1998 - Weltmeisterschaft


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Resultate

Interview

WM-Feier 1

WM-Feier 2

Das folgende Interview wurde Mitte Februar 1999 im "Bote der Urschweiz" und "Neue Schwyzer Zeitung" veröffentlicht.

Strassenweltmeister Oscar Camenzind vor der Saison 1999

"Ich bin mir sicher, dass ich diesen Druck verkraften werde"

Die Strassensaison der Radprofis steht vor Europas Toren. Einer der meistbeachteten Fahrer ist Oscar Camenzind. Der Gersauer Weltmeister fürchtet aber den Druck nicht. Im Gegenteil.

Oscar Camenzind, wie haben Sie sich in Ihrer neuen Mannschaft eingelebt?

Sehr gut, ich fühle mich wohl. Die Verantwortlichen sind die gleichen Leute wie in jener Mannschaft, in der ich 1996 mein Profi-Debüt gab. Auch ein Teil der Fahrer war damals schon dabei. Ich habe eine familiäre Ambiance vorgefunden, die mir sehr zusagt. In den vergangenen zwei Jahren bei Mapei waren wir eine rechte Anzahl guter Fahrer, aber viele von uns sind einfach hinzugekauft worden. Jetzt bei Lampre fühle ich mich wohler, was für die Ausübung meines Berufes doch auch ein wichtiger Bestandteil ist.

Als Weltmeister stehen Sie an der Spitze des Teams. Von Ihnen erwartet man viel. Wie gehen Sie mit diesem Druck um?

Ich bin mir sicher, dass ich diesen Druck verkraften werde, obwohl mir eigentlich die Erfahrung abgeht. Ich war ja vorher noch nie Weltmeister. Ich habe meine Ziele und setze alles daran, sie zu erreichen. Aber nur weil ich das WM-Rennen für mich entschieden habe, werde ich mich nicht ändern.

Aber alle Welt will etwas von Ihnen. Zudem gehen wir wohl kaum fehl in der Annahme, dass Ihr Sponsor irgendwann auch Resultate sehen will. Verspüren Sie keine Angst?

Es wird nicht einfach werden. Aber ich lasse mich nicht verrückt machen. Angst zu haben wäre falsch. Ich gehe die neue Saison mit Respekt an.

Sie haben von Ihren Zielen gesprochen. Wie lauten sie konkret?

In erster Linie Giro d'Italia, was extrem schwierig sein wird. Ich werde mich gut vorbereiten. Dann werden die drei Wochen Italien-Rundfahrt zeigen, was läuft. Nachher wissen wir mehr. Wenn ich den Giro gut überstehe, wird auch die Tour de Suisse ein Thema sein. Im Juli folgt eine Pause. Danach steht die Vuelta auf dem Programm, besser geplant als letztes Jahr, als ich das Aufgebot zwei Tage vor Beginn erhielt.

Müssen Sie nicht irgendwann vor dem Giro eine Standortbestimmung vornehmen?

Der GP des Kanton Aargau in Gippingen und die Tour de Romandie bilden die Gelegenheit dazu. Die Romandie werde ich kaum auf Gesamtsieg fahren. Ein hohes Niveau muss ich da jedoch schon aufweisen, sonst wird der Giro problematisch. Ich sage sicher nicht nein, wenn ich vorher schon etwas gewinnen kann.

Die Legende von den Strassenweltmeistern der vergangenen Jahre, die in der folgenden Saison glücklos blieben, hält sich hartnäckig.

In unserer Mannschaft haben wir eine gute Mischung aus Routiniers und jungen Fahrern. Ich bin überzeugt, in einem idealen Team zu sein, um Erfolg zu haben. Gegen die Regel der glücklosen Weltmeister spricht in meinem Fall, dass ich kurz nach dem Gewinn des WM-Titels die Lombar- dei-Rundfahrt für mich entschieden habe.

Bringen die anderen Fahrer ihrem Berufskollegen im Regenbogentrikot Respekt entgegen?

In der Woche nach Valkenburg wie auch im Januar bei der Tour Down Under in Australien habe ich festgestellt, dass man mir mehr Respekt entgegenbringt, ja. Wenn es eng auf eng geht, wird mir mehr Platz gelassen. Vorher war ich einer unter vielen. Damals hatte ich auch Respekt vor den bekannten Namen.

Als Weltmeister müssen Sie Ihren Teamkollegen in bestimmten Situationen auch Anweisungen erteilen. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie als Chef auftreten?

Ich war drei Jahre lang Helfer und kann mich in die Aufgabe meiner Teamkollegen einfühlen. Ich lasse ihnen gewisse Freiheiten. Sie wissen, dass ich dirigiere, und ich bin überzeugt, dass sie sich für mich einsetzen werden. Wenn man als Team Erfolg haben will, muss man jenem Fahrer helfen, der in Form ist. Ich investiere selber alle meine Zeit in meinen Sport. Meine Karriere lässt Parallelen mit einem anderen Beruf zu. Man beginnt unten und steigt die Leiter hinauf. Ich scheue mich nicht, Verantwortung zu übernehmen. Ich denke, das entspricht meinem Charakter.