| Pascal
Meisser führte für den Schweizer Tages-Anzeiger dieses Interview:
"Es
geht alles drunter und drüber"
Oscar
Camenzind, am Sonntag hatten Sie nach dem Zieleinlauf noch
immer den Kopf ungläubig geschüttelt. Haben Sie mittlerweilen
realisiert, welch grossen Erfolg Sie erzielt haben?
Nein,
ich habe es noch nicht richtig kapiert. Da werde ich noch
einige Tage dazu benötigen.
Wie haben Sie die Zeit nach dem Titelgewinn erlebt?
Es war ein riesiger Rummel in Valkenburg
gewesen. Ein Interview nach dem andern, Termine um Termine.
Später hatte ich den Sieg mit den übrigen Schweizer gefeiert.
Da blieb fast keine Zeit mehr übrig, um noch zu schlafen.
Und gestern der Empfang im Flughafen Zürich?
Das stellte natürlich alles in den
Schatten. Seit der Ankunft in Zürich geht alles drunter
und drüber. Es hatte mich natürlich riesig gefreut, dass
soviele Mitglieder des Fanclubs zum Flughafen gekommen sind.
Ich hoffe dennoch, dass sich diese Aufregung in der nächsten
Zeit wieder ein bisschen legt. Auch mein Leben wird sich
bald wieder normalisieren.
Was bleibt Ihnen von dieser Ankunft speziell in Erinnerung?
Die Gratulation von Ferdy Kübler auf
der Rolllbahn. Später bat er mich um ein Autogramm und sagte
mir, es sei das erste Mal, dass er einen Rennfahrer um ein
Autogramm bitte! Das ist doch eine tolle Geste. Dazu warte
ich immer noch auf mein Rennrad, mit dem ich am Sonntag
gewonnen habe. Nach der Aufgabe in Brüssel scheint es wie
verschollen zu sein.
Das Image des Schweizer Radsports war nach den Dopinggeständnissen
von Alex Zülle, Laurent Dufaux und Armin Meier angeschlagen.
Denken Sie, dass Sie mit dem Weltmeistertitel zur Image-Aufbesserung
beitragen?
Gewiss. Ich hoffe, dass dieser Titel
dem Schweizer Radsport wieder Auftrieb verleiht. In diesem
Sommer wurden viele Unwahrheiten über unseren Beruf verbreitet.
Schön wäre es, wenn man sich jetzt wieder auf sportliche
Erfolge konzentrieren würde.
Die Weltmeister der vergangenen zehn Jahren hatten in ihrem
Regentenjahr oft mit Pech zu kämpfen. Beunruhigt Sie diese
Vergangenheit?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin grundsätzlich
ein positiv denkender Mensch. Da bringen mich auch solche
Geschichten nicht aus meiner Ruhe. Warten wir doch mal das
kommende Jahr ab.
Wie sieht Ihr Programm für die kommenden Wochen aus?
Morgen (das Interview fand am Montag
nachmittag statt) bin ich bereits wieder nach Italien unterwegs.
Es stehen ja noch zwei Rennen aus. Am Mittwoch bestreite
ich Mailand-Turin, am Samstag die Lombardei-Rundfahrt, das
letzte Weltcuprennen der laufenden Saison. Dann ist Schluss
für dieses Jahr.
Ihre nächsten Ziele?
Zur Zeit mag ich noch überhaupt nicht
Gedanken daran zu verschwenden. Im Winter werde ich mit
den Verantwortlichen meiner neuen Sportgruppe Lampre zusammensitzen
und die Ziele für 1999 besprechen. Aber bereits jetzt dazu
etwas zu sagen wäre verfrüht. |