.
Im Finish
nicht frisch genug
Oscar
Camenzind gehörte wie Armin Meier und Fabian Jeker zu den Betroffenen
des Sturzes von Andrea Tafi zu Beginn der drittletzten Runde. Camenzind,
der nach eigenen Aussagen im Finale noch über gute Beine verfügte,
versuchte in zwei Anläufen vergeblich, den Anschluss an die vordere
Gruppe wiederherzustellen. So blieben vorne nur noch Laurent Dufaux
und Mauro Gianetti übrig, beides von Haus aus keine endschnellen
Leute "und", so der Romand, "beide nicht mehr frisch
genug, um auf eigene Faust noch etwas wagen zu können."
Resultate: